Verladung von Schmalspurfahrzeugen über Auffahrrampen auf Straßentieflader

Gerade einmal ... oder schon 10 Jahre ist es her – je nach Betrachtungsstandpunkt –, daß Schmalspurfahrzeuge der sächsischen Schmalspurbahnen erstmals über Rampen auf Straßentransportfahrzeuge verladen werden. Dies ist Anlaß genug, einmal den Werdegang dieser Technologie nachzuzeichnen.

Seit 1881 die erste Schmalspurbahn in Sachsen eröffnet worden ist, muß es regelspurige Transportwagen für die Beförderung der Fahrzeuge dieser Spurweite gegeben haben, um sie vom Hersteller zur Einsatzstrecke zu bringen, sie zwischen verschiedenen Strecken tauschen zu können oder sie zu den zentralen Instandhaltungswerkstätten zu transportieren. Damit dürfte auch der Bau entsprechender Verladerampen von der Schmalspur auf den Transportwagen einhergegangen sein. Mit dieser Transporttechnologie arbeitete man bereits über 110 Jahre, als Anfang der neunziger Jahre Schmalspurbahnen dort wieder aufgebaut wurden, wo bereits kein Regelspuranschluss mehr bestand. Von ein paar Ausnahmen der Beförderung von Fahrzeugen für besondere Zwecke (z. B. Teilnahme von 99 590 am Festumzug „1000 Jahre Döbeln“ auf einem Schwerlasttieflader) begann damit die Ära des Straßentransports von Schmalspurbahnfahrzeugen.

Doch mit dem anwachsenden Bedarf solcher Transporte für die IG Preßnitztalbahn e. V. (aber auch für die Museumsbahn Schönheide) mittels aufwändiger Kraneinsätze und Tieflader, anfänglich mit Klotzunterbaukonstruktionen, später mit richtigem Gleis, zeigten sich auch die Schattenseiten dieser Beförderungsart: Explodierende Kosten für die Leistungen und Beschädigungen an den Fahrzeugen durch Seile und Befestigungsmittel waren die Folge.

Mit den ersten Gedanken zur gemeinsamen Organisation einer Festwoche mit vielen Fahrzeugen auf der Schmalspurbahn Cranzahl – Kurort Oberwiesenthal kam recht bald die Feststellung, daß dies nicht mit Kranverladung zu schaffen sei. Also entstand in Anlehnung an die traditionelle Verladetechnologie auf Regelspurfahrzeuge die Adaption für den Straßentieflader. Am 8. März 1997 entstand im Bahnhof Schlössel die erste Verladerampe dieser Art, 99 1608-1 der DB Regio AG wurde dann am 26. März 1997 als erstes Fahrzeug über diese Rampe abgeladen, nachdem die IV K in Freital-Hainsberg noch mit einem Kran auf den Tieflader gehoben worden war. In Hammerunterwiesenthal entstand im Juli 1997 die zweite stationäre Rampe, nach der Festwoche wurde sie jedoch im September wieder zurück gebaut.

Da stationäre Rampen jedoch dauerhaft Platz belegen, entstand aus den Erfahrungen des Jahres 1997 im Folgejahr das Konzept eines mobilen Rampensystems, in der Zusammenarbeit der IG Preßnitztalbahn e.V. mit der heutigen HÖRMANN Engineering GmbH - Ingenieurgesellschaft wurde daraus eine Konstruktion und Berechnung erstellt und im Frühjahr 1999 die erste mobile, aus 14 Einzelsegmenten bestehende mobile Rampe getestet.

Nach Verhandlungen mit der DB Regio AG erwarb diese zwei baugleiche Rampensysteme von der Preßnitztalbahn für den Einsatz auf den Schmalspurbahnen in Radebeul Ost und Freital-Hainsberg. Der Vorteil des Systems war gleichermaßen auch der ausschlaggebende Grund für den Erfolg der modularen Rampen: Sie konnten überall auf einer befestigten Stelle (Bahnübergang, Ladestraße, Schuppengleis) aufgestellt und somit flexibel am Bedarfsort eingesetzt werden. Auch an Orten, an denen nur selten der Bedarf für Verladung besteht (z. B. Bahnhöfe ohne Gleisanschluß wie Rittersgrün, Carlsfeld, Lohsdorf oder andere Schmalspurbahnstrecken wie z. B. der Pollo) können so „beliefert“ werden.

Allein das Dampflokwerk Meiningen nutzt für Ver- und Entladungen weiterhin den ohnehin verfügbaren Hallenkran. Bei Beschädigungen an Fahrzeugen kann dort aber auch schnell für Abhilfe gesorgt werden. Das modulare Rampensystem sorgte damit für eine Standardisierung der Verladehöhe auch anderer stationärer Rampen, dadurch ist heute eine weitgehende Kompatibilität der Transportfahrzeuge an den verschiedenen Be- und Entladeplätzen gegeben.

Alle sächsischen Schmalspurbahnen verfügen heute über eine Verladerampe, entweder in stationärer oder in mobiler Ausführung. Ein Austausch von Fahrzeugen zwischen verschiedenen Standorten ist damit heute auch wieder vereinheitlicht, nachdem die Deutsche Bahn 1999 den Transport über den Schienenweg gänzlich einstellte. Obwohl auch diese Transporttechnik weiter erhalten bleiben sollte und wie 2006 bei der Verladung von 99 1781-6 in Nürnberg, wenn auch nur für ein kurzes Stück, weiterhin als Transportmittel mit Tradition zur Verfügung steht.

Jörg Müller


aktueller Preß'-Kurier | Artikel älterer Ausgaben