10 Jahre Museums-Dampfbetrieb in Jöhstadt

In diesem Jahr jährt sich nicht nur die feierliche Eröffnung der Schmalspurbahn von Wolkenstein nach Jöhstadt zum 110. Mal, sondern es kann auch auf zehn Jahre Museums-Dampfbetrieb der IG Preßnitztalbahn e. V. zurückgeblickt werden. Immerhin bewegte sich Pfingsten 1992 mit 99 1568-7 erstmals seit 1984 wieder eine Dampflok aus eigener Kraft vor dem Lokschuppen in Jöhstadt. Zum Oktober-Bahnhofsfest vor zehn Jahren konnten bereits die ersten Rangierfahrten mit 99 1568-7 und teils sogar mit der damals noch nicht betriebsfähigen 99 1590-1 beobachtet werden. Nur etwa 400 Meter reichten die Schienen zu dieser Zeit vom Lokschuppen talwärts. Personen durften bei diesen Fahrten auf dem Baugleis noch nicht befördert werden. Dies geschah erstmalig Pfingsten 1993 per Sondergenehmigung des sächsischen Wirtschaftsministeriums.

Dennoch ist auch das Jahr 1992 von den damaligen Aktivmitgliedern als auch von vielen Besuchern unvergessen. Nachdem es Ende 1991 gelungen war, 99 1542-2 und 99 1568-7 von der Deutschen Reichsbahn zu erwerben und von Mügeln nach Wilischthal zu bringen, wo beide Maschinen zunächst in der dortigen Papierfabrik abgestellt worden sind, kehrte am 10. Januar 1992 mit 99 1568-7 nach den oft zitierten 2918 Tagen seit Freitag, dem 13. Februar 1984, die erste Dampflok nach Jöhstadt zurück. Damit dauerte die Abstinenz von Dampflokomotiven auf der ehemaligen Strecke Wolkenstein – Jöhstadt insgesamt nur knapp über fünf Jahre, war doch erst im Dezember 1986 die letzte IV K von Wolkenstein abtransportiert worden.

Nachdem in wenigen Tagen schwerster Anstrengung erst kurz vor Pfingsten 1992 die heutigen Bahnhofsgleise 4 und 5 verlegt worden sind, gestaltete sich das Pfingstfest zu einem riesigen Erfolg. Mit etwa 7000 Besuchern nahmen weitaus mehr Gäste an dem Fest und Jubiläum „100 Jahre Wolkenstein – Jöhstadt“ teil, als es sich die Mitglieder des Vereins jemals hätten erträumen lassen. Und das, obwohl von der einst 23 km langen Preßnitztalbahn lediglich etwa 60 m vor dem Jöhstädter Lokschuppen für Pendelfahrten mit 99 1568-7 zur Verfügung standen.

Der Sommer 1992 brachte mit dem Kauf von 99 1590-1 ein weiteres Erfolgserlebnis. Viele Jahre hatte die 1980 in Jöhstadt außer Dienst genommene Neubau-IV K im Raw Leipzig-Engelsdorf auf einem Denkmalsockel gestanden. Zwölf Jahre später kehrte sie unter dem Jubel der Vereinsmitglieder ins Erzgebirge zurück. Neben der Dampflok glückte im Jubiläumsjahr 1992 aber auch der Kauf einer Diesellok. Mit 199 007-6 gelangte eine Kleinlok vom Typ Ns4 nach Jöhstadt, deren Schwesterlok, die spätere 199 008-4, einst beim Streckenabriß der Preßnitztalbahn eingesetzt gewesen ist. Und 199 007-6 erhielt in den folgenden zehn Jahren ausreichend Gelegenheiten, das „Vergehen“ der baugleichen 199 008-4 wieder gutzumachen!

Als ehemalige Werklok des VEB Feinspinnerei Venusberg (an der Wilischthalbahn) ist 199 007-6 aber nicht nur eine unverzichtbare Stütze für den Wiederaufbau der Preßnitztalbahn, sondern auch ein wertvolles Denkmal erzgebirgischer Schmalspurbahnen. An eine zweite 1992 in Jöhstadt vorhandene Diesellok können sich viele Freunde der IG Preßnitztalbahn e. V. heute schon fast gar nicht mehr erinnern. Vereinsmitglied Rainer Wiegand aus Zeulenroda hatte 1991 gemeinsam mit einem Kölner Eisenbahnfreund von der Internationalen Rheinregulierungsbahn drei Diesellokomotiven vom Typ HF 130 C gekauft. Während der Kölner Jörg Seidel seine beiden Maschinen in die Obhut des Sächsischen Schmalspurbahn-Museums Rittersgrün gab, ließ Rainer Wiegand seine HF 130 C nach Jöhstadt bringen. Hier begann er die Lokomotive aufzuarbeiten. Beschriftet als 199 002-4 in Zweitbesetzung sollte sie nach Vorstellungen des Eigentümers den Bauzugdienst übernehmen. Da die für den Einsatz dieser Lok in Deutschland erforderlichen Unterlagen jedoch nicht vollständig waren, unterblieb dieses Vorhaben. Im Mai 1993 brachte der Besitzer die Lok zur Döllnitzbahn, wo sie sich noch heute befindet.

Betrieblich interessant gestaltete sich 1992 in Jöhstadt der Gleisplan, scheiterte doch der Versuch, eine aus Cranzahl übernommene Doppelkreuzungsweiche zu komplettieren. Während des Oktober-Bahnhofsfestes ergab sich so die Situation, daß der Stand 3 des Lokschuppens nicht an das Streckengleis angebunden war. Erst mit dem Einbau der in Dippoldiswalde vor der Zerlegung bewahrten und geborgenen Doppelkreuzungsweiche gelang es, 1993 diesen Mißstand zu beheben.

Die Zeit vor dem Oktober-Bahnhofsfest gestaltete sich, wie schon von Pfingsten bekannt, recht hektisch. Bis in die frühen Morgenstunden befreiten Vereinsmitglieder noch die Steuerungsteile am Fahrwerk von 99 1590-1 vom Leipziger Farbanstrich, polierten die Wasser- und Kohlekästen und brachten die neue Kultlok optisch auf Hochglanz. Zehn Jahre nach dieser Präsentation wird 99 1590-1 in diesem Jahr zum Oktober-Bahnhofsfest wohl bis auf weiteres zum letzten Mal von einer breiten Öffentlichkeit im Einsatz bewundert werden können. Seit Mitte November 1994 bespannte sie auf der Preßnitztalbahn regelmäßig Museumszüge. Nun bedarf sie einer sehr kostenintensiven Hauptuntersuchung im Dampflokwerk Meiningen, wozu Spenden jederzeit willkommen sind (Siehe auch S.7).

Die im Oktober 1992 noch recht unansehnlichen Wagen, mit denen 99 1568-7 damals zur Freude der Fotografen rangierte, haben eine unterschiedliche Entwicklung genommen. Während der damals mit vielen Rostschutzfarbflecken versehenen Traglastenwagens 970-628 noch heute im Einsatz steht, bedarf der vierachsige Packwagen 974-331 einer grundlegenden Aufarbeitung. Wie sich die anderen im Oktober 1992 noch unaufgearbeiteten Fahrzeuge der IG Preßnitztalbahn e. V. nach zehn Jahren zeigen, das kann am besten in Augenschein genommen werden, wenn man das diesjährige Oktober-Bahnhofsfest der Preßnitztalbahn besucht. Glück Auf in Jöhstadt!
André Marks


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