Der vierachsige Gepäckwagen 974-362 der RüBB

Bei der RüBB in Putbus ist bereits Anfang des Jahres der vierachsige Gepäckwagen 974-362 eingetroffen. Im April erfolgte die Abnahme des Wagens für den Einsatz auf der Insel Rügen. Mit einer Ladefläche von 16,2 Quadratmetern sowie einer Länge über Puffer von 13,5 Meter handelt es sich mit Abstand um den größten Gepäckwagen der RüBB. In seiner ersten Hauptsaison hat sich das modernisierte Fahrzeug durchaus bewährt. Das ist Grund genug, diesen eigentlich für die sächsischen Schmalspurbahnen gebauten Vierachser einmal genauer vorzustellen.

Aus der Geschichte des Wagens:

Aus der Einsatzgeschichte des Wagens sind folgende Details bekannt: Gebaut 1929 im LHB-Werk Bautzen nach den einheitlichen Bauvorgaben des Waggonbaus, wurde der Wagen von der RBD Dresden unter der Betriebsnummer „K1821 Dresden“ vermutlich in Wolkenstein in Dienst gestellt. Dort ist der von 1938 bis 1949 als „1821 Dre“ geführte Wagen 1944 und auch nach dem Zweiten Weltkrieg nachgewiesen. Gemäß des Umzeichnungsplanes von 1950 erhielt der sächsische Einheitsgepäckwagen die neue Nummer 7.1821, ab 1958 die bis heute gültige 974-362.

Bis Anfang der 1970er Jahre blieb der Einheitswagen auf der Preßnitztalbahn im Einsatz, dann wurde er nach Mügeln umgesetzt, wo er 1974 ausgemustert wurde. Zur Zerlegung in die Werkabteilung Perleberg des Raw Wittenberge gebracht, unterblieb diese aus Kapazitätsgründen. Als nach Umstellung der Strecke Oschatz – Mügeln – Kemmlitz von Heberlein-Seilzug- auf Saugluftbremse im Jahr 1987 ein Bedarf an Gepäckwagen mit Körting-Bremse entstand, erinnerte man sich des heruntergekommenen Vierachsers. Daraufhin erhielt er einen vollständig neu gebauten Wagenkasten mit Tonnendach und nur einer Bühne. An Stelle seiner bisherigen Schiebetüren waren Klapptüren getreten. Auf diese Weise modernisiert, kehrte der Wagen 1987 zurück in den Bestand (ziB) der Deutschen Reichsbahn und wurde nach einem kurzen Einsatz in Freital-Hainsberg fortan von Oschatz aus auf der Strecke nach Mügeln und Kemmlitz genutzt.

Im Dezember 1993 wechselte er hier von der Deutschen Reichsbahn ins Eigentum der Döllnitzbahn GmbH. Da jene fünf Jahre später für diesen Gepäckwagen keine Verwendung mehr sah, verkaufte sie das Fahrzeug an die IG Preßnitztalbahn e.V. Doch der Wagen wurde danach nicht nach Jöhstadt, sondern im Mai 2000 nach Freital-Hainsberg gebracht. Hier diente er viele Jahre als Unterkunft für die Mitarbeiter der Wagenreinigung.

Der Wagen kommt zur RüBB:

Weil sich im Preßnitztal für einen zweiten Gepäckwagen der Einheitsbauweise kein Bedarf abzeichnete, verkaufte die IGP den Vierachser per 17. Dezember 2010 an die RüBB. Diese ließ den Wagen zur Firma BMS ins ostsächsische Ostritz bringen, wo das Fahrzeug eine betriebsfähige Aufarbeitung erhielt. Im Rahmen dieser Leistungen bekam 974-362 auch die auf Rügen übliche Zug- und Stoßvorrichtung, von der Bühne eine klappbare Übergangsvorrichtung sowie eine Druckluftbremsanlage. Damit ist es der erste ehemalige Einheitsgepäckwagen mit der Gattungsbezeichnung KD4i geworden (das „i“ kennzeichnet Wagen mit Übergängen). Seine Abnahme absolvierte der mit 13,5 m auf der Insel ungewohnt lange Schmalspurwagen dann Anfang April 2013.

Hinter dem auf Rügen vorhandenen 974-452, der vor seiner Modernisierung einem Gepäckwagen der Einheitsbauweise sehr ähnlich sah, verbirgt sich ein gedeckter Güterwagen der Einheitsbauweise aus Sachsen, weshalb er etwa zweieinhalb Meter kürzer als 974-362 und alle anderen Einheitsgepäckwagen ist. Gebaut 1932 in Bautzen als GGw „Dresden K3490“, war der spätere 974-452 im Jahr 1951 eigentlich zur Umzeichnung in den 97-11-14 vorgesehen. Doch bevor diese neue Betriebsnummer an den GGw angeschrieben werden konnte, erfolgte 1952 im Raw Chemnitz sein Umbau zum Gepäckwagen 7.0552 für die Rbd Greifswald. Dabei orientierten sich die Beschäftigten des Raw an den zwischen 1929 und 1932 gebauten Einheitsgepäckwagen. Doch über Puffer blieb der ab 1958 als 974-452 geführte Wagen etwa elf Meter lang. Im Jahre 1983 wurde er in der WA Perleberg des Raw Wittenberge modernisiert, so wie er bis heute zum Bestand der RüBB gehört.
André Marks


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