IG Preßnitztalbahn e. V. erwirbt 99 1594-3

und verstärkt damit Lokpark um vierte Lok der sächsischen Gattung IV K

Mancher mag der Nachricht sicherlich nur ein Kopfschütteln abgewinnen, für viele Mitglieder der IG Preßnitztalbahn e. V. ging jedoch ein langgehegter Traum in Erfüllung: Per 31. Oktober 2014 wechselte die sächsische IV K 99 1594-3 in das Eigentum des Betreibervereins der Museumsbahn zwischen Steinbach und Jöhstadt über. Als vierte IV K verstärkt sie den vereinseigenen Lokomotivpark auf nunmehr insgesamt wieder fünf Dampflokomotiven, nachdem die IG Preßnitztalbahn e. V. Ende 2010 die Neubaulok 99 1781-6 an den Landkreis Rügen verkauft hatte.

Als Anfang der 1990er Jahre der Wiederaufbau der Preßnitztalbahn begann, war der Kauf dieser IV K für die Vereinsmitglieder eher ein Wunschtraum, da diese Lokomotive zu diesem Zeitpunkt geradezu unerreichbar erschien. Wie später die Schwesterlok 99 1590-1 im Sommer 1980, so hatte auch 99 1594-3 ihren Dienst bei der Deutschen Reichsbahn 1976 auf der Schmalspurbahn Wolkenstein – Jöhstadt quittiert. Damit war für die Mitglieder der IGP Anfang der 1990er Jahre klar: Würde die Lok jemals „verfügbar“ sein, müsste sie wieder nach Jöhstadt zurückgeholt werden. Im Unterschied zu 99 1590-1, die nach ihrer Abstellung zunächst auf Nebengleisen in Oschatz und später dann auf dem werksinternen Denkmalssockel im Raw Leipzig-Engelsdorf immer in Sachsen verblieben ist, reiste 99 1594-3 schon gut durch Europa.

Anfang 1977 kam sie von Jöhstadt zur norwegischen Museums- und Touristikbahn Urskog-Hølandsbanen „Tertitten“. Dort war sie bis 1985 im Zugdienst, dann gelangte sie 1988 in die Bundesrepublik Deutschland, wo sie beim „Öchsle“ Warthausen – Ochsenhausen in Baden-Württemberg noch einmal 1990 kurzzeitig unter Dampf stand. Ab 1995 befand sich die nicht betriebsfähige Lok als Ausstellungsstück mehrere Jahre auf der Insel Rügen. Später erhielt sie im ehemaligen Lokschuppen in Straupitz einen geschützten Abstellort im Spreewald, bis sie Anfang 2006 im rumänischen Ausbesserungswerk „Remarul 16 Februarie“ in Cluj-Napoca/Klausenburg betriebsfähig hergerichtet wurde. Mit den Probefahrten im dortigen Werksgelände kann die IV K nun im Gegensatz zu allen erhaltenen Schwestermaschinen diverse „Auslandseinsatzerfahrungen“ vorweisen. Die im Herbst 2006 geplante Inbetriebnahme der Maschine auf der Rügenschen Kleinbahn kam jedoch aus verschiedenen technischen und juristischen Gründen nicht zustande, woraufhin die Lokomotive wiederum einige Jahre auf einem Abstellgleis in Putbus im Freien stand.

100 Jahre, nachdem diese IV K die Fertigungshallen der Sächsischen Maschinenfabrik vormals Richard Hartmann AG in Chemnitz 1914 verließ, kehrte 99 1594-3 Anfang Dezember 2014 nach Sachsen zurück. In Sachsen ist zunächst eine optische Aufarbeitung als Ausstellungsobjekt vorgesehen, langfristig steht natürlich auch einer Wiederinbetriebnahme grundsätzlich nichts im Wege – momentan genießen jedoch die gegenwärtigen Betriebsfahrzeuge und verschiedene andere Projekte des Vereins höhere Priorität.

Mit nunmehr vier Lokomotiven der sächsischen Gattung IV K erbringt die Preßnitztalbahn einmal mehr den Nachweis, die heutige Hochburg dieser Maschinen in Sachsen zu sein. Ab 1910 waren auf der 1892 eröffneten Schmalspurbahn von Wolkenstein nach Jöhstadt bis zu ihrer Stilllegung fast ausschließlich Maschinen dieser Gattung im Einsatz. Lokomotiven der Gattungen I K, III K und V K waren zwischen 1910 und 1940 nur kurzzeitig auf der Preßnitztalbahn anzutreffen.

In den 1970er und 1980er Jahren waren im Jöhstädter Heizhaus in der Regel vier Maschinen beheimatet. Da auf der Strecke bis zur Betriebseinstellung nach Jöhstadt am 14. Januar 1984 permanent 24 Stunden Betrieb herrschte und durch eine sehr ungewöhnliche Fahrplangestaltung fast immer eine Lok auf der Strecke unterwegs war, reichten die drei Schuppenstände in Jöhstadt dennoch dafür aus.

Mit ihren 100 Jahren hat 99 1594-3 bereits einiges „erlebt“. Aber in ihrer „alten neuen“ Heimat wird es mit Sicherheit kaum ruhiger werden. Üblicherweise dienen die nicht betriebsfähigen Loks in Jöhstadt oft für Ausstellungszwecke (zum Beispiel beim „Tag der Sachsen“) – und früher oder später wird sie auch auf dem Besuchsprogramm für andere Strecken stehen.
Jörg Müller


aktueller Preß'-Kurier | Artikel älterer Ausgaben