Erster Bauabschnitt „Erste neue Weichen“ erfolgreich abgeschlossen

Zum Schluss fehlte nur der richtige Schlüssel für die neue Weiche am Ende des Bahnsteiggleises, als der Landesbeauftragte für Bahnaufsicht in der Woche vor Pfingsten zur Prüfung und Abnahme der neuen Gleisanlage nach Jöhstadt kam, weil die mit der Lieferung des Schlosses beauftragte Firma nicht rechtzeitig liefern konnte. Doch ein kurzzeitig eingesetztes Ersatzschloss mit einem zusätzlichen Schlüssel zum üblichen Streckenbund sicherte die Abnahme und Inbetriebnahmefähigkeit der neuen Gleise pünktlich an den Fahrtagen zu Himmelfahrt. Schließlich galt es mit den neuen Weichen und der Möglichkeit für die Lokomotiven zur Umfahrung des Wagenzuges auch neue betriebliche Regelungen zu beachten, die mit der Berichtigung der Sammlung betrieblicher Vorschriften der Preßnitztalbahn durch die Betriebsleitung herausgegeben wurden. Zur Abnahmeüberprüfung gehörte selbstverständlich die Vorlage der erforderlichen Messprotokolle für die Weichen und die Gleislage.

Bauausführung in fünf Wochen

Wie in der vorigen Ausgabe des PK bereits als Planung erläutert, starteten die Arbeiten direkt am Dienstag nach dem viertägigen Osterfahrwochenende. Da danach in den folgenden dreieinhalb Wochen bis Anfang Mai keine regelmäßigen Zugfahrten zu berücksichtigen waren, wurde in der ersten Bauwoche mit dem Rückbau der bisherigen Weiche 3 (mit zwei kurzen Gleisstummeln) sowie etwa der Hälfte des Bahnsteiggleises begonnen. Dass dabei im Gelände und insbesondere auf dem noch kurzzeitig als Wiesenfläche bestehenden ehemaligen Wäscheplatzgelände des Wohnblocks noch Schnee lag, der kurz vor Ostern noch einmal für eine geschlossene Schneedecke im Gebirge gesorgt hatte, ist dabei ein interessanter Nebeneffekt. Durch die Bildberichterstattung über den Baufortschritt (insbesondere auf der Facebook-Seite der Preßnitztalbahn) konnte damit auch gut die jahreszeitliche Entwicklung bis zur weitgehend grünen Landschaft Mitte Mai beobachtet werden. Nach dem Rückbau hatten für knapp eineinhalb Wochen die Tiefbauer damit zu tun, den Bodenaushub und die Geländevorbereitung für den Gleisneubau zu tätigen. Zwischen den bereits in Endlage für den vollen Ausbauzustand des künftigen Bahnhofs Jöhstadt verlegten Gleise 31 und 51 musste zudem eine Gleisentwässerung berücksichtigt werden. Eine Verdunstungsmulde mit darunter befindlicher Tiefenentwässerung bietet auch die Möglichkeit, diese künftig in das Gesamtentwässerungskonzept für den Bahnhof einzubinden, ohne die Gleise noch einmal zurückbauen zu müssen.

Ein Teil des Erdaushubes wurde dabei direkt nebenan zur Befestigung und zum Geländeausgleich im Bahnhofsgelände verwendet, da es sich insbesondere im Bereich der vorherigen Wiesenfläche am Wohnblock um nach der Errichtung des Gebäudes aufgetragenen Mutterboden handelte. Darunter kamen natürlich die Packlagerschichten des alten Unterbaus zum Vorschein. Leider wurden bei den Baumaßnahmen wiederum kurzzeitig Kommunikationsleitungen unterbrochen, die im Baubereich in vergangenen Jahren ohne Berücksichtigung der ordnungsgemäßen Verlegetiefe eingebaut worden waren.

Nachdem die Gleisbauer noch vor der letzten Aprilwoche begonnen hatten, an den vorgesehenen Anschlusspunkten an der Doppelkreuzungsweiche (DKW) und am Bahnsteiggleis die neuen Gleise vorzustrecken und auch schon einzuschottern und zu stopfen, konnte mit dem Beginn der Fahrsaison an den Wochenenden ab 1. Mai auch die vorherige Bahnsteiglänge wieder genutzt werden, die an manchen Betriebstagen zur Gewährleistung der Beförderungskapazität auch benötigt wurde. Bis zum 8. Mai waren die Arbeiten zum Aufbau der Gleise und Weichen dann weitgehend abgeschlossen, so dass vor der schon erwähnten Abnahme durch den LfB in der zweiten Maiwoche nur noch Geländegestaltungsarbeiten sowie die Montage der Weichenstellvorrichtung notwendig waren. Durch den bestehenden Höhenunterschied des Bahnsteiggleises gegenüber dem früheren Gleisplan ist nun am neuen Bahnsteigende ein leichter Anstieg erkennbar, weil die neuen Gleise auf Höhe des Wohnblocks bereits an der finalen Bezugshöhe für die Anlagen des neuen Bahnhofs ausgerichtet wurden.

Neue Betriebserfahrungen

Seit dem 14. Mai ist nunmehr der rund 22 Jahre währende provisorische Betrieb mit Rangierarbeiten zum Freiziehen der Zuglokomotive durch eine weitere Lok Geschichte. Bereits mit den allerersten Zügen stellte sich der gewünschte Effekt ein, dass das Lok- und Zugpersonal an der Endstation in Jöhstadt nicht unter ständigem Zeitdruck durch den einzuhaltenden Fahrplan steht. Für die Mitarbeiter auf den Triebfahrzeugen und in den Wagen besteht nun auch die regelmäßige Chance auf eine kurze Pause und die Möglichkeit zum Mittagessen. Das Fehlen dieser Option hatte in der Vergangenheit immer wieder zur Demotivation der in ihrer Freizeit tätigen Vereinsmitglieder geführt.

Weitere Gestaltungsarbeiten erforderlich

Auch wenn der Bauabschnitt 1 für den „Neuen Bahnhof Jöhstadt“ damit abgeschlossen ist, stehen weiterhin laufende Gestaltungsarbeiten an der Anlage an. So werden die Zugänge zum Bahnsteig und auch die Abgrenzung des Gleises 51 zur Ladestraße noch weitere Arbeiten erfordern. Zur Anbindung und Wiederherstellung des früheren Wasserzulaufs von einem oberhalb des Bahnhofsgeländes befindlichen Brunnen zum Wasserkran werden entlang des Gleises 4 (Verlängerung zum Schuppenstand 1) noch Tiefbauarbeiten stattfinden. Und nicht zuletzt muss das Augenmerk auch auf den Erhalt der Gleisanlagen gerichtet werden, da mit den teilweise schon ziemlich betagten Weichen und insbesondere der DKW noch einige Jahre bis zum Abschluss des Gesamtprojektes „Neuer Bahnhof Jöhstadt“ gearbeitet werden muss. Doch der strategische Blick für den Ausbau der Anlagen des Bahnhofs richtet sich nun verstärkt nach Süden.
Jörg Müller


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