Die preußische T12 in Niederschmiedeberg

Nein, es ist kein vorgezogener Aprilscherz, sondern eine auch bildlich belegbare Tatsache: In Niederschmiedeberg diente von 1963 bis Anfang der 1970er Jahre eine regelspurige Tenderlokomotive der preußischen Gattung T12 dem Kühlschrankwerk als Heizlok für Notfälle. Fiel die stationäre Kesselanlage aus, sprang die Dampflok vor dem Kesselhaus ein.

Als diese Maschine auf dem Gelände des Betriebsteils Niederschmiedeberg des VEB dkk Scharfenstein an der Talstraße stand, interessierten sich die Freunde der schmalspurigen Preßnitztalbahn für die nur selten zum Heizen genutzte Regelspurdampflok jedoch lediglich am Rande. Zwar bestätigen viele bereits in den 1960er und 1970er Jahren aktive Eisenbahnfotografen, die Lokomotive gesehen zu haben, aber gezielt besichtigt hat sie kaum jemand. Und auch die einzige bisher bekannte Aufnahme der Maschine neben dem Heizhaus hat eine ganz eigene Geschichte.

Über Schilder mit der Betriebsnummer der Deutschen Reichsbahn verfügte die T12 während ihrer Zeit in Niederschmiedeberg nicht. „Solche Lokomotiven fotografierten damals nur die wenigstens von uns“, erinnert sich Hans-Dieter Rändler. Der ab 1957 in Dresden lebende Mechanikermeister besuchte damals regelmäßig seine Verwandtschaft in Großrückerswalde. Als „eingefleischter“ Eisenbahnfreund lichtete er dann gern die Preßnitztalbahn ab – auch in Niederschmiedeberg. Obwohl er sich schon damals für schmal- und regelspurige Eisenbahnen gleichermaßen interessierte – die Heizlok an der Talstraße zwischen den beiden Bahnübergängen der Schmalspurbahn nahm er nie auf.

Heute ärgert er sich darüber, denn irgendwann war die Heizlok „verschwunden“. Danach war es nicht nur für ein Foto zu spät, sondern auch zum Ermitteln der Betriebsnummer. Aber mehr als vier Jahrzehnte später versuchte er trotzdem, die Identität der T12 mit Unterstützung von André Marks zu lüften. Denn ein Verwandter von Hans-Dieter Rändler hatte beim Verschrotten der Tenderlok etwas gerettet ...

Ein Kesselschild als Hoffnungsträger

Da – für dich. Vielleicht kannst du das noch gebrauchen?“ Mit diesen Worten drückte der Verwandte des Dresdner Eisenbahnfreundes seinem Neffen im Sommer 1972 das Reichsbahn-Gattungsschild „Pt34.17“ und das Kesselschild „A. Borsig GmbH Berlin-Tegel 1923/01615“ der T12 in die Hand. Die Maschine war zuvor an Ort und Stelle zerlegt worden. Seitdem schmücken die beiden Schilder den Hobbyraum von Hans-Dieter Rändler, der seit 1997 in Pirna wohnt. Bei einem Besuch von André Marks kamen die beiden Eisenbahnfreunde vor zwei Jahren über diese Originale ins Gespräch.

Marks, mit zahlreichen Lokomotivhistorikern persönlich bekannt, fing Feuer. Er notierte sich die angegebene Fabriknummer des Kessels und begann in der Szene zu forschen: Wer könnte wissen, welche T12 damals zum Heizlokeinsatz ins Preßnitztal gekommen war? Eine der ersten Anfragen richtete er an Günter Meyer und seinen Sohn in Aue. Das Gedächtnis des großen „Eisenbahnforschers“, wie er sich selbst sah und nannte, war bereits angeschlagen, aber er bestätigte die Existenz der Lokomotive. Eine Fotografie oder Notiz mit der Betriebsnummer fanden Vater und Sohn Meyer in ihrer Sammlung allerdings nicht.

Andreas W. Petrak hörte 2013 zum ersten Mal von der T12 in Niederschmiedeberg. Der seit vielen Jahren in Chemnitz wohnende Siegfried Bergelt, Karl Wolf aus Zwickau sowie Thomas Becher aus Kühnhaide konnten ebenfalls nicht mit Fotos helfen, bestätigten aber den Heizlokeinsatz. André Marks bat diese Sachsen, im Bekanntenkreis nach Fotos der T12 zu fragen. Bei Thomas Becher und Karl Wolf war das erfolglos, doch Siegfried Bergelt meldete sich mehrere Wochen später mit einem Zwischenerfolg zurück. Der gebürtige Crottendorfer hatte seinen Jugendfreund Karl Rennau kontaktiert, der einst im VEB dkk gearbeitet hatte. Dieser hatte sich an seinen Ex-Kollegen Dieter Rochhausen gewandt, der das von dem Scharfensteiner Verein aufgebaute Museum „Historische Kleinkälte Scharfenstein“ leitet. Zum Sammlungsbestand dieses Vereins gehören die Ausgaben der einstigen Betriebszeitung des VEB dkk. Und darin fand Dieter Rochhausen den hier abgedruckten Artikel mit dem Foto aus dem Jahr 1964. Dieser Text datiert die Ankunft der Tenderlok im Preßnitztal auf 1963 und benennt die Deutsche Reichsbahn als Eigentümer der Maschine.

Betriebsnummern kommen ins Spiel

Die nächste Fragerunde von André Marks erreichte Eisenbahnforscher außerhalb Sachsens. Große Hoffnung setzte Marks in Rolf Stumpf, den Autor zweier Bücher über in der DDR zum Heizen genutzte Dampflokomotiven. Doch auch der in Erlangen lebende Eisenbahnfreund konnte nicht weiterhelfen.

Die Berliner Lokomotivstatistiker Volkmar Kubitzki und Andreas Stange brachten dann als erste reale Betriebsnummern ins Spiel: Letzterer berichtete, dass die einzige in den Nachkriegsjahrzehnten in der Rbd Dresden stationierte Lok der Gattung T12 die 74 505 war. Sie wäre aber 1963 schon verschrottet gewesen. Allerdings hätten die Reichsbahndirektionen Berlin und Halle zahlreiche T12 als Heizlokomotiven verkauft. Da jedoch im vorliegenden Zeitungsartikel aus dem Jahr 1964 von Mietzahlungen an die Reichsbahn geschrieben wurde, müsste sich die Maschine damals noch im Eigentum der DR befunden haben. Stange vermutete deshalb, es könne nur eine Lokomotive aus den umliegenden Raw Chemnitz oder Zwickau gewesen sein, da die DR ja eine Wartungs- und Aufsichtspflicht hatte. Sein Lösungsansatz lautete: 74 1147. Diese Lok war ab 14. September 1956 vom Bw Leipzig Hbf West an das Raw Zwickau verliehen worden und ging am 31. Januar 1957 als Werklok offiziell in den Bestand des Raw Zwickau über.

Als dem Raw dann 1963 die Maschinen der Baureihe 94.20 als Werklok ausreichten, war die 74 überflüssig“, kombiniert Andreas Stange. Er spekuliert, dass die T12 danach zum VEB dkk kam. Beweisen kann er das nicht, denn von 74 1147 sei das Betriebsbuch nicht erhalten und damit liege kein Kesselnachweis vor.

Sein langjähriger Freund Volkmar Kubitzki hat zum Beispiel Unterlagen über die Anfang der 1920er Jahre als Ersatz- bzw. Tauschkessel gefertigten Dampferzeuger für die ab 1902 gebauten Lokomotiven der preußischen Gattung T12 zusammengetragen. Demnach war der später in Niederschmiedeberg auf einer unbekannten Lok genutzte Borsig-Kessel Nr. 01615 am 16. August 1941 von 74 1163 auf 74 1206 gesetzt worden. Auf dieser Lokomotive blieb er aber nur bis Oktober 1954. Dann verliert sich wieder seine Spur ...

Ähnlich erging es den Autoren des EK-Baureihenbuches über die Lokomotiven der preußischen Gattungen T11 und T12, Jürgen U. Ebel in Telgte bei Münster und Hansjürgen Wenzel in Koblenz. Ihnen ist die Identität der dkk-Heizlok bis heute ebenfalls unbekannt. Aber Wenzel schrieb nach dem Erhalt des Zeitungsbildes von 1964: „Ein wenig lässt sich die T12 damit eingrenzen. Sie hat einen geraden Umlauf, gehört also zur Nummerngruppe ab 74 831. ... Das lange Oberlichtdach dürfte eine spätere Zutat gewesen sein. Jetzt habe ich aber nochmals auf den Zeitungsausschnitt geschaut, bis mir die Augen tränten. Am Führerhaus entziffere ich WL 8. Da der VEB dkk aber wohl kaum so viele Werklokomotiven hatte, dürfte eine Werklok und keine DR-Lok dort geheizt haben, aber welche?“

Wer hatte eine T12 als Werklok 8?

Damit war die Zeit für eine Anfrage bei Rainer Heinrich gekommen. Der Eisenbahner aus Steinpleis arbeitete viele Jahre in Zwickau und gilt als Kenner aller dortigen Reichsbahndienststellen – auch des Raw. Er schrieb, dass das Raw Zwickau Ende der 1950er und in den 1960er Jahren lediglich über drei Werklokomotiven verfügte. Daraufhin hinterfragte Hansjürgen Wenzel seine eigene Deutung: „Vielleicht habe ich mich getäuscht – und die Lok trug nicht die Nr. WL 8, sondern die WL 3?“

Nun lag „der Ball“ wieder bei Rainer Heinrich. In dessen Unterlagen ist von 1. Oktober 1959 bis zu einem unbekannten Tag 1965 die Schlepptenderdampflok 56 121 (preußische G 8.3) als WL 3 des Raw Zwickau geführt. Heinrich schrieb: „Zuvor könnte 74 1147 WL im Raw Zwickau gewesen sein, vielleicht blieb die Lok dort aber auch noch länger in Bestand? Für den Holzhof mit seinen vielen Drehscheiben benötigte das Raw eine leichte Lok. Im Jahr 1960 übernahm die erste V10B des Raw diese Aufgabe. Demnach war die 74 danach für Niederschmiedeberg frei?“

Bei den anderen Rainer Heinrich bekannten Werk(dampf)loks des Raw Zwickau handelte es sich übrigens um Lokomotiven der sächsischen Gattungen V T (Baureihe 89.2) und XII T (Baureihe 94.20), der preußischen Gattung T16.1 sowie um eine Lok der Baureihe 86 (siehe auch EK 2/2005, S. 44 bis 49).

Damit war aber die dkk-Lok noch immer nicht identifiziert. André Marks hinterfragte seinerseits die Aussage in der Betriebszeitung des dkk, dass der VEB an die Reichsbahn monatlich Miete zahlte. Er suchte nach volkseigenen Betrieben mit einer WL 8. In der Zweitauflage des unter anderem von Reiner Scheffler und Werner Nüse erarbeiteten Buches „Der Eisenbahnknoten Riesa“ entdeckte Marks eine Auflistung der Werklokomotiven des Stahl- und Walzwerkes Riesa von Rainer Müller. Dieser führte allein 17 Dampflokomotiven unter den Nummern WL 1 bis WL 15 auf (in zwei Fällen in Zweitbesetzung).

Beim Blick in die Zeile von WL 8 stockte Marks der Atem: Dort stand als Bauart 1´Cn2t und als Hersteller Hagans 1915/803! Dann wurde ihm bewusst: Bei den Lokomotiven der preußischen Gattung T12 handelte es sich um Heißdampfloks der Bauart 1´Ch2t! Hinter einer 1´Cn2t musste also zum Beispiel eine Lok der preußischen Gattung T9.3 (Baureihe 91) oder T11 („Nassdampf-74er“) stecken. Andererseits: Jeder von uns macht Fehler – war das „n“ womöglich nur ein Druckfehler?

Der Blick ins Hagans-Lieferzeichnis brachte eine ganz andere Überraschung: Unter der Fabriknummer 803 hatte der Erfurter Lokomotivhersteller eine Lok der preußischen Gattung T13, also einen D-Kuppler der Baureihe 92.5–10), gebaut! Die Gefühle von Marks fuhren Achterbahn. Doch in der von Jens Merte zusammengetragenen Aufstellung zur Hagans 803 befand sich unter „Bemerkungen“ ein Hinweis: „Kessel später auf 74 134, Hohenzollern 1906, Fabriknummer 1947“. Die niedrige Betriebsnummer verhieß nichts Gutes – trotzdem schlug Marks natürlich sofort im Lieferverzeichnis der von 1872 bis 1929 in Düsseldorf-Grafenberg tätigen Aktiengesellschaft für Lokomotivbau Hohenzollern nach. Dort bestätigte sich sein Verdacht: Bei der Maschine handelte es sich um eine T11, eine Nassdampflok. Aber immerhin informierte Jens Merte noch darüber, dass diese ans Stahl- und Walzwerk Riesa abgegebene Lok im Dezember 1963 im Raw Leipzig-Engelsdorf eine HU erhalten hatte. Doch die Ausführung ihres Umlaufes oberhalb der Zylinder wich von der Ausführung der gesuchten „WL 8“ des VEB dkk ab.

Hansjürgen Wenzel erklärte, T13-Kessel passten nur auf T11-Fahrwerke. Unter den anderen von Rainer Müller als Werklokomotiven des Stahl- und Walzwerkes Riesa genannten Dampflokomotiven befand sich aber nur eine T12. Bei dieser (Hohenzollern 1913/3165) vermerkte er das Vorhandensein im Werk bis 1974 – Marks befand sich erneut in einer Sackgasse. Seine Hoffnung auf weitere Rückmeldungen erfüllte sich in den vergangenen zwei Jahren nicht. Die Identität der Heizlok in Niederschmiedeberg ist weiterhin unbekannt.

Weitere offene Fragen

Für Hans-Dieter Rändler ist neben der Betriebsnummer der T12 im Preßnitztal auch noch ein anderer Punkt unklar: Wie kam die Normalspurlok ins „Schmalspurlokgebiet“ nach Niederschmiedeberg? Während heute die Tieflader der PRESS GmbH in ganz Europa unterwegs sind, waren in der DDR derartige Schwerlasttransporte große Ausnahmen. Als Ladegut war die 67,2 Tonnen schwere Tenderlok selbst für ein sechsachsiges Rollfahrzeug zu schwer.

Die als Heizlok auf dem Betriebsgelände des Kaolinwerks Kemmlitz genutzte 52 6963 kam mit einem Tieflader zu ihrem letzten Nutzungsort. Aber das Mügelner Schmalspurnetz liegt bekanntlich in einer topografisch flacheren Region als die Preßnitztalbahn. Hier muss sich mutmaßlich der Tieflader womöglich die enge Talstraße von Wolkenstein hinaufgequält haben – oder kam er doch aus Richtung Annaberg oder Marienberg/Reitzenhain? „Das sind spannende Fragen“, resümiert Hans-Dieter Rändler.

Aufruf an Leser

Nachdem also bisher niemand die Identität der einst in Niederschmiedeberg genutzten Regelspurlokomotive lüften konnte, sind jetzt alle Leser gefragt: Gibt es weitere Informationen zu dieser Lokomotive? Wer hat Fotos von der Heizlok in Niederschmiedeberg gemacht? Wann war sie dort überhaupt unter Dampf? Wie ist sie nach Niederschmiedeberg gekommen? Wann genau fand ihre Zerlegung statt? Blieben womöglich noch weitere Einzelteile der Lok erhalten? Oder hat jemand vielleicht Fotos von 74 1147? Das fragen die Autoren
Hans-Dieter Rändler und André Marks


PK 2/2016 - Nr.149

Leserzuschriften auf „Die preußische T12 in Niederschmiedeberg“

Im vorigen PK informierten Hans-Dieter Rändler und André Marks über eine vom Betriebsteil Niederschmiedeberg des VEB dkk Scharfenstein im Preßnitztal als Heizlok genutzte Maschine der preußischen Gattung T12. Am Ende des Berichtes baten sie die Leser um weitere Angaben zur Identität, zum Einsatz und Antransport der regelspurigen Lokomotive. Daraufhin gingen mehrere Schreiben bei der Redaktion ein. Der viele Jahre beim VEB dkk beschäftigte Karl Rennau aus Scharfenstein schrieb:

„Es ist erstaunlich, was ein Artikel in der Betriebszeitung ,dkk-Kühlung‘, 9. Jahrgang, Nr. 9, vom 28. Juli 1964 nach 50 Jahren noch so bewegt. Ich habe versucht, weitere Informationen zu erhalten – aber leider vergebens. In der Betriebszeitung war der Artikel ein Einzelfall, weitere Veröffentlichungen zu dieser Lok gab es darin nicht. Die mit der Heizlok vertrauten Personen leben leider nicht mehr. An die Lok erinnert sich noch mancher, Einzelheiten sind allerdings nur noch wenige bekannt. Ich möchte aber die Gründe für den Einsatz der Heizlok nennen: Im Zweigwerk Niederschmiedeberg des VEB dkk Scharfenstein wurden die Haushaltskühlschränke hergestellt. Die Wärmedämmung erfolgte mittels Glas- und Mineralwolle. Diese sollte und musste durch Polystyrolschaum (Styropor) abgelöst werden. Die Herstellung des Schaumes und damit der Wärmedämmung des Kühlschrankes erforderte aber Heißdampf, den unser veraltetes Heizwerk mit Niederdruck nicht bieten konnte. Deshalb diente die Dampflok bis zur Inbetriebnahme des neuen Heizwerkes als Behelf. Da die Produktion des H 140 mit Polystyrolschaum 1963 begann, muss die Maschine ab diesem Jahr in Betrieb gewesen sein. Abgelöst wurde sie durch das neue Heizwerk etwa 1966/67. Das Bild in der Betriebszeitung zeigt die auch im Winter eingesetzte Lokomotive einschließlich ihrer Winterschutzumbauung und vieler Rohrleitungen. Der Antransport erfolgte nach meinen Informationen auf Tieflader per Straße.“

Der in Großolbersdorf bei Scharfenstein aufgewachsene Andreas Uhlig gehört zu den Mitgliedern der IG Preßnitztalbahn e. V. der ersten Stunde. Inzwischen lebt und arbeitet er jedoch bereits mehrere Jahre in der Schweiz, so dass er erst durch den Preß´-Kurier auf die Suche nach Informationen über die preußische T12 aufmerksam wurde. Seine Mutter ist als Ortschronistin in Großolbersdorf tätig und trat für ihren Sohn mit Kollegen im Preßnitztal in Kontakt. Daraufhin telefonierte Andreas Uhlig mit Herrn Buschmann und Ortschronist Lothar Schönherr in Niederschmiedeberg und schrieb danach der PK-Redaktion:

„Die Lok kann nur bis maximal 1968 in Betrieb gewesen sein, denn dann wurde der Schornstein abgebrochen und das neue Heizwerk ging in Betrieb. An die Zerlegung der T12 Anfang der 1970er Jahre kann sich noch Herr Buschmann erinnern. Er war damals als Schlosser beim VEB dkk beschäftigt, hat aber beim Verschrotten selbst nicht geholfen – heute arbeitet er bei der Gemeinde Großrückerswalde. Herr Schönherr aus Niederschmiedeberg erzählte mir am Telefon, dass er mit dem noch lebenden Werkbahnlokführer Ottmar Neubert (?) aus Mittel- oder Oberschmiedeberg über die Heizlok gesprochen hat. Dieser meinte, die Lok sei per Schwertransport (Culemeyer?) und Tatra-Zugmaschine vom Bahnhof Gelobtland bei Marienberg die Straße nach Mittelschmiedeberg heruntergebracht worden.“

Reiner Scheffler kam nach der Veröffentlichung des T12-Beitrages mit Michael Göhler aus Riesa-Gröba ins Gespräch. Von Göhler stammt eine ältere Auflistung der Werklokomotiven des Stahl- und Walzwerkes Riesa, welche Rainer Müller ins im PK 148 genannte Riesa-Buch einbrachte. Michael Göhler liegen aber inzwischen Angaben vor, dass als Werklok 8‘‘ in Riesa nicht die 1906 von Hohenzollern gebaute 74 134 Erstbesetzung, sondern die 74 134 Zweitbesetzung diente. Hinter dieser Maschine verbirgt sich eine 1906 von der Union-Gießerei in Königsberg i. Pr. unter der Fabriknummer 1457 gebaute preußische T11, die nach dem Ersten Weltkrieg in den Bestand der Polnischen Staatseisenbahnen (PKP) gelangte. Die von den PKP als OKi1-25 geführte 1´Cn2t übernahm im Zweiten Weltkrieg die Deutsche Reichsbahn (DRB) und teilte ihr die Betriebsnummer 74 134 in Zweitbesetzung zu, da die 74 134 demnach Ende der 1930er Jahre bereits aus dem Reichsbahnbestand ausgeschieden war. Die unter der Leitung von Jens Merte zusammengetragenen Loklieferverzeichnisse der deutschen Hersteller sitzen demnach bei 74 134 Erstbesetzung einem Denkfehler auf.

Dass es sich bei 74 134 Zweitbesetzung wirklich um eine preußische T11 – und nicht doch um eine preußische T12 handelte – kann wiederum Reiner Scheffler beweisen. Er sandte der PK-Redaktion ein von Günter Meyer am 3. Juli 1970 in Dresden-Friedrichstadt aufgenommenes Bild der Werklok 8 zu. Damit ist endgültig ausgeschlossen, dass in Niederschmiedeberg die Lok 8 des Stahl- und Walzwerkes Riesa geheizt hat. Weitere Angaben oder Fotos in Frage kommender Lokomotiven sind der Redaktion deshalb willkommen.
André Marks


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