Peter König:

Eisenbahn-Bilder Band 1 - Gemalte Impressionen aus Deutschland

96 DIN-A5 Seiten quer mit 99 Abbildungen davon 84 farbig und 13 schwarzweiße Zeichnungen und zwei Fotos, Verlag Rockstuhl, Bad Langensalza 2010, ISBN: 978-3-86777-181-8, Preis: 24,95 EUR

Deutschland ist schön“ - und auch Peter König zeigt es uns! Diese Abwandlung des Werbespruches eines Verlages hämmerte im Kopf des Rezensenten, als er die knapp 100 Kunstwerke im besprochenen Buch genoß. So lädt der Bildband zu einer Reise durch längst vergangene Jahrzehnte - und sogar Jahrhunderte - ein. Verblichenen Photographien täuschend ähnlich sehende Ölgemälde verblüffen dabei ebenso wie die herrlichen Stiftzeichnungen voller längst untergegangener Eisenbahnatmosphäre und Eisenbahnkultur.

Auf Königs Zeichnungen leben Zahnradstrecken in Thüringen, der Tunnel im Plauenschen Grund und alte Gleisführungen in Gotha ebenso wieder auf wie die Rollbockbahn, abgebaute Abschnitte der WCd oder die MPSB. Doch auch Haupt- und längst vergessene Nebenstrecken - im Schwerpunkt aus Mitteldeutschland - entreißt der Künstler und Lokführer dem Schlaf des Vergessens und führt uns die Vergangenheit in Farbe vor's Auge.

Geschmunzelt hat der Rezensent darüber, daß sich zwischen Motiven aus der Pfalz und Bayern auch drei Ansichten aus Westpreußen, dem Memelland und Wien eingeschlichen haben. Entsprechend kann das Buch Eisenbahnfreunden aus ganz Deutschland empfohlen werden.

Fazit:
Wer das Flair alter Eisenbahnen liebt und bereit ist, sich auf Kunstwerke der Spitzenklasse einzulassen, kommt um dieses Buch Peter Königs nicht herum!
André Marks


Rainer Heinrich, Stefan Rasch, Holger Drosdeck:

Die Schmalspurbahn Mosel - Ortmannsdorf

Geschichte der Mülsengrundbahn 1885 - 1951 Hrsg. vom FHWE, Schönheide 2010.

176 DIN-A4-Seiten mit 33 Farb- und 268 Schwarzweißfotos sowie 49 Grafiken, ISBN: (keine), Preis: 34,90 EUR

,Das gibt es doch gar nicht´, dachte sich auch der Rezensent beim ersten Durchblättern der großzügig ergänzten zweiten Auflage dieses Titels - erschienen anläßlich des 125. Streckenjubiläums am 30. Oktober 2010. Auf den nunmehr 176 anstatt 112 Seiten waren von den 268 abgedruckten Schwarzweißfotos aus den Jahren 1918 bis 1951 sage und schreibe 116 bisher unveröffentlicht!

So können sich Käufer des Buches u. a. an zwei neuen I K-Aufnahmen (S. 15 unten + S. 61) sowie zahlreichen neuen IV K-Aufnahmen erfreuen (z. B. von 99 525 auf Seite 68). Wagenfreunde werden jubilieren, eine neue Aufnahme eines vierachsigen Sitzwagens der Gattung 722 oder 718/728 aus der DRG-Zeit zu finden (S. 22 unten). Die teils druckoptimierten Motive (z.B. S. 31 unten) in der neuen Auflage zu betrachten, macht einfach Spaß. Der (regelspurigen) Industriebahn Mosel - Crossen - Zwickau sowie der VW-Werkbahn in Mosel widmen sich neue, zusätzliche Kapitel.

Fazit:
Die Autoren machen es dem Freund sächsischer Schmalspurbahnen schwer, auf das Buch zu verzichten ...
André Marks

Hinweis: Erhältlich ist das stark limitierte Buch ausschließlich über den FHWE unter den bekannten Kontaktdaten.


Rezensiert:

Wolf-Dietger Machel:

Enzyklopädie der deutschen Schmalspurbahnen

224 Seiten im Format 22,3 x 26,5 cm, Hardcover mit Umschlag und ca. 240 Abbildungen, GeraMond Verlag, München 2010. ISBN-13: 978-3-86245-101-2, Preis: 45,00 EUR

Vorweg: „Enzyklopädie (grch.) w, die übersichtliche Darstellung ... in ihrer Gesamtheit oder in Teilgebieten ...“, berichtet der Volks-Brockhaus. Dem Anspruch der „Gesamtheit“ wird das vorliegende Werk aus dem Hause GeraMond nicht gerecht! Denn in einem Nachschlagewerk vermeintlich aller deutschen Schmalspurbahnen hätte ganz gewiß nicht nur der Rezensent dann auch endlich einmal eine Auflistung einschließlich aller jenseits von Oder und Lausitzer Neiße sowie Oberrhein im einstigen Deutschland gebauten Schmalspurbahnen, der Strecken in Nordschleswig sowie der Kolonialbahnen erwartet. Strittig wäre es hingegen gewesen, auch die Bahnen in Alt-Österreich aufzunehmen, getreu dem alten Streit, wo bzw. wann fängt Deutschland an - mit dem Deutschen Bund, mit dem Kaiserreich von 1871, mit Gründung der Weimarer Republik oder 1949? Daß sich ein Verlag, der zweifelsfrei hinter der freiheitlichen, demokratischen Grundordnung der Bundesrepublik steht, mit Geschichte so schwer tut, ist schwer nachvollziehbar. Verflixt - die DDR ist vorbei!

Dem Autor des Buches - W. D. Machel - einst gezwungen, im „Modelleisenbahner“ auch Phrasen zu drucken, kann indes keinerlei Vorwurf gemacht werden. Denn jetzt kommen wir zum umgesetzten Inhalt des Buches - er hat vorzügliche Arbeit geleistet! Geschichtlich sauber und korrekt schildert Machel letztendlich auf fabelhafte Art und Weise die Geschichte der Schmalspurbahnen auf dem Territorium des heutigen Deutschlands!

Auf den Leser des Werkes wartet eine hervorragende Darstellung der Entstehung, Entwicklung und sogar Gegenwart der Schmalspurbahnen in der Bundesrepublik - fast wie in einem Roman packend erzählt. Dabei sticht besonders die stets richtige Verwendung von Eigennamen und Begriffen hervor. In Informationskästen liefert er zugleich prägnante Erklärungen zu den leider so oft falsch verwendeten Termini wie Kleinbahn, Kreisbahn, Privatbahn oder „Bahn nichtallgemeinen Verkehrs“. Allein wer damit nicht sattelfest ist, sollte das Buch lesen, in dem die Schmalspurbahnen an der Nordsee und am Rhein ebenso häufig wie die in Mecklenburg, Sachsen oder Bayern erklärt und gegenübergestellt sind. Allen Kennern des „Schmalspurbahn-Archiv“ sei allerdings gesagt, daß die thematisierte Enzyklopädie nicht diese Tiefe erreicht, sondern sich auf eine Auflistung mit den wesentlichsten Angaben (u. a. Eröffnung, Länge und ggf. Stillegung) auf 27 Seiten beschränkt. Diese Daten für die heutige Bundesrepublik in einzelnen Tabellen aufbereitet, empfindet der Rezensent als äußerst nützlich. Selbst die Kurzdarstellung der Fahrzeugentwicklung (Loks und Wagen) ist aus gesamtdeutscher Sicht famos.

Die von S. 115 bis 181 abgedruckten Kurzporträts der Linien Jarmen Nord - Schmarsow, Mulda - Sayda, der Waldeisenbahn Muskau, der Jagsttalbahn, des Molli, der Wangerooger Inselbahn, Spreewaldbahn und Kreis Altenaer Eisenbahn sind ein Genuß und inhaltlich äußerst ergiebig (vor allem der Jarmentext). Illustriert ist das Buch mit brillanten Aufnahmen - gestochen scharf und mit Liebe ausgewählt und erläutert. Man spürt bei der Lektüre förmlich, mit wie viel Herzblut der Autor bei der Sache ist, wenn er von „großteilerneuerten IV K“ schreibt, die Planwirtschaft und den Verkehrsträgerwechsel in der DDR bloßstellt und viele seit Jahrzehnten falsch tradierte Aussagen richtigstellt. Fehlerchen wie „Hp. Stützengrün“ anstatt Stützengrün-Neulehn als Endpunkt der Museumsbahn Schönheide oder Claus Köpcke bereits 1868 als „Sachsen“ zu bezeichnen (er kam erst 1869 aus Berlin nach Dresden) sieht der Rezensent W. D. Machel deshalb gern nach.

Fazit:
Ein herrliches Nachschlagewerk zu allen im heutigen Deutschland bzw. auf dessen Territorium vorhandenen Schmalspurbahnen. Das sauber gedruckte Buch bietet zu den vorgestellten Strecken eine Fülle an Informationen, aber auch zahlreiche wertvolle Begriffserklärungen, womit es in keinen Bücherschrank fehlen sollte.
André Marks


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