„Güterverkehr rund um die Uhr“

Ein ganz anderes Konzept als bei bisherigen derartigen Veranstaltungen bot die diesjährige Fotogüterzugveranstaltung auf der Preßnitztalbahn. Viele Fotografen bedauerten in der Vergangenheit, daß sie am Abend einer Veranstaltung nicht mehr nach Hause fahren wollten, also wurde dieses Mal am Freitag, dem 20. Mai, zur Mittagszeit am Freitag mit dem Güterzugfahren begonnen - und die Nacht hindurch für Foto- und Filmaufnahmen genutzt. Da sich ein Wochenende mit planmäßigem Dampfbetrieb anschloß, konnte nach Belieben der Aufenthalt noch deutlich verlängert werden, zumal auch am Sonnabend und Sonntag die Reisezüge mit Güterwagen „garniert“ wurden.

Doch zunächst stand die Veranstaltung am 20. und 21. Mai unter keinem günstigen Stern, ging doch kurz vor dem geplanten Start ein Unwetter über Jöhstadt nieder, das für rund zwei Stunden das Stadtgebiet der Bergstadt noch einmal in ein weißes Kleid hüllte. Schnee und Hagel bedeckten das Gelände, Wassermassen sorgten dann für rutschende Hänge und überflutete Straßen, womit besonders im Ortsteil Schmalzgrube noch am Sonnabend die örtlichen Feuerwehren zu kämpfen hatten. Bei so manchem Fotostandpunkt blieben auch in den folgenden Stunden die Fotografen nicht trocken, doch machte sich immer wieder die Erkenntnis breit, daß „bei schönem Wetter ja jeder könnte“.

Um einen attraktiven Güterverkehr mit zwei im Einsatz befindlichen IV K bieten zu können, mußte in Vorbereitung der Veranstaltung ein anspruchsvoller Fahrplan ausgearbeitet werden. Dann stand auch die Aufgabe, die vorgesehenen Fahrzeuge in einen einsatzbereiten Zustand zu versetzen, das Ladegut ordentlich zu befestigen und die notwendigen Revisionen an den Bremsanlagen der Wagen auszuführen. Noch am Freitagvormittag wurde mit Rangierfahrten der „Ausgangszustand“ für die avisierte Zug- und Wagenreihung hergestellt, schließlich hatten einige Fotografen die zugesandten Teilnehmerunterlagen in eine eigene Choreographie der Abfolge zu besetzender Fotostandpunkte umgearbeitet. Diese Mühe sollte sich ja auch lohnen.

Mit Einbruch der Dunkelheit begann auch der Einsatz mehr oder minder ausgefeilter Beleuchtungsstrategien bei den Halten auf den Stationen. Aber sowohl für Langzeitbelichtungen ohne Zusatzleuchten wie auch für taghell ausgeleuchtete Szenen gab es genügend Gelegenheiten, wobei das insgesamt knapp 100 Köpfe starke „Teilnehmerfeld“ in den Nachtstunden teils stark ausdünnte, nur wenige Unermüdliche nutzten die Nacht-GmP in wachem Zustand.

Während der Nacht wurde es zunehmend neblig, erst die aufgehende Sonne am nächsten Morgen sorgte dann zunächst sehr zaghaft für erste Löcher im Dunst, was andererseits für sehr attraktive und selten wiederholbare Motive sorgte. Wenigstens der zweite Tag bot dann mit gelegentlichem Sonnenschein eine Besserung bei den „Arbeitsbedingungen“ für Personal und Teilnehmer. Die Resonanz zur Veranstaltung war durchweg positiv, zahlreiche begeisterte Rückmeldungen erreichten den Verein im Nachgang, so daß eine Wiederholung dieses Veranstaltungskonzeptes in Zukunft sehr wahrscheinlich ist.
Jörg Müller


aktueller Preß'-Kurier | Artikel älterer Ausgaben