Das Eisenbahnamt Schwarzenberg

Der Bahnhof Schwarzenberg und auch der Schwarzenberger Lokschuppen dürften den Eisenbahnfreunden seit längerer Zeit hinlänglich bekannt sein, daß Schwarzenberg viele Jahre auch Sitz einer größeren Eisenbahndienststelle war, dürften jedoch die wenigsten wissen.

Mit der Genehmigung des Baues der Strecke Buchholz – Schwarzenberg (BSg) dürften 1886 auch die ersten Planungen für ein „Abtheilungs-Ingenieur-Bureau“ (AIB) in Schwarzenberg verbunden sein. 1888/89 wurde hierfür zu Lasten der Baurechnung der BSg das Gebäude für 40.067,44 RM errichtet einschließlich eines Nebengebäudes für 467,15 RM. Zum ersten „Abtheilungsingenieur“ wurde im Frühjahr 1889 der vormalige Sektionsingenieur der „Ingenieur-Abtheilung“ Hugo Richard Baumann befördert.

Zuständig war das AIB für die Strecken Buchholz – Schwarzenberg und Walthersdorf – Crottendorf, ihm unterstanden hierzu die Bahnmeistereien (Bm) in Schlettau und Markersbach-Mittweida. Die in der Nähe gelegenen Strecken Johanngeorgenstadt – Schwarzenberg und Grünstädtel – Rittersgrün besaßen als Sekundärbahnen eigene Bahnverwaltereien, die direkt der Generaldirektion der Königlich Sächsischen Staatseisenbahnen in Dresden unterstellt waren. Ab 1. Januar 1890 übernahm das AIB in Schwarzenberg weiterhin große Anteile der Strecke Schwarzenberg – Zwickau mit Bahnmeistereien in Schwarzenberg, Aue, Fährbrücke und Wiesenburg.

Im März 1893 wurden die AIB's in „Königliche Eisenbahn-Bauinspektion“ (BI) umbenannt. Zum 1. Juli 1898 wird die Bm von Fährbrücke nach Niederschlema verlegt. Mit der Auflösung der Bahnverwalterei Johanngeorgenstadt am 1. Dezember 1898 wurde diese Strecke der BI Schwarzenberg mit der neuen Bm Johanngeorgenstadt zugewiesen. Die Auflösung der für die Schmalspurbahn Grünstädtel – Rittersgrün zuständige Bahnverwalterei Oberrittersgrün am 1. Oktober 1909 führte zur Zuordnung dieser Strecke zum Bm Mittweida-Markersbach. Im Rahmen einer Verwaltungsreform erfolgte am 1. Januar 1910 eine erneute Umbenennung der BI's in „Königliche Eisenbahnbauämter“ (EBA).

Mit der gleichzeitig vorgenommenen Auflösung der BI Adorf (Vogtl.) gelangten auch wesentliche Teile der Strecken Aue – Adorf und die Steilstrecke Eibenstock mit den Bm Wolfsgrün, Schönheiderhammer und Jägersgrün zum BA Schwarzenberg. Gleichzeitig wurde die Bm Schlettau zum EBA Annaberg abgegeben. Bei Gründung der Reichseisenbahnen gehörten zum EBA Schwarzenberg damit immerhin neun Bahnmeistereien.

Mit der Auflösung des EBA Annaberg am 31. März 1924 vergrößert sich der Bereich des EBA Schwarzenberg erheblich. Die Bm in Weipert und Buchholz werden Schwarzenberg zugeordnet, gleichzeitig die Bm in Schlettau aufgelöst. Bereits am 1. Juli 1924 wird die Bm von Weipert nach Cranzahl verlegt. Mit der Auflösung des EBA in Glauchau werden ab 1. Februar 1927 erneut zahlreiche Änderungen in der Streckenzuordnung wirksam. Die Bm der Strecke Weipert – Annaberg werden dem EBA Flöha zugeschlagen, eine neue Bm in Buchholz unterhält künftig einen Teil der BSg und auch die Stichstrecke nach Crottendorf.

Wenig später, am 1. April 1927, werden die EBA in Reichsbahnbauämter (RBA) umbenannt, ab 15. Mai 1928 dürfen die sächsischen Bm-Bezeichnungen nicht mehr geführt werden. Bereits ein Jahr später erhielten die RBA zu den Aufgaben der Bahnunterhaltung zusätzlich betriebliche Aufgaben, wodurch sie am 1. Februar 1929 in Betriebsämter (BA) umbenannt wurden. Gleichzeitig wird die Bm Wiesenburg dem BA Zwickau 2 zugeordnet. Die Neuorganisation der Reichsbahn nahm die Stadt Aue zum Anlaß, um für sich die Verlegung des BA nach Aue zu fordern.
„In einer Zeit, die beherrscht wird von dem Grundsatz der Rationalisierung, in der man oft mit erheblichen Opfern die neuen Organisationen so trifft, daß sie den wirtschaftlichen Zielen und Zwecken nach allerbesten Möglichkeiten entsprechen, dürfte die Frage zu erwägen sein, ob man nicht lieber Aue anstatt Schwarzenberg zum Sitz des neuen Betriebsamtes machen möchte.“

Die Reichsbahndirektion Dresden erteilte dem Rat der Stadt Aue hierzu am 24. Januar 1924 eine klare Absage, eine Verlegung des Betriebsamtes kam schon aus finanziellen Gründen nicht in Betracht. Rationalisierungen in der Gleisunterhaltung bringt das Jahr 1932. Am 1. Januar 1932 wird die Bm in Johanngeorgenstadt aufgelöst, am 1. April 1932 die Bm Niederschlema. Die Bm Markersbach wurde zum 1. Januar 1944 aufgelassen und von den benachbarten Bm Schwarzenberg und Schlettau mitverwaltet.

Mit der Beendigung des Zweiten Weltkrieges gelangen ab Mai 1945 für etwa zwei Monate alle Strecken im Bereich der amerikanischen Besatzungsmacht kurzzeitig zur neu gegründeten RBD Zwickau. Nach Abzug der Amerikaner wird der Einzugsbereich des BA Schwarzenberg durch die Auflösung der BA Oelsnitz und Zwickau 2 nochmals erheblich erweitert. Es übernimmt die Strecken Wilkau-Haßlau – Carlsfeld, Zwotental – Klingenthal und Klingenthal – Sachsenberg-Georgenthal, den Abschnitt Hartenstein – Wilkau-Haßlau und den Abschnitt Wilzschhaus – Gunzen der Strecke Aue – Adorf.

Eine Neuorganisation erfuhr die Deutsche Reichsbahn auch nach dem 2. Weltkrieg. Mit Wirkung vom 1. August 1946 wurden in der Rbd Dresden die vorhandenen Betriebsämter aufgelöst und neue Reichsbahnämter (Rba) gebildet. Das Betriebsamt Schwarzenberg wurde dabei mit dem Betriebsamt Zwickau zum neuen RbA Zwickau zusammengefasst. Das eigenständige Eisenbahnamt in Schwarzenberg hatte damit seine Tätigkeit eingestellt.

Im Zusammenhang mit dem einsetzenden Bergbau der SDAG Wismut erhielt die Stadt Aue 20 Jahre nach ihren ersten Vorstößen nun doch ein Eisenbahnamt. Zur einheitlichen Leitung und Kontrolle des Eisenbahnverkehrs im Westerzgebirge bis hinüber ins Abbaugebiet Annaberg-Buchholz wurde auf Befehl der Sowjetischen Militäradministration vom 10. Dezember 1948 ein eigenständiges Reichsbahnamt Aue eingerichtet. Fünf Tage später war es arbeitsfähig, zum 1. Januar 1949 nahm es seine Arbeit auf, 1955 wurde es wieder aufgelöst.
Thomas Berger/Falk Thomas


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