Das große Jubiläumsjahr 2006

2. Festival 2006
Strecke Radebeul Ost - Radeburg

Entlang der Lößnitzgrundbahn von Radebeul Ost über Moritzburg nach Radeburg wurde vom 7. bis zum 9. Juli das zweite Festival im Rahmen des Jubiläums „125 Jahre sächsische Schmalspurbahnen“ gefeiert. Als Gastgeber traten neben der BVO Bahn GmbH, dem Verein zur Förderung Sächsischer Schmalspurbahnen e.V., dem Verkehrsverbund Oberelbe sowie dem noch jungen SSB Schmalspurbahn-Museum Radebeul gGmbH auch Männer und Frauen als Organisatoren auf, die in Sachsen auf die größten Erfahrungen im Organisieren von Schmalspurveranstaltungen zurückgreifen können: Die Mitglieder des Vereins Traditionsbahn Radebeul e.V. Und das „Kompetenz-Team“ aus den genannten Vereinen und Gesellschaften enttäuschte keinesfalls!

Der Besucher hatte die Möglichkeit, zwei Festplätze zu besuchen - den Schmalspurbahnhof Radebeul Ost und das Bahnhofsgelände Moritzburg. Die Verbindung zwischen diesen Orten übernahmen die regulären BVO-Züge, aber auch zahlreiche Sonderzüge der Traditionsbahn. Mangel an Reisezugwagen - und damit Sitzplätzen wie in Mügeln - herrschte nur selten, schickte die BVO doch Garnituren mit stattlicher Länge auf die Strecke. Vorspannlokomotiven machten die Züge für Fotografen noch attraktiver.

Die Traditionsbahn Radebeul e.V. bot hingegen einen Augenschmaus, den es in dieser Art nur ganz selten oder noch nie gegeben hat! Zum Beispiel hatten mehrere zweiachsige Wagen des Verkehrsmuseums Dresden per Sondergenehmigung - und nach Arbeiten am Fahrwerk - eine Einsatzerlaubnis für das Festwochenende erhalten. Dadurch war es möglich, Züge mit mehreren zweiachsigen Güter- und Reisezugwagen bestaunen zu können. Die Beförderung von Personen war in den historischen Fahrzeugen nicht möglich - dafür konnten Eisenbahnfreunde, die Plätze vorbestellt hatten, in den zwei dem Zug beigestellten vierachsigen Sitzwagen (KC4 435K, ex 970-237, sowie KC4 325K, ex 970-309) in der denkwürdigen Zuggarnitur mitreisen.

Einen Blickfang der besonderen Art bot am Samstag der Transport von drei großen Kirchenglocken auf zwei zweiachsigen Güterwagen. Die Idee zu diesem ungewöhnlichen Ladegut kam beim Betrachten einer historischen Aufnahme aus dem Jahr 1920 von der 1951 eingestellten und danach demontierten Schmalspurlinie Goßdorf-Kohlmühle - Hohnstein (Sächsische Schweiz). Die drei nun auf der Lößnitzgrundbahn beförderten Eisengußglocken stammten von der neuen Peter-Pauls-Kirche aus Coswig. Sie wurden am 13. Januar 2006 aus dem dortigen Glockenturm gehoben, da nach dessen Sanierung neue Bronzeglocken eingebaut werden sollen. Zur Finanzierung der neuen Glocken sind Spenden willkommen - mit der Fahrt auf der Schmalspurbahn warb der Förderverein für dieses Projekt mit großer Öffentlichkeitswirkung. Am 10. Juli wurden die drei Glocken nach Coswig zurückgebracht und dort im Kirchgarten aufgestellt.

Einen anderen Höhepunkt bot der Sonntag, 9. Juli. An diesem Tag kam der im Eigentum der IG Verkehrsgeschichte e.V. befindliche Postwagen 2680 aus Wilsdruff gemeinsam mit dem zweiachsigen Postwagen 1703 des Verkehrsmuseums Dresden aus Radebeul in einem Zug zum Einsatz! Eine solche Garnitur dürfte es - wenn überhaupt jemals zuvor - seit über fünf Jahrzehnten nicht mehr gegeben haben (in den fünfziger Jahren war die Bahnpostbeförderung auf den Schmalspurbahnen eingestellt worden). Und natürlich fand in den beiden Postwagen eine Bahnpostbeförderung statt - die extra dafür gestalteten Sonderkarten stießen auf großes Interesse. Der Wilsdruffer Vierachser hatte extra für das Schmalspurfestival eine Lauffähigkeitsuntersuchung erhalten. Wann genau er von Radebeul nach Wilsdruff zurückkehren wird, steht noch nicht fest.

Die abendlichen Paraden der eingesetzten Dampfloks vor dem Heizhaus in Radebeul Ost rundeten die drei Festtage für die Fotografen würdig ab.

Indes hatte man in Radebeul Ost auch die Möglichkeit, den zum Veranstaltungsort und Eisenbahnmuseum umgebauten alten Güterboden zu besichtigen. In diesem präsentierte der Sächsische Modelleisenbahn-Verband (SMV) eine Auswahl der schönsten H0e- und 0e-Schmalspuranlagen. Der Grad der Detaillierung von Landschaft und vor allem Gebäuden, aber auch die eingesetzten Fahrzeuge begeisterten dabei nicht nur Modellbahner.

Gastgeber in Moritzburg waren die BVO Bahn GmbH und der Verkehrsverbund Oberelbe. Hier bestand vor allem die Möglichkeit, sich kulinarisch zu verwöhnen. Ein Pferdetransport von Radeburg nach Moritzburg bot visuelle Reize.

Neben der IV K 132 (99 1539-8) der Traditionsbahn Radebeul kamen folgende Dampfloks der BVO zum Einsatz: 99 1564-6, 99 1608-1, 99 713, 99 1761-8 und 99 1789-9. In den BVO-Zügen konnte man neben dem „Altbau-Aussichtswagen“ 970-312 auch den „Neubau-Aussichtswagen“ 970-378 nutzen. Im unmittelbaren Vergleich konnte gut die unterschiedliche Länge und Bestuhlung der beiden Fahrzeuge registriert werden - Modellbahner aufgepaßt... Nicht vergessen werden soll, daß am Freitagabend auch die V10C des Traditionsbahnvereines zu Festivalzugehren gekommen ist.

Fazit:
Die Veranstaltung in Radebeul zeigte, was in puncto Schmalspurbahn in Sachsen möglich ist. Allein das Festgelände in Radebeul besuchten über 10.000 Gäste, in Moritzburg wurden ebenfalls mehrere Tausend Besucher begrüßt! Eine gute Mischung aus Unterhaltungsmöglichkeiten für die ganze Familie sowie Imbißständen auf der einen Seite und von Angeboten für Eisenbahnfreunde auf der anderen Seite sorgte dafür, daß jeder Besucher zufrieden nach Hause ging. Vorbildliche Ausschilderungen, Lautsprecherdurchsagen zu Zügen und Besonderheiten der Veranstaltungen sowie genügend Toiletten vermittelten den Gästen das Gefühl, an einer gut und professionell vorbereiteten Veranstaltung teilzunehmen zu dürfen. „Ich war dabei“, konnte jeder stolz von sich berichten. Die Veranstaltung im Lößnitzgrund zwischen Radebeul, Moritzburg und Radeburg machte damit Lust auf das nächste Fest. Dieses wird vom 11. bis zum 13. August in Zittau und Umgebung gefeiert werden. Lesen Sie dazu bitte auch nochmals den PK 89 sowie Seite 27 in diesem Heft!
AM


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