Gleise erreichen Kipsdorf, aber ...

Für die Wiederaufnahme des regulären Zugbetriebes zwischen Dippoldiswalde und Kurort Kipsdorf lag bis zum Redaktionsschluss weiterhin kein Termin vor. Indes näherten sich Anfang Dezember die Arbeiten am wiederaufgebauten bzw. erneuerten Streckenteil ihrem Abschluss. So wurden in Kipsdorf am 5./6. November der Bahnübergang mit der B170 erneuert und anschließend der Bau der Bahnsteiggleise fortgesetzt. Zwischen Gleis 2 und 3 entstand ein in Betonsteinkanten eingefasster massiver Inselbahnsteig mit Betonpflastersteinen und Blindensteinen. Am 29. November erreicht ein Bauzug erstmals diesen neuen Bahnsteig und das Streckenende am Empfangsgebäude.

Die Abstellgleise zum Hang hin sind inzwischen ebenfalls wieder angebunden, so dass die im Eigentum der IG Weißeritztalbahn e. V. befinndlichen Güterwagen jetzt theoretisch Kipsdorf erstmals seit dem Augusthochwasser 2002 per Schiene verlassen könnten. Neben den Gleisen setzten die von der SDG beauftragten Bauunternehmen die Sanierung der noch vorhandenen Bahnhofsgebäude zwischen Dippoldiswalde und Kipsdorf fort, im November führten sie Arbeiten am Stationsgebäude in Buschmühle sowie am Stellwerk, der ehemaligen Befehlssstelle Kipsdorf und am Lokschuppen Kipsdorf aus. Letzterer ist zwar im Rahmen seiner Sanierung an drei von vier Seiten von außen aufwändig dem Ursprungszustand angenähert worden, nach vorn erhielt er allerdings moderne Drehfalttore. Aufgrund deren signalroten Lackierung vergleichen Eisenbahnfreunde den Lokschuppen jetzt mit einem Feuerwehrdepot. Da die Entwässerung der Kanäle verschlossen wurde, dürfen in dem Heizhaus unter Dampf stehende Lokomotiven nur noch kurzzeitig abgestellt werden.

Der Streit um die Übernahme der Kosten für den Zugbetrieb bis Kipsdorf erschien bis Mitte November nach außen hin festgefahren. Der Freistaat Sachsen erklärte, mit den jährlich 8,74 Millionen Euro Landesmitteln, die anteilig an die kommunalen Zweckverbände mit öffentlichem Schmalspurbahnbetrieb weitergereicht werden, sei auch ein (Mehr-) Betrieb bis Kipsdorf finanziert. Der Zweckverband Verkehrsverbund Oberelbe (ZVOE) und die Sächsische Dampfeisenbahngesellschaft (SDG) beteuerten hingegen seit Monaten, ohne zusätzliche Zuwendung keinen Zweizugbetrieb anbieten zu können. Die Kosten für zwei anstatt einer pro Tag eingesetzten Dampflokomotive und deren Personal seien durch die vom Freistaat gezahlten Gelder nicht gedeckt. Nachdenklich stimmt dabei viele Eisenbahnfreunde, wieso auf der Fichtelbergbahn und im Zittauer Gebirge bei ähnlicher Zuwendungshöhe trotzdem zwei Lokomotiven pro Tag eingesetzt werden.

Aufgrund der konträren Meinungen der beiden „Lager“ drehte sich die Situation im Weißeritztal seit Monaten im Kreis. Ende November stellten dann der ZVOE und der Verkehrsverbund Oberelbe (VVO) einen Fahrplan mit täglich zwei Zügen bis Kipsdorf vor. Dafür sind jetzt im Wirtschaftsplan 2017 zusätzliche 150 000 Euro für die SDG eingeplant. Trotzdem entfallen der Morgenzug und ein Nachmittagszug von Freital nach Dippoldiswalde. An zwölf Tagen im Jahr (zum Beispiel zu Ostern oder Pfingsten) soll es dafür wieder einen Zweizugbetrieb im Weißeritztal geben, wie er vor dem Augusthochwasser 2002 unter dem alten Betreiber dieser Schmalspurbahn üblich war.

Seit Anfang September 2016 kann der Salonwagen 970-445 der Weißeritztalbahn, der zuvor in Jöhstadt aufgearbeitet und anschließend 2014/2015 auf der Preßnitztalbahn eingesetzt worden war, für die Fahrt ab Freital-Hainsberg durch Reisegruppen gebucht werden. Für die Mitfahrt in dem orange/beige lackierten Einheitswagen erhebt die SDG keine zusätzlichen Kosten. Bestellungen nimmt ausschließlich das SDG-Büro in Moritzburg an der Lößnitzgrundbahn entgegen. Der Wagen kann in allen Planzügen mitgeführt werden. Bis zum Augusthochwasser 2002 war der Salonwagen mehr als 25 Jahre lang als Gemeinschaftsprodukt des jeweiligen Betreibers (DR, DB AG bzw. Bahnreinigungsgesellschaft) mit der IGW eingesetzt worden. Damit hatte der Verein nachhaltig bei der Vermarktung der HK-Linie geholfen. Bis die IG Preßnitztalbahn e. V. den nach 2002 mit abgelaufenen Fristen abgestellten Wagen im September 2013 leihweise nach Jöhstadt geholt hatte, war die SDG zum von der IGW angeregten Einsatz des Vierachsers im Weißeritztal nicht bereit gewesen. Was bei der SDG zum Umdenken geführt hat, ist der Redaktion unbekannt.
André Marks


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