Ingo Neidhardt/Matthias Hengst:

Schmalspur-Album Sachsen Deutsche Reichsbahn 1945–1966 Mulda – Sayda

200 Seiten, Format: 29,7 x 24 cm, Hartpappeinband, ca. 650 Bilder, davon ca. 160 Farbbilder, SSB-Medien, Zittau 2013, ISBN-13: 978-3-00-043997-1, Preis: 48,– Euro

Schmalspur-Album Sachsen“ – diese Bezeichnung verbinden Eisenbahnfreunde mit großformatigen, hochwertig gebundenen Büchern, gedruckt auf schwerem Papier und mit einem Schutzumschlag versehen. So sind zumindest die ersten zwölf Bände schon allein äußerlich eine Augenweide für jeden Bücherfreund. Die Fortsetzung der beliebten Reihe, die sich nunmehr den sächsischen Schmalspurbahnen der Deutschen Reichsbahn in der Nachkriegszeit widmet, kommt dagegen etwas unscheinbarer daher: Äußerlich nicht mehr so opulent ausgestattet und etwas kompakter im Format, sind sie nun eher geeignet, um im Bett vorm Einschlafen noch ein wenig darin zu schmökern. Der Inhalt dagegen – und darin unterscheiden sich die Bücher nicht von ihren grünen und grauen Vorgängern – wird dem Leser wahrlich süße Träume von vergangenen Schmalspurzeiten bescheren.

Der neueste Band handelt von der vergleichsweise wenig beachteten und frühzeitig eingestellten Strecke von Mulda nach Sayda. Randvoll gefüllt mit etwa 650 bisher überwiegend unveröffentlichten Aufnahmen unterstreicht er den Anspruch der Autoren, möglichst viele Aufnahmen der jeweils behandelten Strecke in einem Buch zu vereinen. Etliche namhafte Fotografen und Sammler, aber auch lokale Bildgeber haben ihre Archive geöffnet und damit diese erstaunliche Bildervielfalt überhaupt erst ermöglicht. Was dabei zutage trat, ist durchweg hochinteressantes Material für Eisenbahnfreunde, Modellbahner und Heimatforscher – oftmals wunderschön anzuschauen und teilweise auch schlicht atemberaubend. Neben etlichen Leckerbissen, wie beispielsweise den Aufnahmen vom Festsonderzug mit Aussichtswagen anlässlich eines Stadtjubiläums, Farbaufnahmen aller Bahnhöfe und Haltepunkte oder einer detailreichen Ladeszene in Sayda aus dem Jahr 1947, faszinieren vor allem die vielen Fotos, in denen die Eisenbahn eine Nebenrolle einnimmt und die vielmehr von landschaftlicher Schönheit und der Beziehung der Menschen zu ihrer Schmalspurbahn berichten. Wer möchte nach Lektüre dieses Buches nicht am Chemnitzbach in der Sonne sitzen und der IV K mit ihrem langen Gmp für die Bewältigung der Steigung nach Friedebach die Daumen drücken? Lieber Leser, legen Sie sich für Ihre Entdeckungsreise eine Lupe bereit – es lohnt sich! Die Aufbereitung der Vorlagen ist durchweg sehr gelungen: Behutsam und ohne den nostalgischen Charme zu zerstören, aber doch mit beachtlichen Ergebnissen.

Noch nie waren die Schmalspur-Alben reine Bildbände und so gibt es auch in dieser Ausgabe viel zu lesen: Kenntnisreich und kurzweilig, teilweise in Minigeschichten verpackt und niemals auf stumpfsinnige Beschreibung der Abbildung beschränkt, erlauben die Bildunterschriften dem Leser eine Reise im Pilgerschritt von Mulda nach Sayda, wobei nicht immer die Eisenbahn im Mittelpunkt steht. Auch ein paar kleinere Fehler können den Wert dieser Arbeit kaum mindern: So heißt der Dresdener Wagenexperte nicht Kurt sondern Fritz Hager und die Exa 1b wurde auch nicht bei einem VEB Pentagon, wohl aber beim VEB Pentacon Dresden gefertigt. Kein eigentlicher Kritikpunkt, doch zumindest anmerkenswert ist die durchgängige Verwendung der alten Rechtschreibung. Muss man junge Menschen, die schon kaum mit der neuen Rechtschreibung zurechtkommen, wirklich noch mit „daß“ statt „dass“ oder Finessen wie der Trennung von „ck“ in „k-k“ überfordern?

Fazit:
Es gibt zu Recht kaum Lobesworte, welche den Schmalspur-Alben noch nicht ausgesprochen wurden. Was die Autoren auch in diesem Band an Material für die Allgemeinheit zugänglich machen, ist von unschätzbarem Wert und sollte keinem Eisenbahnfreund im Bücherregal fehlen. Freuen wir uns auf kommende Ausgaben der „roten Reihe“!
Sebastian Günther

P.S.: Trotz des etwas kleineren Formates passt das Buch leider in kein handelsübliches Osterei. Trotzdem sollten Sie nicht bis Weihnachten mit der Anschaffung warten …


zum Preß'-Kurier | Artikel älterer Ausgaben