Das große Jubiläumsjahr 2006

125 Jahre Schmalspurbahnen in Sachsen

Teil 2

Nachdem wir im PK 88 über die Auftaktveranstaltung des Festjahres „125 Jahre sächsische Schmalspurbahnen“ in Dresden berichteten sowie die in diesem Jahr in Mügeln und in Radebeul stattfindenden Festivals vorgestellt haben, soll heute ein Ausblick auf die übrigen drei Festivals im Jubeljahr 2006 gegeben werden. (Änderungen sind jederzeit möglich.)

Ergänzungen zum PK 88:

Die offizielle Einweihung des wiederaufgebauten Streckenabschnittes von Nebitzschen nach Glossen am 29. April wird wie vorgesehen stattfinden! Bereits für eine Woche zuvor ist die Abnahmefahrt und Zulassung des 1,6 km langen Neubaugleises vorgesehen. Damit können am letzten Aprilwochenende und am 1. Mai die IV K-bespannten Sonderzüge auf jeden Fall verkehren. In Glossen besteht dann wie vorgesehen von der 750-mm-Bahn „Anschluß“ an die 600-mm-Feldbahn. Wie inzwischen feststeht, verkehren von Glossen aus Lorenzüge mit Sitzbänken in die ehemalige Quarzitgrube oberhalb des kleinen Ortes.

III. Schmalspurbahnfestival entlang der Zittauer Schmalspurbahnen vom 11. bis zum 13. August

Die Schmalspurbahn von Zittau nach Kurort Oybin und Kurort Jonsdorf stellt unter den sächsischen 750-mm-Bahnen etwas ganz Besonderes dar: Sie war die einzige Linie, die nicht vom Staat (also den K.Sächs.Sts.E.B. oder der Reichsbahn) gebaut worden ist, sondern von einer privaten Gesellschaft – der Zittau-Oybin-Jonsdorfer Eisenbahngesellschaft. Erst per 1. Juli 1906 – also vor 100 Jahren – kauften die K.Sächs.Sts.E.B. die Ausflugsbahn ins Zittauer Gebirge von der Bahngesellschaft an. Im Jahr 1908 kam erstmals eine Lokomotive der sächsischen Gattung IV K auf den beiden Ästen zum Einsatz. Dabei bewährte sich die Maschine so gut, daß in den folgenden Jahren über ein halbes Dutzend dieser Gelenklokomotiven werksneu nach Zittau geliefert worden sind. Mehrere Jahrzehnte bespannten die IV K anschließend nicht nur Züge nach Reichenau/Markersbach, sondern vor allem auch nach Jonsdorf und Oybin. In diesem Jahr soll nach mehreren Jahren wieder einmal in Länderbahnfarben lackierte 99 539 aus Radebeul (IV K 132) mit mehreren Oberlichtwagen an die Zeit dieser Schmalspurbahn vor dem Ersten Weltkrieg erinnern.

Insgesamt verkehren an dem verlängerten Festwochenende am Ende der zweiten Augustwoche drei Züge. Neben dem Gastzug aus Radebeul sind drei Einheitsloks mit zwei regulären Umläufen unterwegs, so daß sich reichlich Fotomotive bieten. Als solche dienen auch die in Bertsdorf ausgestellten Fahrzeuge des Interessenverbandes der Zittauer Schmalspurbahnen e.V.: der Triebwagen VT 137 322 (Leihgabe des Verkehrsmuseums Dresden), die IV K 99 555 sowie 99 4532. Auf dem Zittauer Bahnhofsvorplatz werden hingegen u. a. mit Regelspurfahrzeugen beladene Rollwagen mit einer Einheitslok ein Motiv bilden. In den Bahnhöfen Zittau-Vorstadt und Bertsdorf bietet die SOEG als Hauptgastgeber Führerstandsmitfahrten auf einer Einheitslok an. Noch geprüft wird, ob ein vierter Umlauf abwechselnd auf den beiden Ästen von Bertsdorf nach Oybin und Jonsdorf pendeln kann – als Zuglok ist dafür die in Rumänien gebaute Diesellok 199 013 vorgesehen. Führungen durch den Zittauer Lokschuppen runden die SOEG-Angebote ab.

Wer seit Februar 2006 nicht mehr in Zittau war, der wird im August auch erstmals das neue Farbkonzept der Reisezugwagen der SOEG sehen können. Die modernisierten Sitzwagen erhalten derzeit bei regulären Revisionen alle ihren dunkelgrünen Anstrich zurück. Wo bis dahin das SOEG-Logo prangte, ziert nun der gelbe Schriftzug „Zittauer Schmalspurbahn“ in dezenter, aber gut lesbarer Größe die Seitenwände. Eine Ausnahme stellt der Barwagen 970-437 dar. Dieser wurde Ostern mit einer weinroten Lackierung wieder in Dienst genommen. Unter seinen Fenstern trägt er eine schmale gelbe Zierlinie.

Für das kulinarische Wohlergehen wird im August u. a. auf den Festgeländen in Zittau, Bertsdorf, Oybin, Jonsdorf und Seifhennersdorf gesorgt. In Zittau lädt der Zittauer Modellbahnclub ZIMEC zur Modelleisenbahnausstellung ein, der Interessenverband der Zittauer Schmalspurbahnen veranstaltet hingegen im Bertsdorfer Güterschuppen Lichtbildabende und Filmvorführungen. In Bertsdorf werden aber auch andere Vereine Informationsstände aufbauen. Der tschechische Partnerverein des Interessenverbandes aus Friedland in Böhmen informiert im Bahnhof Oybin über die ehemaligen Friedländer Bezirksbahnen. In Hermsdorf in Böhmen waren einst diese österreichische und die sächsische Schmalspurbahn von Zittau miteinander verbunden. Im Bahnhof Kurort Jonsdorf steigt am Samstagabend (12. August) ein großer Dixieland-Abend vor dem Empfangsgebäude, der mit einer Zugfahrt gekoppelt ist.

Zugabe Schwarzbachbahn:
Am Wochenende, 19./20. August, findet in Lohsdorf (Sächsische Schweiz) im Rahmen des Ortsfestes auf dem Bahnhof das erste Eisenbahnfest der IG Schwarzbachbahn e.V. statt! Aus diesem Anlaß legt 99 539 auf dem Rückweg von Zittau nach Radebeul voraussichtlich in Lohsdorf einen Zwischenstopp ein. Damit wäre erstmals seit 1951 – d. h. erstmals seit 55 Jahren – wieder eine Schmalspurdampflok in Lohsdorf. Der Bahnhof dieser kleinen Gemeinde, die zur Stadt Hohnstein gehört, war einst erste Station der 1897 eröffneten Schmalspurbahn von Goßdorf-Kohlmühle nach Hohnstein (Sächsische Schweiz). Doch schon nach 54 Betriebsjahren wurde die kleine Bahn demontiert – die Gleise wurden beim Bau des Berliner Außenringes als Abstützungen und für Lorenbahnen benötigt. Auch das hölzerne Stationsgebäude Lohsdorf war bis vor wenigen Monaten eigentlich bereits Geschichte – doch die Mitglieder der IG Schwarzbachbahn e. V. haben es mit Hilfe von Fördermitteln im vorigen Jahr wiederaufgebaut. Am dritten Augustwochenende soll der nach alten Zeichnungen errichtete Neubau eingeweiht werden. Wenn alles klappt, will der Verein dann auch 300 m Neubaugleis und eine Weiche präsentieren. Auch für dieses Projekt wurden Fördermittel bewilligt. Der Gleisbau hat allerdings noch nicht begonnen.

IV. Schmalspurbahnfestival im oberen Erzgebirge bei der Preßnitztalbahn, der Fichtelbergbahn und im Sächsischen Schmalspurbahnmuseum Oberrittersgrün vom 8. bis zum 10. September

Wie im PK88 berichtet, findet das IV. Schmalspurbahnfestival nicht wie in den kursierenden Festkalendern 2006 angegeben am ersten Septemberwochenende, sondern vom 8. bis zum 10. September statt! „Austragungsorte“ sind dabei die Preßnitztalbahn, die Fichtelbergbahn sowie das Sächsische Schmalspurbahnmuseum in Rittersgrün. In letztem wird es an jenem Wochenende auf jeden Fall dampfen – auf 600-mm-Gleisen. Mit großer finanzieller Hilfe eines Vereinsmitgliedes aus Chemnitz entsteht in Rittersgrün derzeit eine zweiachsige Neubaudampflok mit 600 mm Spurweite. Bereits zum Bahnhofsfest am dritten Juniwochenende 2006 (16.-18. Juni) soll diese voraussichtlich erstmals die selbstgebauten Sitzwagen auf der „Rittersgrüner Parkbahn“ (RPB) hinter dem Lokschuppen bespannen. Vom Einsatz dieser Lokomotive verspricht sich der Trägerverein des Museums eine wesentliche Attraktivitätssteigerung der Anlage. Nähere Informationen zum Fest, aber auch zur neuen Dampflok erteilt der Verein unter der Telefonnummer 037757/7440, im Netz siehe www.schmalspurmuseum.de.

Veranstaltungsort Fichtelbergbahn
Die BVO verbindet das Schmalspurbahnfestival mit dem 7. Böhmisch-Sächsischen Eisenbahnfest in Oberwiesenthal. Auf der Schmalspurbahn verkehrt dazu die Lok 20 der Mansfelder Bergwerksbahn als 99 1401. Am 9. September finden außerdem eine Zugparade sowie eine Scheinwerferlichtschau vor dem Heizhaus in Oberwiesenthal statt, in welchem Führungen angeboten werden. Am 9. September findet außerdem die letzte Mondscheinfahrt der BVO in diesem Jahr statt. Beginn ist 19.30 Uhr ab Oberwiesenthal.

Veranstaltungsort Preßnitztalbahn
Die Museumsbahner in Jöhstadt organisieren aus Anlaß des Festivals ein Dieselloktreffen auf ihrer Linie. Zusagen liegen bereits von den Partnervereinen aus Freital und aus Radebeul vor. Von diesen Vereinen sollen die beiden blau lackierten V10C nach Jöhstadt kommen. Die SOEG hat zugesagt, die in Rumänien gebaute dreiachsige Diesellok vom Typ Lyd2 mit der Nummer 199 013 auf der Preßnitztalbahn zu präsentieren. Damit wären bereits sechs Dieselloks dreier Typen in Jöhstadt vertreten. Doch es werden noch weitere Dieselloks in der Bergstadt erwartet, so daß man gespannt sein darf, auf welche Fahrzeuge man zwischen Steinbach und Jöhstadt noch treffen wird. Auf den Einsatz von Dampfloks kann am Festwochenende jedoch nicht verzichtet werden, so daß auch der auf Feuer und Kohle orientierte Eisenbahnfreund in Jöhstadt auf seine Kosten kommen wird. Zwischen Rittersgrün, Oberwiesenthal und Jöhstadt wird übrigens ein kostenloser Buspendelverkehr angeboten!

V. Sächsisches Schmalspurbahnfestival entlang der ehemaligen Linie Wilkau-Haßlau – Carlsfeld vom 20. bis zum 22. Oktober 2006

Bis zum fünften Sächsischen Schmalspurbahnfestival entlang der ehemaligen Schmalspurbahn Wilkau-Haßlau – Carlsfeld vom 20. bis zum 22. Oktober 2006 soll möglichst der schmalspurseitige Aufbau des Bahnhofs Schönheide Süd fertiggestellt sein. Schwerpunktmäßig findet das Fest zwischen Stützengrün, Schönheide Mitte, Schönheide Süd und Carlsfeld statt. Das Festival wird eine Gemeinschaftsveranstaltung des Vereins zur Förderung sächsischer Schmalspurbahnen e.V. (VSSB), der Museumsbahn Schönheide e.V. (MuBa) und des Fördervereins Historische Westsächsische Eisenbahnen e.V. (FHWE).

Zwischen Stützengrün-Neulehn und Schönheide Mitte wird es voraussichtlich einen Dreizugbetrieb geben. Außer den beiden Zuggarnituren der Museumsbahn Schönheide mit 99 516 und 99 582 ist der Einsatz des Epoche I-Zuges mit 99 539 alias IV K Nr. Nr. 132 aus Radebeul geplant. Zirka vier bis fünf Züge aus Stützengrün werden pro Festtag in Schönheide Mitte unmittelbaren Anschluß an historische Sonderbusse haben, die die Besucher nach Schönheide Süd und Carlsfeld bringen. In Schönheide Süd soll im Idealfall erstmals seit 1979 wieder eine IV K unter Dampf stehen und auf den bis dahin möglichst wieder aufgebauten Schmalspurgleisen im Bahnhof pendeln. Voraussichtlich wird in Schönheide Süd entweder 99 561 oder aber 99 574 aus Mügeln erwartet. Außerdem können die Besucher in Schönheide Süd das bis dahin voraussichtlich fertig sanierte historische Empfangsgebäude des Bahnhofs besichtigen, inklusive einer Ausstellung.

Zusätzlich wird im Oktober 2006 in Schönheide Süd vom historischen Sonderbus aus Schönheide Mitte das Umsteigen in die Regelspurbahn in Richtung Muldenberg, vorerst bis Tannenbergsthal, möglich sein. Auf der Regelspur wird es 2006 aber noch keinen Dampfbetrieb geben, sondern vorerst Fahrten mit dem „FHWE-Schienencabrio“, einem für „Spaßfahrten“ unter freiem Himmel umgebauten SKL. Man kann von Schönheide Süd aber auch mit dem Sonderbus nach Carlsfeld weiterfahren, wo es 99 606 zu besichtigen geben wird. In umgekehrter Fahrtrichtung funktionieren die Anschlüsse Sonderbus/Schmalspurbahn natürlich genauso gut. In Schönheide Mitte und in Schönheide Süd – sowie eventuell auch in Carlsfeld und in Stützengrün gibt es Festgelände mit Ausstellungen, Eisenbahn-Kinovorführungen, Infoständen anderer Eisenbahnvereine und touristischer Einrichtungen des Vogtlandes und Erzgebirges, Souvenirständen usw.

AM/HD


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