Deutschlands größtes Schmalspurbahnfest

...ist Geschichte und Erinnerung. Erinnerung, die in Bildern, Videos und Geschichten festgehalten wird und von den Beteiligten noch in vielen Jahren immer wieder gern betrachtet und erzählt wird.

Ein Fest, auf dessen Ausstrahlung alle Mitwirkenden stolz sein können. Über 40000 Besucher kamen in der Festwoche zum Bahn'l ins Erzgebirge, rund 6500 Fahrgäste wurden allein in den historischen Festzügen befördert.

Namentlich allen zu danken, die am Erfolg der Veranstaltung mitgewirkt haben, ist sicher kaum möglich, den Aktiven von Prteßnitztalbahn, Traditionsbahn Radebeul und IG Weißeritztalbahn sei dennoch speziell für ihren Einsatz gedankt.

Wem das Fest nun am meisten genutzt hat? Ganz sicher der Region, den Gemeinden, den Nutznießern des Fremdenverkehrs, den Einwohnern, dem Bekanntheitsgrad der Schmalspurbahn und damit auch ganz sicher ihrem weiteren Erhalt. Natürlich wird der Name der Bahn auch dem künftigen Betreiber helfen - auch wenn prägnannte Vertreter bei der Inspizierung der Veranstaltung sich dessen offensichtlich nicht bewußt waren.

Es wird in Kürze genügend Geschichtenschreiber und Geschichtsfälscher geben, die unsere Arbeit bei dieser Veranstaltung negieren werden, sich dabei gegebenfalls selber auf die Schulter klopfen... Wir wissen um unser Engagement, unsere Zeit und unser Material, daß für die 100-Jahrfeier zum Einsatz kam. Und damit es nicht allzu schnell in Vergessenheit gerät, was im Juli 97 passierte, halten wir die Erinnerung daran aufgeschrieben fest!

Organisation und Planung

Die ersten Aktivitäten der Anliegergemeinden zur Vorbereitung der 100-Jahrfeier der Schmalspurstrecke begannen bereits über ein Jahr vorher. Insbesondere durch den rührigen Chef des Neudorfer Fremdenverkehrsamtes, Gernot Roscher angestoßen, war auch die IG Preßnitztalbahn e.V. von Anfang an dabei, sich an der eisenbahnseitigen Gestaltung zu beteiligen.

Zunächst spielte dabei die Eisenbahn in den Vorstellungen und Ideen der Bürgermeister keine besondere Rolle, zu sehr war man von der Vorstellung eines großen Volksfestes nach Vorbild der 500-Jahrfeier Annabergs begeistert, für die Schmalspurbahn hatte die Gemeinde ja keine Verantwortung. Durch die Fremdenverkehrsgemeinschaft "Oberes Erzgebirge", in der auch alle Bahnanliegergemeinden vertreten sind, wurde Mitte 1996 die "Oberwiesenthaler Marketing Agentur" mit der Organisation und Durchführung der Veranstaltung betraut. Die ursprünglich vom 16. bis 20. Juli geplante Festwoche wurde im Sinne einer günstigeren Vermarktung und thematische Gliederung der Veranstaltung auf den 12. bis 20. Juli gestreckt.

In Kenntnis der fehlenden Möglichkeiten der Deutschen Bahn AG, eine Festwoche mit dem vorhandenen Fahrzeugpark und zusätzlichen Sonderzügen entsprechend zu gestalten, entwickelte der Vorstand der IG Preßnitztalbahn e.V. in Abstimmung mit dem RB Nahverkehr Sachsen der DB AG ein Konzept des Sonderzugverkehrs. Deutlich wurde dabei, daß es für den RB Nahverkehr von extremer Wichtigkeit war, einen kompetenten Ansprechpartner für die Organisation des Eisenbahnbetriebes zu finden. Dieser Standpunkt wurde durch die Deutsche Bahn auch der Marketing-Agentur deutlich gemacht, auf Grund dessen die Verantwortung für den eisenbahnbetrieblichen Teil bei der Preßnitztalbahn verblieb.

Für den Vorstand der Preßnitztalbahn war von Anfang an klar, daß ein derartiges Vorhaben selbst bei Einbindung aller in Frage kommender Mitglieder nicht durch den Verein vollständig abzudecken ist - mit den Vereinen Traditionsbahn Radebeul e.V. und IG Weißeritztalbahn e.V. bestand daher schnelle Einigkeit über ein gemeinsames Auftreten. Zur Abrundung des Festes wurden auch die sächsischen Regelspurvereine (EMBB e.V. Leipzig, SEM e.V. Chemnitz) eingeladen, sich mit Sonderzügen und an einer Fahrzeugausstellung zu beteiligen.

Während der Vorbereitung konnte bei den Verantwortlichen der DB AG ein sehr kooperatives Engagement festgestellt werden. Lediglich DB Cargo zeichnete sich durch überzogene Preisforderungen (Fahrzeugüberführungsfahrten) aus.

Im März 97 wurde durch die Betriebsleitung der Preßnitztalbahn mit dem GB Nahverkehr und dem GB Traktion in Dresden eine Rahmenvereinbahrung über die gemeinsame eisenbahnbetriebliche Ausgestaltung der Festwoche und Verträge über die Bereitstellung von Betriebspersonal und Fahrzeugen unterzeichnet. Das Sonderzugkonzept der Preßnitztalbahn e.V. sah vor, insgesamt 89 Züge innerhalb der 9 Tage zusätzlich zum bestehenden Fahrplan, ausschließlich mit historischen Fahrzeugen, einzusetzen. Als Zubringer organisierte der Verein "Eisenbahnmuseum Bayrischer Bahnhof Leipzig e.V." für das erste Festwochenende 2 Sonderzüge ab Leipzig, während das Verkehrsmuseum Nurnberg am folgenden Wochenende Sonderzüge aus Nürnberg bzw. Dresden fahren lassen wollte. Das SEM e.V. Chemnitz organisierte die Fahrzeuge für die Ausstellung in Cranzahl, der VSE zog sich aus allen Beteiligungen zurück.

Parallel zur Planung der Eisenbahnaktivitäten durch die Preßnitztalbahn , im wesentlichen durch Kay Kreisel und Mario Böhme realisiert, baute sich auch das Rahmenprogramm auf. Eingebunden darin wurden wiederum zahlreiche Vereine, um die Einzelaktionen an der Strecke auszugestalten. Bei Vorlage des Sonderzugkonzeptes zeigte sich aber, daß die Gemeinden nicht bereit waren, das finanzielle Risiko der Veranstaltung zu tragen. Es sollten nur wenige Züge, vor allem an den Wochenenden, verkehren. Auch der Vorschlag der Marketing-Agentur alle Züge "bekanntzugenben", aber nur vorgebuchte Züge bei der DB AG letztendlich zu bestellen, war nicht akzeptabel. Das hätte der Festwoche sehr schnell schlechte Reputation verschafft.

Nach nochmaliger Kalkulation, Analyse der erforderlichen Aufwendungen für den Transport aller Fahrzeuge und Abwägung des wirtschaftlichen Risikos beschloß der Vorstand der IG Preßnitztalbahn e.V. einstimmig, dieses Risiko als Verein selber zu übernehmen.

Vorbereitung

Ende April konnten letztendlich erst die Fahrplanabstimmungen mit der Deutschen Bahn AG stattfinden und der Sonderzugfahrplan bekanntgegeben werden. Während für die Platzreservierung die Zugbildung bereits festzulegen war, mußte auch die Fahrzeugzuführung nach Cranzahl sowie die Personalschulung organisiert werden. Lokführer und Zugführer hatten Einweisungs- bzw. Streckenkundefahrten zu absolvieren um im Sonderzugverkehr eingesetzt werden zu können.

Für die Fahrzeugüberführung nach Jöhstadt wurde im März bereits eine Verladerampe in Schlössel errichtet, das "Gegenstück" entstand am Wochenende 5./6.7. im "Bf Hammer". Von Montag 7.7. bis Mittwoch 9.7. pendelte der Satteltieflader für 16 Fahrzeuge (einschließlich der 4 fremden Fahrzeuge 99 1564 99 4532, 970-314, 970-310) insgesamt 15mal von Jöhstadt nach Hammer sowie für vier Fahrzeuge zweimal von Rittersgrün (Verladung per Kran) nach Hammer. Die 6 Fahrzeuge für den Sonderzug aus Radebeul starteten auf Transportwagen am Donnerstag 10.7. gegen 05.30 Uhr, 07.00 Uhr gesellten sich ab Freital 7 weitere Fahrzeuge hinzu, so daß sich über Chemnitz, Zwickau und Aue ein reiner "Schmalspurzug" ins Gebirge bewegte. Ab Schwarzenberg in zwei Zugteile getrennt, folgte ab Nachmittag in Cranzahl das Abladen und "Sortieren". Am Freitag 11.7. traf auch der Überführungszug der Regelspurfahrzeuge für die Fahrzeugausstellung ein.

Dank täglicher Berichterstattung in der "Freien Presse" durch Lothar Müller war im Landkreis Annaberg eine aktuelle Information gewährleistet.

Ab Mittwoch, 9. Juli, richtete die Preßnitztalbahn in der ehemaligen Fahrkartenverkaufsstelle im Bf Cranzahl ihr Betriebs- und Organisationsbüro ein, hier liefen in der folgenden Woche alle Fäden zur Personal- und Fahrzeugeinsatzplanung des Sonderzugverkehrs zusammen. Mit dem "Probezug" (Überführung der von Oberwiesenthal aus startenden Garnitur) und der letzten praktischen Einweisung der Betriebseisenbahner endete die "Vorbereitung".

Die Veranstaltung hatte begonnen...

Fahrzeuge

Die 100-Jahrfeier der Schmalspurbahn Cranzahl - Oberwiesenthal sollte von Anfang an eine Präsentation der schönsten und interessantesten sächsischen Schmalspurfahrzeuge werden - natürlich immer unter der Prämisse des Verhältnisses von Aufwand und Nutzen.

Ursprünglicher Ansatz war daher, neben den Personenwagen von Preßnitztalbahn und Traditionsbahn Radebeul mit 3 IV K's aus Jöhstadt ( 99 1542, 99 1568, 99 1590) sowie der VI K aus Radebeul (99 713) aufzufahren. Eine IV K sollte dabei als Betriebsreserve zur Verfügung stehen.

Doch die ständigen Verzögerungen bei der Fertigstellung der vereinseigenen Jöhstädter 99 1568 machten bereits im Mai Abstimmungen über ein Ersatzfahrzeug notwendig: 99 1564 der DB AG wurde in den Fahrzeugpool aufgenommen. Mit der Fahrzeuguntersuchung des Rittersgrüner Aussichtswagens in Jöhstadt stand dieser ebenso bereit. Gleichfalls stand fest, die Saugluftfahrzeuge von der Weißeritztalbahn einzubeziehen.. Wenige Tage vor der Veranstaltung bekundete auch die Zittauer Schmalspurbahn Interesse, mit ihrem Oberlichtwagen sowie der 99 4532 als Ausstellungsstück dabei zu sein.

Während sich somit bei den Wagen zwischenzeitlich eine interessante Mischung ergeben hatte, stellte die Radebeuler VI K eine Woche vor Beginn der Festwoche neue Probleme vor die Veranstalter. Durch schmierstofflosen Einsatz der Lok durch das DB-Personal in Radebeul wurde sie trotz eingeleiteter Instandsetzung in Freital letztendlich "nicht einsetzbar" gemeldet. Eine Treibachse mußte zur Ausbesserung nach Meiningen überführt werden. Ersatz wurde vereinbahrungsgemäß und komplikationslos durch die DB AG angeboten: 99 1539 und 99 1608.

Mit 5 betriebsfähigen IV K's gings damit auf unterschiedlichen Wegen (per Bahntransport oder per Tieflader) nach Cranzahl, den Reigen komplettierten die in Jöhstadt ausstellungsgerecht aufgearbeitete 99 1562 aus dem DDM Neuenmarkt-Wirsberg sowie die 99 1566 des sächsischen Eisenbahnmuseums Chemnitz e.V..

Während der Ausfall der 99 1590 am Montag , 14.7., durch den Einsatz der "geplanten Reservelok" kompensiert werden konnte, sorgte die "Schadhaft-Meldung" der 99 1608 am Dienstag für größere Sorgenfalten., zumal erste Schadensbeurteilungen an der Lok hinsichtlich der Reparaturfähigkeit vor Ort wenig erfolgsversprechend aussahen

Für den Abschlußtag waren aber schließlich 3 gleichzeitig verkehrende Sonderzüge vorgesehen - fünf IV K's inklusive.

In Kenntnis der Verteilung der betriebsfähigen IV K`s in Sachsen blieb als einzige Alternative die Anfrage an die Döllnitzbahn, da die Schönheider 99 1582 nicht zur Verfügung standen, bzw. einen enormen Transportaufwand durch den notwendigen Einsatz von Straßentieflader und Autokran in Schönheide und Cranzahl erfordert hätte.

Während auf kurzem Dienstweg mit dem Geschäftsführer der Döllnitzbahn, Herrn Curt, verhandelt wurde, die 99 1584 aus Mügeln für Samstag und Sonntag zur Lokhilfe nach Cranzahl zu beordern, liefen die Arbeiten zur Reparatur der 99 1608 an.

Wiederum Dank operativer Arbeitsweise mit den Geschäftsbereichen der DB AG wurde kurzfristig eine Überführungsfahrt mit einer in Cranzahl zur Fahrzeugausstellung stationierten V100 und Schmalspurtransportwagen nach Oschatz eingelegt. Während 99 1584 am Freitag abends im Bf Cranzahl einrollte, war 99 1608 wider anfänglichen Erwartens wieder einsetzbar, so daß am Samstag, 19.7. schließlich sechs betriebsfähige IV K' s im Einsatz standen. 99 1584 absolvierte am Samstag ihren Zugeinsatz und stand bis Sonntag als Einsatzreserve zur Verfügung.

Während der Festwoche standen damit ständig die erforderliche Anzahl von Loks und Wagen zur Verfügung um die betrieblichen Anforderungen abzudecken.

Schäden und Schadensbehebung

Bei der Organisation einer Veranstaltung mit Einsatz einer derart großen Anzahl historischer Fahrzeuge muß man die Möglichkeit eines Ausfalls von Loks oder Wagen durchaus berücksichtigen. Eine entsprechende Betriebsreserve bei den IV K's und den Reisezugwagen war daher natürlich eingeplant.

Die ersten Ausfälle waren dann auch schon am ersten Wochenende zu verzeichnen, als Armlehnen, Gepäckraufen und eine Fensterscheibe in zwei Personenwage eine Zecherrei nicht überstanden. Mit Hilfe der Fachleute aus der WAS konnten diese über Nacht jeweils repariert werden.

Nicht ganz so flott ging die erforderliche Reparatur an der 99 1590 vor sich, die am 13.7. mit schadhaftem Kreuzkopfbolzen rechts hinten "nicht einsetzbar" gemeldet wurde. In der Werkstatt in Oberwiesenthal wurde der Schaden behoben, am Montagabend nach einem Tag Ausfall war sie wieder einsatzbereit

Schwerwiegender jedoch war die Botschaft der Lokpersonale, die am Dienstag ein unnatürliches Schlagen eines Drehgestells der 99 1608 feststellten. Eigenartiges Schlingern des Drehgestells während der Fahrt ließ keine andere Wahl: "Sofort Abstellen!" Sofort eigeleitete Untersuchungen ließen nur den Schluß auf einen Schaden am Drehzapfen des Drehgestells zu. Doch zu allem Unglück befanden sich alle aussagefähigen Fachleute vom ehemaligen RAW Görlitz sowie der Werkmeister von Freital im Urlaub. Wer konnte die Frage beantworten: Vor Ort reparabel oder nicht reparabel?

Die Betriebsleitung stand vor dem Problem, bei endgültigem Ausfall der Lok für die verbleibenden fünf Tage ohne Reservelok fahren zu müssen. Daraufhin fiel die Entscheidung, "zweigleisig" zu fahren - eine "Ersatzlok" zu suchen, was letztendlich mit der Aushilfe durch 99 1584 erfolgte - und den Versuch der Reparatur der 99 1608 zu unternehmen. Nach unbürokratischer Zustimmung des Eigentümers (RB Nahverkehr) und des Garantie-Dienstleisters (Werk Görlitz) wurde die Reparatur in Cranzahl in Angriff genommen. Von Meiningen, wo er zu einem anderen Zweck Ersatzteile holte, wurde der "Service-Wagen" kurzerhand nach Görlitz umgeleitet, um hier die erforderlichen Gummi-Manschetten für die Instandsetzung abzuholen.

In der Nacht vom Mittwoch zum Donnerstag erfolgte dann in spektakulärer Aktion durch Lokpersonale der Preßnitztalbahn das Abheben des Brückenrahmens (nebst Kessel und Führerhaus) von den Drehgestellen, die Reparatur des Drehzapfens und der Lagermanchetten sowie das Wiederherstellen des betriebsfähigen Zustandes. Die Probefahrt am Donnerstagnachmittag zeigte die qualitätsgerechte Ausführung der Arbeiten...

Fazit

Mit unserem Rückblick auf die Aktivitäten zur 100-Jahrfeier haben wir versucht, sowohl etwas vom Fluidum der Veranstaltung, dem Angagement der Aktiven als auch der öffentlichen Resonanz herüberzubringen.

Ein Rückblick bedient natürlich immer zuerst die Erwartungen an die guten Seiten, schlechte Erlebnisse will man sich nicht lange in Erinnerung behalten. Doch die positiven Dinge haben bei weitem überwogen, auch wenn im nachhinein noch manch Unschönes folgte.

Eine nachträgliche "Gedenkschrift" wird es wahrscheinlich leider nicht geben, eine entsprechend erforderliche Kaufresonanzist nicht zu erwarten. Die persönlichen Sammlungen der Eisenbahnfreunde werden dagegen sicher dennoch mit besonderer Akribie gepflegt und ergänzt - für interessante Episoden und Berichte wird auch der PK weiter offen sein.

Trotz vorheriger und parallel laufender umfangreicher Bemühungen bei den Eisenbahnfachzeitschriften und den Rundfunk- und Fernsehanstalten ist das Bild über die Veranstaltung in veröffentlichungen und Sendungen nur oberflächlich geblieben. Selbst im Beitrag des MDR für "Eisenbahnromantik" über das Ereignis wurde mit keiner Silbe erwähnt, daß Eisenbahnvereine ais Jöhstadt, Radebeul und Freital die Ausrichter waren. Bei den erschienenen Videos ist dies kaum anders. Also ist auch keine Zusammenfassung über diese Berichterstattung notwendig.

Die eigenen schönen Erlebnisse bieten die besten Erinnerungen - im Kreise anderer Eisenbahnfreunde wird man sich noch in Jahren darüber freuen.
Beispiel gefällig?

Eine Episode am Rande (Uwe Klemm, Waldenburg)

Am 19. Juli 97, so hatte der Familienrat auf Anregung des Vaters beschlossen, sollte zum Schmalspurbahnjubiläum nach Oberwiesenthal gefahren werden. Wie bekannt, war das Wetter nicht das beste, aber das schreckte uns nicht, es gibt ja Regenmäntel. Nach der Besichtigung aller Eisenbahnattraktionen und einer Runde an allen Verkaufsständen um den Bahnhof Oberwiesenthal, sollte es nun nach Cranzahl gehen. Der eisenbahnbegeisterte Vater benutzt dazu natürlich den Traditionszug und nimmt die Kinder mit. Die Ehefrau fährt mit dem Auto.

Mit der Fahrkarte auf dem Bahnsteig angekommen, sind wir optimistisch und nehmen auf dem Aussichtswagen Platz. Das Wetter sieht noch gut aus, wir hoffen auf eine angenehme Fahrt. Doch bis der Zug losfährt, vergeht noch etwas Zeit, der Zug füllt sich und am Himmel wird es dunkler und dunkler. Jetzt noch in einen geschlossenen Wagen zu gehen ist sinnlos, es ist alles voll.

Die Fahrt beginnt noch trocken, doch bereits bei der Ausfahrt aus dem Bahnhof Oberwiesenthal beginnt es zu regnen. Da sich die Regenjacken im Kofferraum des Autos befinden, bleibt nichts weiter als die Tropfen zu ertragen, die bis Cranzahl sicher bis zur Haut vorgedrungen sind.

Doch im Bahnhof Hammerunterwiesenthal kommt die Erlösung. Dort wartet meine Frau schon mit der Regenbekleidung auf den Zug. Wir sind froh, das sie so fürsorglich an uns Eisenbahnverrückte denkt So wird die Fahrt doch noch schön und wir kommen halbwegs trocken in Cranzahl zum Besuch der Fahrzeugausstellung an.

Derartige Episoden werden für Viele die Erinnerung an das Schmalspurbahnereignis des Jahres 1997 sein. Vor allem die Aktiven auf den Zügen und an den Bahnsteigen werden solche Erlebnisse in Vielzahl behalten haben...

Wie die Speisekarten vom Aussichtswagen verschwanden.

Für den frisch in Betrieb genommenen geschlossenen Barwagen gab es von den Eisenbahnfreunden der SOEG/zittauer Schmalspurbahn e.V. als Präsent einen größeren Stapel Speisekarten.
Für den Betrieb im Barwagen waren es (anfänglich) zu viele, so daß sie im offenen Aussichtswagen mit eingesetzt werden konnten. Um nun den natürlichen Schwund durch Einbehalt dieser durch die Fahrgäste zu reduzieren, war das Personal des Wagens akribisch hinterher, den Überblick über den Bestand zu behalten. Kurz vor den Endbahnhöfen wurde daher flugs alles ausliegende "Kartenmaterial" eingesammelt und auf der Ablage neben dem Tresen abgelegt.

Nun hatte das Personal auf dem Barwagen aber die Rechnung ohne das Lokpersonal gemacht, das offensichtlich auf dem letzten Kilometer vor der Einfahrt in den bahnhof Cranzahl noch den Kampf um das Blaue Band gewinnen wollte, gemacht.

Jedenfalls sorgte die Fliehkraft bei der Einfahrt um den letzten bogen in den Bahnhof Cranzahl dafür, daß sich sämtliche Speisekarten unerlaubt vom Wagen entfernten und im Bahngraben zurückblieben, während der Zug in den bahnhof einrollte. (Obs für das Blaue Band letztendlich gereicht hat, wurde nicht überliefert.)

Zwar konnten diesmal durch die sofortige Alarmierung eines Suchtrupps sämtliche Karten zurückgeführt werden - für den weiteren Einsatz auf dem offenen Wagen wurde jedoch lieber auf gedruckte und mit Klebestreifen befestigte Zettel zurückgegriffen...

Vielen Dank für die bisherigen Zuschriften, Fotos und Anregungen - weitere Materialien sind gern gesehen.

Jörg Müller

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