Rezensiert:

Ludger Kenning:

Schmalspurbahnen um Mügeln und Wilsdruff

Verlag Kenning, Nordhorn 2000, 264 Seiten, 508 SW-Fotos, 96 Farbfotos, 128 Zeichnungen, ISBN: 3-933613-29-9, Preis: 78,00 Mark

Über die ehemaligen Schmalspurnetze von Mügeln und Wilsdruff sind in der Vergangenheit bereits etliche Veröffentlichungen erschienen, jedoch noch nie in so kompakter Form, wie mit dem Buch „Schmalspurbahnen um Mügeln und Wilsdruff“ von Ludger Kenning. In diesem neuen, stolze 264 Seiten starken Werk werden sämtliche zu den beiden Schmalspurnetzen gehörenden Strecken abgehandelt, einschließlich der Verbindungsbahn Freital-Potschappel – Freital-Hainsberg sowie der Strecke Klingenberg-Colmnitz – Frauenstein.

Des weiteren wird das Buch durch einige Abstecher zu angrenzenden Themen ergänzt. So wird jeweils an passender Stelle auf die Döbelner Pferdestraßenbahn, den Feldbahnbetrieb in Glossen sowie die heutige Feldbahnschauanlage, die Werks- und Grubenbahnen in Kemmlitz und die Meißner Straßenbahn eingegangen. Am Ende des Buches folgen zwei Kapitel zu den Fahrzeugeinsätzen sowie zur heutigen Döllnitzbahn und dem Förderverein „Wilder Robert“ e. V.

Kenning besticht in seinem Werk durch einen Text, der einerseits sehr gut und unterhaltsam zu lesen ist, andererseits aber auch die notwendige Sachlichkeit nicht vermissen lässt. Als Vorteil kann auch die Tatsache angesehen werden, daß auf die Vorgeschichte und auf den Bahnbau nicht zu langwierig eingegangen wird. Dem Leser fallen schon beim ersten Durchblättern einige Pluspunkte des Buches ins Auge. Zu jeder Strecke sind sehr gut gezeichnete Gesamtstreckenskizzen abgebildet, des weiteren gibt es zu jedem Bahnhof bzw. Haltepunkt eine Übersichtszeichnung.

Bei Spurwechselbahnhöfen sind nicht nur die Schmalspurgleisanlagen inbegriffen, sondern auch die Lage der Regelspurgleise geht aus den Skizzen hervor. Bebildert ist das Werk mit unzähligen Fotos. Im Farb- wie auch im Schwarzweiß-Bereich sind dies einige bekannte Motive, doch überrascht vor allem der Anteil bisher unveröffentlichter Aufnahmen, auch von recht zeitig stillgelegten Strecken. Überhaupt deckt die Fotoauswahl einen großen Teil der Betriebszeit der Bahnen ab. Layout und Druckqualität entsprechen dem von Kenning-Büchern gewohnten hohen Standard.

Leider sind in vorliegendem Werk bis auf eine Ausnahme keinerlei Fahrpläne abgedruckt. Sicherlich hätte dies den Seitenumfang des Buches weiter erhöht, doch gehen durch das Fehlen der Fahrplantabellen interessante Informationen über das differenzierte Verkehrsaufkommen der einzelnen Teilstrecken bzw. der verschiedenen Epochen verloren.

Einige kleine Fehler haben sich in das Buch eingeschlichen. Auf Seite 163 ist beispielsweise davon die Rede, daß im Fahrplan 1960 zwischen Lommatzsch und Meißen werktags 6 und sonntags 4 durchgehende Zugpaare verkehrten. Das ist falsch, die Zahlen beziehen sich auf einzelne Züge, also auf 3 bzw. 2 Zugpaare. Das mittlere Foto auf Seite 159 wurde mit Sicherheit nicht im Februar 1972 aufgenommen, augenscheinlich ist es eher im Spätsommer entstanden. In der Zeittafel der Strecke Freital-Potschappel – Wilsdruff – Nossen auf Seite 97 müßte es richtig heißen: Einstellung des Güterverkehrs Obergruna-Bieberstein – Siebenlehn am 31.03.1973 statt 1972. Diese kleinen Fehler gehen in der Gesamtheit des Buches jedoch fast unter und schmälern dessen Gesamteindruck de facto nicht.

Fazit:
Mit „Schmalspurbahnen um Mügeln und Wilsdruff“ gelangte ein neues Streckenporträt auf den Buchmarkt, welches dem Interessierten sächsischer Schmalspurgeschichte zum Kauf durchaus empfohlen werden kann.

Holger Drosdeck


zum Preß'-Kurier | Artikel älterer Ausgaben