Neidhard/Hengst:

Schmalspur-Album Sachsen
Deutsche Reichsbahn 1945 – 1968 Hetzdorf – Eppendorf – Großwaltersdorf

SOEG mbH Verlag SSB-Medien, Zittau 2014, 224 Seiten, Format 29,7 x 24 cm, Hartpappein-band, ca. 800 Fotos, davon ca. 250 farbig, ISBN-13: 978-3-00-047314-2, Preis: 48,– EUR

NEIDHARDT • HENGST“ steht auf dem Titel des Albums – doch wer ist dieser Neidhardt und wofür steht er in diesem Buch? Als Autor des Buches wird explizit Matthias Hengst auf der letzten Seite vorgestellt. Von ihm stammen alle Bildtexte, er beschaffte alle Aufnahmen – und Hengst war schon Verfasser der bisher einzigen Streckenmonographie zur knapp 14 km langen ehemaligen HG-Linie von Hetzdorf über Eppendorf nach Großwaltersdorf und darf zu Recht als der Experte für diese Strecke gelten.

Der Verfasser dieser Besprechung hingegen kann höchstens als Fan der Strecke durchgehen – als Kind stand er regelmäßig in der Vorweihnachtszeit an der beeindruckenden Modelleisenbahnanlage „Hetzdorfer Viadukt/Flöhatal“ im Leipziger Messehaus am Markt. Schon damals war der Verkehr im Schmalspurteil des Hetzdorfer Bahnhofs anziehend und spannend, wohl weil das große Viadukt die kontrastreiche und optimale Kulisse für eine kleine Bahn bot. Und dieser Eindruck kann 30 Jahre später gut nachvollzogen werden, wenn man die vielfältigen Aufnahmen des großen Brückenbauwerkes betrachtet. Ja, vielfältig sind die Bilder diesmal, denn man hat beim vierten Nachkriegsreichsbahnalbum den Eindruck, dass entweder die Auswahl an Fotos größer geworden ist oder aber die Fotografen besser. Wurde in der Vergangenheit manches Motiv teilweise über mehrere Seiten betrachtet, so ist im vorliegenden Band etwas mehr Spannung zu spüren. Die Auswahl wirkt wie in einem Fotoalbum und nicht wie aus einer Fotokiste, in der auch die weniger gelungenen Bilder enthalten sind.

Bereits 1951 wurde die erst 1916 eröffnete Streckenverlängerung von Eppendorf nach Großwaltersdorf eingestellt und abgebaut – Fotos von Zügen auf diesem Abschnitt nach 1945 sind im Buch nicht enthalten, was den Rezensenten nicht überrascht und deshalb auch nicht enttäuscht. Der ganz besondere Reiz dieser Bahn liegt in einem anderen Detail: Ausschließlich Altbau-IV K standen hier zu Betriebszeiten unter Dampf – erst zum Streckenrückbau kam 1968 mit 99 569 eine IV K mit Neubaukessel (Generalreparatur auf altem Fahrwerk) zum Einsatz. Als nach wie vor unglücklich empfindet der Rezensent die bildunterschriftähnlichen Texte in den Alben. Zum Teil ist eine eindeutige Zuordnung zu einem Foto möglich, in anderen Fällen hat der Text nur entfernt etwas mit den Abbildungen zu tun und erzählt seine eigene Geschichte. Zwei Fotos und drei Textblöcke, vier Fotos und zweimal Text – alles ist dabei und hebt jegliche verlässliche Text-Bild-Beziehung auf. Anstatt der oft sinnvollen Aufnahmedaten der Fotos gibt es sinnlose Falscheinordnungen von Wagen (OO statt OOw) und andere Fehler. So wird der 1,2 km langen parallelen Führung von Schmalspur und Regelspur im Lößnitztal der Superlativ „längste“ gegeben, obwohl das wenige Monate zuvor erschienene Schmalspur-Album auf Dutzenden Fotos den vier Kilometer langen Abschnitt von Meißen Triebischtal bis Garsebach vorstellte – und beide Spurweiten von Döbeln-Gärtitz bis Döbeln Nord ebenfalls auf 1,2 km Länge nebeneinander führten …

Fazit:
Aus Sicht eines Foto-Enthusiasten liegt mit diesem Band in Bezug auf Qualität und Auswahl das bisher ausgewogenste und beste Schmalspur-Album Sachsen vor. Gleichzeitig nehmen Anzahl der Fotos und Umfang der Seiten bei gleichbleibendem Preis zu, was sehr löblich ist und eine weitere Kaufempfehlung für diese Reihe mehr als rechtfertigt.
Armin-Peter Heinze


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