Rüdiger Fach, Frank Steuber:

Feldbahnen im Dritten Reich

EK-Verlag, Freiburg 2012, 144 Seiten, A4 quer, in Hartpappe gebunden, 246 Schwarzweiß-Abbildungen, ISBN-13: 978-3-88255-736-7, Preis: 29,80 EUR

Für Publikationen über Feldbahnen gibt es seit Jahrzehnten eine Klientel. Andere Eisenbahnfreunde – sogar manche bekennende Schmalspur-Liebhaber – winken mit der Begründung ab, die Fahrzeuge wären zu klein, nicht überschaubar oder uninteressant, weil nicht im Bestand von Staatsbahnverwaltungen.

Rüdiger Fach und Frank Steuber ist es nun gelungen, im EK-Verlag ein Buch zu publizieren, welches mehrere dieser Argumente einfach aushebelt – für die Kenner der Materie aber natürlich von vornherein einen wahren Augenschmaus verspricht. Dabei bewegen sich die Autoren mit dem Buchtitel auf dünnem Eis, nimmt die geheuchelte (?) Betroffenheit unserer Nachkriegsgeneration ob der unbestreitbaren Verbrechen in der NS-Zeit mehr als 65 Jahre nach Kriegsende doch eher zu als ab. So erzeugt allein das Lesen oder Aussprechen von „Drittes Reich“ ganz unterschiedliche Assoziationen. Bei Fach und Steuber wird ein sachlich denkender Eisenbahnfreund allerdings weder Verherrlichungen noch einseitige Schelte auf die Generation unserer Väter und Großväter finden. Statt dessen umreißen die Autoren klar und sauber die politischen Rahmenbedingungen für den Bau und Betrieb von Feldbahnen letztendlich im Zeitraum von ca. 1930 bis 1950 und benennen dabei „Roß und Reiter“. So erhält der geschichtlich weniger belesene Eisenbahnfreund u. a. auch Hinweise auf den Einsatz von KZ-Häftlingen innerhalb von Projekten der Organisation Todt. Den Reichsautobahnbau entrücken die Autoren hingegen den unsinnigen Mythen, maßgeblich zum Abbau der Arbeitslosenzahl beigetragen oder der direkten Kriegsvorbereitung gedient zu haben.

Doch zur Eisenbahn – denn diese zeigt sich im vorgestellten Bildband überraschend facettenreich. Die Palette reicht von der klassischen 600-mm-Spur über Fahrzeuge für und auf 750- oder 900-mm-Strecken bis hin zu meterspurigen 60-PS-Dampfloks für Helgoland. Wie die Spurweite, so variieren auch Aufnahmen von Dampf-, Diesel- und sogar Elloks. Diese Fahrzeuge werden im Einsatz für die Industrie (Baustellen-, Wald-, Torf-, Treidel- oder Tagebaubahnen) wie auch für das Heer und nationalsozialistische Großvorhaben vorgestellt.

Anerkennung verdienen Autoren und Verlag dafür, das Buch mit dem Kapitel Trümmerbahnen zeitlich erst um 1950 enden zu lassen. Und wer sich nicht für den Bau von Autobahnen, Kiesbahnen, Frontstrecken oder Lorenbahnen jeder Art interessiert – was soll der mit dem Buch? Nun – diese Leser dürfen sich wohl vor allem auf das Kapitel „Feldspurige Kleinbahnen“ freuen, welches neben der MPSB auch die 600-mm-Bahnen im historischen Ostdeutschland (z. B. Gnesener Kleinbahn, Ortelsburger Kreisbahn) und im Westen Deutschlands (Wallückebahn) vorstellt. Es ist u. a. mit der Aufnahme einer Brigadelok mit DRB-Nummer illustriert. Im Bestand der Reichsbahn fanden sich später z. B. im Netz Dahme oder Putbus auch zahlreiche der angeführten HF-Loks und -Wagen wieder. Die Vorstellung von verschiedenen Industrie-Feldbahndampf- und -dieselloktypen hilft dabei, nach dem Zweiten Weltkrieg auf oder neben öffentlichen Schmalspurbahnen genutzte Fahrzeuge besser klassifizieren zu können. Für den Rezensenten war es deshalb nicht nur ein Vergnügen, die durchweg sehr sauber abgedruckten Aufnahmen zu betrachten, sondern er konnte sich so auch in der Typenkunde von Feldbahnfahrzeugen festigen.

Fazit:
Ein Bildband, der nicht nur für Feldbahn-, sondern für alle Freunde schmalspuriger Eisenbahnen interessant ist. Die Vielzahl an beeindruckenden historisch sehr wertvollen Aufnahmen (mehrere davon sogar aus Sachsen) rechtfertigt den vergleichsweise hohen Verkaufspreis des Buches.
André Marks


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