Attraktivität der sächsischen Schmalspurbahnen erhöhen - Zukunft der Bahnen langfristig sichern

In der vorherigen PK-Ausgabe 1/2012 (Heft 124), wurde über eine öffentliche Expertenanhörung zum Thema „Zukunft der Sächsischen Schmalspurbahnen sicherstellen - Etablierung der Dampfbahnroute Sächsische Schmalspurbahn“ (1) am 6. Dezember 2011 berichtet, in der Vertreter von verschiedenen Schmalspurbahnen, Unternehmen und Organisationen den Abgeordneten des Verkehrsausschusses des Sächsischen Landtages Rede und Antwort standen. Ein wesentlicher Aspekt der Beratung bestand darin, den Abgeordneten Informationen über den aktuellen Stand der Bahnen, Investitionen, Finanzierungsmodelle sowie die Öffentlichkeitsarbeit zu geben.

Erwartungsgemäß verliefen die parlamentarischen Beratungen in den Fraktionen weiter. Glücklicherweise steht das Thema gar nicht so sehr im politischen Wettbewerb der Parteien und momentan scheint auch kein Interesse daran zu bestehen, dies zu einem Streitthema werden zu lassen. In seiner Sitzung am 8. März 2012 behandelte der Sächsische Landtag daraufhin einen gemeinsamen Antrag der beiden Regierungsfraktionen CDU und FDP zum Thema „Attraktivität der sächsischen Schmalspurbahnen erhöhen - Zukunft der Bahnen langfristig sichern“ (2), der auch mit einem breiten Konsens des Plenums beschlossen wurde. In diesem Antrag wurde die Staatsregierung beauftragt, zu verschiedenen Fragen und Ideen in besonderer Hinsicht auf die Auskömmlichkeit der verfügbaren Finanzmittel für betriebliche Aufgaben, Investitionsmaßnahmen an den Strecken sowie zu Instandhaltungsaufwendungen Bericht zu erstatten.

In speziellen Abschnitten des Antrages werden außerdem Möglichkeiten der finanziellen Unterstützung der bestehenden Museumsbahnen, Ansatzpunkte für eine effizientere Betriebsorganisation, Überlegungen zu möglichen Reduzierungen von Instandhaltungskosten bei einer Zentralisierung von Werkstattfunktionen in Sachsen sowie Konzepte zur Erhöhung der Attraktivität und besseren Vermarktung der Schmalspurbahnen hinterfragt.

Die Antragsteller gaben der Staatsregierung die Zeitvorgabe, bis zum 30. September 2012 aussagefähig zu den Fragestellungen zu sein.

Einstellung der Parallelaktivitäten im Marketing durch die TMGS

Als eine erste Konsequenz aus der Anhörung im Dezember und den darauffolgenden Beratungen wurde die landeseigene Tourismus-Marketing-Gesellschaft Sachsen (TMGS) durch das Wirtschaftsministerium angewiesen, Parallelarbeit bei der Bewerbung der Schmalspurbahnen zum Ende des ersten Quartals einzustellen. Begründet wurde dies damit, daß der auf privatrechtlicher Basis organisierte Zusammenschluß der Beteiligten in der „Dampfbahn-Route Sachsen“ offensichtlich eine größere Effizienz bei den Marketingaktivitäten vorweisen konnte und einer Zusammenführung beider Marketingstrukturen keine Zukunftsaussichten beschieden werden.

Inwieweit der Wegfall insbesondere der Finanzierung der TMGS-Aktivitäten „Sachsen unter Dampf“ für die verschiedenen regelspurigen Aktivitäten von Vereinen und Museen Auswirkungen hat, läßt sich noch nicht abschließend beurteilen. Vielmehr steht auch für die Regelspur eine gemeinschaftliche, eventuell sogar die Bundesländer Sachsen-Anhalt und Thüringen mit einschließende Bündelung der Vermarktung auf privater Basis in der Überlegung. Die von der Rotkopf Görg Verlagsgesellschaft mbH betriebene Internetseite www.dampfnostalgie-deutschland.de führt die bisher unter www.sachsen-tourismus.de/de/sachsen-unter-dampf.html aufgebaute Präsentation der „Dampfaktivitäten“ in Sachsen und Sachsen-Anhalt fort.

Doch stellt sich natürlich auch bei den Beteiligten Vereinen und Sonderfahrtveranstaltern der Regelspur das Problem, die teils bestehenden gegenseitigen Aversionen und Konkurrenzdenkweisen zugunsten eines kooperativen Ansatzes zu überwinden. Da man sich teilweise im gleichen Kundengebiet Wettbewerb liefert, sind entsprechende Probleme natürlich auch nicht zu ignorieren.
Jörg Müller


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