Döllnitzbahn stellt Verlängersprojekt bis Wermsdorf vor

Am 24. Juli sorgte die Döllnitzbahn GmbH zusammen mit den Anliegerkommunen und dem Landkreis in Wermsdorf für einen Paukenschlag. Geschäftsführung, Bürgermeister und Landrat präsentierten der geladenen Presse die Projektidee des Wiederaufbaus des Streckenabschnittes von Glossen nach Wermsdorf.

1972 eingestellt und bis Nebitzschen abgebaut, soll nach diesen Überlegungen der knapp fünf Kilometer lange Abschnitt von Glossen mit seinem Anschluss an die bekannte Feldbahn bis zur Ortsgrenze von Wermsdorf mit seinem auch über Sachsen hinaus bekannten Schloss Hubertusburg wieder aufgebaut werden.

In Anbetracht eines vor nicht allzu langer Zeit beerdigten anderen Schmalspurbahnerweiterungsprojektes an der Grenze zwischen Erzgebirge und Vogtland erscheint das Vorhaben schon etwas ambitioniert. Rund um Schönheide hatten vor allem die verschiedenen zu beteiligenden Gemeinden nach und nach ihre Beteiligungszusagen zurückgezogen, mangelnde allgemeine Akzeptanz in der Bevölkerung und ein wenig durchsetzungskräftiges Vorbereitungsprojektteam taten ihr übriges zum Scheitern bei. Nach Ansicht von Landrat Czupalla scheint dafür zumindest in Nordsachsen keine Gefahr zu bestehen, nicht zuletzt haben in der Vergangenheit schon Unterschriftssammlungen die Zustimmung zur Döllnitzbahn bei der Bevölkerung unterstrichen, als der zuständige Verkehrsverbund meinte, die Schmalspurbahn als Druckmittel gegen die Landesregierung instrumentalisieren zu können. Andererseits darf bei der zu erwartenden Laufzeit des Vorhabens bis mindestens 2020/21 die Gefahr des Verschleißes der Projektneuigkeit und des Wechsels politischer Mehrheiten nicht gänzlich außer Betracht gezogen werden.

Technisch mag das Projekt wirklich deutlich einfacher zu stemmen sein als jedes der vorgesehenen Teilprojekte im „Tourismuskonzept Schönheide/Carlsfeld“, da der Bahndamm bis zur Ortsgrenze von Wermsdorf unbebaut ist. Allerdings soll die Endstation rund 1,7 Kilometer vom früheren Endpunkt entfernt liegen, da inzwischen die Döllnitz über dem früheren Bahndamm angestaut und der alte Bahnhof einer anderen Nutzung unterzogen wurde. Ob man sich damit letztendlich im Betriebsablauf eine Freude macht, die Fahrgäste vom Streckenende bis zum Schloss laufen zu lassen oder mit einem weiteren Anschlussverkehrsmittel zu transportieren, mag man unterschiedlich beurteilen. Von Vorteil für die öffentliche Akzeptanz ist es aber sicherlich, nicht mit dem Kopf durch die Wand zu rennen und aufwendigere aber für den geneigten Reisenden lauftechnisch kürzere Lösungen zu priorisieren, sondern auf dem Pfad des kleinsten zu erwartenden Widerstandes zu bleiben.

Ja es erscheint auch dem Autor sinnvoll, für eine Schmalspurbahn eine touristische Attraktion als finales Ziel zu haben, verbleiben dann damit nur die beiden Museumsbahnen im Erzgebirge als Bahnen die sich selber als eigentlich wichtigstes Ziel des touristischen Ausfluges vermarkten müssen. Inwieweit allerdings die touristische Ausstrahlung des Schlosses Hubertusburg für die gesamte Strecke von Oschatz bis Wermsdorf reicht, darf geflissentlich bezweifelt werden. Eher kann wohl der Abschnitt Wermsdorf - Mügeln davon partizipieren, der dann mit seinen 9,5 km schon die optimale Museumsbahnlänge aufweist und den Fahrgästen eine an den Schlossbesuch angehängte 1,5 stündige Bahnfahrt ermöglichen kann. Dass auch die wirtschaftlich sinnvolle und touristisch attraktive Wiedernutzung des im Besitz des Freistaates Sachsen befindliche, momentan nach einer mehrjährigen aufwändigen Sanierung leer stehende Schloss dazu gehört, wurde sozusagen gleich als Parallelforderung an die Landesregierung weiter gegeben.

Eins muss man dem Geschäftsführer der Döllnitzbahn GmbH Ingo Neidhardt völlig neidlos zugestehen, dass er ein Gespür für das offensichtlich passende Timing hat. Denn noch steht die Schmalspurbahnförderung im Land politisch im Kurs, aber eine Finanzierungsaussicht mit Fördermitteln gibt es jedenfalls nicht und inwieweit sich die Interessen nach der Landtagswahl im Spätsommer auswirken steht im Moment in den Sternen. Aber er setzt mit dem Projekt ein Zeichen, um das auch eine neue Landesregierung nicht so einfach herumkommen wird.

Jörg Müller


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