Das Interview: Günter Meyer

Anläßlich der 100. Ausgabe des Preß΄-Kuriers interviewte die Redaktion den treuen Stammleser und vielen Eisenbahnfreunde durch seine Fotos auch als „Bellingrodt des Ostens“ bekannten Günter Meyer (81) in Aue. Dieser ist nicht nur Abonnent, sondern von Zeit zu Zeit auch Lieferant von historischen und aktuellen (!) Aufnahmen für den PK. Doch wie kam es dazu?

PK: Sehr geehrter Herr Meyer, Sie haben sich wie kein anderer mit den Eisenbahnen in der DDR beschäftigt. Sie gelten aber auch als aufmerksamer, wohlwollender Beobachter von Wiederaufbauprojekten. Dazu lesen Sie seit vielen Jahren den Preß΄-Kurier. Wissen Sie noch, wann und wie Sie Ihren ersten PK erhalten haben?
Ja, es war die Nummer 1/2000. Mich hatten die vielen Meldungen über die Schmalspurbahnen gereizt – dieses Heft war für mich ideal.

PK: Heben Sie die Ausgaben des Preß΄-Kurier auf?
Nein, ich werte sie aus, das heißt, ich schreibe mir alles für mich Interessante auf und ordne diese Notizen in meine Unterlagen zu den verschiedenen Bahnen bzw. Fahrzeugen ein. Anschließend gebe ich den PK an jüngere Eisenbahnfreunde weiter.

PK: Sie hatten es sich in der DDR zum Ziel gesetzt, zwischen Ostsee und Fichtelberg jede Schmalspurbahnstrecke mindestens einmal zu besuchen. Haben Sie das geschafft und wann waren Sie das erste Mal im Preßnitztal?
Ja, die staatlichen Schmalspurbahnen habe ich fast alle noch erlebt und abgefahren. Nur beim Abschnitt von Byhlen nach Jamlitz der Spreewaldbahn bin ich zu spät gekommen. Dort mitzufahren, habe ich nicht mehr geschafft, der einzige Zug verkehrte zu einer für mich sehr ungünstigen Zeit. Die Mansfelder Bergwerksbahn habe ich früher auch nicht erlebt – aber das war ja eine Werkbahn. Regelspurstrecken habe ich eher zufällig befahren – wo ich halt gerade hin wollte. Interessant waren für mich aber die vielen 1949/50 in der DR aufgegangenen ehemaligen Klein- und Privatbahnen mit Regelspur. Viele von ihnen habe ich noch kennengelernt – aber keinesfalls alle! Wir mußten ja nebenbei noch arbeiten … Im Preßnitztal war ich erstmals am 3. Oktober 1956.

PK: Wissen Sie noch, welche Lokomotive Sie damals als erstes fotografiert haben? Und was hat Ihnen an der alten Preßnitztalbahn besonders gut gefallen?
Nun, ich bin zunächst mit meinem Fahrrad von Wolkenstein nach Streckewalde gefahren. Dort habe ich auf den Schmalspurzug gewartet. Er war von 99 599 geführt. Dann bin ich mit dem Zug nach Wolkenstein gefahren, wo ich die Lok nochmals heimlich fotografiert habe. So genau weiß ich das aber leider nicht mehr alles – meine Notizbücher gehen erst im Februar 1958 los. Es war eine schwierige Zeit. Man hat sich nicht getraut, die Maschinen sofort am Bahnhof zu fotografieren. Auf kleineren Stationen war das besser. In den sechziger Jahren war ich oft mit den Kindern im Preßnitztal. Besonders schön war das Jubiläum 1967. Gefallen haben mir die vielen Brücken – und die damals flotte Fahrt fiel mir auf. Mir kam es so vor, als ob der Betrieb auf der WJ-Linie flotter geführt worden ist als auf der WCd-Linie. Die geheime Fotostelle von einem Felsen bei Streckewalde gefiel mir auch immer gut – die kennt kaum jemand. Die Idee, dort hinaus zu klettern, hatte ich von einer alten Ansichtskarte. Die Ansichten vom Schloß Wolkenstein kannte ja jeder …

PK: Was dachten Sie, als Sie hörten, Eisenbahnfreunde wollen einen Teil der WJ-Linie wiederaufbauen?
Ich habe daran ehrlich gesagt gezweifelt, ob die das schaffen. In der DDR-Zeit war es unmöglich - es war ja schon 1988, als sich die ersten dort trafen.

PK: Wie denken Sie heute über die Leistungen der IG Preßnitztalbahn e.V.?
Hochachtung, kann man nur sagen. Hochachtung, was dieser Verein alles auf die Beine gestellt hat.

PK: Wann waren Sie zum letzten Mal in Jöhstadt?
Im Dezember 2006 zur Verleihung des Claus-Köpcke-Preises. Im vorigen Jahr habe ich auf einer Autofahrt von Aue nach Deutschneudorf zwischen dem Bahnübergang Grumbacher Straße und Steinbach einen Museumszug gesehen – das war wunderschön!

PK: Haben Sie an diesem Tag fotografiert?
Nein, und im Dezember wurden wir selbst einmal fotografiert … Das Foto aus der schicken Fahrzeughalle habe ich daheim hängen. Das schönste an der Preßnitztalbahn ist an für sich der Bahnhof Steinbach mit der alten Wasserstation. Jöhstadt ist ja noch durch den Wohnblock verdorben. Hoffentlich wird dieser Bau bald zusammenfallen. Steinbach ist hingegen ein Schatzkästlein.

PK: Welches Fahrzeug gefällt Ihnen auf der Museumsbahn am besten?
Schwer zu sagen – an für sich die IV K. 99 4511 – das ist ein DDR-Neubau, naja – ich kenne noch die alte 4511, ich habe beide gemeinsam in Görlitz noch fotografiert. Aber schön, daß die Neubaulok erhalten ist.

PK: Was wünschen Sie dem Verein für die Zukunft – und was könnte der PK Ihrer Meinung nach tun, um für Sie noch interessanter zu werden?
Viele Besucher und Fahrgäste und viel, viel Glück bei allen Projekten. Der PK ist für mich eine umfassende Berichtsquelle – mir gefallen die vielen Meldungen über die vielen Schmalspurbahnen und Wagenfunde. Die gesamte Szene wird vorgestellt – das soll so bleiben, das ist mir wichtig!

PK: Wir bedanken uns für das Gespräch und wünschen Ihnen natürlich vor allem Gesundheit – und weiterhin viel Spaß bei der Lektüre des Preß΄-Kurier und beim Besuch der zahlreichen sächsischen Schmalspurbahnen.

(Für den PK fragte André Marks)


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