Ein Besuch bei der Attergaubahn (1000 mm)

An der ÖBB-Hauptstrecke Wien – Linz – Salzburg (– München) liegen – neben der ÖGEG-eigenen Museumsbahnstrecke Timelkam – Ampflwang (siehe PK 67) – auch die Ausgangsbahnhöfe mehrerer elektrisch betriebener normal- oder schmalspuriger Lokal- bzw. Nebenbahnen. Dies sind die meterspurige Attergau-(Attersee-)Bahn, die normalspurige Bahn Lambach – Haag und die ebenfalls normalspurige Bahn Lambach – Vorchdorf, die in Vorchdorf mit der Traunseebahn (Gmunden – Vorchdorf) ihre schmalspurige Fortsetzung findet.

Betriebsführer der genannten Bahnen ist die Verkehrsgesellschaft Stern & Hafferl. Sie hat ihren Sitz in Gmunden am Traunsee in Oberösterreich. Neben der Betriebsführung von Bahnen (z. B. auch von der Linzer Lokalbahn) besitzt sie auch selbst Bahnen und unterhält auch Schiffahrts- und Busbetrieb. Unmittelbar neben dem ÖBB-Bahnhof Vöcklamarkt liegt der Bahnhof der Attergaubahn „Vöcklamarkt Lokalbahn“. Hier beginnt die knapp 14 km lange, landschaftlich durchaus reizvolle Strecke, die im Ort Attersee am gleichnamigen Attersee endet.

Eröffnet wurde die heute im Eigentum der Lokalbahn Vöcklamarkt – Attersee AG befindliche Schmalspurbahn am 14. Januar 1913. Auf der Strecke befinden sich derzeit 23 handbediente und vier Rückfallweichen. Die Bahn wird mit 750 Volt Gleichstrom betrieben. Ab Vöcklamarkt steigt die Strecke zu ihrem höchsten Punkt bei Walsberg (570 m ü. NN) an, um dann ein Stück durch eine flachere Landschaft zur Gemeinde St. Georgen im Attergau zu gelangen. In der Nähe des Haltepunktes Thern wird die Westautobahn unter einer Brücke gekreuzt, danach fällt die Strecke nach Attersee bis auf 475 mm ü. NN wieder ab. Ab Palmsdorf ist dabei das größte Gefälle der Strecke mit 48 Promille zu finden.

Gute Fotostandpunkte sind z. B. am höchsten Punkt bei Walsberg oder ab Palmsdorf in Richtung Attersee mit Blick zum Dachstein und zum See. Am Endpunkt in Attersee befinden sich ein Empfangsgebäude und eine Wagenhalle mit einer Werkstatt. Neben einigen Schienenfahrzeugen im Bahnhofsbereich stehen in der Wagenhalle drei gut gepflegte historische Fahrzeuge: Personenwagen (Baujahr 1907), ex Straßenbahn Unterach – See; Personenwagen (Baujahr 1913), ex Florianer Bahn; der zweiachsige Triebwagen ET 201 04 (Baujahr 1914) sowie zwei „Motore“, ex Preßburger Bahn.

Auf der mit Zugleitbetrieb und Funk ausgerüsteten Attergaubahn verkehren täglich durchschnittlich 14 Zugpaare. Damit werden pro Jahr etwa 280.000 Fahrgäste befördert und 3000 Gütertonnen bewältigt. Die Verkehrsgesellschaft Stern & Hafferl bietet aber auch einige touristische Aktivitäten an. So gibt es einen Hobbylokführerkurs mit dem ET 201 04, einen Kinderzug mit speziellem „Kinderwagen“ oder eine Nostalgie-Bummelzugfahrt mit den historischen Fahrzeugen.

Vorhanden sind insgesamt auf der Attergaubahn:

  • zwei zweiachsige Treibwagen
  • vier vierachsige Triebwagen
  • drei zweiachsige Personenwagen
  • zwei vierachsige Personenwagen
  • ein vierachsiger Büfettwagen
  • 13 Güterwagen

Dies ist für eine relativ kleine Bahn ein doch recht umfangreicher Wagenpark. Damit kann die Betriebsleitung einerseits flexibel auf unterschiedliche Bedürfnisse reagieren und andererseits auch bei Fahrzeugbedarf der anderen Stern & Hafferl-Bahnen darauf zurückgreifen.
Kurt Streit


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