Eisenbahn-Bau- und Betriebsgesellschaft Pressnitztalbahn mbH

In früheren Ausgaben des "PK" wurde sie bereits mehrfach erwähnt und auch , Fahrzeuge abgebildet, in diesem Beitrag wollen wir etwas ausführlicher über diese Gesellschart berichten. Durchaus gewollt hat die Eisenbahn-Bau- und Betriebsgesellschaft den Namen Pressnitztalbahn in der Firmenbezeichnung. Denn der Firmensitz befindet sich in Jöhstadt.

Namentliche Assoziationen zur Museumsbahn zwischen Jöhstadt und Steinbach sind gleichermaßen nicht zufällig. Aber auch in anderen Regionen wie Weißeritztal, im Döllnitz oder Zittauer Gebirge arbeiten kommerzielle und gemeinnützige Gesellschaften dicht beieinander. Anfang 2000 gegründet, stand vor allem die Zielstellung, engagierten Eisenbahnern die bereits beim Aufbau der Museumsbahn mitgewirkt hatten, aus dem Beschäftigungsverhältnis beim Verein herauszulösen, um die enormen finanziellen Belastungen für den Verein zu minimieren. Gleichzeitig stand die Aufgabe, unterschiedliche Geschäftsfelder aufzubauen, die ein auf mehreren Standbeinen basierendes Unternehmen wirtschaftlich funktionieren lassen sollten.

Eisenbahnbetrieb

Die Eisenbahn-Bau- und Betriebsgesellschaft Pressnitztalbahn mbH hat als nichtbundeseigenes Eisenbahnverkehrsunternehmen die Konzession für den Personen-und Güterverkehr auf der Schiene. Mit dem inzwischen kontinuierlich gewachsenen Fahrzeugbestand übernimmt das Unternehmen komplexe Aufgaben bei der Baustellenlogistik im Auftrag der Baufirmen, realisiert Traktionsbereitstellung im Auftrag anderer Eisenbahnunternehmen, Versorgungsbetriebe und Firmen und gewährleistet in eigener Verantwortung die Überführung von Bau- und Spezialfahrzeugen innerhalb Deutschlands.

So liegen Einsatzreferenzen der Fahrzeuge von fast allen großen und kleinen Gleisbaufirmen wie Sersa, Spitzke, Gleisbau Bautzen, Eichholz, Schwerbau oder der Deutschen Gleis und Tiefbau vor. So wurde durch die Press GmbH beispielsweise die Komplettbaustellenlogistik mit Bereitstellung von Baumaterial Just-ln-Time zum Bauablauf, Abtransport Altmaterial und Zuführung der erforderlichen Baufahrzeuge auf den Strecken der DB Erzgebirgsbahn, Flöha - Pockau und Wolkenstein - Annaberg realisiert.

Der Fahrzeugpark des Eisenbahnunterneh-mens, fast ausnahmslos im Fahrzeugwerk Chemnitz der DB AG aufgearbeitet, besteht momentan aus folgenden Fahrzeugen: 346001-6 (V60D), 312002-7 (V22B), 346003-4 (V60D), 346004-3 (V60D), 204005-3 (VIOOB'B)

Weitere Fahrzeuge sind von anderen Eisenbahnuntemehmen angemietet, unter anderem werden auch Fahrzeuge des Vereins Sächsischer Eisenbahnfreunde Schwarzenberg, der Ostsächsischen Eisenbahnfreunde und der Interessengemeinschaft Preßnitztalbahn e.V. für Aufträge eingesetzt, was den Vereinen willkommene Einnahmen sichert. Zeitweise laufen auch V 100 der Erzgebirgsbahn und des Fahrzeugwerkes Stendal unter Regle der Press GmbH, um die Zeit bis zur Ablieferung neuer Fahrzeuge aus Stendal zu überbrücken. Die Eisenbahn-Aktivitäten konzentrieren sich hauptsächlich auf die Regelspur, für Schmalspurbahnaufträge werden die Fahrzeuge der IG Preßnitztalbahn e.V. angemietet.

Zur Werbung für die junge Firma und zur Unterstützung des Vereins werden einige angemietete Schmalspur-Baufahrzeuge (199 008, Schotterwagen) zukünftig in Vollwerbung in der Untemehmensfarbe Blau mit "Press"-Logo zum Einsatz kommen.

Güterkraftverkehr/ Spezialtransporte

Ein weiteres wichtiges Geschäftsfeld des Unternehmens ist der Güterkraftverkehr. Unter dem Motto: "Ob Schiene oder Straße, wir finden immer einen Weg" werden überwiegend Spezialtransporte mit Übermaßen bis 60t Masse oder 30 m Ladelänge, incl. Krane und Spezialtechnik für Verladung und Transport, sowie Begleitung der Transporte offeriert. Eine sehr wesentliche Aufgabe ist dabei nach wie vor, mittels Spezialsattelauflieger Eisenbahnfahrzeuge unterschiedlicher Spurweiten über die Straße zu transportieren. Mit dem modularen Rampensystem ist es dadurch möglich, ohne Kran Schienenfahrzeuge zu verladen, an andere Einsatzorte und zur Instandhaltung zu transponieren und wiederum vor Ort abzuladen.

Entwickelt worden ist diese Technologie für den Transport der Fahrzeuge der Museumsbahn Jöhstadt - Steinbach in Zusammenarbeit mit einem Chemnitzer Kran- und Transportunternehmen. Nach Insolvenz dieser Firma Ende 1999 stand das Problem, dieses transporttechnologische Verfahren "abzuschreiben", oder in eigener Regie weiter zu führen. Da diese Aufgabe durch einen gemeinnützigen Verein nicht wahrgenommen werden konnte, ging dieses Geschäftsfeld in der Press GmbH auf. Inzwischen ist das Feld Spezialtransporte längst nicht mehr führender Unternehmensbereich, für die zahlreichen regelmäßigen Auftraggeber, die diese Dienstleistung nutzen, wie DB Regio, BRG, HSB und nicht zuletzt auch die IG Preßnitztalbahn e.V. ist jedoch ein qualitativ sicherer Transport der Fahrzeuge lebensnotwendig.

Zukunftsaussichten

Mit etwas mehr als 20 Mitarbeitern (darunter bereits zwei Azubi's) ist die Press GmbH momentan noch ein eher kleines Unternehmen. Neue Aufgaben und auch ein weiterer Ausbau des Fahrzeugparks sind aber bereits in's Auge gefasst. Offiziell noch nicht bestätigt ist die Anschaffung von weiteren Loks des Typs V100 aus Stendal. Speziell für die wirtschaftlich gebeutelte Region im oberen Erzgebirge ist die Eisenbahn-Bau- und Betriebsgesellschaft Pressnitztalbahn sicher ein kleiner Lichtblick, aber natürlich kann sich auch die Museumsbahn und die anderen Vereine in Sachsen der Unterstützung gelegentlich versichern.

J.Müller

Weitere Informationen und aktuelle Berichterstattung unter www.pressnitztalbahn.com


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