Vierachsige gedeckte Güterwagen
97-10-04, 97-10-57, 97-12-53, 97-13-47

- GGw der Länderbahnbauweise -

Sie rücken zunehmend in den Blickwinkel der Eisenbahnfotografen - Schmalspurgüterwagen. Bei der Preßnitztalbahn stehen inzwischen - ohne die Rollfahrzeuge - fast zehn Exemplare zur Verfügung. Auf die typischste Gattung, die vierachsigen gedeckten Güterwa-gen, soll in dieser Folge näher eingegangen werden. Dabei stehen die vier auf der Museumsbahn Jöhstadt - Steinbach eingesetzten Vertreter dieser Bauart im Mittelpunkt.

I. Einführung

1901 begannen die Königlich Sächsischen Staatseisenbahnen (K. Sächs. Sts. E. B.), auch vierachsige gedeckte Güterwagen (GGw) zu beschaffen. Der ersten Serie von 1901/1902 folgten weitere Exemplare in den Jahren von 1906 bis 1912 und - teils schon von der Reichsbahn finanziert - von 1916 bis 1926. Doch selbst mit diesen bis dahin 481 gebauten Wagen war der Bedarf für Sachsens Schmalspurbahnen noch nicht gedeckt. In den Jahren 1928/1929 stellte das Linke-Hofmann-Busch-Werk in Bautzen (LHB) weitere 83 GGw her, und von 1930 bis 1934 entstanden nochmals 75 vierachsige GGw - im Zuge des Ein-heitswagenprogramms mit Preßrahmendrehgestellen und mit einer Bühne versehen.

Zum Einsatz kamen die insgesamt 629 jemals für Sachsens Schmalspurstrecken gebauten GGw auf allen 750-mm-Bahnen im Königreich bzw. Freistaat. Allerdings musterte bereits die DRG fast alle Vertreter der ersten Bauserie aus, so daß wohl niemals mehr als 600 GGw zeitgleich existierten. Nach dem Zweiten Weltkrieg setzte die DR einige der Wagen auch auf anderen Strecken ein, so gelangten sächsische GGw bis nach Rügen.

Bis heute sind Vertreter der mit der Nummer 764 versehenen sächsischen Gattung auf allen Schmalspurbahnen im Freistaat anzutreffen. Neben 63 kompletten Wagen waren Ende 2000 noch etwa 120 GGw-Kästen bei Betrieben, Bauern und anderen Privatleuten oder bei Vereinen registriert.

II. Technische Beschreibung

Die Länge der Wagenkästen aller sogenannten Länderbahn-GGw (ohne Bühne) beträgt 9.555 Millimeter, die Breite der Serien von 1901 bis 1926 exakt 1.928 Millimeter, während es die "Nachbauwagen" von 1928/29 auf 1.942 Millimeter bringen. Die Ladefläche der genannten GGw beläuft sich auf 18 Quadratmeter, das Ladegewicht auf 10 Tonnen.

Haben die GGw der Baujahre von 1901 bis 1912 noch Rohrsprengwerke, so sind alle später gebauten mit einem Sprengwerk aus Flachstahl versehen. Die Drehgestelle der Länderbahn-GGw entsprechen der Bauart Diamond. Sind die ältesten noch mit Spiralfedern ausgerüstet, besitzen die Waggons ab Baujahr 1916 querliegende Wiegefedern. Laufen die dreigeteilten Schiebetüren der Serien von 1912 bis 1926 mit Rollen auf Schienen, so hängen die zweigeteilten Türen der Nachbauwagen an einer Gleitbahn unterhalb des Daches. Haben die Wagen der Baujahre bis 1926 noch durchgehende Zugstangen und waren ursprünglich alle nur mit einer Heberleinbremse versehen, so lieferte LHB die Nachbauserie bereits mit geteilten Zugstangen und Saugluftbremse aus.

Viele der Wagen erhielten zusätzlich auch Heizleitungen und Heberleinrollen, um auch in seilzuggebremste Züge eingestellt werden zu können.

III. 97-10-04 und 97-13-47

Die Deutsche Reichsbahn-Gesellschaft (DRG) stellte den bei der Preßnitztalbahn heute als 97-10-04 eingesetzten GGw im Jahre 1929 mit der Nummer K 3426 in Dienst. Nach zwei Umzeichnungen (1950 in 7.3426, 1951 in 97-14-04) trägt er seit 1965 die heutige Nummer, die ihn als Bahndienstwagen ausweist. Zuletzt in Cranzahl abgestellt, erwarb die IG Preßnitztalbahn im Juni 1992 den Wagen und überführte ihn im April 1993 nach Jöhstadt. Hier dient er seitdem als Werkstattwagen des Gleisbautrupps.

Der ebenfalls 1929 in Werdau von LHB gebaute heutige 97-13-47 lief ursprünglich mit der Nummer K 3440. Mitte der fünfziger Jahre als 7.3440 eingesetzt, trägt er seit 1958 die Nummer 97-13-47. Von 1979 bis 1987 diente der GGw als Bahnhofswagen in Wolkenstein. Danach kam er nach Oberwiesenthal. 1993 erwarb die IG Preßnitztalbahn den Wagen und transportierte ihn 1994 nach Schmalzgrube, wo er gemeinsam mit 97-12-53 lange Zeit auf einem Gleisjoch abgestellt stand.

IV. 97-12-53

Der GGw 97-12-53 bekam 1998 gemeinsam mit 97-13-47 in Jöhstadt eine Aufarbeitung. Wann "97-12-53" gebaut wurde, ist noch unbekannt. Von seinen äußeren Merkmalen entspricht er der dritten Bauserie von 1926.Vermutlich erhielt er 1971 nach einer Revision in Friedland die Identität des Einheitswagens 97-12-53. Dieser (Baujahr 1934) wurde wahrscheinlich zur Gewinnung der modernen Drehgestelle zerlegt. .

Der heutige Länderbahn-GGw 97-12-53 war 1971 in Grünstädtel stationiert, kam dann aber 1972 als Expreßgutwagen nach Thum. Nach Einstellung des Netzes gelangte der GGwhEl (GGwhEl = GGw mit Heizungsleitung und Stromleitung für die Einstellung es Wagens in Reisezüge) nach Cranzahl. Hier kaufte 1993 die IG Preßnitztalbahn e. V. den Wagen. Gemeinsam mit 97-13-47 kam er schließlich 1994 nach Schmalzgrube.

V. 97-10-57

Der ehemalige 2401 K ist der älteste GGw der IG Preßnitztalbahn e. V. Er wurde 1921 bei Schumann in Zwickau hergestellt. Nach 1927 als K 2931 bezeichnet, erhielt er 1951 die heutige Nummer 97-10-57. Stationiert war der Wagen in Oschatz und Klingenberg-Collmnitz, von wo er 1970 an das Kühlschrankwerk in Niederschmiedeberg verkauft wurde. Dieses nutzte den Aufbau des Wagens als Lagerschuppen. 1991 übernahm die IG Preßnitztalbahn e. V. den Kasten des GGw und setzte ihn in Jöhstadt auf die Drehgestelle des vierachsigen offenen Güterwagens (OO) 97-23-66 aus Wilischthal. Seitdem wird der GGw als Gerätewagen genutzt.

VI. Resümee/Zusammenfassung

Mit originalen Beschriftungen im Stil der siebziger Jahre versehen, sind die Wagen regelmäßig in Bauzügen, Fotogüterzügen oder in Personenzügen mit Güterbeförderung (PmG) auf der Preßnitztalbahn eingesetzt. Gemeinsam mit weiteren schmalspurigen Güterwagen erinnern sie an die Zeit, als noch Güter auf der Strecke Wolkenstein - Jöhstadt in schmalspurigen Waggons transportiert wurden. Gleichzeitig dienen zwei von ihnen noch heute als Bahndienst- und Gerätewagen und erfüllen damit auch noch etwa 70 Jahre nach ihrem Bau einen wichtigen Verwendungszweck.

André Marks


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