Zur Zukunft der Weißeritztalbahn erreichte die Redaktion eine beachtenswerte Zuschrift von unserem Leser Jens Hoffmann aus Leipzig. Diese legen wir hiermit allen Lesern ungekürzt vor:

Auf nach Kipsdorf!

Endlich ist es soweit. Nach 15 Jahren sehnsüchtigen Wartens können wir voraussichtlich ab April wieder mit dem Zug nach Kipsdorf reisen! Zwar lässt das Fahrplanangebot Wünsche offen, aus meiner Sicht ist es aber ein richtiger Schritt, Kipsdorf täglich anzufahren. Für alle, die wirklich „Sehnsucht nach Idylle“ und einem ruhigen Tag haben, könnte das ein Geheimtipp werden, kluge Planung vorausgesetzt.

Meine erste Reise auf der wiederaufgebauten Strecke wird mit Sicherheit wochentags stattfinden und sich auf die Spuren von Max Nacke begeben. Leider steht dieser bedeutende Heimatdichter sehr im Schatten Anton Günthers, doch wer kennt Nackes Lieder „S‘Bimmelbahnel“ und „De gruße Eisenbah“ nicht?

Ich möchte jetzt nicht darüber schwadronieren, dass diese Lieder, die den Abschied von der Schmalspur und die Begrüßung der völlig neu trassierten – regelspurigen – Müglitztalbahn zum Thema haben, im Abstand von nur wenigen Jahren entstanden. Es ist einfach nur eine schöne Reise. Mit der Müglitztalbahn – mit guter Sicht aus dem 642er – nach Altenberg, danach Wanderung zur Waldschänke „Altes Raupennest“. Diese Gaststätte, 1924 von Max Nacke persönlich gegründet und bis heute von seinen Nachfahren betrieben, ist ein einmaliges Kleinod. Viele Originalzeugnisse des Dichters sind bis heute erhalten. Und wer „De Holzfuhrleit“ aus seinem gleichnamigen Lied sehen möchte, der ist hier genau an der richtigen Stelle.

Zurück geht es mit dem Bus nach Kipsdorf und ganz in des Dichters Sinne weiter mit der Bimmelbahn. Natürlich lässt sich diese Reise variieren. Auch der Geisingberg mit Gaststätte und das Bergbaumuseum sind sehenswert. Eisenbahnfreunden sei eine Wanderung entlang der nie fertiggestellten Pöbeltalbahn empfohlen. Über einen Bergrücken geht es dann nach Kipsdorf. Falls hier noch Zeit ist, folgt eine Einkehr in „Hickmanns Stübl“. Dessen Wirt wartet schon seit Jahren auf den ersten Schmalspurzug. Er gehört zu den Leuten, die den Mut nach dem Hochwasser 2002 nicht verloren, genau wie diejenigen, die das Kipsdorfer Empfangsgebäude mit viel Eigeninitiative in einen vorbildlichen Zustand versetzten. Man muss es so klar sagen: Ohne diese Leute hätte Kipsdorf ein Ende wie viele böhmische Dörfer auf dem Erzgebirgskamm gefunden: als unbewohnte Wüstung. Ihr aufopferungsvolles Durchhalten sollte belohnt werden.

Jetzt sind aber bald auch andere Leute gefragt: Vereine und der „kleine“ Eisenbahnfreund. Wie wäre es mit einem Sonderzug von Chemnitz oder Schwarzenberg nach Altenberg mit Zwischenhalt in Freital- Hainsberg? Ein Pendelverkehr mit einem historischen Omnibus zwischen Altenberg und Kipsdorf könnte dieses Angebot sinnvoll ergänzen. Oder eine Bussonderfahrt zur Besichtigung der sanierten Bahnhofsanlagen der Windbergbahn an einem dortigen Veranstaltungstag. Diese könnte mit einer Besichtigung des Kipsdorfer Empfangsgebäudes enden.

Bei Veranstaltungen auf der Altenberger Rennschlitten- und Bobbahn ist für mich ein Buspendel zwischen den Bahnhöfen Kipsdorf und Altenberg sowie dem Sportgelände vorstellbar. Die Wintersportbahn befindet sich im Kohlgrund zwischen Oberbärenburg und Hirschsprung, in der Mitte zwischen Kipsdorf und Altenberg.

Ruhe liebenden Tagestouristen sei auch ein Besuch des Stuhlbaumuseums in Rabenau empfohlen. Und die jährliche Weihnachtsausstellung im Lohgerberhaus in Dippoldiswalde mit ihrem einmaligen mechanischen Weihnachtsberg ist bis Maria Lichtmess am zweiten Februar ein Muss für Romantiker. Nur steigende Fahrgastzahlen können das Anheizen einer zweiten Dampflok auslösen! Vielleicht erst einmal nur in den Ferien und an den Wochenenden, aber dann …

Jens Hoffmann


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