Erinnerung an die Strecke Klingenberg-Colmnitz – Frauenstein

Bereits seit 1971 und damit seit 45 Jahren hat kein Schmalspurzug mehr die Stadt Frauenstein im Erzgebirge erreicht. Doch die Erinnerung an die Bahn ist weiter lebendig. Das liegt zum einen an den von Ingrid Berg verfassten Broschüren mit Anekdoten über diese Schmalspurbahn, zum anderen am Silbermann-Museum im Schloss der Bergstadt. Der am 14. September 1898 eröffneten Schmalspurstrecke ist dort ein Bereich der Dauerausstellung gewidmet. Geöffnet ist es von Dienstag bis Sonntag zwischen 10 und 16 Uhr, der Eintritt kostet 3,50 € für einen Erwachsenen, dabei ist die Besichtigung der gleich nebenan befindlichen Burgruine inklusive. Und diese lohnt sich auf jeden Fall, denn vom dortigen Aussichtsturm kann man bis zum ehemaligen Bahnhofsgebäude schauen!

Nach dem „Frische-Luft-Schnuppern“ können die im Burggelände hängenden Erklärungen zur Entstehung von Sprüchen aus dem Mittelalter studiert werden, die auch heute noch gebräuchlich sind. Dazu gehören z. B. „blau machen“, „einen Korb geben“ oder „in die Bresche springen“. Danach wartet das eigentliche Silbermann-Museum auf die Besucher. Neben vielen Anschauungsobjekten, die das Wirken der drei Orgelbauer Gottfried, Andreas und Johann Andreas Silbermann in Sachsen und im Elsass vorstellen, wird in den Ausstellungsräumen auch auf den Bergbau eingegangen sowie die Post- und Verkehrsgeschichte betrachtet. Im Silbermann-Museum sind u. a. diese Zeichnung der Frauensteiner Bahnhofsgebäude und ein Zug im Modell ausgestellt.

An die frühere Schmalspurstrecke von Klingenberg-Colmnitz nach Frauenstein erinnern viele Fotos, Wandtafeln mit Informationen sowie ein dem Original nachempfundener H0e-Schmalspurzug. Mehrere Fotos stellen das Ende der Bahn vor, als die heute in Jöhstadt beheimatete 99 715 am 20. Oktober 1971 in Oberbobritzsch entgleiste und kopfüber neben dem Gleis zum Liegen kam. Das nahm die Deutsche Reichsbahn zum Vorwand, den Betrieb umgehend einzustellen. Fortan fuhren Busse in die Silbermannstadt und übernahmen Lkw den Gütertransport. Weitere Informationen über das Museum gibt es im Internet unter www.silbermann-museum.de.
Stefan Müller

Hinweis:
Im Museumsshop sind noch mehrere Eisenbahnbüchlein von Ingrid Berg erhältlich, in denen sie Episoden unter anderem über die Schmalspurbahn von Klingenberg-Colmnitz nach Frauenstein zusammengetragen hat.

Nachfrage von André Marks:
Im Zuge der Recherche für den Tabellenteil des Buches „Die Wagen der sächsischen Schmalspurbahnen“, Band 2, Güter-, Bahndienst- und Modernisierungswagen, sind alle Leser gefragt: Wer kann sich daran erinnern, dass nach der Einstellung des Betriebes nach Frauenstein anfangs noch zwei, zuletzt dann noch ein vollständiger vierachsiger gedeckter Güterwagen auf einem Gleisrest in Frauenstein standen? Wie lange blieben die beiden Wagen auf dem Bahnhofsgelände? Wohin kam der letzte der beiden Wagen? Und wann verließ er wie den Bahnhof? Antworten können bitte an die Redaktionskontakte gegeben werden.
André Marks

Wandertipp:
Auf den Spuren der ehemaligen Schmalspurbahn Klingenberg-Colmnitz – Frauenstein kann man heute viele Trassenabschnitte zu Fuß oder per Rad erkunden. Dabei warten viele Überraschungen auf Eisenbahnhistoriker. So befinden sich im Bereich vom Turmberg kurz vor Frauenstein am Bahndamm noch immer Reste des zweiachsigen Gepäckwagens „Dresden K2002“, welcher der Bahnmeisterei seit den 1950er Jahren als Unterkunft diente. Der stark verrostete Wagenrahmen ist heute von einer dicken Moosschicht überzogen. Das renovierte Bahnhofsgebäude von Frauenstein sollte wie das ehemalige Wartehäuschen in Niederpretzschendorf ebenfalls einmal aus der Nähe betrachtet werden.
SM/AM


zum Preß-Kurier | Artikel älterer Ausgaben