Rezensiert:

Jochen Kretschmann:

Lockruf der Dampfsirenen

Verlag Transpress, Stuttgart 2000, ISBN 3-613-71121-4, Preis 29,80 Mark

Jochen Kretschmann, vielen Eisenbahnfreunden bekannt durch seine Artikelserie "Feuer, Wasser, Kohle", die in den achtziger Jahren zuerst in loser Folge im "Modelleisenbahner" und später auch als Buch erschienen ist, knüpft mit seinem neuen Buch "Lockruf der Dampfsirenen" nahtlos an sein Erstlingswerk an.

Einige der Kapitel sind bereits aus dem "Modelleisenbahner" bekannt, so zum Beispiel das über die Berliner Industrie-Anschlußbahn (Kohleprämie) oder das Kapitel über den unfähigen Technologen (ja, auch bei der Deutschen Reichsbahn soll es so etwas schon gegeben haben), der einer Dampflok keinen Wasserhalt einplante.

Im ersten Teil des Buches erzählt Jochen Kretschmann von seinen Erlebnissen aus der Zeit, als er nach dem Krieg als junger Lokführer bei verschiedenen von der Deutschen Reichsbahn übernommenen Kleinbahnen Dienst tat. In diesen Kapiteln wird deutlich, wie sich ein junger Lokführer hochdienen mußte. Doch auf den verstaatlichten Nebenbahnen lernte J. Kretschmann noch viele Länderbahnlokomotiven kennen und konnte viele unschätzbare Erfahrungen sammeln.

In einem anderen sehr ausführlichen Kapitel gibt er seine Erfahrungen in Zusammenarbeit mit den russischen Streitkräften wieder. Diese Schilderungen entbehren oftmals nicht einer gewissen Komik, geben wohl aber gerade deswegen einen guten Einblick in die damaligen Verhältnisse.

Neben den technischen Beschreibungen gibt J. Kretschmann in vielen Abschnitten auch Familiäres preis. Hier fehlt aber leider etwas der "rote Faden". Während seine Familie in einigen Kapiteln eine wichtige Rolle spielt, fehlen in anderen etwas die Zusammenhänge und Verbindungen.

Erstmals in "Lockruf der Dampfsirenen" gibt Kretschmann neben seinen eigenen Erinnerungen auch Erlebnisse anderer Eisenbahner wieder. So flossen in das Buch zwei Erzählungen eines französischen Freundes ein, der wie Kretschmann ebenfalls Lokführer war.

Tief bewegend sind die beiden sehr kurzen Schlußkapitel. Worum es darin geht, soll an dieser Stelle jedoch noch nicht verraten werden lesen Sie selbst!

Fazit: Ein sehr gutes Buch zu einem moderaten Preis. Die Seiten sind in stabilen Pappdeckeln eingebunden, die einen soliden Eindruck machen. Ein klarer Kauftip!

Olaf Herrig


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