Peter Wunderwald:

Das Mittelsächsische Schmalspurnetz Band 2

Erinnerungen in Farbbildern und Anekdoten

Wilsdruffer Bahnbücher, 1. Auflage, Nossen 2012, 180 Seiten, Format A4, Hartpappeinband, 322 Farbfotos, ISBN: keine, Preis: 45,– EUR

Ein Jahr nach dem viel gelobten ersten Band voller prächtiger Schwarzweißaufnahmen der vernetzten Strecken zwischen Osterzgebirge und Leipziger Tieflandsbucht verwöhnt Peter Wunderwald das Auge des Schmalspurfreundes nun mit Farbaufnahmen. Doch selbst wenn einem das als taktisch geschickte wie auch logische Fortsetzung erscheinen mag – der Herausgeber ist im Vorwort selbst nicht so sicher, ob es sich um eine neubebilderte Bearbeitung oder um eine Ergänzung des ersten Bandes handelt. Und so nehmen wir die zweite Ausgabe einfach als das auf, was sie sicher ist: Ein Geschenk an alle für solcherart Aufnahmen zu spät geborenen. Dabei verheißt das Titelbild zunächst nichts Außergewöhnliches. Nur mit Mühe erkennt man, daß da 99 1694-1 rückwärts durch die mit allerlei Eisenbahnsicherungstechnik verstellte, ansonsten schmucklose Umgebung den Bahnhof Wilsdruff verläßt. Band 1 hatte da mit voller Obstbaumblüte und Rauchkammer voraus eindeutig die bessere Verpackung. Aber es zählen die inneren Werte – und die überzeugen vor allem durch Aufnahmen von Dieter Bäzold und Hans-Jörn Fredberg. Der überwiegende Teil der Fotos sind Erstveröffentlichungen, einige bekannte Aufnahmen aus bereits erschienenen, wenn auch heute schwer zu beschaffenden Wilsdruffer Bahnbüchern finden sich aber ebenfalls wieder.

Das Konzept kennen wir bereits: Kreuz und quer und nicht immer logisch reisen wir durch die Schmalspurnetze Wilsdruff und Mügeln sowie nach Kipsdorf. Dazu gibt es, neben den der ersten Ausgabe sehr ähnlichen kurzen Streckenporträts, diesmal zu jeder Strecke eine Seite mit teilweise sehr banalen Anekdoten. Daß weniger manchmal mehr sein könnte, gilt leider auch wieder für so manche Bildunterschrift. Aber es gehört wohl zum Stil dieser Bücher, Offensichtliches zu benennen und Aufnahmen für den Betrachter als eindrucksvoll zu deklarieren. Bei dem durch andere Publikationen nachgewiesenen Fachwissen des Autors erwartet der Rezensent da einfach mehr, auch fragt er sich, was wohl eine mehrmals so bezeichnete „Modernisierungs-VI K“ sein könnte. Ein nachgebauter Kessel und geschweißte Wasserkästen können diesen Begriff wohl kaum rechtfertigen.

Doch bevor hier zu viel gekrittelt wird, blättert man schnell weiter und genießt die nächste der vor über 40 Jahren entstandenen Aufnahmen längst abgebauter Bahnen oder die nicht alltäglichen Situationen z.B. auf der Weißeritztalbahn. Diese zusammengetragen und in diesem zweiten Band in bestmöglicher Qualität zugänglich gemacht zu haben, ist eine große Leistung.

Fazit:
Für Besitzer des ersten Bandes eine willkommene Ergänzung, für alle anderen eisenbahnhistorisch Interessierten ein prachtvoller Einstieg in die Bilderwelt der Schmalspurstrecken Mittelsachsens. Trotz des um sieben Euro höheren Preises kann auch der zweite Band wärmstens empfohlen werden.

Armin-Peter Heinze


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