Dampflokomotive 58 3049

I. Einführung

Seit 1914 tobte der Erste Weltkrieg auf den Schlachtfeldern Europas. Mit dem Voranschreiten der Front mußten sich alle deutschen Länderbahnen an der Erbringung von Transportleistungen beteiligen. Ein buntes Sammelsurium verschiedenster Maschinen machte dabei eine geregelte Unterhaltung nahezu unmöglich. Abhilfe konnte nur eine einheitliche Lokomotivbauart bringen, die durch die Länderbahnen gemeinsam beschafft wurde.

14 Lokomotivfabriken bauten von 1917 bis 1924 insgesamt 1489 Dreizylinderlokomotiven für die Preußischen, Sächsischen, Badischen und Württembergischen Staatseisenbahnen sowie die Reichseisenbahnen Elsaß-Lothringen. Die unter der preußischen Gattungsbezeichnung G 12 weithin bekannte Baureihe, in Sachsen als XIII H bezeichnet, war damit zum Vorläufer der Einheitsloks geworden.

Nach 1945 verblieben im Westteil Deutschlands reichlich 500 Lokomotiven, die aber aufgrund ausreichender Stückzahlen der Baureihen 44 und 50 bis 1952 alle ausgemustert wurden. Anders in der Sowjetischen Besatzungszone und späteren DDR: Hier wurden die etwa 500 vorhandenen, durchschnittlich 25 Jahre alten Maschinen für den Einsatz auf den Mittelgebirgsstrecken dringend benötigt. Ab 1947 wurden alle Lokomotiven der Baureihe 58 im Süden der SBZ, in den RBD Dresden, Halle und Erfurt, zusammengezogen. Die letzten beendeten im September 1976 ihre Laufbahn beim Bw Aue.

II. Die Rekonstruktion

Zur Erneuerung des Lokparkes führte die Deutsche Reichsbahn von 1957 bis 1965 ein beispielloses Programm durch, das unter dem Namen Rekonstruktion bekannt wurde. Ziel dieser Maßnahme war es, durch eine konstruktive Überarbeitung unter Anwendung moderner Bauweisen verschiedene Lokomotivbaureihen noch für einen längeren Zeitraum nutzbar zu machen. Gleichzeitig mußten dringend Kessel aus dem Stahl St 47K wegen sich häufender Schäden ersetzt werden.

Die G 12 hatte zwei grundlegende Mängel: die Dampfleistung des Kessels war ungenügend auf das Triebwerk abgestimmt und die wartungsintensive Steuerung unterlag hohem Verschleiß. Deshalb entschloß man sich zur Rekonstruktion der Baureihe 58, welche im Raw „7. Oktober“ Zwickau durchgeführt wurde.

Die Lokomotiven erhielten einen geschweißten Neubaukessel vom Typ 58E, den das Raw Zwickau zum Preis von 65 000 Mark selbst herstellte. Da der Neubaukessel länger war, als der alte G 12-Kessel, mußte der Rahmen 1400 mm nach vorn und 900 mm nach hinten verlängert werden. Der Kesseldruck betrug nun 16 bar, gegenüber 14 bar beim alten Kessel. Den Naßdampfregler der Bauart Schmidt & Wagner behielt man bei, stellte ihn aber auf Seitenzugbetätigung um. Außerdem kam die neuentwickelte Mischvorwärmeranlage mit Verbundmischpumpe zum Anbau. Für die Aufnahme der Luft- und Speisepumpe wurde in Fahrzeugmitte ein neuer Pumpenträger vorgesehen. Der Antrieb der inneren Steuerung erfolgte, ähnlich wie bei der Baureihe 39, von der fünften Kuppelachse über eine gesonderte Übertragungswelle.

Die äußere Steuerung erfolgte über Hängeeisen, da die Steuerwelle höher gelegt wurde. Die neuen Innenzylinder in Schweißkonstruktion stellte ebenfalls das Raw Zwickau her. Zur Verbesserung des Leerlaufs kamen Druckausgleichkolbenschieber der Bauart Trofimoff zum Einsatz. Außerdem erhielten die Loks ein geschweißtes Führerhaus und Witte-Windleitbleche, welche ab 1972 vorn abgeschrägt wurden. Die steile Frontschürze, der hohe Umlauf und die Lage der Hauptluftbehälter prägten das kraftvolle Aussehen der Reko-58er. Da ein Mangel an Tendern herrschte, rüstete man die Loks mit den verschiedensten Bauarten an vierachsigen Drehgestell-Tendern aus.

Ende 1957 wurde die 58 1379 als erste Lokomotive zur 58 3001 rekonstruiert und im April 1958 in der FVA Halle meßtechnisch untersucht. Mit 58 3056 wurde am 1. September 1962 die Rekonstruktion beendet.

III. Einsatz von 58 3049 bei der DR

Die heutige 58 3049 wurde 1920 bei Hanomag in Hannover unter der Fabriknummer 9272 gebaut und im April 1920 mit der Betriebsnummer „Coelln 5617“ an die gerade gegründeten Reichseisenbahnen ausgeliefert. Leider ist das Betriebsbuch nicht mehr vorhanden, und so läßt sich ihr Weg bis zur Rekonstruktion nicht komplett nachvollziehen. Ab April 1920, im Jahre 1925 und 1931, sowie von Januar 1945 bis 26. März 1945 war sie im Bahnbetriebswerk Lübbenau zu Hause. Ab 27. März 1945 wurde das Bahnbetriebswerk Dessau zur neuen Heimat. Vom 23. August 1946 bis 19. Mai 1947 stand sie im Bahnbetriebswerk Schöneweide im Einsatz für die sowjetische Besatzungsmacht Anschließend fuhr sie bis zum 28. April 1949 für das Bahnbetriebswerk Sangerhausen. Letzte Station vor der Rekonstruktion wurde vom 29. April 1949 bis 4. September 1961 das Bw Gera..

58 1725 wurde vom 6. September 1961 bis 31. Oktober 1961 als 49. Lokomotive rekonstruiert. Sie erhielt den Kessel mit der Nummer 70, sowie einen Neubautender 2´2´T 28 vom LKM Babelsberg. Der Tender trug die Fabriknummer 143219 und kostete 89 200 Mark. Am 28. Oktober 1961 unternahm sie ihre Probefahrt von Zwickau nach Lengenfeld.

Am 1. November 1961 begann 58 3049 ihren Dienst im Bw Riesa. Schon am 1. Dezember 1961 wurde sie an das Bw Engelsdorf weitergegeben. Durch die Aufnahme des elektrischen Betriebes nach Dresden am 30. Mai 1970 endete dort der Einsatz der Reko-G 12. 58 3049 verließ am 8.6.1970 Engelsdorf, zuvor wurde sie noch EDV-gerecht in 58 3049-2 umgezeichnet. Vom 9. Juni 1970 bis 10. November 1972 fuhr sie für das Bw Saalfeld. Am 11. November 1972 kam sie zusammen mit 58 3027 ins Bw Gotha. Dort löste sie die alte Baureihe 58 ab. Doch schon Ende 1973 kam die Ablösung durch die Diesellokomotiven der Baureihe V 180 und V 200 des Bw Eisenach. Nach einer Ausbesserung in Meiningen begann sie am 29. Dezember 1973 in Gera ihren Dienst. Doch schon 1974 wurden hier die meisten 58er durch neue Dieselloks überflüssig. So fuhren im Sommerfahrplan 1975 nur noch die zwei Planloks 58 3049 und 58 3042. Am 25. September 1975 beendete 58 3042 den Dampfbetrieb im Bw Gera. Am 22. Oktober 1975 wechselte 58 3049 daraufhin zum Bw Glauchau. Dort sollten die Reko-58er die zu schwachen Baureihen 50 und 52 ablösen. Doch auch hier drangen neue Dieselloks vor. Am 27. September 1980 unternahm 58 3006 Abschiedsfahrten über Gößnitz nach Gera.

58 3049 wurde als Reserve abgestellt, jedoch erhielt sie am 14. April 1980 noch eine L 6-Ausbesserung im Raw Meiningen. Im November 1980 fuhr sie zehn Tage für eine ausgefallene Betriebslok. Ausbleibende Kohlelieferungen aus Polen Anfang 1981 führten zu einem schnellen Ende des Dampflokeinsatzes in der Rbd Dresden. Am 12. Februar 1981 wurden alle Dampflokomotiven abgestellt. Die Leistungen übernahm die Baureihe 118. Damit endete auch der Einsatz der 58-Reko.

58 3049 legte vom Oktober 1980 bis August 1981 gerade noch 1636 km an 13 Betriebstagen zurück. Sie wurde im Juni 1981 zur Lokschau „1000 Jahre Döbeln“ und im Juli 1981 zur Ausstellung „75 Jahre Bw Engelsdorf„ nochmals der Öffentlichkeit präsentiert. Damit endete ihre aktive Laufbahn. Seit der Rekonstruktion legte sie übrigens eine Million km auf der Schiene zurück. Bis 1968 war Zwickau das Unterhaltungs-Raw, im März 1965 erhielt sie dort den Kessel mit der Fabriknummer 72. Ab 1969 war das Raw Meiningen für die Ausbesserung zuständig, in Zwickau produzierte man seitdem Container.

Ab 31. Oktober 1981 wurde 58 3049 im Bw Glauchau als Heizlokomotive eingesetzt. Sie bekam dafür einen 3achsigen G 12-Tender, die 5. Kuppelachse wurde zur besseren Erreichbarkeit des Aschkastens ausgebaut. Am 16. Oktober 1986 wurde sie im Raw Meiningen zum Dampfspender umgebaut. Dabei wurde alles entfernt, was zum Heizen nicht nötig war. Die Stangen nebst Steuerung wurden abgebaut, die Kuppelzapfen in den Rädern ausgepreßt, die Bremsanlage verschwand, die Mischvorwärmeranlage mit Speisepumpe war ebenfalls entfernt worden.

An einen Einsatz im Zugdienst war nicht mehr zu denken. So heizte sie bis 4. April 1992 weiter das Glauchauer Bw. Zwischendurch erhielt sie am 22. September 1990 nochmals eine Kesseluntersuchung im Raw Meiningen. Bis September 1992 blieb sie noch im Bw Glauchau abgestellt.

IV. 58 3049 als Museumslok

Am 10. September 1992 kam 58 3049 nach Schwarzenberg, um hier mit weiteren Lokomotiven der Baureihen 50.35 und 52.80 auf die Verschrottung zu warten. Schon ein halbes Jahr arbeitete der VSE am einsturzgefährdeten Schwarzenberger Lokschuppen, hier sollte ein Eisenbahnmuseum entstehen. Auf der Suche nach weiteren Exponaten für die Sammlung wurde auch 58 3049 begutachtet. Einige Vereinsmitglieder spendeten spontan, um den Kauf zu ermöglichen.

Am 10. November 1992 wurde 58 3049 zusammen mit der zweiten Kleinlok (100 953) in Berlin gekauft. Wegen des wenig ermutigenden Zustandes der Lokomotive kam der Gedanke, sie im letzten Zustand als Dampfspender zu präsentieren. Erste Korrosionsschutz- und Konservierungsarbeiten wurden im Sommer 1993 ausgeführt.

Ende des Jahres konnten noch wertvolle Teile aus Glauchau geborgen werden, wie ein Teil der Bremseinrichtung, die Steuerung, ein Teil der Kuppelstangen und die Windleitbleche. Teilweise wurden sie von den Glauchauer Eisenbahnern, nach dem Umbau zum Dampfspender, im Raw aus dem Schrott gerettet und im Bw eingelagert. Auch die Bremswelle, welche aus dem Rahmen geschnitten wurde, war noch vorhanden und wurde mit dem Kohlekran auf den Miet-Lkw verladen. Als im Dezember 1993 noch ein Mischvorwärmer aus Adorf beschafft werden konnte, bestand große Hoffnung, die Maschine wieder optisch zu komplettieren. Schon im Januar 1994 wurde der Mischvorwärmer und zwei Sandkästen eingebaut. So konnte bis Mai 1994 die Lokomotive bis zur ersten Kuppelachse angerichtet und bei den zweiten Schwarzenberger Eisenbahntagen ausgestellt werden. Im Jahr 1995 kam die Speisepumpe wieder an die Lokomotive, außerdem wurde die Bremsanlage mit Bremshängeeisen und Zugstangen angebaut. Die Bremsklötze spendete übrigens 58 3047, welche 1993 im Raw Meiningen neue Klötze erhielt.

Noch 1996 begannen die Arbeiten am neuen Tender. Es handelt sich um einen genieteten preußischen Tender 2´2´T 31,5, welcher umgebaut wurde, um mehr Kohle und Wasser zu fassen. Diese Bauart kam überwiegend an der Baureihe 44 zum Einsatz, aber auch 58 3038 war mit solch einem Tender ausgestattet. Der Neubautender, welcher seit der Rekonstruktion hinter 58 3049 lief, wurde wegen zu starker Rostschäden abgegeben. Aber auch am Umbautender mußten Rostschäden, hauptsächlich im Bereich der Werkzeugkästen, ausgebessert werden. Außerdem wurden fehlende Teile, wie Bahnräumer, Tenderaufstiege, Tendertüren und die Heizleitung, angebaut.

Nach Farbgebung, Erneuerung der Elektrik und der Beschriftung, steht er nun seit 1998 hinter 58 3049. Im Juli 1998 spendete 58 3049 ihren rechten, vorderen Zylinderdeckel vorübergehend an 58 311 der Ulmer EF. Bei der G 12 war er zu Bruch gegangen, eine Neuanfertigung zu teuer. In den Jahren 1999 und 2000 wurde ein Großteil der fehlenden Rohrleitungen für Dampf, Öl, Luft und Sand angebaut. Ab dem Jahr 2000 begann dann die Aufarbeitung des Führerstandes. Das größte Problem steht aber noch vor uns: Der Anbau von Kuppelzapfen, Stangen nebst Lagern. Die ersten Kuppelzapfen wurden schon, nach in Meiningen eingekauften Zeichnungen, in der VSE-Werkstatt gedreht und warten auf den Einbau.

V. Schlußbemerkungen

Es wird noch einige Zeit vergehen, bis 58 3049 nahezu vollständig wieder zu bewundern ist, da die Arbeiten nur langsam vorangehen. Mit eigener Kraft wird sie sich wohl nie wieder bewegen. Danken möchten der VSE den Firmen Weigel, Seltmann und Stephan für die kostenlose Anfertigung verschiedener Teile, der ABM des Vereins und natürlich allen Helfern im Verein.

Für das Vereinsarchiv sucht der VSE Fotos von 58 3049 aus der Zeit bis 1992, gern auch leihweise. Auch amtliche Unterlagen der Lok zum Schließen von Wissenslücken sind immer gesucht.

Ralph Mildner/FT

Literaturhinweis: Heinrich/Schnabel: Die Baureihe 58.30, EK-Verlag, Freiburg 1999.


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