99 4511 wieder unter Dampf!

Zu Pfingsten gab sie nun auf der Preßnitztalbahn endlich ihren Einstand unter Dampf – die letzte Neubaudampflok der DR aus dem Reichsbahn-Ausbesserungswerk (Raw) Görlitz-Schlauroth mit Baujahr 1966.

Von Jöhstadt nach Steinbach und zurück wurde der kleine „Dampfer“ regelmäßig als Vorspannlok eingesetzt, da die Lok – wie erwartet – natürlich nicht mit der Leistung der stärkeren IV K mithalten kann, und die Züge zu Pfingsten regelmäßig auch von den Hartmann-Loks die volle Ausnutzung der Leistungsreserven verlangen. Nur beim Zug 10 Uhr ab Jöhstadt war die letzte Neubaudampflok der DR zur Freude der Fotografen als alleinige Lok an der Zugspitze, unterstützt durch eine IV K am Zugschluß. Insgesamt kam 99 4511 am Pfingstwochenende auf rund 88 Fahrtkilometer.

Zumindest für die Techniker des Fahrzeugwerkes Chemnitz der DB AG dürfte nach dem problemlosen Einsatz der Lok an den drei „Großbetriebstagen“ ein Stein vom Herzen gefallen sein. Denn trotz sorgfältiger Arbeit, vor allem am Fahrwerk, gab es bei der seit vielen Jahrzehnten ersten in Chemnitz hauptuntersuchten Dampflok auch einige Bedenken, ob sie ordentlich funktioniert.

Doch alle Sorgen waren unbegründet. Die Maschine lief bestens – immerhin ist durch die Stangenwerkstatt für die Stangen-Diesellokomotiven (V 60) ja auch noch umfangreiches Wissen vorhanden.
Die Arbeitsleistung kann bedenkenlos empfohlen werden, auch andere „Lokbesitzer“ sollten sich das Werk Chemnitz als Alternative – vor allem hinsichtlich des Fachwissens zum Fahrwerk – ernsthaft überlegen, zumal Alternativen nicht reichlich gesät sind, und das Chemnitzer Werk noch immer nicht „über´n Berg“ ist – noch immer droht die Auflösung. Doch 99 4511 ist eine gelungene Referenz für die Qualität des Werkes!

Natürlich wird 99 4511 zukünftig nicht nur als „Vorspannlok“ fungieren, allein dafür wären die Investitionen nicht sinnvoll gewesen. Aber es gibt im Sommer auch den einen oder anderen Fahrtag für den planmäßigen Dieselzug, der kurzerhand – und sicher zur Freude der Besucher – durch die liebevoll „Meppl“ genannte neue Dampflok im Betriebspark der Preßnitztalbahn übernommen wird.

Zu Pfingsten hatte die Lok übrigens eine sehr signifikante Pfeife, die sehr oft für überraschte Blicke im Tal sorgte und ihr scherzhaft von Besuchern und Vereinsmitgliedern, in Anlehnung an das älteste Exemplar der Dresdner Dampferflotte auf der Elbe, den Namen „Diesbar“ verpaßte. Doch schon bald soll 99 4511 eine andere Pfeife bekommen.

Sicher wird die Lok in Zukunft auch einmal außerhalb des Preßnitztales zu erleben sein, genaue Termine stehen aber noch nicht fest. Für Fotofreunde ist auf jeden Fall der 27. Juli 2002 zu empfehlen, an dem die Lok vor verschiedenen Reise- und Güterzügen zu erleben sein wird – und dann natürlich solo!

Jörg Müller


zum Preß-Kurier | Artikel älterer Ausgaben