Die Diesellokomotive 251 901

Rückkehr der Diesellokomotive 251 901 in den Betriebspark

Mit dem Transport der Diesellok 251 901 nach Rügen in der Woche nach Ostern kehrt eine Lokomotive auf die Gleise des „Rasenden Roland“ zurück, die seit der Übernahme der Schmalspurbahn auf der Insel Rügen durch die EBB Pressnitztalbahn mbH am 18. März 2008 noch nicht im Betriebseinsatz stand. Abgelaufene Fristen und schlechter technischer Gesamtzustand verhinderten einen Einsatz der Lok, die besonders für den Pendelverkehr mit Schlußlok - aufgrund des fehlenden Umsetzgleises in Lauterbach Mole - zwischen Putbus und Lauterbach Mole benötigt wurde. Da die Lok für diesen Dienst nicht zur Verfügung stand, konnte im Sommer 2008 die Stichstrecke zum Greifswalder Boden nicht mit Schmalspurzügen befahren werden. Währenddessen machte sich die RüBB auf die Suche nach einem Partner für die Wiederherstellung der Lok.

Die Baureihe V51 (ab 1968: BR 251)

Im Jahr 1964 beschaffte die Deutsche Bundesbahn für ihre damals noch im Betrieb befindlichen 750-mm-Schmalspurbahnstrecken in Baden-Württemberg (Federseebahn, Öchsle, Bottwarttalbahn) drei baugleiche Diesellokomotiven von der Firma Gmeinder & Co. Die Lokomotivfabrik in Mosbach (Baden) entwickelte auf Grundlage der Anforderungen der DB die Lok als Ersatz für die verschlissenen Dampflokomotiven für den Einsatz im Güterverkehr. Die Lokbauform, die sich später im Betrieb gut bewähren sollte (im Gegensatz zur Entwicklung der V36.48 bei der Deutschen Reichsbahn 1960/1962), wurde mit zwei zweiachsigen Drehgestellen, hydraulischer Kraftübertragung, zwei Dieselmotoren mit je 270 PS Leistung und einem Brückenrahmen ausgestattet, der zwei schmale Vorbauten und ein in der Mitte angeordnetes Führerhaus aufnahm. Diese Form verlieh ihr eine äußerliche Ähnlichkeit zu den 1958 eingeführten Loks der DB-Baureihe V100.

Nach der Einstellung der Federnseebahn wurde 251 901 am 23. Februar 1971 an die Steiermärkische Landesbahnen (StLB) in Österreich verkauft und dort auf 760 mm umgespurt. Auch die beiden Schwesterlokomotiven hatten nur noch bis zum 31. März 1983 eine Zukunft bei der DB. Während 251 903 nach langjährigem Aufenthalt in Spanien auf 1000-mm-Spur seit 2009 wieder bei der Öchsle Bahn AG weilt, wurde 251 902 nach mehreren Einsatzjahren bei der Öchsle-Museumsbahn 1996 von ihrem privaten Eigentümer abgezogen und inzwischen sogar zerlegt - ob sie noch eine Zukunft haben wird, ist momentan eher ungewiß.

251 901 kommt auf die Insel Rügen

Für die im Jahr 1999 vorgesehene Eröffnung der Streckenverlängerung von Putbus nach Lauterbach Mole suchte der damalige Betreiber des „Rasenden Roland“, die RüKB GmbH & Co KG, nach einem Fahrzeug, das wirtschaftlich und leistungsmäßig für die „Rückholung“ der Züge von Lauterbach nach Putbus geeignet schien. Nach einem längeren Bieterwettstreit mit der Preßnitztalbahn, in dem die Sachsen beim letztendlich gebotenen Preis aber nicht mehr mitgehen wollten, verkaufte die StLB die in den letzten Jahren als „VL 21“ kaum noch zu Einsatzehren gekommene 251 901 an die RüKB von Bernhard van Engelen.

Nach einer kleineren technischen Durchsicht, Rückspurung der Achsen auf 750 mm und farblicher Auffrischung (Abschluß der Hauptuntersuchung: 28. Dezember 1999) kam die Lok nun in den Folgejahren als V51 901 bezeichnet und mit ihrem originalen roten DB-Farbkleid, als Strecken- und Rangierlok bei der Rügenschen Kleinbahn zum Einsatz. In den letzten Jahren häuften sich an der Lok verschiedene technische Störungen, ohne daß dies der Attraktivität der Lok aber abträglich war - für den Lauterbach-Pendel blieb sie unersetzlich. Drei Tage vor Auslaufen des Betreibervertrages der RüKB GmbH & Co. KG endete auch die Untersuchungsfrist für die Diesellok - eine entsprechende Untersuchung war nicht mehr vorgesehen oder vorbereitet.

Für die PRESS, die nach einigen Verzögerungen erst im März 2008 schrittweise Zugriff auf die Fahrzeuge erhielt, gehörte es zu den ersten Arbeiten, eine Arbeitsaufnahme für die notwendige Fahrzeuguntersuchung nach ESBO durchzuführen. Schnell stellte sich dabei heraus, daß jahrzehntelang „Spar-Hauptuntersuchungen“ soweit an der Substanz der Lok gezehrt hatten, daß die Wiederinbetriebnahme eine intensive Roßkur an der Lok erfordern würde. In den darauf folgenden Wochen wurden die technischen Möglichkeiten geprüft und Angebote verschiedener Werkstätten eingeholt, diese Arbeiten an der Lok auszuführen. Nach intensiven Verhandlungen erfolgte am 27. Oktober 2008 die Überführung des Fahrzeuges in das Instandsetzungszentrum für Getriebe (IZG) in Chemnitz, dem verbliebenen Teilstück des ehemaligen Fahrzeugwerkes der Deutschen Bahn AG, in dem auch schon Dampf- und Diesellokomotiven der erzgebirgischen Preßnitztalbahn wiederhergestellt wurden.

„Büchse der Pandora“

In den folgenden Monaten entwickelte sich die schrittweise Demontage der Lok zu einer „Büchse der Pandora“. Beinahe bei jeder Baugruppe, die im Chemnitzer Werk oder sogar bei dem ursprünglichen Hersteller der Komponente in Angriff genommen wurde, stellten sich größere Aufwendungen als ursprünglich geplant dar. Langsam zeichnete sich ab, daß an der Lok seit ihrer Indienststellung im Jahr 1964 noch keine wirklich umfassende Instandsetzung oder Komponentenerneuerung stattgefunden hatte. Fast alle Grenzmaße waren erreicht oder unterschritten, Abnutzungsreserven waren aufgebraucht. Besonders die Motoren und Getriebe sorgten für besondere Probleme und regelmäßige Rückschritte bei der Terminplanung für die Fertigstellung der Lok. Dadurch zeichnete sich ab, daß die beabsichtigte Wiederinbetriebnahme der 251 901 zur Sommersaison 2009 nicht realisierbar war - die RüBB mußte für die Saison den Betrieb zwischen Putbus und Lauterbach Mole in deutlich aufwendigeren Abläufen organisieren. Natürlich konnte an der Lok kein gänzlicher Neubau realisiert werden - einzelne Baugruppen und Funktionen hatten dies jedoch zwingend nötig.

Neben einer gänzlich neuen, dem üblichen Standard auf Dieselloks angepaßten Führerpultgestaltung war ein Schwerpunkt der Erneuerung die gesamte Kabelverlegung und Stromversorgung. Kleinere Verbesserungen dienen vor allem der Bedien- und Wartungsfreundlichkeit. Während einige Baugruppen in Chemnitz relativ schnell bearbeitet und fertiggestellt werden konnten, war der Zusammenbau der Lok erst nach Zusammenführung aller Komponenten möglich. Gegen Ende des Jahres 2009 konnte endlich die letzte Etappe der Wiederherstellung der Lok angegangen werden - bis Mitte Februar 2010 war die Lok dann komplettiert und im neuen Farbkleid auferstanden.

Am 19. Februar 2010 erfolgte der Abtransport der Lok aus Chemnitz. Um jedoch das Testprogramm mit allen aufgearbeiteten Komponenten für die Mitarbeiter des IZG und dessen Unterlieferanten zu vereinfachen, sollte das Inbetriebnahme- und Erprobungsprogramm auf der Preßnitztalbahn im Erzgebirge stattfinden.

Eine neue Lok

Das Alter von 46 Jahren sieht man dem Fahrzeug nach der „Intensivkur“ nicht mehr an - entsprechend einer neuen Lok gestaltete sich dann aber auch das erforderliche Inbetriebnahmeprogramm. Dafür erhielt das Fahrzeug in den folgenden Wochen einen Dauerplatz auf der großen Arbeitsgrube in der Ausstellungs- und Fahrzeughalle in Schlössel. Besonders die Einstellung und Synchronisierung der Motoren und der Motorsteuerung nahm nochmals mehr Zeit in Anspruch, so daß erst ab Mitte März mit Testfahrten auf der Strecke zwischen Steinbach und Jöhstadt begonnen werden konnte.

Am 26. März hatte die Lok, mit zehn Reisezugwagen und V1oC 199 009 am Haken, ihre Lastprobefahrt zu bewältigen. Zuvor konnte die 251 901 jedoch einen besonderen Transportdienst übernehmen: Die Überführung der I K Nr. 54 zum Verladeplatz in Steinbach, was einen besonderen farblichen und technischen Kontrast bot. Im farblich passend zu den PRESS-Lokomotiven ausgeführten verkehrsblauen Anstrich wird die Lok ab 22. Mai dann wieder im Planeinsatz auf der Insel Rügen zu erleben sein. Eckhard Müller, Projektleiter seitens der PRESS, der unermüdlich hinter dem zeit- und kraftintensiven Vorhaben stand, wird dann wieder mehr Zeit für seine Frau - und sicher auch andere Projekte bei PRESS oder Preß´ - haben.
Jörg Müller


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