Stiftung Deutsche Kleinbahnen/Touristenbahn Klütz

Am 20. Juni 2014 eröffnete die von Ludger Guttwein initiierte Stiftung Deutsche Kleinbahnen den mit einer Spurweite von 600 mm wiederaufgebauten Streckenabschnitt Klütz – Reppenhagen der im Jahr 2005 eingestellten Regelspurstrecke Grevesmühlen – Klütz.

Diese im Jahr 1905 von der Großherzoglich-Mecklenburgischen Friedrich-Franz-Eisenbahn eröffnete Nebenstrecke bediente noch bis zum Mai 1995 die Deutsche Bahn AG mit Regionalzügen. Im Juni 1997 nahm die neu gegründete Klützer Ostsee-Eisenbahn GmbH (KOE) auf der 15,3 Kilometer langen Strecke einen touristisch geprägten Verkehr auf. War zunächst auch das Amt Klützer Winkel an der KOE beteiligt, ging die Gesellschaft im September des gleichen Jahres vollständig an die von Ludger Guttwein geführte Eisenbahn-Betriebsgesellschaft (EBG) über, seitdem war die EBG alleiniger Gesellschafter der KOE. Bis 2005 führte dieses Unternehmen zwischen Grevesmühlen und Klütz einen Saisonbetrieb wechselweise mit Dampflokomotiven (z.B. 52 5933) und Dieselfahrzeugen durch. Anschließend löste Ludger Guttwein die Tochtergesellschaft der EBG auf, gab aber bereits im Folgejahr seine Pläne zur Umspurung der Strecke auf 600 mm Spurweite bekannt und veranlasste den Abbau der Regelspurgleise.

Sechs Jahre später begann im Frühjahr 2012 die Umsetzung des schmalspurigen Kleinbahnprojektes, das mit der nun im Juni 2014 erfolgten Inbetriebnahme der 4,5 km langen Strecke von Klütz nach Reppenhagen auf seinem ersten Teilabschnitt umgesetzt ist. Perspektivisch ist eine Verlängerung bis Hof Gutow geplant. Im Rahmen der Umbauarbeiten ließ die das Projekt tragende Stiftung Deutsche Kleinbahnen in Klütz das denkmalgeschützte Ensemble aus Empfangsgebäude, Lokschuppen sowie der Segmentdrehscheibe restaurieren. Die Drehscheibe erhielt dabei 600-mm-Gleise.

Am Eröffnungswochenende vom 20. bis zum 22. Juni 2014 bespannten zwei von der Firma Henschel & Sohn gebaute Dampflokomotiven die Touristikzüge. Bei den beiden im Eigentum der Stiftung Deutsche Kleinbahnen befindlichen Maschinen handelt es sich um eine vom Typ Riesa (Henschel 1948/28026) sowie um die ehemalige Heeresfeldbahn-Brigadelok „1138“ (Henschel 1918/16020). Die vorhandenen Personenwagen entstanden meist auf den Fahrgestellen aus Polen übernommener deutscher Kleinbahnwagen. Ein Teil der geschlossenen Wagen war in der Vergangenheit in Schwichtenberg und Malente eingesetzt gewesen.

Der Wochenendbetrieb aus Anlass der Streckeneröffnung stellte eine Ausnahme dar – bis zum 17. Oktober 2014 verkehrt die Kleinbahn ausschließlich montags bis freitags zwischen 11 und 16 Uhr im Stundentakt, an den Wochenenden besteht Betriebsruhe. Gezogen werden die Züge in der Regel von Diesellokomotiven, zu denen unter anderem die ehemalige DB-Lok 399 104-9 (ex Wangerooge) gehört. Weitere Informationen zum Fahrbetrieb und zu Veranstaltungen sind auf der Homepage www.stiftung-deutsche-kleinbahnen.de zu finden.
Guido Wranik

Kommentar

Die ersten fünf Wochen Fahrbetrieb haben gezeigt, dass die neue Schmalspurbahn auch ohne einen historischen Bezug ein touristisches Potenzial erschließen kann. Um das Angebot jedoch auf Dauer etablieren zu können, bietet die Infrastruktur rund um die Kleinbahn noch einige Verbesserungsmöglichkeiten. Sicherlich fehlen in Reppenhagen und in der Nähe des momentan einzigen Zwischenhaltes Stellshagen für Touristen interessante Ziele – insbesondere im Bereich der Gastronomie. Eine Ausnahme stellt das Hotel „Gutshaus Stellshagen“ dar. Dadurch konzentrieren sich die Fahrgastströme vermutlich auf Klützer Zusteiger, welche in Reppenhagen gleich wieder die Rückfahrt antreten. Ein wichtiges Instrument, auch am Endpunkt Reppenhagen sowie in Stellshagen potentielle Interessenten für eine Mitfahrt zu animieren, wären zum Beispiel Hinweis- und Fahrplantafeln auf den Bahnsteigen. Auch fünf Wochen nach der Betriebsaufnahme wurden Reisewillige ohne mobilen Internetanschluss im Unklaren gelassen, wann mit einem Zug gerechnet werden kann …

Aber dabei handelt es sich vermutlich noch um Anfangsfehler? Mögen die in der Vergangenheit bereits viel herumgereichten Fahrzeuge in Klütz endlich eine längerfristige Heimat finden – auch wenn es hier früher keine Schmalspurbahn gegeben hat. Doch die Stiftung hat mit der Verwendung von kleinbahntypischen Schienenprofilen und mit der Sanierung der Gebäude viel Positives geschaffen – über die Betonbahnsteige muss der Purist hinwegsehen. Denn er darf eines nicht vergessen: Er steht vor einer Touristikbahn, keiner Museumsbahn.
Guido Wranik/André Marks


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