Vierzehn IV K im Preßnitztal

Besondere Veranstaltung zum Vereins-Geburtstag

Das 20. Jubiläum der Gründung des Vereins sollte in diesem Jahr zu einem besonderen Höhepunkt werden – dieses war dem Vorstand und weiteren Aktiven bereits am Anfang des Jahres klar. Eine Veranstaltung mit entsprechendem Erinnerungswert zu organisieren, ist bei den zahlreichen Veranstaltungen auf den Schmalspurbahnen in Sachsen im Jahreskalender gar nicht so einfach. So viele IV K wie möglich, hieß daher das „Arbeitsprogramm“.

Im Frühjahr begannen die Anfragen bei Eigentümern und Betreibern von Loks der Gattung, die einst mit 96 Stück zwischen 1891 und 1921 die Werkhallen der Sächsischen Maschinenfabrik vorm. R. Hartmann AG verließ und von denen es heute noch 22 Exemplare gibt. Drei der Loks haben ihre Heimat bei der Preßnitztalbahn. Von vornherein schieden einzelne Loks wegen ihres Zustandes oder der laufenden Hauptuntersuchung aus, insgesamt 14 Lokomotiven konnten dann vom 3. bis 5. Oktober den Gästen der Veranstaltung im Schwarzwasser- und Preßnitztal präsentiert werden.

Über Straße und Schiene nach Jöhstadt

Alle Loks mußten natürlich zunächst per Straßentieflader herangeholt werden, den weitesten Weg hatte dabei 99 1584-4 von der Insel Rügen, den kürzesten Anreiseweg 99 1566-1 aus Chemnitz zurückzulegen.
  • Lok-Nr. - Eigentümer/Besitzer - Ank.
  • 99 1516-6 - Museumsbahn Schönheide e.V. - 30.9.
  • 99 1539-8 - Traditionsbahn Radebeul e.V. - 25.9.
  • 99 1542-2 - IG Preßnitztalbahn e.V. - -
  • 99 1562-0 - Deutsches Dampflokomotiv-Museum Neuenmarkt-Wirsberg - 8.9.
  • 99 1564-6 - Sächsische Dampfeisenbahngesellschaft mbH, Annaberg-B. - 16.9.
  • 99 1566-1 - Sächsisches Eisenbahnmuseum Chemnitz-Hilbersdorf - 11.9.
  • 99 1568-7 - IG Preßnitztalbahn e.V. - -
  • 99 1579-4 - Sächsisches Schmalspurbahnmuseum Rittersgrün - 24.9.
  • 99 1584-4 - Museum Eisenbahn & Technik Prora / Döllnitzbahn - 24.7.
  • 99 1585-1 - Museumsbahn Schönheide e.V. - 29.9.
  • 99 1590-1 - IG Preßnitztalbahn e.V. - -
  • 99 1604-0 - VSSB e.V. Dresden (Radebeul) - 15.9.
  • 99 1606-5 - VSSB e.V. Dresden (Carlsfeld) - 28.5.
  • 99 1608-1 - SDG mbH, Annaberg-Buchholz - 17.9.

Alle Loks mußten dann von Steinbach aus den Weg nach Jöhstadt über 8 Kilometer Strecke zurücklegen, was sich besonders bei einigen Museumsstücken zu einer länger währenden Überführungsfahrt entwickelte. Lediglich 99 1564-6, die direkt am Wasserhaus in Steinbach angeheizt wurde, bewältigte von den elf Gastloks als einzige die erste Strecke aus eigener Kraft. Erwähnenswert ist natürlich in diesem Zusammenhang die leihweise Überlassung der VI K 99 1715-4 zum Betriebseinsatz auf der Museumsbahn Schönheide, während die 99 1516-6 im Preßnitztal weilte. In einer kurzen Regenpause ist es dem Verein am 1. Oktober geglückt, alle 14 anwesenden Loks der Gattung IV K zusammen vor dem Lokschuppen in Jöhstadt aufzustellen. Von dieser Aufstellung hat der Verein eine exklusive A5-Klappkarte in limitierter Auflage drucken lassen, es stellt die einzige Ansicht mit allen Loks dar.

Drei Tage IV K pur

In einem anspruchsvollen Fahrplan wurden dann vom 3. bis 5. Oktober sechs IV K im Zugbetrieb zwischen Jöhstadt und Steinbach eingesetzt. Zwei Tage lang waren sogar vier Züge im Umlauf, im 45-Minuten-Takt pendelten Züge mit Lok und vier Wagen über die acht Kilometer lange Strecke, während ein „Hallen-Pendel“ zwischen Schlössel und Jöhstadt zum Einsatz kam. Da auch bei jedem Zug die Lok gewechselt wurde, konnten ständig neue „Foto-Motive“ entlang der Strecke beobachtet werden.

Überhaupt waren die Loks permanent begehrtes Fotoobjekt, weshalb bereits bei der Planung der Veranstaltung auf günstige Fotogelegenheiten Wert gelegt wurde. Am Lokschuppen Jöhstadt waren neben den sechs Betriebsloks am Morgen tagsüber auch immer zwei oder drei weitere Loks zu sehen, so daß sich immer ein „volles Haus“ ablichten ließ. An der Anschlußbahn zur Fahrzeughalle wurde speziell für die Fotografen ein drei Meter hohes Fotopodest errichtet, um optimale Sicht auf die vor der Halle „posierenden“ Loks zu bieten. Da an allen Tagen auch regelmäßig „Bewegung“ in die Ausstellungsloks kam, wurde es auch nicht eintönig.

Ein besonderer Höhepunkt für rund 300 Fotografen stellte am 4. Oktober die große Lokparade vor der Ausstellungs- und Fahrzeughalle dar. Bei Temperaturen um den Gefrierpunkt harrten die Fans der IV K rings um den Aufstellungsort der Fahrzeuge aus, bis gegen 20.30 Uhr auch die letzte Lok unter Flutlicht ihren Platz in der Parade fand. Lediglich die „grüne“ 99 1539-8 verblieb in der Fahrzeughalle. Ein mehrere Minuten anhaltendes Pfeif- und Sicherheitsventilgetöse sorgte für das entsprechende „Gänsehautgefühl“, das mit einer tosenden Vorbeifahrt der sechs betriebsfähigen Loks mit 99 1606-5 im Schlepp seinen Abschluß fand.

Reichhaltiges Programm zur Abrundung

Aber nicht nur die IV K-Jünger kamen an diesem verlängerten Wochenende auf ihre Kosten, ein reichhaltiges kulturelles Programm in der Ausstellungs- und Fahrzeughalle sorgte an allen Tagen für volles Haus. Besonders der Sonntag war dabei ein richtiger Familienausflugstag, während am 3. und 4. Oktober die mit Fotoapparaten bewaffneten Eisenbahnfans dominierten. Ein abwechslungsreiches Musikprogramm (von erzgebirgischer Volksmusik über Jazz, Rock- und Popmusik bis zur Schalmeienkapelle war alles dabei), eine 270 Bilder umfassende Fotoausstellung über die „Menschen von der Preß´“, zahlreiche Modellbahnanlagen, Film- und Diavorträge mit historischen Aufnahmen aus der europäischen Eisenbahngeschichte von und mit Ton Pruissen, mehrere Souvenir- und Informationsstände von sächsischen Eisenbahnvereinen sowie ein abwechslungsreiches kulinarisches Angebot sorgten für Kurzweil in der Ausstellungshalle.

Insgesamt konnten an diesem Wochenende Anfang Oktober über 7000 Besucher begrüßt werden, da keine „Eintrittszählung“ an der Fahrzeughalle erfolgte, ist diese Zahl sicher eher zu niedrig. Die Fahrgaststatistik zählte rund 4500 Fahrgäste Daß eine solche Veranstaltung nur mit ausreichend Personal zu bewältigen sein würde, ist eine Selbstverständlichkeit. Jedoch konnte der Verein auch für dieses Event auf die breite Unterstützung seiner aktiven Mitglieder bauen, zahlreiche bisher eher passive Mitstreiter konnten sogar für die Mitwirkung auf verschiedenen Dienstposten gewonnen werden. Die Loks der Sächsischen Dampfeisenbahngesellschaft mbH (SDG) und der Museumsbahn Schönheide e.V. wurden größtenteils durch eigenes Personal der Eigentümer besetzt, was die Dienstplanung natürlich deutlich vereinfachte. Insgesamt waren über 50 Mitwirkende im Einsatz, um für einen reibungslosen Ablauf der Veranstaltung zu sorgen.

Daß die Kalkulation der Gastronomie bereits am ersten Tag über den Haufen geworfen wurde, konnte ohne merkliche Angebotseinbußen und mittels mehrfacher zusätzlicher Einkaufstouren kompensiert werden. Als besonderes Angebot für die Besucher, die gern mit öffentlichen Verkehrsmitteln anreisen wollen, wurde bereits zum zweiten Mal ein „Schienenersatzverkehr“ zu und von den Zügen der DB Erzgebirgsbahn in Wolkenstein bis nach Steinbach zur Museumsbahn angeboten. Über 450 Fahrgäste in den Bussen sind ein beredtes Zeichen dafür, dieses Angebot auch künftig (aber sicherlich nicht mehr für einen Euro je Person und Fahrt) wieder anzubieten. Erstmals konnte mit der Erzgebirgsbahn bereits im Vorfeld eine Werbung für dieses Angebot ab der „ÖPNV-Schnittstelle“ Wolkenstein realisiert werden.

Zum Abschied der Veranstaltung gab es dann am Montag, 6.10., noch einmal eine Lokparade vor der Fahrzeughalle.

Positive Resonanz und Dank

An die Mitwirkenden der Veranstalter sowie die Leihgeber der Lokomotiven gerichtet, gingen nach der Veranstaltung bereits zahllose Dankes-Briefe und E-Mails ein. Auch die Resonanz in den Medien und einschlägigen Foren konnte positiver nicht sein, hatte doch auch das Wetter seinen wichtigen Anteil am Erfolg der Veranstaltung gebracht. Schöne Fotos sollte es in nächster Zeit davon reichlich zu sehen geben. Für die Preßnitztalbahn brachte die Veranstaltung natürlich auch im Nachgang noch einmal einigen Streß, mußten doch nun die elf Gäste nach und nach wieder in ihre heimatlichen Unterkünfte zurückgeführt werden.

Jörg Müller


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