Festwoche Steinbach 2000

(Rückblick)

Eröffnung des Streckenabschnittes
Hp. Stolln – Bf. Steinbach 18. August 2000

Willkommen in Steinbach!
Nach 6060 Tagen fahren wieder Personenzüge aus Jöhstadt kommend in den Bahnhof Steinbach ein. Seit Freitag, 13. Januar 1984, herrschte Ruhe auf dem Bahndamm zwischen Jöhstadt und Steinbach. Nun konnte am Freitag, 18. August 2000, der erste offizielle Zug begrüßt werden.

Gezogen von 99 1542 und 99 1590 fuhr der Sonderzug die Teilnehmer der Eröffnungsveranstaltung unter anhaltendem Pfeif- und Läutkonzert weiterer drei Dampfloks in den Bahnhof Steinbach ein. Rund 250 Besucher und etwa weitere 300 Gäste aus dem Sonderzug wurden mit einem unterhaltsamen Programm auf der Bühne am historischen Wasserhaus auf die Festwoche eingestimmt. Unter den Augen der Gäste und unzähliger Fotoapparate und Filmkameras wurde gegen 13.30 Uhr offiziell das Eröffnungsband durchschnitten.
Die Strecke zwischen Bf. Jöhstadt und Bf. Steinbach ist vollständig befahrbar !

Eröffnungsveranstaltung

Während der Eröffnungsveranstaltung, die durch den Männerchor Steinbach/Grumbach/ Königswalde umrahmt wurde, trug Jöhstadts Bürgermeister Holger Hanzlik den Werdegang des Bahnbaus im Preßnitz- und Schwarzwassertal vor und betonte dabei auch die wichtige Bedeutung der Preßnitztalbahn für die Tourismusregion. Zahlreiche Grußworte von Vertretern der Partnerstädte, von Vereinen und Personen folgten mit dem Hinweis auf die enorme Kraft und Anstrengung, die in den Aufbau der Bahn gesteckt wurde.

Der 1. Vorsitzende der Interessengemeinschaft Preßnitztalbahn e.V., Kay Kreisel, legte in seinen Worten zum Aufbauprojekt, den zahlreichen Problemen und Schwierigkeiten aber auch klar dar, daß mit dem Erreichen des Bahnhofs Steinbach zwar ein großes Ziel erreicht sei, der weitere Aufbau der Bahn und die Entwicklung der Infrastruktur im Tal aber auch in den kommenden Jahren weiter viel Engagement benötige. Insbesondere den unzähligen Sponsoren und Förderern sei es überhaupt zu verdanken, daß ein derartiges Projekt erfolgreich sein könne. Diese Unterstützung wird aber auch in Zukunft benötigt. Steinbach ist zwar erreicht, fertig sei die Museumsbahn jedoch noch längst nicht.

Programmhöhepunkte

Das Eröffnungswochenende 19./20. August war eindeutig von den vielen interessierten Freunden der Preßnitztalbahn dominiert, die sich vom neuen Streckenabschnitt selber überzeugen wollten. Etwa 3000 Fahrgäste konnten an beiden Tagen gezählt werden.
Höhepunkt an den Wochentagen war zweifelsohne der Senioren-Tag, der zu einem regelrechten Pilgerprogramm entlang der Strecke führte. Im Festzelt Jöhstadt hatte an diesem Tag Marianne Martin, bekannt aus dem Programm des Mitteldeutschen Rundfunks MDR, ihren Auftritt.

Für die Eisenbahnfans wiederum bot das Programm am Donnerstag unzählige Höhepunkte, als zwischen den beiden im Zweistundentakt ab Jöhstadt bzw. Steinbach verkehrenden Personenzügen die Güterzüge mit schmalspurigen Güterwagen und aufgebockten Regelspurwagen das Primat hatten. Deutlich mehr Eisenbahnfreunde als erwartet waren an der Strecke unterwegs. Trotz ungewohnter Fahrzeuge lief das Programm reibungslos ab, an zahlreichen Stationen wurde den auf "exklusive Ansichten" wartenden Fotografen gegenüber dem Fahrplan zusätzliche "Events" geboten, und so konnte trotz der "Enge am Motiv" sicher jeder sein Bild machen. Scheinanfahrten, Rangiermanöver, Kreuzungen und Vorspannlokomotiven mit Güterzügen sind eben nicht mehr allzu häufig zu sehen.

Aber auch am zweiten Wochenende war reichlich historische Technik im Schwarzwasser- und Preßnitztal unterwegs. Parallel zum operativ auf einen 45-Minuten-Takt verkürzten Dampfzugfahrplan gaben sich nunmehr die Veteranen der Straße, die sich zum Oldtimertreffen in Jöhstadt getroffen hatten, entlang der Strecke ein Stelldichein. Die Veranstalter hatten in diesem Jahre von der Stadt Jöhstadt den Markt zur Nutzung überlassen bekommen, der sich hervorragend für die Präsentation der über siebzig historischen Kräder, Pkw´s, Jeeps und Lkw´s eignete. Mit einer Parade entlang der Strecke, mit zahlreichen Begegnungen mit den Oldtimern der Schiene klang ein sehr abwechslungsreiches Wochenende und eine würdige Festwoche aus.

Jörg Müller

Fahrzeugeinsatz in der Festwoche
vom 18. August bis 27. August 2000

Acht mal Dampf am Wasserhaus

M it insgesamt acht betriebsfähigen Dampflokomotiven fünf verschiedener Bauarten bekam die Festwoche "Steinbach 2000" auch von dieser Seite eine Attraktivität, die in Deutschland ihres Gleiches sucht.

Und was alles im Preßnitztalbahn zusammengezogen worden war: Unter den betriebsfähigen Maschinen buhlten die Einheitslok 99 734 mit VI K 713 um die Gunst der Fotografen. Ungläubig bestaunt wurde Lok 20 der Mansfelder Bergwerksbahn, die als 99 1401 mit ihrem Schlepptender im Einsatz stand. Sie gab in Jöhstadt ebenso ihren Einstand, wie auch die vorgenannten Loks der DB Regio AG erstmals in der 108jährigen Geschichte der Preßnitztalbahn Züge auf der Strecke zogen. Ein ungewohnter Anblick, der den einen freudige Schauer über den Rücken laufen ließ, andere von einem gebrochenen Dogma reden ließ. Doch die Begeisterung über das Gebotene, fehlte in keinem Gesicht!

Fahrzeugeinsatz / Fahrzeugausstellung

Konnten die Besucher der Preßnitztalbahn in der ersten Hälfte der Festwoche "nur" sieben betriebsfähige Dampfloks zählen, sollten die Gäste ab Donnerstag eine weitere Sensation erleben: In der Mittwochnacht wurde die Radebeuler VI K 99 713 der DB Regio AG antransportiert. Am Morgen des 24. August stand sie in Steinbach unter Dampf, gegen 9 Uhr zog sie den ersten Zug nach Schmalzgrube – eine gelungene Überraschung für die weit über 200 zahlenden Teilnehmer des Fotofantages.

Aufgrund der überaus positiven Resonanz auf den Fotofantag war die Überführung, vor allem aber der hohe Mietpreis für diese Lok vertretbar geworden. Vielen Dank bei allen ehrlichen Einzahlern, die den Einsatz der Maschinen möglich gemacht haben.


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