Ludger Kenning/Chris Stein:

Die alte Weißeritztalbahn
Strecke und Stationen der Schmalspurbahn Freital-Hainsberg – Kurort Kipsdorf

304 Seiten, Format 25 x 21 cm mit Hartpappein-band, 466 Aufnahmen, davon 180 Farbbilder, sowie 51 Skizzen Verlag Kenning, Nordhorn 2014, ISBN-13: 978-3-944390-06-2, Preis: 48,95 Euro

Über die Schmalspurbahn zwischen Freital-Hainsberg und Kurort Kipsdorf erschienen im Verlag Kenning bereits zwei Bücher. Viel Wasser ist seither die Weißeritz hinabgeflossen – zeitweise gar derart heftig, dass es der liebenswerten Bahn im Osterzgebirge beinahe die Existenz gekostet hätte. Einiges hat sich dort seitdem verändert und so widmet sich das im Dezember 2014 erschienene Buch aus Nordhorn ausdrücklich der „alten“ Weißeritztalbahn und deren Geschichte bis zur Hochwasserkatastrophe im August 2002. Diese Beschränkung ist durchaus sinnvoll, gibt es doch zur jüngeren Entwicklung bereits eine ausführliche andere Publikation. Überrascht stellte der Rezensent jedoch fest, wie konsequent die Trennung vorgenommen wurde: Man muss schon genau lesen, um überhaupt festzustellen, dass die Gleise durch den Rabenauer Grund auch heute noch regelmäßig befahren werden! Auch wenn diese Tatsache den meisten Lesern geläufig sein wird: Ein kurzer Absatz mit Hinweis auf den Wiederaufbau und die aktuelle Situation hätte die fachliche Vollständigkeit sichergestellt und dem Titel des Buches dennoch nicht widersprochen.

Die Schilderung der Betriebsgeschichte im Einführungskapitel ist zunächst übersichtlich gehalten und beschränkt sich auf die wesentlichen Fakten. Leider wurde ein schon mehrfach publizierter Fehler übernommen: Den Eröffnungszug 1882 bespannten nicht, wie erneut versehentlich geschrieben, die Lokomotiven Nr. 1 und 5, sondern zwei I K – nämlich die Nr. 1 und Nr. 4. Eine „I K Nr. 5“ hat es dagegen bei den K.Sächs.Sts.E.B. nie gegeben.

Vorliegendes Buch versteht sich nicht als klassische Streckenmonographie (weshalb z. B. ein eigenes Kapitel zum Fahrzeugeinsatz fehlt). Vielmehr setzt die Veröffentlichung der Weißeritztalbahn, ihrer landschaftlichen Schönheit sowie technischen Besonderheiten eine Art fotografisches Denkmal. So erwarten den Leser eine erstaunliche Bilderfülle und -vielfalt aus allen Epochen der Streckengeschichte, wodurch sich reizvolle Vergleichsmöglichkeiten ergeben und zugleich die stetige Anpassung der Strecke an wechselnde Betriebsanforderungen verdeutlicht wird. Viele Aufnahmen sind dabei nicht nur historisch wertvoll, sondern dank sorgfältiger Aufbereitung und häufig ganzseitiger Abbildungsgröße auch für den fotografisch Interessierten ein Genuss. Derweil werden Fahrzeugfreunde angesichts etlicher Bilddokumente außergewöhnlicher Fahrzeugeinsätze – da die Weißeritztalbahn durch das anspruchsvolle Streckenprofil mehrfach für Messfahrten genutzt wurde, gibt es davon einige zu sehen – ebenso jubilieren, wie nachbauwillige Modelleisenbahner über die detaillierten Gleispläne. Hervorzuheben ist ferner eine sehr übersichtliche Streckenkarte, die ihren Namen wirklich verdient: Sie berücksichtigt nicht nur sämtliche Ladestellen, sondern auch alle Änderungen in der Trassierung der Strecke.

Die kenntnisreich verfassten Bildunterschriften ergänzen trefflich das Einführungskapitel und zeugen von der sehr tiefgehenden Recherche der Autoren – die sich übrigens nicht scheuen, auch einen Blick abseits des Bahndammes zu wagen, wodurch das Buch sicher auch Heimatfreunde ansprechen wird. Kleinere Ungenauigkeiten – so wurde die Straßenbahn nach Freital-Coßmannsdorf ganze 39 und nicht nur „knapp 35“ Jahre alt – können die Freude des Rezensenten über diese Detailverliebtheit nicht trüben. Schon eher die Tatsache, dass die beschriebenen Streckenausbaupläne nie Realität wurden und diese wunderschöne (Zeit-)Reise daher schon in Kipsdorf enden muss … Zur Entscheidung, neues Bildmaterial in einem Bildband anstatt in einer weiteren Streckenmonographie zu verarbeiten, kann dem Verlag aus Sicht des Rezensenten jedenfalls nur gratuliert werden.

Fazit:
Eine gelungene Mischung aus Bildband und Streckengeschichte, bei der vor allem Freunde der „guten alten Eisenbahn“ voll auf ihre Kosten kommen werden.
Sebastian Günther


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