DB-Mittelstandsoffensive „Erzgebirgsbahn“

Am 26. April 2001 unterzeichneten der sächsische Verkehrsminister Dr. Kajo Schommer, der Vorsitzende des Zweckverbandes Verkehrsverband Mittelsachsen (VMS), Dr. Peter Seifert, und DB-Vorstandsvorsitzender Hartmut Mehdorn einen Vorvertrag zur Sanierung der in den letzten Jahren arg vernachlässigten Schieneninfrastruktur im mittleren und westlichen Erzgebirge. Das Projekt sieht Investitionen in Höhe von 225 Millionen Mark vor, die aus Mitteln des Bundes, des Freistaates, des Zweckverbandes und der DB aufgebracht werden.

Das Projekt umfaßt die Strecken des Erzgebirgsnetzes Zwickau –  Johanngeorgenstadt, Chemnitz – Aue, Flöha – Annaberg-Buchholz –Weipert (Vejprty) und Flöha – Pockau-Lengefeld – Neuhausen/Marienberg. Die Strecken werden dabei auf eine Höchstgeschwindigkeit von 60 km/h ausgebaut, wo möglich, werden 80 km/h angestrebt.

Die Infrastruktur wird auf den betriebsnotwendigen Zustand für die geplanten Taktverkehre sowie für den Verkehr von zusätzlichen Güter- bzw. Sonderzügen reduziert. Zum Abschluß der Maßnahmen, im Dezember 2004, sollen die Betriebsstellen zwischen Zwickau und Johanngeorgenstadt sowie Flöha und Annaberg-Buchholz unterer Bahnhof an ein elektronisches Stellwerk angeschlossen sein. Die anderen Strecken bzw. Abschnitte werden im Zugleitbetrieb gefahren. Im einzelnen sind nachfolgende Maßnahmen geplant, deren Ausführung von der Ko-Finanzierung durch das sächsische Wirtschaftsministerium abhängt.

Johanngeorgenstadt – Zwickau

Bereits in den Jahren 1999 und 2000 erfolgte eine Oberbauerneuerung zwischen Schwarzenberg und Johanngeorgenstadt. Dabei wurde das zweite Gleis zwischen Schwarzenberg und Erla entfernt. Der Bahnhof Erla ist seitdem Haltepunkt. Der Kreuzungsbahnhof Antonsthal wurde auf zwei Gleise zurückgebaut. Im Bahnhof Johanngeorgenstadt kam es zur Stillegung umfangreicher Gleisanlagen, die früher dem Güterverkehr dienten. Alle drei Bahnsteige wurden neu gebaut, das seit 1994 als Brandruine leerstehende Empfangsgebäude durch die Stadt grundlegend saniert und die Wartebereiche neu gestaltet. Weitere Baumaßnahmen in Johanngeorgenstadt werden im Zusammenhang mit dem Anschluß an das ESTW erfolgen. Übrig bleiben zwei durchgehende Gleise Richtung Breitenbach (Potucky) sowie je ein Stumpfgleis aus Richtung Breitenbach und Schwarzenberg.

Der Abschnitt zwischen Schwarzenberg und Aue wurde im August/September 2001 saniert und dabei auf eingleisigen Betrieb zurückgebaut. In Schwarzenberg erfolgten die Stillegung des Stellwerkes 3 sowie des Güterbahnhofes. Der Bahnhof Lauter wurde in einen Haltepunkt mit Ausweichanschlußstelle (Awanst) umgewandelt. Der bekannte Bahnübergang am Posten 10 wurde aufgelassen und das Postenhäuschen abgerissen. Beim Anschluß des Bahnhof Schwarzenberg an das ESTW bleiben im Bahnhof drei Gleise für Zugfahrten sowie ein Abstell- und Umfahrungsgleis übrig, die in Höhe des Stellwerkes 2 bereits in Richtungsgleise nach Grünstädtel bzw. Johanngeorgenstadt aufgeteilt werden.

Im Sommer 2002 wird der Abschnitt Aue – Schlema im Rahmen der Sanierung auf eingleisigen Betrieb zurückgebaut, der Bahnhof Schlema unterer Bahnhof wird zur Überleitstelle. Für den Sommer 2003 ist die Sanierung des Bahnhofes Aue vorgesehen. Alle vorhandenen Gleise auf der Chemnitzer Seite werden nicht mehr benötigt. Für den Güterverkehr verbleiben lediglich vier Stumpfgleise im Güterbahnhof. Sollte die Einführung der Strecke aus Zwickau über die ehemalige Güterzugeinfahrt erfolgen, entfällt das Überschneidungsbauwerk der Chemnitzer Strecke am Bw Aue zukünftig.

Von Schlema bis Zwickau bleibt die Zweigleisigkeit erhalten, wobei einzelne Bahnhofsanlagen umgebaut werden. Zwischen Wiesenburg und Wilkau-Haßlau sind die Bauarbeiten zur Streckenertüchtigung derzeit im Gange. Der Bahnhof Wilkau-Haßlau erfährt voraussichtlich Ende 2002 erhebliche Umbauten. Die alten Personenverkehrsanlagen nördlich der Bahnhofsbrücke werden stillgelegt und durch einen neuen Inselbahnsteig südlich der Brücke ersetzt, der näher zum Stadtzentrum von Wilkau liegt.

Chemnitz – Aue

Die Strecke wird in zwei Blöcken jeweils mit einer Vollsperrung und Schienenersatzverkehr saniert. Im Endzustand besteht auf der gesamten Strecke Zugleitbetrieb mit Rückfallweichen.

Ab Herbst 2002 beginnt die einjährige Sanierung zwischen Chemnitz und Thalheim. Ein Jahr später erfolgt die Sperrung und Sanierung des Abschnittes Thalheim – Aue. Als Kreuzungsbahnhöfe bleiben Chemnitz Süd, Burkhardtsdorf und Lößnitz oberer Bahnhof erhalten. Optional soll dies auch für Einsiedel und Thalheim zutreffen, um einerseits eine spätere Taktverdichtung zu ermöglichen sowie andererseits bei Taktverschiebungen und Verspätungen sowie Sonderzügen betriebliche Reserven zu besitzen.

Flöha – Annaberg-Buchholz – Vejprty

Ab Ende 2001 erfolgt die Sanierung des derzeit wegen Oberbaumängeln gesperrten Abschnittes zwischen Annaberg-Buchholz unt Bf und Wolkenstein. Dabei wird der Bahnhof Schönfeld-Wiesa in einen Haltepunkt umgewandelt.

Ab Sommer 2002 soll der Abschnitt zwischen Annaberg-Buchholz unterer Bahnhof und Königswalde saniert werden. Hierzu wurde bereits im Herbst 2001 der Bahnhof Annaberg-Buchholz Süd in einen Haltepunkt mit Anschlußstelle zurückgebaut, wobei lediglich die Anschlußweiche in Richtung Schwarzenberg erhalten bleibt.

Im Frühjahr 2003 beginnt die Sanierung zwischen Flöha und Wolkenstein. Dabei verbleibt der Bahnhof Zschopau und es entfällt der Bahnhof Wilischthal zugunsten der Wiedereinrichtung eines Kreuzungsbahnhofes in Scharfenstein. Der Bahnhof Wolkenstein wird zum Haltepunkt mit Awanst. Optional ist vorgesehen, diesen jedoch zu belassen und weiterhin Hennersdorf zum Kreuzungsbahnhof umzubauen. Zwischen Flöha und Annaberg-Buchholz unterer Bahnhof kommt ESTW-Technik zum Einsatz, weiter bis Bärenstein wird im Zugleitbetrieb gefahren.

Flöha – Pockau-Lengefeld – Neuhausen/Marienberg (– Reitzenhain)

Nach dem Baubeginn im November 2001 zwischen Flöha und Grünhainichen-Borstendorf erfolgt in den Jahren 2002 bis Mitte 2004 die komplette Sanierung der Strecke bis Neuhausen. Die Bahnhöfe Hetzdorf, Grünhainichen-Borstendorf, Olbernhau und Neuhausen bleiben weiterhin in Betrieb. Rückgebaut werden Reifland-Wünschendorf zum Hp und Olbernhau-Grünthal zur Awanst. Sollte für den im Jahre 1998 sanierten, im Juli 1999 durch Hochwasser schwer beschädigten Abschnitt nach Marienberg seitens des VMS weiterhin Schienenpersonennahverkehr bestellt werden, bleibt auch der Abzweigbahnhof Pockau-Lengefeld in abgespeckter Form erhalten. Anderenfalls wird dieser in einen unbesetzten Haltepunkt umgewandelt.

Im Falle einer Wiederinbetriebnahme des Marienberger Abschnittes ist vorher dessen neuerliche Sanierung, einschließlich des Neubaues zweier Eisenbahnbrücken, notwendig. In optionale Überlegungen wurde dabei die Reaktivierung des bereits stillgelegten Streckenteiles nach Reitzenhain einbezogen. Mit diesem Maßnahmepaket hat sich die DB deutlich für die Erzgebirgsstrecken positioniert. Gleiches wird nun vom Sächsischen Wirtschaftsministerium erwartet, dem das Projekt im Oktober 2001 zur Entscheidung vorlag.

(FT)


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