Das große Jubiläumsjahr 2006

III. Sächsisches Schmalspurfestival im Zittauer Gebirge

Vom 11. bis zum 13. August fand entlang der Schmalspurbahn Zittau – Kurort Oybin/Berts­dorf – Kurort Jonsdorf sowie in Seifhennersdorf das III. Sächsische Schmalspurfestival statt. Aus diesem Anlaß kam zusätzlich zu den regulär eingesetzten Personenzügen auch der von IV K 132 (99 539) bespannte Radebeuler Traditionszug im Zittauer Gebirge zum Einsatz. Viele der übrigen Züge schickte die SOEG am Wochenende mit Vorspannlokomotive auf die Strecken. So waren sowohl die Einheitslokomotiven 99 731, 99 735, 99 749 als auch die Babelsberger Neubaulok 99 787 im Einsatz. Letztere stand am Sonnabend und Sonntag von mittags bis zum letzten Zug des Tages im Bahnhof Jonsdorf für Führerstandsmitfahrten zur Verfügung. Ein Angebot, was großen Zuspruch fand.

Zum Auftakt des Festwochenendes verkehrte am Freitag, dem 11. August, für die Ehrengäste der Radebeuler Traditionszug, in den auch der erst wenige Wochen zuvor in Betrieb genommene neue Aussichtswagen der SOEG eingestellt war. Dieser Vierachser (970-375) erfreute sich auch am Wochenende großer Beliebtheit. Besonders gern nahmen viele Eisenbahnfreunde auch das Angebot der SOEG an, das Bertsdorfer Stellwerk besichtigen zu dürfen. Von ihm war ein besonders guter Blick auf die Doppelausfahrten nach Kurort Oybin und Kurort Jonsdorf möglich. Da auf dem von oben gesehen ganz linken Gleis Führerstandsfahrten mit der dreiachsigen SOEG-Diesellok 199 013 angeboten wurden, konnten bei Doppelbespannungen fünf Lokomotiven auf einmal fotografiert werden!

Ein Besuch des Bahnhofes Bertsdorf lohnte sich jedoch nicht nur, um die beliebten Doppelausfahrten zu erleben, sondern auch zur Unterhaltung und Information. Auf dem Mittelbahnsteig stellten sich ein tschechischer sowie zahlreiche sächsische Vereine vor. Die Freunde der Friedländer Bezirksbahnen hatten aus der Tschechischen Republik sogar ihre Diesellok vom Typ HF130C mitgebracht, die viele Besucher noch aus Jöhstadt oder Mügeln kannten. Gemeinsam mit einem von der Jugendgruppe des Interessenverbandes der Zittauer Schmalspurbahnen e.V. vorbildlich aufgearbeiteten Niederbordgüterwagen zog sie viele Blicke auf sich. Bei dem zweiachsigen Wagen handelt es sich um einen 1899 in Graz für die Friedländer Bezirksbahnen gebauten Ow, der ab 1938 (nach der Angliederung des Sudetenlandes) zum Bestand der RBD Dresden gehörte und nach dem Zweiten Weltkrieg in Sachsen verblieb. Die Deutsche Reichsbahn nutzte ihn zuletzt als 97-19-67 im Mügelner Netz. Nachdem ihn das Schmalspurbahnmuseum in Rittersgrün in den siebziger Jahren für die Nachwelt gerettet hatte, wechselte er im Jahr 2004 in das Eigentum des Zittauer Interessenverbandes über. Um besser hinter die von den Tschechen als T36.002 beschilderte Heeresfeldbahnlok zu passen, klebten die Zittauer Vereinsfreunde dem Ow während des Schmalspurfestivals provisorisch eine CSD-Nummer an (5326 – seine DRB-Nummer, bei CSD trug er bis 1938 die Nummer 3056).

Die 1946 unter der Fabriknummer 4234 von der badischen Firma Gmeinder an den Feldbahnhändler „Glaser & Pflaum“ nach Mannheim gelieferte HF130C gelangte in den sechziger Jahren zur Rheinregulierungsbahn ins Grenzgebiet Österreich/Schweiz. Nach ihrem dortigen Einsatz wurde sie zunächst von einem Schweizer Sammler erworben, dann aber 1990/91 an einen Eisenbahnfreund aus Zeulenroda verkauft. Dieser holte die Diesellok im Juli 1991 nach Jöhstadt. Hier wurde sie bis Mai 1993 von der IG Preßnitztalbahn e.V. zeitweise für kurze Verschubfahrten genutzt. Da der Lokomotiveigentümer keine Betriebsunterlagen beschaffte, war eine Zulassung der als „199 002-7“ bezeichneten Lok für den Personenverkehr nicht möglich. Zum Rangieren und für Bauzüge wurde von der IG Preßnitztalbahn e.V. deshalb lieber seit Juli 1992 die vereinseigene und bahnamtlich zugelassene Ns4 199 007-6 genutzt. „199 002-7“ ließ ihr damaliger Eigentümer nach Oschatz bringen, wo sie viele Jahre im Lokschuppen stand. In den Eigentum des Fördervereins „Wilder Robert“ e.V. übergegangen, trug sie die Nummer 199 034-0. Seit August 2004 befindet sich die Lok im Eigentum des tschechischen Vereins der Friedländer Bezirksbahnen und ist in Friedland/Frydlant im Lokschuppen beheimatet.

Zurück nach Bertsdorf: Ebenfalls für Aufsehen sorgte hier der Kasten des einst zweiachsigen sächsischen Gepäckwagens 975-105. Diesen hatten die Mitglieder des Schwarzbachbahnvereins aus der Sächsischen Schweiz mit einem Tieflader nach Bertsdorf bringen lassen. Dort warb der einzige erhaltene sächsische (zweiachsige) Gepäckwagen mit Flachdach für das ein Wochenende später in Lohsdorf organisierte Dorf- und Bahnhofsfest.

In Bertsdorf nutzten viele Besucher aber auch die Gelegenheit, im Heizhaus den in Aufarbeitung befindlichen VT137 322 sowie die nicht betriebsfähigen Dampfloks 99 555 und 99 4532 zu besichtigen. Als viertes Fahrzeug stand der vierachsige Reisezugwagen 970-403 im Lokschuppen. An dem sogenannten großfenstrigen Sitzwagen konnte man gut erkennen, welchen Aufwand es bedarf, um die aus den Jahren 1913 bis 1932 stammenden Altbaureisezugwagen der Nachwelt zu erhalten.

Im Bahnhof Zittau-Vorstadt war die nicht betriebsfähige 99 758 mit einem Rollwagenzug ausgestellt. In Seifhennersdorf, wohin ein Buspendel eingerichtet war, bestand anläßlich des Schmalspurfestivals die Möglichkeit, eine liebevoll gestaltete Großbahnmodellanlage zu besichtigen.


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