22. November 1991: IG Preßnitztalbahn e.V.
erwirbt 99 1542-2 und 99 1568-7 von DR

Am 22. November jährte sich für die damals noch junge Interessengemeinschaft Preßnitztalbahn e.V. ein sehr wichtiges Ereignis - nach rund einjährigen Verhandlungen mit verschiedenen Stellen der Deutschen Reichsbahn gelang es, mit 99 1542-2 und 99 1568-7 zwei für das Preßnitztal so bestimmende Dampfloks der sächsischen Gattung IV K zu erwerben. Zahlreiche Gesprächstermine, Absagen, Briefe, Faxe und Telefonate waren erforderlich; die Freigaben aus der Rbd Dresden und der zuständigen Heimatdienststelle, dem Bw Nossen, mußten erwirkt werden, bis endlich an jenem Freitag der Verhandlungstermin zwischen Herrn Halle und Herrn Walloschek seitens der Hauptverwaltung der Deutschen Reichsbahn in Berlin sowie Kay Kreisel, Matthias Rothe und Dirk Lenhard seitens der IG Preßnitztalbahn e. V. erfolgreich abgeschlossen werden konnte.

Grundlage der Freigabe durch das Heimat-Bw war der Rückgang des Bedarfes sowie der Zustand der zum Verkauf angebotenen Lokomotiven. Zwei Maschinen durften die Verhandlungspartner der Preßnitztalbahn aus einer Liste mit drei Loks auswählen. Alle drei, neben der 542 und der 568 stand 99 1562-0 noch mit auf der Liste, waren zu diesem Zeitpunkt als schadhaft gemeldet. Während die 568 wegen starkem Rohrlaufen seit mehreren Monaten im Lokschuppen Mügeln abgestellt war, hatten die 542 und die 562 stärkere Blessuren aus Unfällen an Bahnübergängen davongetragen. In Kenntnis des extremen Unfallschadens an 562 fiel die Entscheidung relativ leicht.

Die von der Verhandlung Heimkehrenden wurden bei einer anders geplanten Feierrunde jubelnd empfangen. Bereits am Montag, 25. November 1991, fuhren mehrere Vereinsmitglieder zur Abholung der Betriebsbücher der Loks nach Nossen und anschließend nach Mügeln. Hier wartete eine besondere Überraschung: Ohne Information an die Bw-Leitung war durch die Lokschlosser der Rohrschaden an 99 1568-7 inzwischen behoben, eine Druckprobe durchgeführt worden und kurz vor Inaugenscheinnahme im Lokschuppen Mügeln an das Bw Nossen als einsatzbereit gemeldet worden. (Das Gesicht des Einsatzstellenleiters sprach Bände ...) In Oschatz im Lokschuppen stand 99 1542-2 in weniger ansehnlichem Zustand (siehe Foto in PK 3, Seite 4), der Unfallschaden des Verbinders zwischen den Drehgestellen war gut erkennbar.

Kurzfristig wurde der Abtransport der Loks vereinbart, am 2. Dezember 1991 verlud 99 1564-6 die 99 1542-2 in Oschatz auf einen Eisenbahntransportwagen. Nachdem dieser bereits am 3. Dezember in Wilischthal eingetroffen und die IV K mit der Ns 4 199 007-6 abgeladen worden war, ging der Transportwagen zurück nach Oschatz, um hier am 5. Dezember mit der aus Mügeln per Schmierdampf überführten 99 1568-7 beladen zu werden. Am 6. Dezember traf auch die zweite IV K der IG Preßnitztalbahn e. V. in Wilischthal ein. Hier hatte sie am 14. Dezember 1991 mit 99 1586-9 einen Kurzauftritt, bis sie dann am 10. Januar 1992 nach Jöhstadt heimkehrte.

Für 99 1542-2, so stand für den aktiven Kern der IG Preßnitztalbahn e. V. eindeutig fest, konnte es nur eine Richtung geben: ins Reichsbahnausbesserungswerk Görlitz. Intensive Gespräche mit dem damaligen Bürgermeister von Jöhstadt, Günter Baumann, und bereits parallel dazu vom Verein angeschobene Verhandlungen mit dem Raw Görlitz ebneten den Weg, dieses Ziel zu erreichen. Nach einiger Wartezeit auf einem der zu dieser Zeit noch wie Goldstaub gehandelten Schmalspurtransportwagen erfolgte Ende März der Transport von 99 1542-2 nach Schlauroth. Ende November 1992 war die Hauptuntersuchung der IV K als erste von einem Verein aus den neuen Bundesländern veranlaßte Leistung im Raw Görlitz abgeschlossen. Über die anschließende Odyssee zur Inbetriebnahme der IV K lesen Sie im PK 12 von 1993 auf Seite 15 ausführlich.

Jörg Müller


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