Johannes Raddatz:

Eisenbahn in der Sächsischen Schweiz, Band 3

256 DIN-A4-Seiten mit ca. 400 Abb. teils farbig, VBN Verlag Bernd Neddermeyer, Berlin 2011, ISBN: 978-3-941712-17-1, Preis: 34,80 EUR

Im Juni 2011 erschien der dritte Band aus der Reihe „Eisenbahn in der Sächsischen Schweiz“. Gemäß Einband behandelt er den Bahnhof und das Bw Bad Schandau, die Bahnhöfe Krippen, Bad Schandau Ost und Schöna, aber auch die Elektrifizierung der Strecke Schöna – Dresden. Den Abschluß bilden Beschreibungen des Abschnitts Staatsgrenze – Bodenbach der BD-Linie sowie der Bahnhöfe Bodenbach und Tetschen. Nicht angekündigt ist z.B. ein illustrierter Text zur Kirnitzschtalbahn, der zur Thematik paßt. Die Exkurse zur Rolle des Eisenbahnknotens Komotau sowie zu Wiener Bahnhöfen empfindet der Rezensent hingegen deplaziert. Ihr Vorhandensein wie auch der Abdruck von Werbung für den Rheingold und Fotos von Schreibmaschinen, Biergläsern oder dem Leipziger Messemännchen beeinträchtigen den Charakter des Bandes als Fachbuch massiv. Man ist geneigt, von einer „bunten Materialsammlung“ zu sprechen.

Diese enthält aber durchaus mit viel Fleiß und Detailliebe zusammengetragene Angaben – vor allem zum Bahnhof und Bw Bad Schandau. Die Autoren bieten dazu eine Fülle an wichtigen Informationen, Zeichnungen und Fotografien. Letztere sind jedoch in sehr vielen Fällen deutlich zu klein abgedruckt. Die heute zur Verfügung stehenden Möglichkeiten zur Bildbearbeitung von Farbdias und -fotos aus DDR-Zeiten nutzte der Herausgeber leider ebenfalls nicht. Auch den Band 3 erneut ohne Hilfe – und scheinbar ohne Lektorat? – umbrochen zu haben, wird immer mehr zu einem Makel. So machen eklatante wie nebensächliche Fehler durch brillante Texte mühsam aufgebaute positive Einstellungen zum Buch schnell wieder zunichte. Wobei leider auch nicht alle Texte das eben genannte Prädikat verdienen. Nicht selten sind sie chaotisch gegliedert und durch einen schlechten Schreibstil beeinträchtigt – z. B. im Kapitel über die Städte Bodenbach und Tetschen auf Seite 198. Man muß die Sätze mehrfach lesen, um zu begreifen, wie der Autor verschiedene Aussagen wohl meinen könnte. Der Kurzabriß der Geschichte der sächsischen Staatsbahnverwaltungen auf Seite 232 ist aufgrund seiner Fehler ebenfalls nicht akzeptabel. Und bitte nicht von Herr Raddatz irritieren lassen: Die gemeinsame sächsisch-österreichische Grenze gab es natürlich schon seit 1526 – nicht erst ab 1867.

Dem gegenüber stehen erneut mit viel Liebe von Johannes Raddatz selbst angefertigte Zeichnungen, der Abdruck von exakten Lokomotiv-Stationierungs- und -Verwendungsplänen des Bw Bad Schandau, aber auch sehr wertvoller Karten, Zeichnungen und Gleispläne von den auf böhmischen Gebiet liegenden Stationen der BD-Linie. Eine große Stärke der Reihe sind die Beschreibungen der Anschlüsse. Sie verdienen auch im Band 3 große Anerkennung. So werden von der Diesellok der 600-mm-Feldbahn am Sägewerk Gelobtbachmühle sogar die exakten Herstellerdaten genannt.

Wie von den vorangegangenen Bänden gewohnt, ist auch das heute vorgestellte Werk sehr reichhaltig und gut illustriert. Neben Aufnahmen von Dampflokomotiven vieler Baureihen (u. a. 38, 58, 64, 86, T9.1 und T14) kamen sehr viele Fotos der E-Traktion sowie von Triebwagen zum Abdruck. Parallel finden Leser eine große Palette an Strecken- und Gebäudeaufnahmen (z.B. Ladestelle Schöna + Gelobtbachmühle – toll!) sowie Fotos von dienstverrichtenden Eisenbahnern. So mancher Käufer des Buches könnte sich darauf wiedererkennen.

Nachdenklich stimmen den Rezensenten sehr viele Fehldatierungen. So kann die Kondens-52 eben nicht 1940 fotografiert worden sein, wenn erst 1942 die erste 52 überhaupt und im Februar 1943 die erste 52 mit Kondenstender fertiggestellt worden ist …

Fazit:
Die Erwartungen des Rezensenten erfüllt Band 3 nur bedingt. Im Tiefgang der Texte, Abbildungsgröße und -qualität verschenkt das Buch viel Potential. Es kann jedoch als Fundgrube für Historiker, Modellbahner wie ehemalige Eisenbahner dienen. Wer mit den Bänden 1 und 2 zufrieden war, der wird am Band 3 ebenfalls Freude haben.
André Marks


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