Rezensiert:

Erich Preuß:

Bahnübergänge deutscher Eisenbahnen

128 Seiten, 14 x 21 cm, Paperback, mit 130 Abbildungen und zwei Tabellen, Transpress-Verlag, Stuttgart 2014, ISBN 978-3-613-71481-6, Preis: 9,95 Euro

In seinem letzten Werk widmet sich der kürzlich verstorbene Autor Erich Preuß den höhengleichen Kreuzungen zwischen Straße und Eisenbahn. Dabei weckt der Rücktitel mit der Zusatzbezeichnung „Typenkompass – kompakt und kompetent“ und einem interessanten Inhaltsüberblick hohe Erwartungen beim Käufer.

Doch schon beim Lesen des ersten Kapitels „Gefährliche Kreuzungen“ tritt Ernüchterung ein. Es wird deutlich, dass die verständliche Darstellung komplexer technischer Zusammenhänge nicht die Stärke dieses Buches ist. Die Ausführungen, wann Bahnübergänge technisch zu sichern sind und welche Sicherungsarten es gibt, fallen äußerst verworren und fachlich unsauber aus. Ebenso verlieren sich die übrigen Texte dieses Kapitels in Details und Fachbegriffen, ohne die an sich simplen Grundprinzipien herauszuarbeiten. Ein Lektorat scheint nicht stattgefunden zu haben, andernfalls wären zumindest die Mängel im Ausdruck beseitigt worden.

Fachliche Fehler ziehen sich wie ein roter Faden durch das Werk. Wer das Buch nach der Aussage, dass sich „automatische Anlagen mit rotem und grünem [!] Lichtzeichen“ zum Standard entwickelt hätten, noch nicht beiseite gelegt hat, wird mit der nachweislich falschen Weisheit versorgt, dass bei der Deutschen Reichsbahn bereits 1953 „wie im Westen […] jedes Warnkreuz eine weitere Optik [besaß], die gelbes Standlicht zeigte, wenn die Halbschrankenanlage gestört war.“ Weiter wird behauptet, zu Sichtflächen an Bahnübergängen gehöre ein „Sichtpunkt B des Lokomotivführers“, was fälschlicherweise suggeriert, die Sicht des Lokführers spiele bei der Bahnübergangssicherung eine Rolle. Leider lassen sich hier nicht alle Fehler und Halbwahrheiten aufführen; für eine Gesamtbewertung des Werkes ist dies aber auch nicht notwendig.

Der Aufbau ist im Detail unzweckmäßig und unsystematisch, zumal der Inhalt oft nicht zu den Überschriften passt. Warum sich beispielsweise die Regeln zum Aufstellen von Andreaskreuzen in einem Abschnitt über die Beseitigung von Bahnübergängen befinden, bleibt unklar. Der Abschnitt zu den neuartigen ÜSOE-Anlagen (Überwachungssignale mit optimierter Einschaltung) beschäftigt sich nur auf den ersten Zeilen mit diesem Thema, wechselt dann unvermittelt zur Gefahrenraumfreimeldung und mündet schließlich mit dem Allgemeinplatz, es seien „ohnehin mannigfache Anlagen“ erforderlich, in eine unübersichtliche mehrseitige Statistik zu Bahnübergangstechniken.

Vom selbst gestellten Anspruch, „die große Übersicht aller Bahnübergänge der Eisenbahnen in Deutschland“ zu sein, ist das Werk weit entfernt – nicht zuletzt, weil die zahlreichen Bahnübergänge nichtbundeseigener Eisenbahnen mit ihren technischen Besonderheiten keine Erwähnung finden.

Die verwendeten Grafiken sind nur bedingt zur Erklärung geeignet, da sie teilweise ungeprüft aus Quellen mit anderer Zielstellung übernommen wurden. So stellt ein Schema zur Fernüberwachung keineswegs deren Funktionsweise dar, sondern lediglich die Handlungsschritte zum Prüfen der Meldeanzeigen. Auch die Positionierung der Abbildungen ist oft ungünstig: Was haben beispielsweise die Bilder von Überwachungssignalen in einem Kapitel über Schrankenantriebe zu suchen?

Fazit:
Der Leser, der sich ernsthaft für das Thema interessiert, muss weiterhin auf eine übersichtliche und fachliche einwandfreie Veröffentlichung warten. Am Beispiel dieses Werkes zeigt sich wieder einmal, dass sich die Fließbandproduktion von Eisenbahnbüchern zu Schleuderpreisen zwangsläufig negativ auf die Qualität auswirkt.
Dr. Eric J. Schöne


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