Autorenkollektiv:

Auf zur letzten Fahrt!

WCd-Themen Folge 5, Hrsg. FHWE e. V. Schönheide 2012., Broschüre mit 64 Seiten im A4-Format sowie 71 Farb- und 46 Schwarzweißfotos, ISBN: keine, Preis: 13,90 EUR

Anläßlich des VI. WCd-Schmalspurbahn-Festival 2012 erschien am 10. August die seit 2008 nun schon fünfte Folge der Reihe „WCd-Themen“. Ihr Untertitel „Ein Rückblick auf alle zehn Abschiedsfahrten der WCd-Linie 1966–1977 sowie auf die Streckendemontage“ erklärt rasch, was sich hinter dem Aufruf im Titel verbirgt. Tatsächlich hat das Autorenkollektiv unter Leitung von Holger Drosdeck eine Fülle an Aufnahmen und Details zu den Abschiedsfahrten, aber auch zum Abbau der einzelnen Streckenabschnitte zusammengetragen, die den Rezensenten in dieser Menge, aber auch Qualität positiv überrascht haben. So ist die Broschüre gleichsam wieder eine Leistungsschau, was aus alten ORWO-Dias oder Farbfotos mit heutiger Technik herausgeholt werden kann – wenn man das will (und bereit ist, eine Summe x dafür zu investieren).

Für einen glaubhaften, fundierten Inhalt der Texte stehen allein schon die Namen der Autoren: Rainer Heinrich, Karl Wolf, Achim Meinel, Steffen Weigel und Dieter Schatte – Eisenbahner und/oder Eisenbahnfreunde, die zwischen 1966 und 1977 bei den letzten Fahrten selbst dabei waren. Sie berichten damit nicht über etwas in Büchern Gelesenes, sondern über Dinge, die sie persönlich miterlebt und fotografiert sowie teils unmittelbar vor Ort notiert haben.

Daß wir alle nur Menschen sind wird klar, wenn dann auf Seite 38 dennoch ein Fehler auftaucht. So wird dort im Bildtext der sichtbare Gepäckwagen der Länderbahnbauart als 974-375 bezeichnet. Hinter dieser Nummer verbarg sich jedoch ein Gepäckwagen der Einheitsbauweise – die Aufnahme muß also an einem anderen KD4 entstanden sein.

Beklemmung kommt beim Betrachten der zahlreichen Aufnahmen vom Abriß der WCd-Linie auf. Vor allem die Motive von der Zerstörung der großen Brücken bei Stützengrün und Schönheide Süd stimmen nachdenklich. Was wäre, wenn diese Brücken bis 1990 noch vorhanden gewesen wären? Doch statt dessen sieht der Leser Aufnahmen von Hubschraubereinsätzen und die einst stolzen Viadukte zerstört in viele einzelne Trümmer.

Inkonsequent ist die Verwendung der Abkürzungen Gmp. Schreibt der Eisenbahner Achim Meinel Gmp korrekt mit kleinem P am Ende, so setzt Karl Wolf ein großes P als dritten Buchstaben. Nun mag letztere Schreibweise zwar logischer erscheinen – und wohl genau deshalb von Modellbahnern gern verwendet werden – aber nach Vorbild amtlicher Dokumente und Weisungen der Reichsbahn wäre Gmp (Pmg analog) einzig richtig. Wer den Rezensenten kennt, der weiß, wenn er mit so belanglosen Details anfängt, daß er einfach nichts Gravierendes zum Mosern findet. Darum sollen auch gar nicht länger unnötig weitere Worte produziert werden.

Fazit:
Die aktuelle Folge 5 der WCd-Themen-Reihe überzeugt sowohl hinsichtlich ihrer Texte als auch Fotografieren. Letztere sind reichlich und in hervorragender Wiedergabequalität enthalten. In den Augen des Rezensenten ist die Broschüre ihren Preis aus diesen Gründen wert und kann uneingeschränkt zum Kauf empfohlen werden.
André Marks


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