Die Parkbahn Cottbus wird 50 Jahre

Bau auf – Bau auf“ hieß es 1953/54, als im Nationalen Aufbauwerk (NAW – kostenlose Arbeitsstunden) der Cottbuser Bürger die Pioniereisenbahn (PE) Cottbus entstand. Die 600-mm-Schmalspurbahn sollte den Pionieren, Jungen und Mädchen ab zehn Jahren Alter, eine sinnvolle Freizeitbeschäftigung bieten. Zur Vorbereitung des Dienstes bei der Pioniereisenbahn wurde 1953 im Haus der Pioniere die Arbeitsgemeinschaft „Eisenbahnpioniere“ gegründet, in der die Aufgaben bei der Eisenbahn vorerst theoretisch vermittelt wurden. Hier lernten die Jungen und ein Mädchen, was eine Lok, ein Signal und eine Weiche ist.

Im Jahr 1954 begann der Bau der Bahn und am 1. Juni 1954 ertönte im Bahnhof Freundschaft um 14.30 Uhr das Abfahrtsignal zur ersten Fahrt. Gezogen wurde der Zug mit offenen Wagen, wie kann es damals anders gewesen sein, von einer Dampflok, der heutigen Lok Nr. 1. Die vorerst 200 m lange Strecke verlief vom Bahnhof „Freundschaft“ vorbei an Wiesen zur Gaststätte Vorpark. Erst ein Viertel Jahr später fuhr die Bahn die 1,1 km lange Strecke bis zum Endpunkt Tierpark Cottbus, der zur gleichen Zeit entstand. Die Schmalspurbahn beförderte die kleinen und großen Gäste vom Cottbuser Stadtteil Sandow zum Tierpark.

Der Bahnhof Freundschaft – eine Blockhütte, Ende 1954 von der Bauunion erbaut – war der Sitz der Pioniereisenbahn. Im Jahr 1955 bauten freiwillige Helfer und die Pioniereisenbahner einen HO-Kiosk am Bf. Tierpark als Verkaufsraum für Fahrkarten und Unterkunft der Signaltechnik auf. Die jungen Pioniere und die älteren Eisenbahner verrichteten gemeinsam den Dienst. Uniformen gab es anfangs für die Kinder nicht, die Pionierkleidung mußte her.

Als Fahrkarten dienten Garderobemarken. Der Dienst begann 10 Uhr, aber die begeisterten Kinder waren meist schon 8 Uhr am Bahnhof und säuberten den Bahnsteig und bereiteten den Dienst vor. Die Dampflok war das große Objekt der Begierde, wie auch noch heute. Vier Jahre nach Eröffnung bauten wiederum viele freiwillige Helfer einen weiteren Kilometer Strecke bis zum Bahnhof Friedenseiche in Branitz.

Ein weiterer Umbau der Gleisanlage erfolgte im Jahr 1974 mit dem Bau der Tangente. Die letzte große Veränderung erfuhr die PE, nunmehr Parkeisenbahn genannt, infolge des Aufbaus der Buga. Es entstanden neue Gleise, Brücken, der Bf. Messe (Bf. Stadion der Freundschaft) und das heutige Schmuckstück, der Bahn- und Betriebshof Sandower Dreieck. Um einen reibungslosen Verkehr zur Buga zu gewährleisten, wurden sämtliche Loks und Wagen einer Instandsetzung unterzogen und ein Dieseltriebwagenzug neu beschafft.

Die Strecke ist 3,2 km lang und wird im Rundkurs befahren. Betrieb ist in der Zeit von April bis Oktober an den Wochenenden und in der Sommer- und Ferienzeit täglich von 10 bis 17 Uhr.

Die Gaststätte „Lokomotive“ am Bf. Sandower Dreieck gehört nunmehr dem Verein zur Förderung der Pioniereisenbahn und wird zu den Fahrzeiten der Bahn geöffnet. Die Parkeisenbahn wird betrieben von der Stadt Cottbus, Betriebsführer ist die CMT, die Cottbuser Messe und Touristikgesellschaft. Der Förderverein Parkeisenbahn Cottbus e. V. steht mit seinen ca. 120 Mitgliedern, davon ca. 50 Kindern und Jugendlichen hinter der Parkbahn und wird dafür sorgen, daß sie auch im 50. Jahr ihres Bestehens dampft. Die Mitglieder des Fördervereins der Parkeisenbahn Cottbus e. V. sind über jede Unterstützung von Privat oder Firmen dankbar. Sollte ein Reiseveranstalter noch eine Stunde Zeit im Reiseplan haben, fährt die Parkeisenbahn Sie gern durch die Parks von Cottbus.

Die Parkeisenbahn Cottbus wird 50 Jahre

Das Fest findet am 01.06.2004 mit einem großen Kinderfest seinen Anfang. Am folgendem Wochenende den 05./06. Juni wird das 4. Feldbahntreffen organisiert. Gemeinsam mit vielen auch internationalen Gästen wird das Wochenende für alle großen und kleinen Cottbuser und ihren Besuchern zu einem großen Fest.

Die Fahrzeuge der Parkbahn Cottbus

Lok 01 ,,Brigadelok'':
Den Eröffnungszug der Pioniereisenbahn zog am 1. Juni 1954 die im Jahr 1918 von der Firma Linke-Hofmann unter der Fabriknummer 1739 für die Heeresfeldbahnen als Nr. 2257 gebaute Dn2t-Brigadelok. Der genaue Verbleib der Lok 1739 nach 1918/19 ist nicht bekannt, belegt ist, daß die Lok im Jahr 1948 mit der Nr. 138 im Braunkohlenwerk „Frieden'' in Halbendorf eingesetzt war. Anfang des Jahres 1954 kam sie ins Raw Cottbus, in dem sie für ihren Einsatz bei der entstehenden Pioniereisenbahn vorbereitet wurde. Hier fuhr sie unter der legendären DR-Nummer 99 0001, später als Lok 01. Die Lok ist auch heute noch einsatzbereit.

Lok 02:
Die Diesellok-Nr. 02 war zweimal besetzt. 1959 kam die Kö 0409 von der Waldeisenbahn Muskau nach Cottbus. Diese Lok des Typs DG 20 wurde 1937 unter der Fabriknummer D-1462 von Henschel gebaut und zur WEM nach Muskau geliefert. Wegen eines Getriebeschadens wurde sie später abgestellt und verschrottet. Die Lok in zweiter Besetzung ist gleichen Typs. Sie baute Henschel im Jahr 1934 unter der Fabrik-Nr. D-1056 und lieferte sie an die MPSB. Anfang des Jahres 1953 kam die Lok als Kö 0304 zur Waldeisenbahn Muskau und im Jahr 1956 nach Dessau, wo eine Pioniereisenbahn entstehen sollte, was jedoch unterblieb. Die Lok ist noch heute einsatzfähig.

Lok 03:
Auch die Lok 03 war zweimal besetzt. Über die erste Diesellok, ist genauso wenig bekannt wie die Gründe, welche zur Beschaffung dieser Lok führten. Nach Aussage von PE-Lokführern hatte die Lok 03 im Jahr 1972 einen Getriebegehäuseriss, der nicht zu schweißen war. Aus diesem Grund wurde die Lok abgestellt. Glücklicherweise wollte die Berliner Pioniereisenbahn ihre 60 PS Diesellok 04002 gegen eine leistungsstärkere Lok austauschen Die ausgemusterte Lok sollte als Spiellok aufgestellt werden. Die Cottbuser nahmen Kontakt nach Berlin auf, der Tausch wurde 1973 perfekt gemacht, die defekte 03 auf dem Spielplatz gebracht und die intakte Berliner 03 in Cottbus in Dienst gestellt. Hierbei handelt es sich um eine Lok vom Typ Ns2f, gebaut 1956 vom VEB Lokomotivbau „Karl Marx“ Babelsberg unter der Nummer 248 448.

Lok 04 „Graf Arnim“, DR 99 3301:
Dampflok 04 ist ein echter Juwel und das absolute Schmuckstück der Parkeisenbahn Cottbus. Hinter ihr verbirgt sich die Lok 99 3301 der Waldeisenbahn Muskau. Sie wurde im Jahr 1895 bei Kraus in München mit der Fabriknummer 3311 gebaut. Zur Inbetriebnahme bei der WEM erhielt sie den Namen „Graf Arnim“. Im Jahre 1933 erhielt die Lok den Tender der O & K-Lok 8171, Baujahr 1919. Seit April 1970 dampft sie in Cottbus. Die Lok ist die älteste betriebsfähige 600-mm-Schmalspurlok Deutschlands.

Lok 05:
Die Diesellok 05 ist eine Feldbahnlok vom Typ Ns2f. Sie ist äußerst robust und zuverlässig. Und hat seit Jahren die höchste Kilometerlaufleistung im Jahr bei der Parkeisenbahn.

6. Der Dieseltriebwagenzug „ICE“ Nr. 299 010 und 299 011:
Der Triebwagen stellt das modernste Fahrzeug der Parkeisenbahn dar, obwohl er schon 30 Jahre alt ist. Er wurde mit baugleichen Fahrzeugen 1968 für die BUGA in Essen hergestellt. Hier zog jeweils ein Motorwagen bis zu fünf Beiwagen. In Vorbereitung der BUGA in Cottbus wurden zwei nicht mehr betriebsfähige Triebwagen und fünf Beiwagen übernommen. Die Triebwagen wurden bei der LAUBAG in Schwarze Pumpe generalüberholt. Sie erhielten neue Turbo-Dieselmotoren von VW, neue Stufengetriebe und eine neue Kraftübertragung. Zum Einsatz gelangte der Zug mit je einem Triebkopf am Ende und mit bis zu drei zwischengestellten Beiwagen. Es arbeitet nur der jeweils führende Triebkopf aktiv, der andere wird im Leerlauf mitgeschleppt. Der Triebwagenzug erhielt von den Cottbusern den Spitznamen „ICE“.

Harald Großstück


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