Das Projekt „Eisenbahnfahrzeugtankstelle“ im Bahnhof Putbus

Im Frühjahr des Jahres 2008 übernahm die Eisenbahn-Bau- und Betriebsgesellschaft Pressnitztalbahn mit der Betriebsführerschaft für den „Rasenden Roland“ nicht nur eine neue und anspruchsvolle Aufgabe, sondern in Bezug auf Fahrzeugpark und Infrastruktur einen mehrjährigen Investitionsstau. Nachdem bis zum Herbst 2010 an der „Fahrzeugfront“ nach fast dreijähriger Arbeit mit umfangreichen Fahrzeuguntersuchungen und zeitweiligen Leihfahrzeugeinsätzen zur Verstärkung des für den Betrieb notwendigen Fahrzeugparks Schritt für Schritt ein stabiles Fundament bei der laufenden Fahrzeuginstandhaltung geschaffen werden konnte, standen die größten Herausforderungen bei der Infrastruktur noch auf der „Offene-Punkte-Liste“. Mitte November 2011 erfolgte nach reichlich einjähriger Bauzeit die Inbetriebnahme der neuen Eisenbahnfahrzeugtankstelle im Bahnhof Putbus und war damit ein erster, aber für die betrieblichen Abläufe sehr wichtiger Meilenstein bei den auf Langfristigkeit angelegten Vorhaben der Rügenschen BäderBahn. Aus diesem Anlaß wollen wir mit diesem Artikel einen Rückblick auf den Bau der Tankstelle und einen Ausblick auf weitere Meilensteine geben.

Ausgangssituation RüKB

Der Bedarf einer Tankstelle bei einer dampflokbetriebenen Schmalspurbahn erschließt sich erst auf den zweiten Blick, wenn man berücksichtigt, daß mit Diesellokomotiven ein nicht unerheblicher Teil der Rangierarbeiten und sogar Zugleistungen erbracht werden. Spätestens mit dem Erwerb und Einsatz der Diesellok 251 901-5 durch die Rügensche Kleinbahn GmbH & Co. KG ab dem Jahr 2000 entstand auch beim „Rasenden Roland“ das Problem, für eine regelmäßige Kraftstoffversorgung der Lokomotive zu sorgen. In den Sommermonaten war die Lok im Pendel Lauterbach Mole – Putbus im Einsatz, woraus sich natürlich ein regelmäßiger Dieselbedarf ergab.

Für die gelegentlichen Einsätze der HF130C dürfte immer der handelsübliche Kanister gereicht haben, zur Betankung der ehemaligen V51 901 wurde über viele Jahre ein Mineralölhändler mit seinem Tankauto bestellt oder die Lok aus dem Faß betankt. Natürlich blieb dieses Verfahren den Umweltbehörden nicht verborgen, schließlich stellt das regelmäßige Arbeiten mit Tankleitungen und Fässern ohne entsprechende Auffangeinrichtungen nicht nur eine Brand-, sondern auch eine Umweltgefahr dar. Bald hatte die RüKB die Auflage, eine den Vorschriften entsprechende Tankanlage zu errichten. Zwischenzeitlich wurde sogar mit dem Gedanken geliebäugelt, die Straßenfahrzeugtankstelle an der Zufahrt zum Putbuser Bahnhofsgebäude um eine gleisseitige Zapfstelle zu erweitern. Doch nicht nur dieser Ansatz blieb aufgrund des latenten Investitionsunwillens des RüKB-Eigentümers ergebnislos und die Auflage unerfüllt. Daher fand sich folgerichtig in der Neuausschreibung des Betriebs der Schmalspurbahn im Jahr 2007 auch die Forderung an den neuen Betreiber, eine Tankanlage für die Dieseltriebfahrzeuge zu errichten.

Konzept

Die PRESS, seit 19. März 2008 neuer Betreiber des „Rasenden Rolands“, hatte selbstverständlich die Verpflichtung übernommen, in kurzer Zeit den entstandenen Investitionsrückstau abzuarbeiten. Insofern stand für die Rügener Kreisbehörden die Errichtung einer neuen Tankstelle zwar nicht gerade an vorderster Stelle, es wurden jedoch auch keine Abstriche an den Anforderungen zugestanden. Doch nach einer ersten Bestandsaufnahme zeigte sich, daß zunächst mangels Diesellok der Bedarf einer Dieselversorgungsstelle deutlich geringer sein würde. Die 251 901-5 wurde im Herbst 2008 einer umfassenden Hauptuntersuchung im IZG Chemnitz zugeführt (PK berichtete) und kehrte erst im März 2010 auf die Insel zurück. Da derweil auch an zahlreichen anderen Fahrzeugen intensiver Instandhaltungsbedarf bestand, lag hier zunächst der wesentliche Fokus der Investitionen.

Bereits im Juni 2008 begannen seitens der PRESS/RüBB die Planungen für ein neues Bahnhofsanlagen- und Werkstattkonzept für den Bahnhof Putbus. Zunächst wurden in zahlreichen Gesprächen und Diskussionsrunden die Zielstellungen und Anforderungen für einen effektiveren Betriebsablauf diskutiert, ohne dabei das besondere Flair einer Schmalspurbahnanlage aus den Augen zu verlieren.

Über mehrere Wochen, durch zahlreiche E-Mail-Schriftwechsel und regen Gedankenaustausch verschiedener Beteiligter entstand eine Vorstellung von den gewünschten Ergebnissen. Neben der geeigneten Platzwahl für die Tankstelle stand insbesondere deren Integration in ein künftiges Gesamtkonzept für den Bahnhof auf dem Plan. Eine neue Werkstatt sollte alle Funktionen der bisherigen Lok- und Wagenwerkstatt und weitere Funktionen integrieren, die Tankstelle durfte deren Realisierung natürlich nicht im Wege stehen und sollte sich in den künftigen Betriebsablauf einpassen. Im Verlauf des Jahres 2009 entstand so ein Konzept für die künftige Gestaltung der Bahnanlagen, in der auch die Ausstellung des Fördervereins einen deutlich prominenteren Platz erhalten sollte.

Im Gelände des bisherigen Kleinbahnmuseums wurde im Ergebnis dieser Vorüberlegungen die beste Lage für das künftige Werkstattareal gefunden. Dazu mußten zur exakten Einordnung der davor entstehenden neuen Tankstelle auch für die Betriebswerkstatt schon klare Festlegungen zur Gleisgeometrie, für Zufahrten und Medienanbindungen sowie für deren bauliche Ausdehnung getroffen werden.

Vor- und Genehmigungsplanung

Im Frühsommer 2010 begannen auf der Grundlage einer vorgegebenen Aufgabenstellung die konkreten Planungen für den Bau der Tankstelle, die als kombinierte Anlage für die Betankung von Schmalspur- und Regelspurfahrzeugen sowie von Kleingeräten dienen sollte. Für diese Planungen wurde das Ing.-Büro Vössing GmbH beauftragt, das über entsprechende Erfahrungen realisierter Anlagen bei der Deutschen Bahn verfügte.

Ein zunächst von den Planern verfolgter ambitionierter Zeitplan für die Realisierung des Vorhabens noch für das Jahr 2010 zerschlug sich aufgrund der von Behörden sowie der DB Netz AG als Grundstücksnachbar aufgestellten umfangreichen Forderungen, die in die vorgelegten Planungsunterlagen einzuarbeiten waren. Da der Standort der Tankstelle bisher nicht durch Medien erschlossen war, folgten langwierige Verhandlungen und Abstimmungen mit der DB Netz, um Kreuzungen für Medienleitungen mit der regelspurigen Eisenbahnstrecke Bergen a. R. – Lauterbach Mole errichten zu können. Letztendlich erwies sich das deutlich aufwendigere Heranführen der Medien entlang der Ladestraße des Schmalspurbahnhofs in den meisten Fällen als einzige Möglichkeit, das Bauvorhaben in absehbarer Zeit umzusetzen.

Nach mehrfachen Planungsläufen der Genehmigungsplanungsunterlagen konnte per 21. März 2011 die Plangenehmigung des Ministeriums für Verkehr, Bau und Landesentwicklung von Mecklenburg-Vorpommern entgegen genommen werden. Damit konnte bis zum Ende des zweiten Quartals die Beauftragung der aus der Leistungsausschreibung als erfolgreiche Bieter hervorgegangenen Baufirmen für die verschiedenen Gewerke erfolgen. Parallel dazu mußten die Ausführungsplanungen noch die verschiedenen Überprüfungen überstehen.

Baurealisierung

Am 4. Juli erfolgte der offizielle Baubeginn für die verschiedenen Gewerke. Umgehend erfolgte durch die beauftragten Baufirmen, Fa. Göhler für die Tankanlagentechnik und Fa. Gleisbau Bautzen für die Gleisanlagen, die Auslösung der Beschaffung der vorgesehenen technischen Anlagen und Ausrüstungen. Durch die Gleisbauer erfolgte zunächst der Rückbau bestehender Gleise sowie der Anlagen des bisherigen Kleinbahnmuseums. Auch die Umsetzung der letzten auf dem Areal noch befindlichen Fahrzeuge und Gegenstände der Ausstellungsfläche wurde in diesem Zusammenhang abgeschlossen.

Innerhalb von reichlich vier Monaten erfolgte der Aufbau der Tankanlage. Aushub und Gründung des Fundaments für den Tank und die Grundplatten für die Befüll- und die Betankungsanlage, Aufbau der Umhausungen für die technischen Anlagen sowie Installation der Leitungen und Medienanschlüsse stellten die wesentlichen Schritte bei der Realisierung der Tankstelle dar. Hand in Hand mit diesen Arbeiten erfolgte die Errichtung der Gleisanlagen einschließlich der Herstellung der regelspurigen Gleiszuführung. Im Zusammenhang mit der weiteren Gestaltung der Gleisanlagen in dem Gelände wird auch die abgerissene unbrauchbare Überladerampe von der Schmalspur auf die Regelspur durch einen Neubau ersetzt.

Mit der Inbetriebnahme der Tankstelle Mitte November steht die Anlage jetzt für die Betriebsstoffversorgung der Dieselfahrzeuge des „Rasenden Roland“ sowie für Regelspurfahrzeuge zur Verfügung. Für die PRESS/RüBB stellt diese Inbetriebnahme jedoch nur einen Meilenstein für die zahlreichen, in den kommenden Jahren zur Realisierung anstehenden Vorhaben dar. Der „Preß´-Kurier“ wird in regelmäßigen Abständen weiterhin über die Projekte berichten.

Quellen
Planungsunterlagen zum Vorhaben und Dokumente der PRESS/RüBB sowie eigene Unterlagen und Aufzeichnungen des Autors mit Unterstützung durch Fakten und Daten von Mitarbeitern der PRESS/RüBB sowie des begleitenden Ingenieurbüros.
Jörg Müller


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