Fahrzeuge des VSE

50 Jahre 58 3049

Am 31. Oktober 2011 jährte sich die Abnahme von 58 3049 im Raw „7. Oktober“ Zwickau zum 50. Mal. Im Herbst 1992 kam diese zuletzt als Dampfspender genutzte Reko-58 nach Schwarzenberg, wo sie seitdem Stück für Stück komplettiert wird. Hier ein Rückblick auf die Geschichte der Lokomotive:

Die Hannoversche Maschinenbau AG vormals Georg Egestorff – HANOMAG – stellte im Jahr 1920 mehrere Serien an Lokomotiven der preußischen Gattung G12 her. Die umfangreichste Lieferung dieser Type an die gerade in den Reichseisenbahnen aufgehenden Preußischen Staatseisenbahnen umfaßte 55 Lokomotiven. Das erste Dutzend dieser Maschinen bekam die Eisenbahndirektion Cöln zugewiesen. Diese stellte die unter der Fabriknummer 9172 gebaute erste Lok dieser Serie unter der Betriebsnummer „5617 Cöln“ in Dienst. Von der Deutschen Reichsbahn-Gesellschaft erhielt sie 1925 die Nummer 58 1725, mit welcher diese G12 bis 1945 im Bestand des Bw Lübbenau nachgewiesen ist.

Nach dem Zweiten Weltkrieg blieb die Lokomotive in der Sowjetischen Besatzungszone. Hier setzte sie 1945 zunächst das Bw Dessau ein, danach 1946/47 das Bw Berlin-Schöneweide im Kolonnendienst. Anschließend war 58 1725 bis 1949 im Bw Sangerhausen beheimatet, von wo sie nach Gera wechselte. Zwölf Jahre leistete die G12 von diesem Bw aus ihren Dienst.

Rekonstruktion

Vom 6. September bis zum 31. Oktober 1961 fand im Raw Zwickau in bekannter Weise die Rekonstruktion der Maschine statt. Dabei wurde u. a. ihr Rahmen vorgeschuht und ein neuer Kessel (Raw Zwickau Nr. 72) aufgesetzt. Mit neuem, vierachsigen Tender erfolgten die ersten Einsätze als 58 3049 vom Bw Riesa aus. Dem schlossen sich Beheimatungen in den Bahnbetriebswerken Engelsdorf, Saalfeld, Gotha, Gera und schließlich zuletzt in Glauchau an, wo die Rekolok vom 23. Oktober 1975 bis zum 3. August 1981 im Einsatz war. Aufgrund noch laufender Kesselfristen setzte sie die Lokleitung danach als Heizlok, von 1986 bis etwa 1990 im Glauchauer Heizhaus als Dampfspender ein. Neben ihr blieb lediglich 58 3047, die allerdings auch offizielle Traditionslokomotive der Deutschen Reichsbahn war, als Vertreterin der Baureihe 58.30 erhalten.

Heizeinsatz

Wie für nach 1900 in Sachsen errichtete Lokschuppen typisch, ist das Glauchauer Heizhaus gemäß der Bauart „Potsdam“ ausgeführt. Somit befinden sich hinter einem Tor zwei Stellplätze. Doch deren Gleislänge war nicht für große Schlepptenderlokomotiven berechnet worden. So blockiert eine komplette Reko-58 die Einfahrt zum zweiten Stellplatz. Damit 58 3049-2 als Dampfspender genutzt werden konnte, ohne das Nebengleis zu blockieren, erhielt sie einen dreiachsigen G12-Tender. Bei Bedarf wurde dieser – ohne Lok – von einer Kleinlok oder einem ASF zur Bekohlung gefahren, währenddessen 58 3049-2 ohne Tender im Lokschuppen weiter heizte.

58 3049-2 im Zustand als Dampfspender 1992

Bei ihrem Umbau zum Dampfspender entfernten die Eisenbahner 1986 in Meiningen und Glauchau zahlreiche für den Heizeinsatz nicht benötigte Baugruppen sowie Teile, die bei der Wartung im Wege waren. Daß 58 3049-2 einmal eine „museale Zukunft“ haben sollte, war damals undenkbar. Dennoch bewahrten die Eisenbahner im Bw Glauchau viele Teile auf, so z. B. die Kuppelstangen von der ersten bis zur vierten Achse, ebenso wie die abgebrannte Bremswelle und verschiedene Bremsteile. Die fünfte Kuppelachse wurde ausgebaut und ebenfalls eingelagert, um die Lok besser entschlacken zu können.

58 3049-2 als Museumslok

Im November 1992 kaufte der 1990 in Dresden gegründete „Verein Sächsischer Eisenbahnfreunde e.V.“ den in Glauchau nicht mehr benötigten Dampfspender, um ihn als Zeuge regionaler Eisenbahngeschichte in Schwarzenberg zu erhalten. Eine originale G12 war zu diesem Zeitpunkt nicht mehr verfügbar. Doch da 1972 mit 58 3036-9 für einige Wochen auch eine Reko-58 von Aue aus regelmäßig nach Schwarzenberg gekommen war, gab es einen regionalen Bezug zu dieser Baureihe.

Allerdings stand 58 3049-2 seit September 1992 ohne Tender in Schwarzenberg. Da die Museumslok 58 3047-6 mit einem Neubautender der Bauart 2´2´T28 gekuppelt ist, entschied sich der VSE, einen Tender anderer Bauart zu beschaffen. In Frage kam dafür fast alles, was man sich vorstellen konnte, waren doch über die Hälfte der 56 rekonstruierten G12 mit 2´2´T26 oder Länderbahntendern 2´2´T31,5, Umbautendern 2´2T32 und 2´2´T34 sowie sogar mit einem Wannentender (58 3003) gekuppelt gewesen.

Die Umbautender 2´2´T32 entstanden aus 2´2´T31,5 zum Beispiel preußischer P10. Sie erhielten einen größeren Kohlenkasten, um zehn anstatt sechs Tonnen Brennstoff laden zu können. Ebenso wurden die vorderen ca. 1,5 Meter der Tender „neu“ gebaut. In diesem Bereich gaben Werkzeugschränke in Einheitsbauform dem Personal bessere Arbeitsbedingungen als Altbautender. Letztendlich entschied sich der VSE, einen solchen Umbautender zu erwerben. Einen weiteren Tender dieser Bauform gibt es im aufgearbeiteten Zustand lediglich noch an 44 1338 im Sächsischen Eisenbahnmuseum in Chemnitz-Hilbersdorf.

Im Jahre 1993 begann in Schwarzenberg die äußerliche Aufarbeitung von 58 3049-2. Erste Erfolge waren z.B. der Einbau eines Mischvorwärmerkastens, der Windleitbleche und der Sandkästen. Bis zum Jahre 2011 vervollständigten die Vereinsmitglieder das Fahrwerk, was ohne die Hilfe externer Sponsoren nicht möglich gewesen wäre. Auf der VSE-Homepage veröffentlichte Aufnahmen von den Arbeiten dokumentieren das Geleistete. Ergänzend ist der Verein jederzeit an Aufnahmen aus der Betriebszeit der Lokomotive interessiert.
Tom Radics/AM


zum Preß-Kurier | Artikel älterer Ausgaben