Die IG GMWE – Pölziger Bahnhof e.V.

Im Preß´-Kurier Nr. 131 und 132 berichtete Dietmar Franz über die Geschichte der Strecke Gera-Pforten – Wuitz-Mumsdorf einschließlich dem, was von dieser meterspurigen Schmalspurbahn heute noch zu sehen ist. Dabei erwähnte er auch die Interessengemeinschaft GMWE – Pölziger Bahnhof e.V. Hier stellt sich dieser Verein nun selbst sowie die Vorgeschichte seine Gründung vor.

Nach der Stilllegung der Schmalspurbahn Gera-Pforten – Wuitz-Mumsdorf wurde es still um diese meterspurige Schmalspurbahn. Bis 1975 ließ die Deutsche Reichsbahn die Gleisanlagen nahezu vollständig abbauen. Im Rahmen dieser Arbeiten wurde danach auch das Bahnhofsgebäude von Wuitz-Mumsdorf später abgerissen und die Natur eroberte sich langsam, aber stetig ihr Gelände zurück. Den Bahnhof Söllmnitz ließ die Gemeinde bis 1977 zum Kulturhaus umbauen und einen „sächsischen Denkmalzug“ mit 99 555 davor aufstellen. In den 1980er Jahren eröffnete in Pölzig in einem Nebengebäude des Betonwerks die Gaststätte „Zum alten Bahnhof“. In deren Gastraum hingen nach und nach immer mehr Bilder der GMWE. Der Speisekarte war ein alter Fahrplan der Schmalspurbahn beigeheftet und die Gerichte bekamen Namen wie Kesselbrühe, Streckenläuferschnitzel, Heizerpfanne oder Lokführerschmaus.

Das kleine Städtchen Pölzig ist in der fünften Jahreszeit Zentrum des Karnevals in Ostthüringen. Die alte Bimmelbahn wurde dabei oft glossiert und da diese Veranstaltungen meist in dieser Bahnhofsgasstätte stattfanden, war zumindest hier die GMWE immer wieder mal Thema.

Die GMWE als Thema für Modellbahner

Im Jahre 1987 erschien beim Verlag für Verkehrswesen Transpress das Buch „Die Schmalspurbahn Gera-Pforten – Wuitz-Mumsdorf“ von Dietmar Franz, Rainer Heinrich und Reinhard Taege. Zu dieser Zeit begannen Modelleisenbahner des heutigen MEC „Elstertal“ Gera e.V. und des heutigen MEV „Friedrich List“ Leipzig e.V. mit der Nachbildung einzelner Bahnhöfe der GMWE. Nach und nach wurden fast alle Stationen der Schmalspurbahn nachgebaut.

Anfang der 1990er Jahre kursierten mehrmals voneinander unabhängige Wiederaufbaupläne für die GMWE. Die Protagonisten orientierten sich an den „Wundern“ von Jöhstadt und Schönheide und wollten ebenfalls eine Museumsbahn errichten. Für den Wiederaufbau des Abschnittes von Gera-Pforten nach Gera-Leumnitz standen die Chancen damals gar nicht schlecht, denn zu jener Zeit räumte der Kraftverkehr Gera die Gebäude in Pforten. Empfangsgebäude, Werkstatt und Lokschuppen standen leer; bereits nach kurzer Zeit hatten sie jedoch erste Vandalismusschäden aufzuweisen. Doch es gelang damals nicht, einen Verein zu gründen. Außerdem gab es mit dem Gelände des Pfortener Bahnhofs bereits andere Pläne. Eine Einfamiliensiedlung entstand in kurzer Zeit auf dem Bahngelände und der noch gut erhaltene Lokschuppen wurde abgerissen.

Doch die Schmalspurbahn geriet nie richtig in Vergessenheit. Ernst Wachsmuth veröffentlichte in der Ostthüringer Zeitung mehrteilige Berichte über die GMWE. Der Modelleisenbahnclub „Elstertal“ Gera e.V. präsentierte in einem Geraer Gartenmarkt jährlich in der Adventszeit seine GMWE-Anlage. Jahr für Jahr wuchs die Anzahl der Module und viele originale Sachzeugen und Dokumente wurden neben den Anlagen mit ausgestellt.

Die 100-Jahr-Feier

Im November 2001 feierte man in Pölzig das Jubiläum „100 Jahre Bimmelbahn“. Diese Festwoche organisierte ein eigens gebildetes Komitee. Der Wirt der Bahnhofsgaststätte war in diesem Komitee ebenso vertreten wie die Modellbahnvereine und die Bürgermeister der Anliegergemeinden. Auch der heutige 1. Vorsitzende des GMWE-Vereins, Ingo Giebner, arbeitete diese Veranstaltung mit aus. Das gebotene Programm der 100-Jahr-Feier brauchte den Vergleich mit anderen Jubiläumsfeiern nicht zu scheuen: Man führte Bahndammwanderungen durch, fast alle GMWE-Module der Modellbahnvereine wurden aufgebaut und miteinander verknüpft. Vorträge aller Art, eine „Tschu-Tschu-Bahn“ als Schienenersatzverkehr, Minidampfbahn, Eisenbahnerstammtisch und Livemusik sorgten für Stimmung und Unterhaltung. Jeder Tag stand unter einem anderen Motto und machte diese Festwoche zu einem einmaligen Höhepunkt. Auch die Kommunalpolitik war Gast dieser Veranstaltung. Kindergärten und Schulen besuchten die Festwoche.

In Auswertung dieser Veranstaltung entstanden zwei DVD zur GMWE und es reifte der Wunsch, etwas Dauerhaftes von der GMWE zu errichten. Der Denkmalzug in Söllmnitz befand sich zu diesem Zeitpunkt wieder in einem optisch ansprechenden Zustand, eine ABM-Maßnahme hatte entsprechend dafür gesorgt. Doch wieder geschah nichts und um die GMWE wurde es erneut still. Nach einigen Jahren führte Vandalismus wiederum zu einem erbärmlichen Zustand des Denkmalzuges – daraufhin entschloss sich die Gemeinde Söllmnitz zur Abgabe des Zuges – der Interessenverband der Zittauer Schmalspurbahnen e.V. erhielt schließlich den Zuschlag und holte die Fahrzeuge nach Sachsen zurück.

Durch den Konkurs des Betonwerkes, welches das Empfangsgebäude Pölzig bis dahin mehr oder weniger genutzt hatte, stand dieses GMWE-Relikt im Sommer 2010 zum Verkauf. Das war einer der Auslöser für die Gründung des Vereins „IG GMWE – Pölziger Bahnhof e.V.“ – maßgeblich auf Initiative des Bürgermeisters von Hirschfeld, Ingo Giebner. Unter seiner Leitung erwarb der neu gegründete Verein das ehemalige Bahnhofsgebäude.

IG GMWE – Pölziger Bahnhof e.V.

Unmittelbar nach der Vereinsgründung und dem Kauf des Empfangsgebäudes begann dessen Sanierung. Jeder einzelne Raum des Gebäudes wurde dabei entrümpelt, die alte Tapete entfernt, Fußböden und Decken erneuert. Außerdem setzten die Vereinsmitglieder das Dach teilweise instand und installierten die Elektroanlage neu. Gegenwärtig laufen weitere Arbeiten im Keller und am Güterschuppen. So haben die Eisenbahnfreunde eine Heizungsanlage beschafft und in den renovierten Räumen eine Dauerausstellung zur GMWE eingerichtet. Im November 2010 fand in Pölzig die erste öffentliche Veranstaltung statt. Da zu diesem Zeitpunkt das Empfangsgebäude noch nicht saniert und damit nutzbar war, wich der Verein in die Gaststätte „Zum alten Bahnhof“ aus. Der Besucherandrang war enorm. Vor allem ältere Anwohner sind mit der Bimmelbahn noch verwurzelt. Viele Geschichten wurden erzählt. Die Stimmung war unbeschreiblich. Ähnlich gestaltete sich das Bahnhofsfest 2012. Im Rahmen dieser Veranstaltung gelangte der Güterwagen 99-61-01 auf das Denkmalgleis vor dem Bahnhofsgebäude.

Ein weiterer Höhepunkt war im September 2012 das 1. Pölziger Oldtimer- und Landmaschinentreffen. Dabei waren über 80 Fahrzeuge zu sehen – vom H6-Lkw über Lanz-Bulldog- und Hanomag-Traktor bis zum Wanderer-Motorrad. Mehr als 500 Gäste besuchten dieses Treffen. Neben den Veranstaltungen geht die Sanierung am Bahnhof unterdessen weiter. Auch die Anzahl der Museumsgegenstände und historischer Dokumente wächst kontinuierlich. Gerade während der Veranstaltungen gibt es immer wieder Zuwachs an allen möglichen Gerätschaften und Utensilien, die einst von den Eisenbahnern und Anwohnern gerettet worden waren. Beispielsweise stoppte der Söllmnitzer Sägemüller zum Bahnhofsfest 2013 den „Schienenersatzverkehr“ und übergab dem Fahrer eine Mappe mit Bahndokumenten, die er über viele Jahre gesammelt hatte.

Zielstellung des Vereins:

Die weitere Sanierung und der Aufbau des Bahnhofes in Pölzig sind vornehmliches Ziel. Der Strecke Gera-Pforten – Wuitz-Mumsdorf wird eine umfangreiche Dauerausstellung in den alten Räumen gewidmet. In der Ausstellung im Güterschuppen werden wechselnde Themen dargestellt. Kulturelle Veranstaltungen, Leseabende und Livemusik-Konzerte sorgen weiterhin für eine Auslastung des Gebäudes. Mittelfristig soll die Bahnhofsgleisanlage wieder aufgebaut und ein Museumszug aufgestellt werden.

Langfristig ist beabsichtigt, ein kurze Museumsbahn aufzubauen, um den Besuchern Fahrzeuge in Aktion demonstrieren zu können. Der zeitliche Rahmen dieser Projekte hängt nicht zuletzt von der Anzahl und Verfügbarkeit der aktiven Vereinsmitglieder und finanziellen Mittel ab.

Neue Vereinsmitglieder oder auch freie Helfer sind zur Verwirklichung dieser Ziele jederzeit gern gesehen. Für Fragen und Informationen bezüglich des Vereins steht Hartmut Jacob unter der Telefonnummer 0173/1447193 zur Verfügung, im Weltnetz ist der Verein unter www.gmwe-poelzig.de zu finden.
Gunnar Oldenbruch


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