"Rettet die MDR-Bahnzeit"

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Eine gemeinsame Aktion vieler interessierter Fernsehzuschauer wurde gestartet

Am 14. Januar 2010 startete mit der Freischaltung der offiziellen Internetseite zur Aktion www.rettet-die-bahnzeit.de ein bisher in der deutschen Fernsehlandschaft einmaliges Projekt. Zunächst nur für die im Internet aktive Gemeinschaft der Eisenbahnfreunde wurde eine Plattform ins Leben gerufen, um den bereits zuvor angelaufenen Protest Einzelner gegen die Einstellung der Fernsehsendung „MDR-Bahnzeit“ zu bündeln. Diesem Protest soll eine sichtbare Größe gegeben werden, um über die gemeinsame Ansprache weiterer Interessengruppen eine noch nicht dagewesene Unterstützung für eine Fernsehsendung zu organisieren. In einer zweiten Stufe wurden die Abonnenten der Zeitschriften „Der Preß´-Kurier“ und „Dampfbahn-Magazin“ zur Unterstützung der Aktion gebeten. Vorgefertigte „Protestpostkarten“ zum Versand an den Intendanten des Mitteldeutschen Rundfunks (MDR) verstärken seither den öffentlichen Druck auf die Fernsehanstalt.

Das erklärte Ziel der Initiatoren und der Unterstützer ist es, den MDR zur Rücknahme der Entscheidung zur Einstellung der Sendereihe „MDR-Bahnzeit“ zu bewegen. Seit dem Start bekundeten bereits über 2500 Menschen die Unterstützung der Ziele der Aktion und ergänzten diese teils mit umfangreichen eigenen Kommentaren. Erstmals ist es gelungen, daß medienübergreifend Zeitschriftenleser und Internetnutzer für eine Fernsehsendung in die Bresche springen. Kernansatz der ganzen Aktivitäten der Projektinitiatoren ist, ohne polemische oder personenfixierte Anfeindungen einen klaren positiven Anspruch gegenüber dem MDR zu vertreten: Wir wollen, daß die beliebte und notwendige Sendereihe „MDR-Bahnzeit“ fortgesetzt wird!

Ein wesentlicher Ansatz für diese Forderung war die Erkenntnis, daß die Sendereihe nicht nur „irgendeine Eisenbahnsendung“ ist. Vielmehr hat sie in erheblicher Weise dazu beigetragen, den Bekanntheitsgrad für die zahlreichen Eisenbahnprojekte, Bahnen und Museen in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen zu verbessern. Auch die Wirkung der Sendung außerhalb des heimatlichen MDR-Sendebereichs ist wichtig, um Besucherpotential für die Ziele zu generieren. Unzählige touristische Einrichtungen im Sendegebiet sind die Nutznießer eines höheren Bekanntheitsgrades. Insbesondere in den ländlichen Regionen des Sendegebietes, die sehr wesentlich von der Wirtschaftskraft des Tourismus abhängig sind, ist die Medienwirksamkeit des Fernsehens noch immer unübertroffen. Eine andere Sendung, die diese Aufgabe adäquat übernehmen könnte, gibt es nicht - weder im öffentlich-rechtlichen noch im privaten Fernsehen.

Was ist das Besondere an dem Protest?
Direkt nach Ausstrahlung der vorerst letzten Sendung der „MDR-Bahnzeit“ am 11. Dezember 2009 - mit der Mitteilung zur Absetzung im Abspann der Sendung - gingen beim MDR zahlreiche Protestschreiben und E-Mails ein. In vielen Telefonaten von Freunden der Sendung wurde versucht, Gründe für die Einstellung zu erfahren. Mit der üblichen Routine und wenig aussagekräftigen Antworten reagierte man beim MDR - war man doch sicher, daß der Protest, wie üblich, nach ein paar Tagen wieder abebben würde.

Sehr geehrter …,

wir bedauern wie Sie, dass die Sendung MDR-Bahnzeit nicht fortgeführt werden kann. Leider ist das Sendegebiet des Mitteldeutschen Rundfunks in besonderem Maße von Arbeitslosigkeit und Abwanderung betroffen. So gibt es eine sehr große Anzahl von Menschen, die aufgrund ihrer schwierigen wirtschaftlichen Situation von der Rundfunkgebühr befreit sind. Außerdem gehen jedes Jahr rund 70 000 Menschen als Gebührenzahler, z.B. durch Wegzug, verloren. Das führt zu erheblichen Mindereinnahmen, so dass der MDR zusätzliche Einsparungen vornehmen muss. Davon bleibt das Programm nicht verschont, und leider trifft dies auch die Sendung Bahnzeit. Das tut nicht nur vielen Zuschauern weh, sondern auch den Machern der Sendung.

Mit freundlichen Grüßen

Redaktion Wirtschaft/Verbraucher
MDR FERNSEHEN

Allerdings hatte man sich wohl mit der Annahme verrechnet, daß der Protest schnell wieder vorbei sein würde. Nach der Bitte an die PK-Leser im Heft 111 zu entsprechenden Aktivitäten und auch durch einige ebenfalls auf die Einstellung der Sendung aufmerksam gewordene Internetforen setzte sich der Protest in Richtung MDR auch über Weihnachten und den Jahreswechsel fort. Bis Anfang Januar gingen (nach nicht offiziellen Aussagen aus der Rundfunkanstalt) schon über 350 Protestbekundungen ein. Schon zu diesem Zeitpunkt hatte der Widerspruch gegen die vom MDR getroffene Entscheidung die Dimension einer vorher nicht gekannten Größenordnung erreicht. Ende Januar hatte man bereits einen Postberg von rund 2000 Protestkarten, Briefen und E-Mails zu bewältigen, was jedoch die Aussageschärfe der Antworten (nur auf eingegangene E-Mails) nicht verbesserte:

Sehr geehrter Herr …,

vielen Dank für Ihre erneute e-Mail. Es freut uns, dass Sie sich so engagiert für die Sendung "MDR-Bahnzeit" interessieren. Zu Ihrer Information: Die Sendereihe hatten wir seit 2001 im MDR-Programm. Leider mit sehr schwankendem Erfolg. Da wir dem Sendeformat die Chance geben wollten sich an einem geeigneten Programmplatz zu etablieren, haben wir verschiedene Tage und Uhrzeiten ausprobiert. Leider ist allerdings das gewünschte Ergebnis, die Akzeptanz der Sendung bei den Zuschauern zu erhöhen, ausgeblieben. Nach einer detaillierten Auswertung mussten wir feststellen, dass diese Sendung leider nur einen sehr kleinen Teil unserer Zuschauer ansprach. Vor dem Hintergrund dieser und der bereits genannten Gründe aus unserem ersten Antwortschreiben, haben wir letztlich die Entscheidung getroffen, die Sendereihe "MDR-Bahnzeit" einzustellen.

Wir hoffen, dass diese auch für uns wenig erfreuliche Entscheidung vor dem Hintergrund der aller subsumierten Aspekte auf Ihr Verständnis trifft.

Mit freundlichen Grüßen

Redaktion Wirtschaft/Verbraucher
MDR FERNSEHEN

Protestkartenschreiber und Briefschreiber mit sehr detailliert dargelegten Inhalten warten übrigens bisher vergeblich auf eine Antwort. Auch die Projektinitiatoren Jörg Müller und Helge Scholz wandten sich mit einem Brief unter Verweis auf die große Unterstützung für die Sendung an den Intendanten, Prof. Dr. Reiter, ohne daß bisher eine Reaktion erfolgte. Jedoch blieb nicht unbemerkt, daß inzwischen alle verantwortlichen Stellen des MDR Kenntnis vom Projekt genommen haben.

Der Start der Aktion „Rettet die Bahnzeit!“

Bereits wenige Tage nach Versand des Heftes 111 des „Preß´-Kurier“ am 18. Dezember meldeten sich zahlreiche Leser, einige meinten konkret „… gegen die Absetzung der Sendung müsste man doch mehr machen …“. Dies brachte Überlegungen ins Rollen, bei denen zunächst in mehreren Telefonaten die Möglichkeiten einer konzertierten Protestaktion gegenüber dem MDR sondiert wurden. Weiter ging es natürlich auch um organisatorische und technische Möglichkeiten, ein derartiges Projekt mit der Ansprache möglichst vieler Menschen voranzubringen. Am 22. Dezember entstand das Konzept für die Internetseite und die ersten Schritte des Projektes wurden besprochen. Am Folgetag verständigten sich die Herausgeber und Chefredakteure von „Preß´-Kurier“ und „Dampfbahn-Magazin“, dieses Projekt gemeinsam zu initiieren und dabei auch das gemeinsame Potential der Leser und Abonnenten in die Waagschale zu werfen. Heiligabend 2009 wurde die Domain „rettet-die-bahnzeit.de“ registriert, in den folgenden Tagen bis Anfang Januar erfolgte der Aufbau der Webseite, die Erstellung der Inhalte sowie die Vorbereitung der „Postwurfsendung“. Einen Tag vor dem offiziellen Start der Seite wurden in einer Rundmail über 50 Webseitenbetreuer, Forenadministratoren und private Internetseitenbetreiber über die Aktion informiert und diese um Verlinkung zur Projektseite gebeten.

Das Unterstützungsprojekt läuft weiter

Rund zwei Wochen nach dem Start des Projektes wurde auf der online geführten Unterschriftenliste der Unterstützer die 2000. bestätigte Unterschrift registriert. Auch danach hielt der Zuspruch zur Aktion zielstrebig an, zum Versandtermin dieses Heftes werden über 2500 Namen in der Liste stehen, die die Ziele und Forderungen der Aktion unterstützen. Verschiedene Aktivitäten zur weiteren Verbreiterung des Unterstützerkreises laufen noch, auch Veröffentlichungen in anderen Pressepublikationen werden dazu beitragen.

Doch die Frage „Was ist, wenn sich der MDR nicht bewegt?“ stellen sich natürlich viele, auch die Initiatoren der Aktion „Rettet die Bahnzeit!“. Neben der Aufrechterhaltung eines öffentlichen Drucks auf den MDR durch die weitere Gewinnung von Unterstützern in der Unterschriftenliste liegt der Fokus in den folgenden Wochen auf einem intensiveren Zugang zu den Mitgliedern des MDR-Rundfunkrates.

Der Rundfunkrat vertritt die Interessen der Allgemeinheit auf dem Gebiet des Rundfunks. Er überwacht die Einhaltung des im Staatsvertrag festgelegten Programmauftrages, wählt den Intendanten sowie die Direktoren und berät den Intendanten in allgemeinen Programmangelegenheiten.

Die Mitglieder des Rundfunkrates vertreten dabei die Interessen der Allgemeinheit und sind nicht an Aufträge von Parteien oder Organisationen gebunden.


(Auszug aus der Webseite des Rundfunkrates:
www.mdr.de/mdr-rundfunkrat/6388962.html )

Wir fordern von den Rundfunkratsmitgliedern die Wahrnehmung dieser Aufgaben ein! Die Betonung unserer Forderung liegt immer auf der notwendigen größeren Sichtweise - nicht die Bedienung eines Klientelinteresses für Eisenbahnfans, sondern die Unterstützung der wirtschaftlichen Lebensfähigkeit ganzer Regionen von touristischen Einrichtungen ist die tatsächliche Wirkung von Sendungen wie der MDR-Bahnzeit. Wir brauchen eine Sendung, die auf die Attraktivität der Bahnen, Museen und Vereinsaktivitäten hinweist, damit verdienen im Sendegebiet viele Menschen ihr tägliches Brot!

Wie ist eigentlich die Einstellung der Sendereihe „MDR-Bahnzeit“ mit den Regelungen des MDR-Staatsvertrages zu vereinbaren? (Auszug)

§ 6 Programmauftrag

  • (1) Der MDR hat in seinen Sendungen einen objektiven und umfassenden Überblick über das (…) länderbezogene Geschehen in allen wesentlichen Lebensbereichen zu geben. Sein Programm soll der Information und Bildung sowie der Beratung und Unterhaltung dienen und hat dem kulturellen Auftrag des Rundfunks zu entsprechen. Er dient der freien individuellen und öffentlichen Meinungsbildung.
  • (2) Die Gliederung des Sendegebietes in Länder ist auch in den gemeinsam veranstalteten Programmen angemessen zu berücksichtigen.
  • (3) Die Sendungen des MDR haben den Belangen aller Bevölkerungsgruppen, auch der Minderheiten, Rechnung zu tragen.
  • (4) …

Die Übernahme der SWR-Sendung „Eisenbahn-Romantik“, so interessant diese sein mag, erfüllt einen Ersatzanspruch in keiner Weise.
Auch die Argumentation des MDR mit den Quoten der „MDR-Bahnzeit“ ist im übrigen sehr geschickt - sie ist von Außenstehenden in keiner Weise überprüfbar. Ein klassisches Totschlagargument - oder die Rundfunkräte fordern, diese Zahlen zur Prüfung vorgelegt zu bekommen!

Liebe Leser, unterstützen Sie bitte die Aktion weiter, reichen Sie die Protestkarten an den MDR in der Familie weiter, tragen Sie sich auf unserer Unterstützerliste ein, empfehlen Sie das Projekt weiter! Haben Sie selbst keinen Internetzugang, geben Sie uns ihre „Stimme“ telefonisch über die Geschäftsstelle in Jöhstadt. Und sollten Sie jemanden kennen, der Zugang z.B. zur lokalen Presse oder anderen Medien hat: Wenden Sie sich bitte an uns oder verweisen Sie auf das umfangreiche Material auf www.rettet-die-bahnzeit.de. Gemeinsam haben wir die Kraft, den MDR zum Umlenken zu bewegen!
Jörg Müller


PK 2/2010

Zuschaueraktion läuft weiter!

Seit dem Start der Internetseite „www.rettet-die-bahnzeit.de“ am 14. Januar 2010 haben sich bis Anfang April bereits über 3800 Menschen mit ihre Stimme und sehr oft auch einem fundierten Kommentar gegen die Entscheidung des Mitteldeutschen Rundfunks gewandt, die beliebte Sendereihe „MDR-Bahnzeit“ einzustellen. Am 11. Dezember 2009 hatte der Fernsehsender im Abspann der 99. Sendung lapidar mitgeteilt, daß dies die letzte Folge der seit Januar 2001 in monatlicher Sequenz ausgestrahlten halbstündigen Produktion sei.

Dagegen hatte sich unmittelbarer unkoordinierter Widerspruch geregt, rund 350 Protestbekundungen sollen schon bis Anfang Januar in Leipzig eingegangen sein. Durch die Chefredakteure von „Preß´-Kurier“ und „Dampfbahn-Magazin“ wurde die Aktion gestartet, um diesem Protest eine gemeinsame Plattform zu bieten, Unentschlossenen die Breite des Protests vor Augen zu führen und insbesondere dem MDR mit klaren Argumenten aufzuzeigen, daß die getroffene Entscheidung falsch war.

Eine mindestens gleich große Postlawine wie mit der Online-Unterschriftenliste ist auf dem Schreibtisch des Intendanten gelandet - egal ob vorbereitete Protestpostkarten oder teils umfangreiche persönlich formulierte Briefe. Wie aus „gut unterrichteten Kreisen“ zu vernehmen war, hat dies für erheblichen Wirbel in der Zentrale der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalt der Bundesländer Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen gesorgt.

Was hat sich bisher getan?

Zunächst wurde durch die MDR-Zuschauerredaktion mit Standardformulierungen auf Briefe und E-Mails reagiert (siehe Beitrag im PK 112). Keine Antwort des MDR enthielt bisher eine konkrete Reaktion auf vorgetragene Argumente. Selbst auf das Schreiben von Helge Scholz und Jörg Müller an den Intendanten schickte in dessen Auftrag der MDR-Chefredakteur Wolfgang Kenntemich eine Antwort, die sich bis auf Anschrift und Unterschrift in keiner Silbe von den Schreiben der Zuschauerredaktion unterschied. Peinlich für ein Medienunternehmen, kann man da nur konstatieren.

In einem noch einmal mit Fakten versehenem Antwortbrief an den Intendanten, Prof. Udo Reiter, und den Chefredakteur wurde von den beiden Initiatoren um eine Prüfung der Absetzung der Bahnzeit gebeten. Als Reaktion darauf ging ein Brief des MDR-Unternehmenssprechers ein, der wiederum keine Beantwortung der aufgestellten Fragen bot. Lediglich die Aufnahme eines monatlichen 10- bis 15-minütigen Schmalspurbahnberichtsblockes im Rahmen der MDR-Sendung „hier ab vier“ wurde als konkreter Ansatz in Aussicht gestellt.

Auf eine Antwort vom Intendanten und vom Chefredakteur warten die zahlreichen Briefschreiber, nicht nur die Initiatoren der Aktion „Rettet die Bahnzeit!“, noch immer. Das Ignorieren der Zuschauer in bester Ausprägung - einer durch die Finanzierung seiner Zuschauer gesicherten öffentlichen Einrichtung absolut unwürdig, Herr Prof. Reiter!

Über den laufenden Schriftwechsel und den Eingang der Schreiben wurde auf der Aktionsseite „www.rettet-die-bahnzeit.de“ in regelmäßigen „Tagebuch“-Einträgen berichtet und die jeweiligen Schreiben zum Nachlesen im „Briefkasten“ veröffentlicht.

Weiterhin erhielten auch zahlreiche Mitglieder des Rundfunkrates per Brief die Bitte übermittelt, sich im Rahmen der Aufgaben und Möglichkeiten des Rundfunkrates für eine regelmäßige Eisenbahnsendung einzusetzen.

In den Mitte März stattgefundenen Beratungen des Fernsehausschusses (einem „Fachgremium“ des Rundfunkrates) sowie des gesamten 43köpfigen Rundfunkrates wurde die „MDR-Bahnzeit“ dann auch durch einige Rundfunkratsmitglieder thematisiert und teils sehr deutlicher Unmut gegenüber den Programmverantwortlichen zum Ausdruck gebracht. Gleichwohl gab es auch von dieser Beratung des Gremiums keine greifbaren öffentlichen Verlautbarungen oder gar eine Beschlußfassung, so daß die in Einzelgesprächen verschiedener Teilnehmer aufgekommenen Lösungsansätze und Ideen bisher keinerlei Verbindlichkeit ausstrahlen. Nach wie vor ist das Bemühen des MDR darauf ausgerichtet, die Relevanz der Sendung und der Zuschauerreaktionen auf die Einstellung der Sendung herunterzuspielen. Interessant ist natürlich, daß seitens der MDR-Führung sofort „Verschwörungstheorien“ über die Beweggründe der Aktionsinitiatoren aufkamen - zumindest waren wohl einige Rundfunkratsmitglieder mit Fragen in dieser Richtung konfrontiert.

In einem persönlichen Gespräch mit dem Rundfunkratsvorsitzenden Johannes Jehnichen stellte Jörg Müller diesem am 19. März die Argumente und Ziele der Aktion und der mehrere Tausenden Zuschauer vor. Das Gespräch bot natürlich auch die Möglichkeit, unscharfe und auf falschen Informationen seitens des MDR basierenden Kenntnisse zu präzisieren. So argumentierte der MDR gegenüber dem Rundfunkrat unter anderem damit, daß es sich bei der MDR-Bahnzeit um eine derartige fachspezifische Sendung handele, daß der MDR aufgrund der geringen Relevanz für die Bevölkerung diese aus dem Programm genommen hätte. Das Gespräch hat sicherlich beidseitig geholfen, die Aufgaben und Möglichkeiten des Rundfunkrates auch im Zusammenhang mit der Sendung „MDR-Bahnzeit“ besser zu verstehen. Herr Jehnichen bestätigte jedenfalls, daß sich der Rundfunkrat seiner Aufgabe bewußt sei - und auch weiterhin bei diesem Thema gegenüber dem MDR-Management nachhaken werde.

Eine besondere Bitte zum „Nachhaken“ bezog sich auf die tatsächlichen Einschaltquoten der Sendung. Inzwischen besteht die Vermutung, daß innerhalb des Hauses „mit gezinkten Karten“ gespielt werden könnte und unter Umständen auch dem Intendanten die tatsächlichen Werte nicht vorlägen - schließlich handelt es sich hierbei um das hauptsächliche Totschlagargument der Rundfunkanstalt.

Gibt es Aussicht auf Besserung?

Es besteht der berechtigte Anlaß zu der Hoffnung, daß die Aktion ein Umdenken beflügeln könnte. Neben den öffentlich bekannten Aktivitäten sind tatsächlich auf verschiedenen Ebenen gesellschaftlicher und politischer Organisationen Menschen auf das Thema aufmerksam geworden. Die Erkenntnis, daß die Eisenbahnen im Heimatsendegebiet des MDR zu einem tragfähigen Pfeiler der Tourismuswirtschaft geworden sind und damit konkret Arbeitsplätze von Menschen unter anderem von einer regelmäßigen Berichterstattung im Fernsehen abhängen, hat bereits zahlreiche Menschen in verantwortlichen Positionen erreicht. Nur leider im Hause MDR noch nicht.

Deshalb kann es noch keinen Stop der Aktion „Rettet die Bahnzeit!“ geben. Auch wenn das über die Internetseite „www.rettet-die-bahnzeit.de“ erreichbare Potential für die Unterschriftenseite vielleicht weitgehend ausgereizt erscheint, können wir noch weitere Menschen für die Unterstützung der Aktion gewinnen. Ideen haben wir noch einige im Köcher … Nach wie vor besteht von den Initiatoren keinerlei Interesse, eine „Schlammschlacht“ oder „Kampagne“ gegen den MDR zu führen - auch wenn man damit wahrscheinlich in der nur noch auf Katastrophen und Skandale orientierten Medienwelt schneller Gehör gefunden hätte. Die Argumente pro „MDR-Bahnzeit“ sind fundiert genug - es bedarf damit auch keines „inszenierten Skandals“.

Doch wir werden auch an geeigneter Stelle - der Legislative der Länder - die selbstherrliche Ignoranz der Verantwortlichen der Rundfunkanstalt hinterfragen und zu einer Positionierung auffordern. Trotz anlaufendem Personalroulett und anstehender Pensionierung von Programmdirektor, Chefredakteur und weiteren Personalien sowie internem Kleinkrieg zwischen „Fürstentümern“ erwarten die mündigen Zuschauer und Finanziers der Anstalt Beachtung. Selbstherrlichkeit ist fehl am Platze, wenn sich Zuschauer in einem bisher nicht dagewesenen Umfang für eine Sendung stark machen und damit eine einzigartige Zuschauerbindung verdeutlichen.

Bis zum Sommer werden die Weichen für die künftige Programmstruktur gestellt. Bis dahin werden wir mindestens Präsenz zeigen, damit die Notwendigkeit einer regelmäßigen Eisenbahnsendung in steter Erinnerung bleibt. Ein erster Lichtblick in diesem Sinne war ja das Nachmittagsprogramm am Karfreitag. Da bot der MDR ein zweieinhalbstündiges Eisenbahnprogramm. Die guten Quoten zeigten, daß der MDR seine Zuschauer nicht zu Tode gelangweilt hat - und das weitgehend mit Archivmaterial von Dreharbeiten zu 99 Folgen „MDR-Bahnzeit“.
Jörg Müller


PK 3/2010

Öffentliche Wahrnehmung steigt - Bewegung beim MDR erkennbar

Auch ohne sensationsheischende Polemik ist es in den Monaten April und Mai gelungen, das Anliegen der Aktion „Rettet die Bahnzeit“ einer breiteren Öffentlichkeit bekanntzumachen. Die gemeinsam von den Herausgebern und Chefredakteuren der Zeitschriften „Der Preß´-Kurier“ und „Dampfbahn-Magazin“ initiierte Zuschaueraktion gegen die Einstellung der beliebten Sendereihe „MDR-Bahnzeit“ wird von mehreren Tausend Zuschauern unterstützt. Die auf der Aktionsseite www.rettet-die-bahnzeit.de deutlich gewordene große Breitenwirkung des Protestes ist inzwischen auch bei den verantwortlichen Politikern angekommen – zumindest im Freistaat Sachsen. Verschiedene Äußerungen von Vertretern politischer Parteien und Verbände lassen diesen Schluß zu. Erste Anzeichen von Bewegung zu dem Thema „Eisenbahn im Fernsehen“ sind auch beim MDR zu erkennen, geradezu unheimlich wurde die Präsenz ja zu Ostern und Pfingsten.

Zeitschrift „Super TV“: Bahnfans machen dem MDR Dampf

Anfang Mai brachte die deutschlandweit erscheinende Fernsehzeitschrift „Super TV“ einen ganzseitigen Bericht über die Aktion – und damit nochmals einen Schub bei den Neueintragungen in der Unterschriftenliste auf der Internetseite. Daß in einer überregionalen Zeitschrift das Thema (ohne Zutun der Initiatoren) aufgegriffen wurde, ist sicherlich den inzwischen über 4000 Zuschauerstimmen zu verdanken, die einen bisher in der deutschen Fernsehgeschichte einmaligen Zuspruch für eine Fernsehsendung zum Ausdruck bringen.

Im Vorgespräch mit dem verantwortlichen Redakteur der „Super TV“ Axel Ehrlich zeigte sich dieser sehr erstaunt, daß es keine Protestaktionen „mit Pauken und Trompeten“ gebe. Doch das Konzept, den MDR nicht zu provozieren, sondern die positive Zuschauerbindung der Interessenten der Sendereihe „MDR-Bahnzeit“ herauszustellen, fand schließlich auch er nachvollziehbar. Schließlich gäbe es ja auch beim MDR eisenbahninteressierte Menschen.

Präsenz des Themas in politischen Runden

Eines der wesentlichsten Ziele der Initiatoren kann bereits als „erfüllt“ verbucht werden: Das deutlich wahrnehmbare Votum der im Internet akquirierbaren Eisenbahnfreunde für die Sendung „MDR-Bahnzeit“ und des mit der Sendung praktizierten redaktionellen Konzepts eines Mixes von Eisenbahnthemen mit touristischen Empfehlungen für die jeweilige Region ist bei Entscheidungsträgern (außerhalb des MDR) angekommen. Das Nachstoßen vieler Unterstützer der Aktion mit Briefen, E-Mails und in persönlichen Gesprächen bei Landräten, Bürgermeistern sowie Abgeordneten brachte ein Präsenz der Thematik „Eisenbahn in den Medien“, die bei den Ansprechpartnern unweigerlich im Gedächtnis bleiben mußte. Bei verschiedenen Veranstaltungen im Mai wurde dies deutlich. Die in Sachsen traditionell zu verschiedenen Schwerpunkten veranstalteten parlamentarischen Abende bieten einen guten Ansatzpunkt für die Vertreter der jeweiligen „Wirtschaftsgebiete“ mit den Volksvertretern und Personen aus Verwaltungen und Organisationen ins Gespräch zu kommen. Sowohl die medienpolitische Veranstaltung des MDR in Dresden wie auch der durch den Landestourismusverband Sachsen e.V. (LTV) in Radebeul veranstaltete Abend gingen nicht ohne verschiedentliche Anmerkungen über die Bühne.

In Radebeul nannte es der Präsident des LTV, MdB Andreas Lämmel, in seiner Begrüßungsrede wortwörtlich falsch und kurzsichtig seitens des MDR, die „MDR-Bahnzeit“ einzustellen. Deutliches Raunen im Auditorium und zustimmenden Beifall erntete diese klare Ansage auch in Richtung der anwesenden verantwortlichen Vertreter des Mitteldeutschen Rundfunks. Dort wirkten die Worte eher wie Flohpulver. Insbesondere machte Andreas Lämmel dies daran deutlich, daß es die Bemühungen um eine zielstrebige Verbesserung der touristischen Nutzung der Eisenbahnattraktionen im Freistaat regelrecht konterkarierte. Aus den Kreisen von anwesenden Rundfunkräten verschiedener Organisationen war zu vernehmen, daß dieses Thema weiterhin in den Gremien des MDR auf der Tagesordnung steht – auch wenn es trotz dieser Bemühungen vielleicht letztendlich nicht mehr „die MDR-Bahnzeit“ geben wird. Genau dieser Bekanntheitsgrad des Themas „Eisenbahn“ ganz allgemein bei den Entscheidern aus Politik und Verwaltung ist es aber, der berechtigt, von einem Erfolg der Aktion durch die große Zahl der Unterstützer zu sprechen.

„Faszination Dampflok“ – „Auf schmaler Spur“

Mit zwei interessanten Themenüberschriften ging der MDR zu Ostern und Pfingsten ins Rennen, die Eisenbahnfreunde zurück zu den Fernsehern zu holen. Während das Osterprogramm noch weitgehend aus einem Zusammenschnitt von Wiederholungen bestand, war vor und nach Pfingsten die Preßnitztalbahn „auf schmaler Spur“ präsent. Das bekannte Bahnzeit-Produktionsteam um Autor und Redakteur Christian Görzel präsentierte den bewährten Mix aus einer Verknüpfung von Eisenbahn in schönen Bildern mit Landschaft, touristischen Empfehlungen und stimmiger Atmosphäre. Nach den fünf Kurzberichten in der Sendung „Hier ab Vier“ in der Woche vor Pfingsten wurde der etwas erweiterte Zusammenschnitt des Materials gleich im Wochenabstand wiederholt.

Man könnte sich ob dieser Situation schon fast entspannt zurücklehnen – wenn es denn eine genaue Perspektive gäbe. Während „Faszination Dampflok“ den Bogen auch über die Regelspur und dampffreie Eisenbahnen spannte, erscheint rein thematisch „Auf schmaler Spur“ eher beengt. Zwar wurde die Berichterstattung zum Pfingstfest aus Jöhstadt als „erste Sendung unserer neuen Folge“ angekündigt – doch in welchem Zyklus diese zukünftig gesendet werden soll, ist noch nicht nach außen gedrungen. Der Dank gilt auf jeden Fall den Mitarbeitern des MDR die sich dieses Themas angenommen haben – „Auf schmaler Spur“ kam aus dem gleichen Redaktionsumfeld wie die bei Modelleisenbahnern sehr beliebte (aber auch zu selten gesendete) Sendung „Auf kleiner Spur“. Warum die Redaktion „Wirtschaft“ sich dieses Thema von der Abteilung „Familie/Nachmittag“ aber aus der Hand nehmen lassen hat, ist schwer zu verstehen.

Schwer zu verstehen ist auch nach wie vor die Argumentationslage des MDR. Immer deutlicher wird, daß sich das Management offenbar erst bemüßigt fühlte, sich für die Einstellung der „MDR-Bahnzeit“ eine Begründung zu konstruieren, als der Protest dagegen nicht verebbte. Doch soviel konnte inzwischen nachvollzogen werden: Weder eine „grottenschlechte Quote“ (auf dem eigentlich eisenbahnfanunfreundlichen Sendeplatz) noch „enorme Produktionskosten“ sind nachweisbare Gründe. Rundfunkräte berichten, daß der Fernsehdirektor seit Monaten den geforderten Quotenvergleich schuldig ist. Die Produktionskosten der Sendung dagegen riefen nur ein müdes Lächeln hervor – anstelle mancher MDR-Produktion könnte man die „MDR-Bahnzeit“ für mehrere Jahre geliefert bekommen. Das ausgestreute „Bahnzeit-Flohpulver“ wirkt – wir werden es weiter in Umlauf halten.
Jörg Müller


PK 04/2010

Hinter den Kulissen geht es weiter!

Die zwei Sommermonate Juni und Juli zeichneten sich durch eine dürftige Nachrichtenlage aus Richtung MDR aus. Einerseits fokussierte sich die Berichterstattung im Fernsehen natürlich zeitweilig stark auf die Fußballweltmeisterschaft (wobei man natürlich ernsthaft fragen muß, was der MDR als Regionalsender damit zu schaffen hat) und band offensichtlich auch bei sämtlichen Entscheidungsträgern alle Kapazitäten. Doch trotz fehlender direkter Äußerungen war die „Eisenbahn“ nicht auf dem Abstellgleis gelandet - aus zahlreichen Gesprächen und durch Informationen von Unterstützern der Aktion „Rettet die Bahnzeit“ war es deutlich zu vernehmen, daß hinter den Kulissen weiter an dem Thema gearbeitet wurde.

Gespräch mit dem Rundfunkrat

Auf Einladung des Sprechers der Landesgruppe Sachsen im MDR-Rundfunkrat trafen sich die Rundfunkratsmitglieder Staatssekretär Erhard Weimann (Sächsische Staatskanzlei) und Manfred Böhme (Landestourismusverband Sachsen e.V.) mit den beiden Projektinitiatoren Helge Scholz und Jörg Müller am 20. Juli zu einem knapp zweistündigen Gespräch. Beide Rundfunkratsmitglieder zollten darin den mehreren Tausend Unterstützern der Aktion und Freunden der Sendereihe „MDR-Bahnzeit“ ihren Respekt - weder der MDR noch der Rundfunkrat haben bisher ein derartiges Engagement von Zuschauern einer Sendereihe erlebt. Das Gespräch behandelte natürlich das gesamte Spektrum der Ziele der Aktion, der Gründe seitens des MDR, die zur Absetzung der Sendereihe „MDR-Bahnzeit“ geführt haben, wie auch die Ansätze für die Zukunft und der künftigen Präsenz der Eisenbahn im Programm des Mitteldeutschen Rundfunks.

Seitens des Rundfunkrates wurde in den letzten Monaten in zahlreichen Beratungen und Gesprächen das Thema „Bahnzeit“ besprochen - auch Vorschläge an das Management des MDR und „Brücken“ hinsichtlich der Einstellungsentscheidung wurden gebaut, doch insbesondere in Persona des Fernsehdirektors Wolfgang Vietze und des Chefredakteurs Wolfgang Kenntemich seien diese strikt auf Ablehnung gestoßen. Eine Perspektive der Entwicklung beim MDR bestehe nur in dem altersbedingten Ausscheiden der beiden Herren. Auch hinsichtlich der Entscheidung zur Einstellung brachte das Gespräch die Bestätigung bereits früherer Vermutungen: Man sei aus Spargründen den Weg des geringsten Widerstandes gegangen. In einer Entscheidungsrunde im Sommer 2009 wurde die Sendereihe mit einem Jahresbudget von rund 160 000 Euro (für insgesamt durchschnittlich elf Sendungen!) zur Disposition gestellt und mangels „Gegenwehr“ „abgeschossen“ worden. Da man nicht mit einem derartigen Aufbegehren der Zuschauer gerechnet hatte, fiel die Reaktion des Senders auf die unzähligen und noch immer anhaltenden Proteste geradezu kläglich aus. Auch seitens des Rundfunkrates wäre die Öffentlichkeitsarbeit des Senders in den verschiedenen Gremien und Gesprächen mit dem Sender als desaströs und beschämend bezeichnet worden.

Neue Sendung avisiert

Der Sender hat sich, ganz entscheidend sicherlich auch getrieben durch die Zuschauerproteste, mit dem Aufbau eines neuen Sendekonzeptes beschäftigt. Nach Aussagen der Herren Weimann und Böhme, die wenige Tage zuvor noch direkte Gespräche mit dem Intendanten und Redaktionsleitern zu diesem Thema hatten, werde der MDR ab Herbst mit einer neuen, zunächst im Zyklus von zwei Monaten ausgestrahlten halbstündigen Sendung, die sich am früheren thematischen Mix der Bahnzeit orientiert, starten. Ergänzt werden soll dies durch eine regelmäßige Berichterstattung im Nachmittagsprogramm sowie durch unregelmäßige thematische Sendungen über Eisenbahnereignisse. Am 31. Oktober wird zudem wieder eine „lange Nacht der Eisenbahn“ ausgestrahlt. Im Gespräch wurde seitens der Projektinitiatoren die Bitte geäußert, daß diese Programmentscheidung doch einmal den Zuschauern als verbindliche Aussage des MDR zugänglich gemacht werden solle. Ein derartiges Schriftstück lag jedoch zum Redaktionsschluß dieser Ausgabe des PK noch nicht vor.

Auch wenn dies vielleicht nicht das von vielen gewünschte Ergebnis der Fortführung der „MDR-Bahnzeit“ ist, bietet sich doch damit die Chance, die Präsenz der verschiedensten Eisenbahnthemen aus Mitteldeutschland im MDR fortgesetzt zu bekommen.
JM


PK 05/2010

Neue Mitglieder in der MDR-Führungsmannschaft

Am 27. September bestätigte der MDR-Rundfunkrat die Vorschläge für vorgesehene Personalveränderungen im MDR-Direktorium. Der bisher für den Programmbereich Familien- und Tagesprogramm zuständige Sandro Viroli wird per 1. Oktober kommenden Jahres neuer Direktor des Landesfunkhauses in Sachsen, der bisherige Leiter der Sportredaktion des MDR-Fernsehens, Wolf-Dieter Jacobi, wird zum gleichen Termin neuer Fernsehdirektor. Über die Neubesetzung des Chefredakteurpostens entscheidet der Intendant direkt in eigener Verantwortung. Welche Auswirkungen diese Personalentscheidungen auf die Berichterstattung über das umfangreiche tourismusrelevante Eisenbahnangebot im Heimatsendegebiet des MDR haben wird, ist noch nicht einzuschätzen. Während Herr Viroli mit Sendungen wie „Auf kleiner Spur“ und „Auf schmaler Spur“ bereits (in leider nur homöopathischer Dosis) die Interessenlage von Eisenbahnfreunden unter den Zuschauern bediente, ist bei Herrn Jacobi noch keine „Eisenbahnaffinität“ bekannt geworden. Einen wesentlichen Vorteil haben die Neubesetzungen aber auf jeden Fall: Sie sind durch ihre bisherige Arbeit „näher am Zuschauer“, als die bisherigen Amtsinhaber. Wünschen wir den Neuen im Direktorium bei der Vorbereitung ihrer Amtsübernahme, bei der Neugestaltung von Programmschwerpunkten und -inhalten ein gutes Händchen - wir werden die Entwicklung im Auge behalten.

Auf kleiner Flamme

Anfang September war der MDR mal wieder „Auf schmaler Spur“ unterwegs, das zweite Mal in diesem Jahr, was eher Sparflamme bedeutet. Vom 6. bis 10. September gab es wieder fünfminütige Einspieler im Nachmittagsprogramm zu sehen, die Lößnitzgrundbahn bildete den Kern der Kurzbeiträge, die natürlich wieder allerhand touristische Sehenswürdigkeiten und Attraktionen entlang der Strecke mit vorstellten. Im Rahmen der „Mehrfachverwertung“ wurden ein halbstündiger moderierter Zusammenschnitt der Beiträge wieder einmal zur traditionellen Eisenbahnsendezeit am Freitag, dem 17. September, um 15.30 ausgestrahlt.

Warum der MDR mit diesem Produktionsstil nur auf kleiner Flamme kocht, bleibt weiterhin unverständlich. Boten sich doch auch in den zurückliegenden Monaten seit der Erstauflage zum Pfingstfest 2010 bei der Preßnitztalbahn genügend Themen an, über die Eisenbahn und die jeweilige Tourismusregion zu berichten. Auch die Berichte über die Lößnitzgrundbahn werden zahlreiche Fernsehzuschauer inspiriert haben, dem „Lößnitzdackel“ einen Besuch abzustatten - nötig hätten diese „Wirtschaftsförderung“ viele Regionen. Am 31. Oktober wird der MDR in der „Langen Nacht der Eisenbahn“ hoffentlich diesen Aspekt aufgreifen, es sind auch aktuelle Beiträge vorgesehen.

Nagelprobe „Benefiz Historik Mobil“

Zu einer besonderen Nagelprobe wird die Veranstaltung „Benefiz Historik Mobil“ vom 15. bis 17. Oktober für den MDR werden. Denn weder die Veranstaltung im August noch die für die Veranstalter verheerenden Auswirkungen der Wassermassen waren dem MDR eine Berichterstattung wert. Heimatsender zu sein definiert sich offensichtlich anders. Die Veranstalter haben für die Abendveranstaltung am 16. Oktober neben dem Ministerpräsidenten auch Vertreter des MDR-Direktoriums persönlich eingeladen. Mal sehen, wie es mit einer Präsenz in Zittau aussieht - den Fragen zu ihrer Verantwortung für eine ausgewogene und regelmäßige Berichterstattung zum Tourismus und den Eisenbahnen werden sich die Geladenen wohl stellen müssen.

Auch eine ansprechende Berichterstattung in den Vortagen zur Veranstaltung würde dem großen ehrenamtlichen Engagement gebührend Rechnung tragen - das Verstehen wir zumindest unter Heimatverbundenheit und regionaler Kompetenz. Kleine Episoden im Zusammenhang mit der Aktion „Rettet die Bahnzeit“ lassen die Hoffnung nicht schwinden, daß die Bemühungen letztendlich zum Erfolg führen werden. Wir brauchen nicht die Fernsehreihe „MDR-Bahnzeit“ retten - wir müssen für die regionalen Eisenbahnaktivitäten die notwendige Zeit im Fernsehen retten!

Jörg Müller


PK 06/2010

Nichts Neues vom MDR

Der Herbst verstrich, doch ein merklicher Fortschritt in Sachen Eisenbahnberichterstattung im Programm des Mitteldeutschen Rundfunks konnte nicht registriert werden. Weder gab es ein Aufleben der „MDR-Bahnzeit“ noch eine weitere Folge von „Auf schmaler Spur“. Die Ankündigungen des MDR im Sommer gegenüber den Mitgliedern des Rundfunkrates, ab Herbst eine zweimonatlich ausgestrahlte Sendung zu Eisenbahnthemen folgen zu lassen, waren also nur Abwimmelungsversuche. Leider bestätigten sich damit die Ahnungen, daß diesen Versprechungen schwerlich zu glauben ist.

Die Chance, beispielsweise über die Zweitauflage von „HistorikMobil“ in diesem Jahr im Zittauer Gebirge zu berichten, verstrich ungenutzt. Einmal mehr bewies damit sowohl das MDR Fernsehen, aber auch das Landesfunkhaus Sachsen wenig Interesse, dem eigenen Anspruch als Heimatsender tatsächlich gerecht zu werden. Gerade „Benefiz HistorikMobil“, das speziell zur Unterstützung der zahlreichen Akteure der im August in den Regenfluten ertrunkenen Veranstaltung organisiert wurde, wäre es wirklich Wert gewesen, Heimatverbundenheit zu demonstrieren. Selbst wenn noch nicht einmal der Schwerpunkt auf der Eisenbahn gelegen hätte, wäre eine Vorberichterstattung eine wirkliche Unterstützung der gesamten Region gewesen. Bleibt nur die Hoffnung, daß der beschlossene Personalwechsel im Landesfunkhaus Sachsen diesen Blick auf die wirklichen Interessen der Menschen wieder öffnet.

Lange Nacht der Eisenbahn

Am 31. Oktober präsentierte der MDR die „Lange Nacht der Eisenbahn“, ein Programmpunkt, der bereits in den vergangenen Jahren im Fernsehprogramm zu finden war. Dabei hatten die Fernsehplaner aber wahrscheinlich übersehen, dass die Nacht vom Sonntag zum Montag für berufstätige Menschen selten zur langen Fernsehnacht werden kann - dementsprechend war die Quote mit 3,3 % des Marktanteiles zu dieser Zeit bzw. rund 30 000 Zuschauern wahrscheinlich auch hinter den Erwartungen des MDR zurückgeblieben.

Bleibt zu hoffen, daß die Programmdirektion dies nicht zum Anlaß nimmt, auch diese Sendung in künftigen Jahren abzusetzen. Da hilft wahrscheinlich auch nicht darüber hinweg, daß diese Sendung inzwischen als Kauf-DVD im einschlägigen Handel zu erhalten ist. Moderator Wolfgang Brinkschulte führte in den 160 Minuten durch ein abwechslungsreiches Spektrum an Ereignissen des Jubiläumsjahres „175 Jahre Eisenbahn in Deutschland“. Die verschiedenen Beiträge ließen einmal mehr die Frage aufkommen, warum diese nicht in einer aktuelleren Sendeform bereits über das Jahr zu sehen waren.

Claus-Köpcke-Medienpreis 2010 für „Rettet die Bahnzeit“

Am 7. Dezember erhielten die Initiatoren der Aktion „Rettet die Bahnzeit“ den Claus-Köpcke-Medienpreis 2010. Das Kuratorium für die Preisverleihung wollte damit insbesondere das ehrenamtliche Engagement gewürdigt sehen, mit inzwischen rund 4500 Stimmen auf der Internetliste sowie unzähligen Briefen, Eingaben und Protesten von Fernsehzuschauern eine markante Stimme für die Präsenz von Eisenbahnberichterstattung im Programm des MDR zu sein. Jörg Müller und Helge Scholz nahmen den Preis entgegen - nicht ohne darauf hinzuweisen, daß er genauso den unzähligen Unterstützern gehört, die mit ihrer Stimme die Aktion beflügelten - auch wenn das gewünschte Ergebnis bisher leider nicht erreicht werden konnte.
JM


PK 01/2011

Ein Jahr „Rettet die Bahnzeit“ - ein Zwischen-Resümee

Am 14. Januar jährte sich der Start der Aktion „Rettet die Bahnzeit“ - einen Anlaß, die Aktion zu beenden, bietet dieses Jubiläum freilich nicht. Das Hauptziel der Aktion, daß wieder eine regelmäßig - wenigstens monatlich - ausgestrahlte Sendung über die Eisenbahnen in Mitteldeutschland ins Fernsehprogramm aufgenommen wird, konnte noch nicht erreicht werden. Gleichwohl stellt sich damit natürlich die Frage, ob die Weiterführung der Aktion einen Sinn hat. Veränderungen brachte das verstrichene Jahr sehr viele- doch der Mitteldeutsche Rundfunk bewies ein erstaunliches Verharrungsvermögen. Unterstützt wird die Kommunikationssarmut des „Heimatsenders“ mit seinen Zuschauern durch eine mangelnde Fähigkeit der Verantwortlichen, kreativ auf die Wünsche der „Kundschaft“ einzugehen. Denn für den MDR scheint Kommunikation nur in einer Richtung wichtig zu sein: Er sendet.

Programmgestaltung ist sicherlich kein einfaches Unterfangen, viele Anforderungen müssen berücksichtigt werden. Doch die Eisenbahn soll im Programm nicht zum Selbstzweck vorkommen. Berichterstattungen im Fernsehen über die Eisenbahnen, Museen und Vereinsaktivitäten sind aktive Wirtschaftsförderung - nicht für privatwirtschaftliche Einzelinteressen, sondern für die Volkswirtschaft insgesamt.

Besteht noch Hoffnung? Auch die Planwirtschaft hat, mit vielen Jahren Vorlauf und unter Umständen gänzlich veränderten Bedingungen doch manchmal lang Erhofftes möglich gemacht - die Kenntnis einer inzwischen über 20 Jahre zurückliegenden Geschichtsepoche hilft, Abläufe im Medienunternehmen namens „MDR“ zu verstehen. Vorbereitende Konzepte werden erstellt, in Redaktionsgremien zerredet, danach präzisiert, anderen Gremien vorgestellt, in Abhängigkeit von Finanzierbarkeit und Integrationsfähigkeit in ein imaginäres Sendergesamtkonzept bewertet und vielleicht irgendwann auch einmal in einen Produktionsplan eingestellt. Da werden Ressourcen und Personal eingesetzt - und manchmal kommt sogar etwas dabei heraus. Aber verlassen kann man sich darauf nicht.

Alle Gespräche, die im vergangenen Jahr zu diesem Thema geführt wurden, insbesondere mit den Vertretern des Rundfunkrates, führten immer wieder auf den gleichen wunden Punkt: Geduld. Die Entscheidungen zur Sendestruktur würden Monate oder Jahre im Vorlauf angeschoben, man könne diese Entscheidungen aber seitens des Rundfunkrates auch nicht aktiv beschleunigen. Während sich im gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Leben inzwischen in kurzer Zeit Entscheidungen anbahnen und umsetzen lassen müssen, weil der Wettbewerb dies erfordert, ist der öffentlich-rechtliche Rundfunk von außen betrachtet ein Pol der Unveränderlichkeit. Mitarbeiter, die den Blick aus dem Inneren haben, werden dies nicht bestätigen können, doch wird mit Sicherheit auch da „jeden Tag eine neue Sau durchs Dorf getrieben“. Aber die in einer Dienstleistungsgesellschaft übliche Kundenorientierung ist damit noch lange nicht erreicht.

Wir, die Unterstützer der Aktion „Rettet die Bahnzeit“, viele Partner in dieser Interessenlage bei Vereinen und Verbänden sowie die Unternehmen der Tourismuswirtschaft und der Bahnen werden also gemeinsam weiter Druck auf den MDR machen müssen. Druck, der verdeutlicht, daß wir in unserem Anliegen für „mehr Zeit für die Bahn im Fernsehen“ nicht locker lassen werden, damit dieses Anliegen bei aller Behäbigkeit von Entscheidungen nicht gänzlich in Vergessenheit gerät.

Präsenz in der Öffentlichkeit schaffen wir aber nur, wenn wir weitere Partner gewinnen - jeder Unterstützer ist deshalb gefordert, auf seinen Ebenen Hilfe einzufordern. Politiker, Verbandsfunktionäre, Unternehmer müssen die Adressaten sein - diese werden unsere Multiplikatoren gegenüber der Rundfunkanstalt. Weil wir die Hoffnung nicht aufgeben, auf diesem Weg doch noch Bewegung beim MDR zu erzielen, werden wir weiter machen. Helfen Sie mit, gemeinsam haben wir mehr Kraft dazu.


Jörg Müller

PK 2/11

„Rettet die Bahnzeit“ - Aber welche?

Ein erklärtes Ziel der Aktion ist von Anfang an, die Präsenz der Eisenbahnthemen im Fernsehen, insbesondere im öffentlich-rechtlichen Programm des Mitteldeutschen Rundfunks zu erhalten - quasi „Zeit für die Bahn im Fernsehprogramm“.

Ein Blick zurück soll die Wirkung von Sendungen im Fernsehen zu diesem Thema unterstreichen. Im November 1994 - und danach in unzähligen Wiederholungen bis heute in beinahe allen Programmen der ARD - sendete der MDR erstmals den Film „Glück Auf - Kleine Bahn“. Schon damals war das Ansinnen, einen halbstündigen Film über den Aufbau der Preßnitztalbahn zu produzieren, im Haus von einigen „Meinungsmachern“ eher abfällig betrachtet worden. Mit großem Engagement ist das Filmteam mit Kameramann Thomas Schlechte und Redakteurin Babett Hartmann auf Spurensuche im Schwarzwassertal (das Preßnitztal mit Schmalzgrube wurde ja erst 1995 erreicht) nach den „Verrückten“ gegangen. Es ist ihnen gelungen, ein liebevolles Bild über die Aktiven zu zeichnen, die hier ihre Freizeit verbrachten, um etwas Bleibendes zu erschaffen. Der Fernsehbeitrag hat Türen geöffnet, Verständnis für das Vorhaben geschaffen und Neugier geweckt. Noch heute fragen Besucher nach den „Darstellern“ aus dem Film und wundern sich, wenn man auf die inzwischen vergangenen mehr als 16 Jahre seit dem Dreh verweist. Thomas Schlechte ist dem Verein (wie auch mancher anderen schmalspurigen Aktivität in Sachsen) übrigens bis heute verbunden.

Die Wirkung dieses Sendebeitrages ist quantitativ nicht zu beziffern. Allein schon die Tatsache seiner Ausstrahlung hat der Museumsbahn und damit auch der touristischen Wirtschaftsstruktur im oberen Erzgebirge regelmäßig wiederkehrendes Interesse gebracht. Einen neuerlichen Beweis der Wirksamkeit von Fernsehberichterstattung brachte im vergangenen Jahr die Ausstrahlung von fünf Kurzbeiträgen im Nachmittagsprogramm des MDR vor Pfingsten. Der auf diesen Programmbeiträgen basierende Besucherzuwachs war spürbar und im Vergleich der vergangenen Jahre statistisch klar erkennbar. Nein, es geht (nicht mehr) um ein Sendeformat namens „MDR Bahnzeit“. Zu konsequent haben die verantwortlichen Programmacher in den letzten Monaten erkennen lassen, daß sie kein Interesse an der Korrektur ihrer Absetzungsentscheidung haben.

Neue Hoffnung

Die ab Oktober 2011 neu besetzte Stelle des Direktors des MDR-Landesfunkhauses Sachsen scheint erste „Frühblüher“ zu bewirken. Der Protest gegen die Abbestellung der ÖPNV-Leistungen bei der Döllnitzbahn hat insbesondere im „Sachsenspiegel“ eine sehr regelmäßige Präsenz in der Berichterstattung bekommen. Die Aktivitäten des Vereins, der Bahngesellschaft und vielfältige Unterstützungsaktionen finden erstaunlich viel Platz - mit entsprechender kritischer Kommentierung der Aktivitäten der Landespolitik. Hoffnungen, die im Sommer 2010 geweckt wurden, bekommen neue Nahrung.
Danke MDR - und bitte weitermachen!

Neuer trimedialer Chefredakteur

Inzwischen ist auch die Person, die zum 1. November die Arbeit als neuer Chefredakteur des MDR aufnehmen wird, der Öffentlichkeit bekanntgegeben worden. Inwieweit Stefan Raue tatsächlich „Trimedialität“ als innovative Neuerung seines Aufgabengebietes für sich reklamieren kann - gemeint ist die enge Verzahnung von Fernseh-, Hörfunk- und Online-Berichterstattung - muß der MDR selber bewerten. Als Zuschauer hatte man diese Verknüpfung in einer zusammengehörigen Steuerung von einem Medienunternehmen ja bisher schon erwartet - aber wahrscheinlich war auch da der Anspruch höher als umsetzbar. Der gern proklamierte Anspruch, als „Heimatsender“ tätig zu sein, hat jedenfalls nicht zuletzt mit dem Ausdünnen von heimatverbundenen Programmteilen gelitten. Herrn Raue eilt nicht der Ruf voraus, eisenbahninteressiert zu sein. Vielleicht können wir ihn für die Reichhaltigkeit des Angebotes in Mitteldeutschland in diesem Bereich begeistern. Dem Anspruch der „Trimedialität“ kann das ja eigentlich nur nützen.
Jörg Müller



PK 3/11

Ohne Bahnzeit - Ist der MDR noch zu retten?

Da ist der neue „trimediale Chefredakteur“ noch nicht im Amt, da verdeutlicht der MDR in seinem laufenden Programm, daß selbst Redakteure des gleichen Mediums „Fernsehen“ noch nicht einmal auf die (hoffentlich noch vorhandene) Fachkompetenz im eigenen Hause zurückgreifen. Bevor also jetzt Trimedialität auf die Fahne geschrieben wird, sollte erst einmal innerhalb eines Mediums der notwendige Wissenstransfer stattfinden.

Daß die Einstellung der „Bahnzeit“ zuvorderst dem Heimatgebiet des Senders, den touristischen Regionen in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen Schaden zufügt, haben wir ja ausgiebig thematisiert - daran hat sich auch nichts geändert. Doch nun liefert der MDR den Beweis, daß die Einstellung der monatlich ausgestrahlten Sendung mit eisenbahnspezifischen Inhalten auch zum Schwund an Sachverstand und Regionalkompetenz führt. Mindestens scheint anderen Redaktionen sehr deutlich der fachliche Ansprechpartner verloren gegangen zu sein.

Schmalspurbahn Wolkenstein - Schmiedeberg

Am 2. Juni strahlte der MDR zu bester Sendezeit um 20.15 Uhr die Sendung „An den ungezähmten Ufern von Zschopau und Weißeritz“ aus. Moderatorin Janine Strahl-Oesterreich führte durch „eine unterhaltsame Flußreise“ entlang der beiden bekannten Wasserläufe im Erzgebirge. An vielen Stellen hätte sich der Zuschauer, besonders bei dem genannten Titel, mehr Tiefgang in der Darstellung von interessanten Sehenswürdigkeiten gewünscht. Für den eisenbahninteressierten Zuschauer ergab sich natürlich ein besonderes Interesse, wie wohl die Eisenbahnen entlang der beiden Flüsse in die Story der Sendung eingebunden würden, schließlich wurden beide Täler bereits seit weit über einhundert Jahren von Schienensträngen verschiedener Spurweiten geprägt.

Die filmisch dargestellte Flußwanderung führte erwartungsgemäß von den Quellen bergab, bei Wolkenstein stand erstmals „Eisenbahn“ auf dem Programm, das dortige Zughotel wurde kurz vorgestellt. Doch dann die Überraschung schlechthin, vor einem der Zughotelwagen stehend, deklamiert die Moderatorin den folgenden Text, der im Beitrag mit unten dargestellter Karte unterlegt wurde:

„Noch vor 50 Jahren hätte ich ja sogar per Schmalspurbahn hier von der Zschopau bis zur Weißeritz, unserem anderen ungezähmten Fluß, reisen können. Hier vom Bahnhof Wolkenstein mit der Preßnitztalbahn bis Schmiedeberg ins Tal der Roten Weißeritz. Und von dort mit der Weißeritztalbahn nach Kipsdorf. Von da wäre es dann nicht mehr weit bis zu den Quellen der Weißeritz. Doch das ist nicht mehr möglich, weil die DDR 1967 beschloß, ein modernes Land zu werden. Und dazu passen nun mal keine alten Schmalspurbahn mehr.“

Hossa, da beschäftigt man sich sein halbes Leben mit Schmalspurbahnen, und dann erfährt man derartig Neues bei einer „unterhaltsamen Flußreise“. Der Autor mußte sich erst kurz vergewissern, daß er nicht einer Halluzination aufgesessen und vor dem Fernseher eingeschlafen ist oder der Kalender eventuell den 1. April anzeigte.

Nun mag es gelegentlich selbst in Fachpublikationen schon mal vorgekommen sein, daß man „Niederschmiedeberg“ an der Preßnitz mit „Schmiedeberg“ an der Weißeritz oder gar mit „Bad Schmiedeberg“ in Sachsen-Anhalt verwechselte. Daß man daraus aber gleich eine Schmalspurbahnstrecke von Wolkenstein an der Zschopau nach Schmiedeberg an der Weißeritz dichtete, daß ist eine neue Qualität.

Liebe Redakteurin Dr. Martina Wagner, es steht mir fern, Ihre akademischen Fähigkeiten und Eignungen in Zweifel zu ziehen, auch wenn das inzwischen ja zu einem beliebten Sport der Netzgemeinde wird. Aber das, was Sie hier abgeliefert haben, disqualifiziert Sie für die Tätigkeit, die Sie ausfüllen wollen. Als Redakteur, das ist nicht nur in schriftlichen Medien so üblich, sollte man sich über Inhalt und Wahrheit seiner Verlautbarungen sorgfältig und ausreichend informieren.

Da ist der zweite gravierende Fauxpas mit Eisenbahnbezug im Sendebeitrag, die Weißeritztalbahn zur ältesten öffentlichen Schmalspurbahn Deutschlands zu erklären, zwar genauso falsch aber wahrscheinlich nur einem sehr kleinen Teil der Zuschauer aufgefallen. Andererseits spiegelt sich in Ihrer Sendung, Frau Wagner, eigentlich nur das demonstrative Desinteresse Ihres Intendanten, Ihres noch amtierenden Chefredakteurs und Ihres noch amtierenden Fernsehdirektors an Themen mit Eisenbahnbezug wider. Sie sind also offensichtlich nicht schlechter als diese Herren - aber auch keinen Deut besser.

Mit der Einstellung der Sendereihe „MDR-Bahnzeit“ ist es sichtbar gelungen, Sachverstand zu Themen mit Regionalbezug in der Rundfunkanstalt weit auszugrenzen. Welchen Bezug das Jahr 1967 und die Aussage, daß „die DDR … beschloß, ein modernes Land zu werden“ liefern soll, bleibt gänzlich im Nebel. Ich will es auch gar nicht mehr wissen.

Da stellt sich wirklich die Frage: Ist der MDR noch bei Troste, den Anspruch „Heimatsender“ tragen zu wollen?

Geht da noch was?

Doch, der MDR kann tatsächlich auch noch kompetenter als nur „Bahnhof“. Nach der besonders im April schon sehr häufigen Berichterstattung über die Döllnitzbahn und der von Zeit zu Zeit wiederkehrenden Nachfrage nach dem Stand der Dinge bei der Weißeritztalbahn kann man zumindest dem Landesfunkhaus Sachsen bescheinigen, zwar nicht permanent, aber doch auf einem erkennbaren Niveau über die Schmalspurbahnen zu berichten. Danke dafür, bitte weitermachen. Mit dem Besuch und einem mehrteiligen Bericht über die Museumsbahn Schönheide hatte auch die Sendereihe „Auf schmaler Spur“ eine weitere Episode, als halbstündiger Beitrag bereichert er das Pfingstfernsehprogramm. Danke auch dafür, doch alles dies ist ausbaufähig.

Ja, es ist stiller geworden um die Aktivitäten zur Aktion „Rettet die Bahnzeit“ - aber wir sind nicht mundtot. Es ist fürwahr nicht erquickend, nur Stillstand zu dokumentieren, da beschäftigt man sich doch lieber mit Projekten, bei denen man eine positive Resonanz erkennt. Jetzt hat sich der Intendant den MDR mal wieder in die öffentliche Wahrnehmung gerückt, als er verlautbaren ließ, vorzeitig sein Amt aufzugeben. Wird es jetzt einen ernsthaften Wettbewerb um den besten Kandidaten geben, werden die Rundfunkräte endlich einmal ihre Wirksamkeit deutlich machen?

Können wir noch etwas tun? Ja. Eindeutig ja! Denn noch immer wächst die Zahl der Unterstützer, noch immer gibt es Rückmeldungen über den artikulierten Protest gegenüber dem MDR. Danke allen Mitmachern. Und wir müssen unseren Unmut weiter deutlich machen, auf den Unsinn im Programm mit klaren Worten hinweisen, sonst ist der MDR als Heimatsender verloren. Aber die Idee einer Schmalspurbahn von Wolkenstein nach Schmiedeberg ist so unsinnig, daß sie eigentlich schon wieder gut ist. Vielleicht läßt sich daraus ja noch mal was machen.
Jörg Müller


PK 1/2012

Eisenbahn im MDR-Fernseh-Programm? Nein, nicht relevant!

Mit einer Abwandlung unseres bisherigen Slogans müssen wir ein Thema neuerlich aufgreifen, daß wir als Optimisten im letzten Jahr auf „erledigt“ gesetzt glaubten. Einige Zeichen im Programm der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalt für die Bundesländer Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen sowie erklärte Unterstützungsbekundungen durch Landesvertreter im Rundfunkrat hatten uns ernsthaft hoffen lassen. Mit einem neuen Chefredakteur, einem neuen Fernsehdirektor und einer neuen Intendantin könnte es einen neuen Anlauf für eine journalistisch anspruchsvolle Berichterstattung über Themen rund um die Eisenbahnen, Eisenbahnmuseen und Museumsbahnen aus den Ländern geben. Auch die Erklärungen der neuen Intendantin, Frau Prof. Wille, zu ihrem Amtsantritt, für mehr regionalen Bezug und Attraktivität bei der Jugend sorgen zu wollen, ließen ernsthaft Hoffnung aufkommen.

Dementsprechend haben wir der Intendantin in einem Brief Ende November nicht nur mit Verweis auf diese Vorhaben viel Erfolg bei der Umsetzung gewünscht, sondern auch unsere aktive Mitwirkung bei Diskussionen zu einem neuen Format angeboten. Die darauf vom Fernsehdirektor eingegangene Antwort bewirkte einen ersten Dämpfer der Zuversicht, weil er in Tradition seines Vorgängers nicht einmal auf unsere Argumente und Angebote einging und offensichtlich auch unsere Zielstellung nicht verstehen wollte. Der Schriftwechsel mit dem Mitteldeutschen Rundfunk ist nachlesbar auf der Webseite www.rettet-die-bahnzeit.de.

Einstellung der Sendereihen „Auf kleiner Spur“ und „Auf schmaler Spur“

Per 10. Januar wurden die beteiligten Redaktionsmitarbeiter und Moderatoren von der Entscheidung der Fernsehdirektion in Kenntnis gesetzt, daß mit sofortiger Wirkung die Sendereihen „Auf kleiner Spur“ und „Auf schmaler Spur“ eingestellt werden.

Da bisher nur interne Informationen erfolgten, es jedoch noch keine öffentliche Bekanntgabe dieser Entscheidungen gab, haben die Initiatoren von „Rettet die Bahnzeit“ per 12. Januar in einem Schreiben an den Fernsehdirektor um eine offizielle Bestätigung der Gerüchte oder um ein Dementi derselben gebeten. Nicht nur, daß man vier Wochen später schon eine Antwort der aus Mitteln der Gebührenzahler bezahlten Verwaltung des MDR erwarten könnte, die Nichtbeantwortung der Anfrage bestätigt unserer Meinung nach leider die Gerüchte und zeigt in besonderem Maße auch die Ignoranz gegenüber den Zuschauern. Herrn Jacobis Umgang mit den Zuschauern entspricht dem seines Vorgängers.

Jetzt fragt man sich natürlich schon, was sich seit dem Amtsantritt der Intendantin verändert hat. Neben intensiven „Strukturdiskussionen“ und plakativen Änderungen bei Präsentatoren einzelner Sendungen fällt zunächst nur eine Reduzierung der Vielfalt im Programm auf. Zwar klotzte der MDR tatsächlich zwischen Weihnachten und Neujahr noch einmal kräftig mit Sendungen rund um Eisenbahnen und Modellbahnen, offensichtlich war dies nur als Abschlußfeuerwerk gedacht, um das noch vorhandene Material zu verwerten. Vielleicht liegt im Archiv auch noch Material, das man im Jahr 2012 kostengünstig an das gebührenzahlende Volk bringen könnte. Denn kolportierte Gründe für die Einstellung auch noch der letzten Eigenproduktionen im MDR-Fernsehprogramm mit einem Bezug zur Eisenbahn sind neben behauptetem Desinteresse der Zuschauer an diesen Themen natürlich auch die omnipräsente Finanzknappheit.

Daß man aber tatsächlich mit einem Bruchteil der Produktionskosten einer Talkshow oder einer Volksmusiksendung die Jahresproduktionskosten von „Auf kleiner Spur“ oder „Auf schmaler Spur“ bestreiten könnte, wird natürlich nicht vermittelt. Man kann auch an den Bleistiften sparen, wenn man Millionen Euro weniger ausgeben will, Sinn macht das genau so wenig.

MDR-Eigenproduktionen für Familien als Zielpublikum

Die Sendereihe „Auf kleiner Spur“ war im öffentlich-rechtlichen Fernsehen in Deutschland ein positiver Ausnahmefall. Denn als einzige regelmäßig etwa viermal jährlich ausgestrahlte Sendung nahm sie sich der Berichterstattung über Modellbahnthemen an. Gelegentlich wurde natürlich der Vorbild-Modell-Vergleich einbezogen, überwiegend wurden Modellbahnanlagen, Modellbauer, Ideen für Anlagen- und Dioramengestaltungen, Entwicklungen und Trends der Modellbahnindustrie thematisiert. Von diesem Alleinstellungsmerkmal eines besonderen Themas im Programm hat sich der MDR nun verabschiedet.

Daß die Sendung „Auf schmaler Spur“ als inoffizieller Nachfolger der „Bahnzeit“ nach neun Sendungen (drei im Jahr 2010, sechs im Jahr 2011) bereits wieder aufs Abstellgleis geschoben wird, ist aber auch Folge eines eigenwilligen Verständnisses vom gewünschten Zielpublikum. Beide Sendeformate waren im Familien-Tagesprogramm redaktionell verantwortet, während die „MDR-Bahnzeit“ zuvor ja im Wirtschaftsressort angesiedelt war. Eisen- und Modellbahnthemen den Familien zuzusprechen ist so verkehrt nun wiederum nicht, zieht sich diese Interessenlage doch quer durch alle Alters- und Geschlechtsgruppen. Doch mit der Beförderung des bisherigen Ressortleiters des Familienprogramms als neuen Direktor des Landesfunkhauses Sachsen nach Dresden wurde die Stelle in Leipzig offensichtlich mit einem Menschen besetzt, dessen Vorstellungen vom Zielpublikum andere sind. Natürlich, die „Eisenbahn-Romantik“ wird den Zuschauern erhalten bleiben - in für den MDR kostenfreier Mehrfachverwertung.

Welcher Umgang mit dem MDR ist nun notwendig und sinnvoll?

Aus der Aktion „Rettet die Bahnzeit“ haben wir Erkenntnisse gezogen, die natürlich auch unsere weiteren Aktivitäten „Pro Eisenbahn im MDR-Fernsehprogramm“ bestimmen werden.
Positiv:

  • 1. Es ist (mit einem entsprechenden Aufwand) möglich, Menschen zu mobilisieren und für ein gemeinsames Ziel einzustehen (siehe Unterschriftenliste). Das wäre sicherlich auch bei einem neuerlichen Anlauf erreichbar und steigerungsfähig.
  • 2. Es ist (mit noch viel mehr Aufwand) möglich, auch politische Entscheidungsträger (Abgeordnete, Mitarbeiter der Exekutive) für das Thema zu interessieren. Einige (Wenige) setzten dieses Thema auch im Rundfunkrat mit Wiedervorlage auf die Tagesordnung, bis es in der Versenkung verschwand.
Negativ:
  • 3. Es war (mit dem möglichen Aufwand) nicht gelungen, eine große Unterstützung aus der politischen Ebene(Abgeordnete, Bürgermeister, Landräte) für das proklamierte Ziel zu gewinnen und diese mit entsprechender Wirkung umzusetzen.
  • 4. Es war nicht einmal gelungen, die von einer regelmäßigen Berichterstattung im MDR-Programm zuallererst profitierenden öffentlich finanzierten Eisenbahnunternehmen (außer SOEG) zu einer aktiven Unterstützung zu bewegen. Stellenweise wurde sogar mit der Argumentation gearbeitet, „… man wolle es sich mit dem MDR nicht verscherzen.“

Ja, wir können sicherlich einstarkes „Grundrauschen“ des Protestes bei Eisenbahnfreunden und Modelleisenbahnern gegen die Entscheidungen des MDR organisieren. Allerdings braucht es noch viel mehr Unterstützung dazu, sowohl den Willen als auch die politische Schlagkraft. Die Initiatoren der Aktion „Rettet die Bahnzeit“, die Herausgeber und Chefredakteure von „Dampfbahn-Magazin“ und „Preß´-Kurier“, stehen nach wie vor zu dem Ziel, den Mitteldeutschen Rundfunk zu einer stärkeren Berichterstattung über die regionalen Aktivitäten der Eisenbahnmuseen und Museumsbahnen zu bewegen, da diese eine erhebliche Zugkraft für den Tourismus habe. Doch bei der Definition des Weges, um dieses Ziel zu erreichen, bestehen noch viele Fragezeichen.

Natürlich macht es keinen Sinn, kampflos aufzugeben, doch erst recht ist es nicht nützlich, zweimal mit dem Kopf gegen die gleiche Wand anzurennen. Wir werden in den kommenden Wochen sehr genau analysieren, auf welchem Wege wir den besten Hebel ansetzen können, mittelfristig das oben genannte Ziel zu erreichen. Jeder Eisenbahnfreund sollte nichts desto Trotz für sich selber bewerten, wie und ob er sich mit diesen Entscheidungen des MDR abfinden will, schließlich ist (fast) jeder Gebührenzahler.
Jörg Müller


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