Preßnitztalbahn aktuell

Die Museumsbahn im Oktober/November

Es ist für die Museumsbahner ein inzwischen altbekannter Ablauf des Jahres: Nachdem an mehr als zwei Dutzend Wochenenden ab Mai jeden Sonnabend und Sonntag der Dampf über den Zügen zwischen Steinbach und Jöhstadt durchs Tal gezogen ist, stellt sich eine gewisse (Herbst-)Müdigkeit ein. Bevor nach dem letzten Oktoberwochenende der Kesseldruck aus der Lok genommen wird, kommt das Gefühl einer sehnsuchtsvoll erwarteten Ruhepause auf. Das mag dann für den Fahrbetrieb, der bis zum ersten Adventswochenende pausiert, auch stimmen. Doch ansonsten ist gerade diese Zeit im Jahr von vielfältigen Umstellungen in den Abläufen geprägt. Manche Gewohnheit aus dem Sommer muss man nun zweifelsohne zurücklassen, man merkt es spätestens an den gesunkenen Temperaturen. Die Wagenheizungen müssen funktionieren, die Schlauchkupplungen sind zu überprüfen und nicht zuletzt müssen die Kanonenöfen in einigen Wagen mit Brennstoff en ausgestattet werden. Das Vorbereiten der Züge für den Betrieb im Winterhalbjahr nimmt mehr Zeit in Anspruch, das Angebot im Buff etwagen wird saisonal angepasst und vor allem die weihnachtliche Dekoration versprüht plötzlich ein ganz anderes Flair.

Auch die Strecke verändert sich, selbst wenn stellenweise noch nicht alles Laub von den Bäumen gefallen ist. Der Winter naht auch im November schon einmal schnell und wenn da nicht mit bereitstehender und geprüfter Schneeräumtechnik, vorhandenen Weichenbesen und gereinigten Weichen oder auch allseits funktionierenden Beleuchtungen Vorkehrungen getroff en wurden, steht man trotz weißer Landschaftsdekoration schnell sprichwörtlich im Dunkeln. Für die Besucher zeigt sich der Wandel sehr deutlich, da das Personal im Zug nun in Winteruniform erscheint.

Infrastrukturarbeiten

Seit einigen Jahren ist die Lagerhalle gegenüber der Ausstellungs- und Fahrzeughalle in intensiver Nutzung als Lager und Arbeitsbereich für die Fahrzeugwerkstatt der Preßnitztalbahn. Nach dem Ausbau im Inneren in verschiedene Arbeitssektionen sowie der Komplettsanierung der Außenfassade inklusive Fenstererneuerung in den vergangenen Jahren begann im Oktober die Sanierung der Fußbodenplatte im Eingangsbereich. Durch das Befahren mit einem Gabelstapler für schwerere Lagergüter bestand die Gefahr des Einbrechens. Nach Abbruch der alten Decke wurde kellerseitig ein Schalungsgerüst aufgestellt, mit dem der Aufbau der Bewehrung und das Betonieren der neuen Tragdecke erfolgten. Bis zum Jahresende sollen die Arbeiten mit Abbau des Gerüstes nach vollständiger Aushärtung des Betons abgeschlossen sein. Die stirnseitige Front der Lagerhalle bekommt derzeit ein neues Tor mit Stahlrahmen und Holzverkleidung inklusive einer kleineren Schlupftür, um nicht immer das ganze Tor beim Betreten öff nen zu müssen. In der Woche vor dem ersten Adventswochenende lief das Bestücken aller Gebäude der Museumsbahn mit Weihnachtsdekoration.

Auch in diesem Jahr haben wieder alle Fenster der Gebäude Lichterbögen, die Sitzwagen sind mit gebastelten Dekorationen ausgestattet und Weihnachtsbäume zieren den Lokschuppen in Jöhstadt und das Steinbacher Wasserhaus. Die erzgebirgische Pyramide neben dem Stationsgebäude von Schmalzgrube ist ebenso wieder in Aktion wie die im vergangenen Winter erstmalig gezeigte Pyramide der Preßnitztalbahn zwischen Bahnhofsgebäude und PRESS-Verwaltungsgebäude in Jöhstadt. Im Oktober und November gab es wieder Arbeitseinsätze der Vereinsmitglieder, diesmal wieder unterstützt durch Modelleisenbahner des Modelleisenbahnclubs Kreischa e. V. Dabei lag der Arbeitsschwerpunkt in der Kleineisenbehandlung sowie beim Nachstopfen von besonders beanspruchten Gleisabschnitten. Im Bahnhof Steinbach wurde die in den vergangenen 20 Jahren auf über drei Meter an gewachsene Baumhecke zwischen dem Wohnhaus und dem Abstellgleis 1a gerodet und durch Neubepfl anzung mit kleinwüchsigeren Heckenpfl anzen umgestaltet.

Fahrzeuge

Nach ihrem mehrmaligen Einsatz im Oktober vor Zügen auf der Museumsbahn „Pollo“ in der Prignitz ist „Meppel“ 99 4511-4 seit Mitte November wieder zurück in Jöhstadt und wurde hier in den folgenden Tagen ausgewaschen und auf die Winterruhe vorbereitet. Mit der abschließenden Probefahrt kam am 23. November die Hauptuntersuchung am Sitzwagen 970-214 zum Abschluss. Die Untersuchungen von Fahrwerk, Bremsanlage, Zug- und Stoßvorrichtung sowie die Erneuerung der Außenfarbgebung wurden somit entsprechend der Planung erfolgreich vor den Einsatztagen im Advent beendet.

Die Lok I K Nr. 54, der „Bänkelwagen“ 4333K (97-19-25) sowie das Zittauer Doppelwagenpärchen 8K/25K wur8K/25K wur8K/25K den nach dem letzten diesjährigen Einsatz des I K-Zuges von der Döllnitzbahn nach Jöhstadt überführt. Diese Fahrzeuge bleiben über die Wintermonate in der Ausstellungs- und Fahrzeughalle abgestellt. In Zusammenarbeit mit Kollegen der SOEG fanden Planarbeiten an der I K statt. Der erste Einsatz des I K-Zuges im Jahr 2017 ist momentan im Juni geplant. Um etwas Platz zum Unterstellen von Fahrzeugen zu schaff en, brachte die PRESS mbH ihre seit April 2016 mit abgelaufenen Einsatzfristen in der Halle abgestellte Dampflok „Aquarius C.“ am 14. November in den Lokschuppen Carlsfeld des FHWE.

In der Fahrzeugwerkstatt der Preßnitztalbahn in Schlössel wurde in den vergangenen Monaten der gedeckte Regelspurgüterwagen 40 50 945 1127-7 (Gattung Gklm) eines (Gattung Gklm) eines privaten Sammlers optisch aufgearbeitet. Nach der im August erfolgten Erneuerung der Holzwände und des Fußbodens in Zusammenarbeit mit der Jöhstädter Tischlerei Niederle, kamen Dachdecker im September zum Dachabdichten. Ein händisch ausgeführter Farbanstrich sowie die originalgetreue Beschriftung nach DR-Vorschrift schlossen die Restaurierung ab. Während der Arbeiten stand der Regelspurwagen auf einem Rollfahrzeug. Inzwischen hat der Zweiachser Jöhstadt verlassen.

Den durch Materialermüdung am Dach des Sitzwagens 970-541 eingetretenen Wasserschaden reparierten die Werkstattmitarbeiter Mitte September. Parallel führten sie an diesem Vierachser eine Untersuchung aus, nach der sich die Nutzungsfrist des Traglastenwagens um ein Jahr verlängert hat. Im Auftrag der Döllnitzbahn GmbH läuft in der Werkstatt weiterhin der Bau eines vierachsigen Aussichtswagens auf Basis des Rahmens von 970-398. Die Fertigstellung ist im ersten Halbjahr 2017 vorgesehen.

Fahrbetrieb & Statistik

  • 1.–3. Oktober: „Volldampf im Herbst“ mit Landmaschinenausstellung im Bahnhof Steinbach, Einsatz von 99 1542-2 und 99 1715-4, 1494 Fahrgäste • 8./9. Oktober: Herbstdampf, Einsatz von 99 1542-2, 281 Fahrgäste
  • 15./16. Oktober: Herbstdampf, Einsatz von 99 1542-2, 401 Fahrgäste
  • 22./23. Oktober: Herbstdampf, Einsatz von 99 1542-2, 186 Fahrgäste
  • 29.–31. Oktober: Herbstdampf, Einsatz von 99 1542-2, 558 Fahrgäste
Zusätzlich fanden am 4. und 12. November Charterfahrten mit 99 1590-1 als Zuglok sowie am 28. Oktober, 2., 5. und 12. November Charterfahrten mit der Diesellok 199 009-2 vom Typ V10C statt, wobei 328 Fahrgäste befördert wurden.

Marketingaktivitäten

Das Marketingteam der IG Preßnitztalbahn e. V. absolvierte auch im Oktober und November wieder verschiedene Termine auf Veranstaltungen und Ausstellungen. Der Verein war auf der Messe „modell–hobby–spiel“ vom 30. September bis 3. Oktober in Leipzig nicht nur mit mehreren Mitgliedern als Standpersonal dabei, sondern auch wieder mit dem Marketingzelt und dem „Bänkelwagen 4333K“, der gemeinsam mit der I K Nr. 54 den Hingucker des Messestandes bildete. Beim 40. Brandenburger Reisemarkt im Berliner Ostbahnhof am 8. Oktober, bei der Modellbahnausstellung im Bürgerhaus Neuenhagen am 22./23. Oktober sowie vom 4. bis 6. November bei der Internationalen Modellbahnausstellung im FEZ Berlin war die Preßnitztalbahn ebenfalls präsent.

In Vorbereitung des Jubiläumsjahres 2017 mit monatlichen Veranstaltungsschwerpunkten traf sich die Arbeitsgruppe Marketing des Vereins mehrmals. Ein Ergebnis der Arbeit in den vergangenen Monaten, wesentlich vorangetrieben durch Vereinsmitglied Th omas Poth, ist die Fertigstellung von Informationstafeln für alle Stationen der Museumsbahn mit geschichtlichen Hintergründen der alten und der neuen Preßnitztalbahn. Diese Tafeln werden noch im Dezember angebracht und informieren dann die Besucher in den Sprachen Deutsch, Tschechisch und Englisch über zahlreiche Details der Schmalspurbahn im Preßnitz- und Schwarzwassertal. Wer von Vejprty (Weipert) zur Museumsbahn kommt, wird dort ebenfalls in den genannten drei Sprachen auf die Preßnitztalbahn hingewiesen.

Jahreshauptversammlung

Am 19. November fand die 27. Jahreshauptversammlung der IG Preßnitztalbahn e. V. im Schullandheim Jöhstadt statt. Wie gewohnt erstattete der Vorstand zunächst Bericht über das vergangene Jahr und gab einen Überblick über die wiederum sehr umfangreichen Aktivitäten. Bei der folgenden turnusgemäßen Wahl des Vorstandes erhielt der bisherige Vorstand das Vertrauen der 56 anwesenden Vereinsmitglieder für eine weitere Wahlperiode, die Kassenprüfer bestätigte die Versammlung ebenfalls in ihrem Amt. Da sich das Einzahlen der Mitgliedsbeiträge in den vergangenen Jahren teils weit ins laufende Jahr hinzog, wurde eine Änderung der Beitragsordnung beschlossen: Ab 2017 ist der Beitrag bis zum 31. März des Jahres zu zahlen, die Beitragssätze bleiben unverändert. Das Vorstellen und die Diskussion zu den umfangreichen Vorhaben des 2017 anstehenden Jubiläumsjahres „125 Jahre Preßnitztalbahn & 25 Jahre Museumsbahn“ nahm viel Zeit in Anspruch. Abweichend zu anderen derartigen Jubiläen ist jedem Monat 2017 ein besonderes Unterthema als Schwerpunkt zugeordnet. Dies soll einerseits den Anreiz für Besucher steigern, im Jahr 2017 der Preßnitztalbahn mehrmals einen Besuch abzustatten – andererseits werden dadurch die Vereinsmitglieder stärker zum Vorbereiten und zum Durchführen der jeweiligen Feste beansprucht.

Spendenaktion

Die Spendenaktion „Auf nach Süden“ zur Unterstützung der nächsten Projektphase für das Großprojekt „Neuer Bahnhof Jöhstadt“ hat per Ende November einen Spendenstand von 47 756,89 Euro erreicht. 218 Spender beteiligten sich bisher an der Aktion, für die auch in diesem Heft mit dem eingehefteten Spendenaufruf nochmals geworben wird. Im ersten Halbjahr 2017 plant der Verein die Umsetzung eines nächsten Bauschrittes für das Gesamtvorhaben: Im Bereich des Bahnüberganges der Straße zum Dürrenberg am südlichen Bahnhofskopf sollen die Medien- und Versorgungsleitungen neu geordnet werden.

Nach umfangreichen Vorerkundungen ist die Situation in diesem Bereich unterhalb der zukünftigen Gleislage sehr kompliziert, da es diverse Kreuzungen und Abzweigungen mit teils für den Gleisbau unzulässig geringer Überdeckung gibt. Mit einer Entflechtung dieser Leitungen durch den Einbau von Medienschächten an den vier Eckpunkten des Bahnüberganges und durch Verbindungs(leer)rohre sollen die Voraussetzungen geschaffen werden, dass alle Medienträger ihre Leitungen zeitnah entsprechend ihren eigenen Anforderungen umverlegen können. Bei der laufenden Finanzierung des Kredites für den Kauf des Wohnblockes auf dem Bahnhofsgelände erreichte die IGP einen Zwischenerfolg. Der Verein unterzeichnete mit der Volksbank Chemnitz eine Anschlussfinanzierung zu verbesserten Konditionen. Laut Finanzplanung des Vereins soll der Bankkredit möglichst bis Ende 2019 getilgt sein. Die monatlichen Raten für Zins und Tilgung wurden dabei so festgelegt, dass auch weiterhin finanzieller Spielraum für andere Projekte verfügbar bleibt.
Jörg Müller (mit Zuarbeit von Gerald Seifert)



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