Der interessante Wagenkasten Folge IX:

Salzstreuwagen 99-40-91

Schon 1998 stellte der Traditionsverein Rollbockbahn Oberheinsdorf ein hochinteressantes Fahrzeug der ehemaligen Strecke Klingenthal Untersachsenberg-Georgenthal sicher. Dabei handelt es sich um den Kasten des Salzstreuwagens 99-40-91. Auch wenn das Unikat derzeit nicht besichtigt werden kann, heute bereits einige Angaben aus der Geschichte des Fahrzeuges.

I. Vorbemerkung

Auf der Suche nach sächsischen Schmalspurwagenkästen stößt man mit etwas Glück manchmal auch auf seltenere Bauarten. Ein Unikat in mehrfacher Sicht ist dabei der Salzstreuwagen der ehemaligen meterspurigen Strecke Klingenthal Untersachsenberg-Georgenthal (KUG). Er war in Sachsen der einzige Bahndienstwagen für diesen Verwendungszweck und damit auch einzigartig in seinem Erscheinungsbild. Die geringe Wagenkastenlänge und der kurze Achsstand dürften eigentlich nur die Bezeichnung "Wägelchen" zulassen.

II. Technische Daten

Das genaue Baujahr des Wagens konnte bisher noch nicht ermittelt werden. Ob er bereits zur Eröffnung der Strecke vorhanden war, ist fraglich. Vermutlich wurde er jedoch erst in den zwanziger Jahren beschafft, da er im Verzeichnis der "Wagen der Königlich Sächsischen Staatseisenbahnen" nicht enthalten ist. Eine manchmal vermutete Übernahme als gebrauchtes Fahrzeug von einer Bahn in Österreich ist nicht nachgewiesen zumindest wurde bisher kein Hinweis dafür gefunden. Der Achsstand des zweiachsigen Wagens betrug nur 1,60 Meter, der hölzerne Wagenkasten war drei Meter lang. Mit zwei Endbühnen, Handbremse und Trichterkupplungen ausgerüstet, lag die Gesamtlänge bei nur knapp fünf Metern. Bei einem Eigengewicht von 2,8 Tonnen konnte der Wagen fünf Tonnen laden. Zwischen den Achsen gab es auf jeder Seite ein Fallrohr, über welches das Salz auf die Schienen gelangte. Ein talseitig vor der ersten Achse angebrachtes Schiebeschild diente der Schneeberäumung. An beiden Stirnseiten befand sich mittig eine nach außen aufschlagende Tür.

III. Geschichte und Betriebseinsatz

Bei der Deutschen Reichsbahn-Gesellschaft taucht der Wagen erstmals Ende der zwanziger Jahre mit der Nummer 31 M auf. Später erhielt er die Bahndienstwagennummer 2050. Im Jahre 1951 erfolgte von der DR schließlich die Umzeichnung in 99-40-91. Da seine Aufgabe darin bestand, die Schienen eisfrei zu halten, beschränkte sich sein Einsatz auf die Winterzeit. Bis zur Einstellung der KUG, am 4. April 1964, war der Wagen stets auf der Klingenthaler Strecke stationiert.

Da sich der Streckenrückbau bis 1967 hinzog, stand das Fahrzeug noch bis dahin im Bahnhof Klingenthal. Erst am 1. August 1967 wurde der Salzstreuwagen per Verfügung der Reichsbahndirektion (Rbd) Dresden ausgemustert.

IV. Verbleib

Nach 1967 ließ die Deutsche Reichsbahn den Kasten von 99-40-91 zum Bahnhof Adorf umsetzen, wo er fortan als Lagerschuppen der Bahnmeisterei (Bm) Adorf diente. Im Jahre 1993 suchten die Freunde der "IG Wagen" das Relikt erstmals auf. Damals zeigte sich der Kasten in einem noch ansehnlichen Zustand: Die Bühnen waren abgeschnitten und das Dach einseitig leicht gekürzt, um die Profilfreiheit des vorbeiführenden Fahrweges zu gewährleisten. Die Stirnwandtüren waren entfernt, die Öffnungen mit Holz verschlossen. Dafür war an einer Wagenseite eine Tür angebracht worden, die andere Seitenwand stand unmittelbar an der Stirnseite eines Normalspurgüterwagenkastens.

Anfang 1997 hatte sich sein Zustand stark verschlechtert. Die Bm Adorf war aufgelöst, der Wagenkasten von Material beräumt. Nun türmte sich Müll in dem wertvollen Unikat. Da dem Kasten der weitere Zerfall oder aber die Zerlegung drohte, sprachen Mitglieder der "IG Wagen" aus Dresden das Schmalspurmuseum Rittersgrün an, ob dieses nicht an einer Rettung von 99-40-91 interessiert wäre. Die dortigen Eisenbahnfreunde zeigten sich von der Idee, einen Vertreter einer sächsischen Meterspurbahn zu erhalten, durchaus positiv angetan.

Mit der Gründung des Traditionsvereins Rollbockbahn in Oberheinsdorf im Jahr 1997 fand sich allerdings ein neuer Interessent. Weil hier einer sächsischen Meterspurbahn ein Denkmal gesetzt werden soll, wurde mit Zustimmung des Rittersgrüner Museums der Wagenkasten 1998 von den Oberheinsdorfern geborgen und sichergestellt. Da ein Wiederaufbau des Wagens erhebliche Kosten und Arbeit verursacht, wird es noch einige Zeit dauern, bis der Klingenthaler Salzstreuwagen einmal wieder besichtigt werden kann.
Joachim Schulz


Leserzuschriften PK 61

Auf den Artikel zu den erhaltenen "sächsischen Spreewaldbahnwagen" meldete sich unter anderem Günter Meyer aus Aue zu Wort, der mit einem Foto von 1965 belegte, daß der zweite (neben 904-011) in den Spreewald abgegebene sächsische Packwagen der Einheitsbauweise nicht als 904-012, sondern als 904-021 bezeichnet wurde. Jürgen Steimecke teilte die noch mit Einheitsdrehgestellen versehenen "Spreewaldsachsen" der HSB mit: Es sind 900-211, -230, -242 und -243, die allerdings inzwischen Rollenlager haben. Sven Hoyer und Jörg Seidel wiesen auf einen Zahlendreher in der Loktabelle der Maxhütte Unterwellenborn hin. So gehört V10C SD 5 250269/1961 Peter Wunderwald und V10C SD 7 250312/1962 Jörg Seidel.
(red)


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