Peter Wunderwald:

Der Eisenbahnknoten Nossen
Eine Erinnerung in Farbbildern aus Anlass der Einstellung des Reiseverkehrs

208 Seiten 21 x 20 cm mit 192 Farbfotos und fünf Schwarzweißfotos, Wunderwald-Bahnbücher, Nossen 2015, ISBN: keine, Preis: 34,– Euro

Nossen – über Jahrzehnte löste allein der Name der Stadt bei Eisenbahnfreunden positive Assoziationen aus. Während sich die Älteren noch an die Schmalspurbahn nach Wilsdruff und zahlreiche Lokomotiven der sächsischen Gattung XII H2 – die „Rollwagen“ der Baureihe 38.2–3 – erinnern können, denken andere an die Einsätze von 50 1002 oder 23 1113 samt ihrer Schwesterlokomotiven. Farbaufnahmen all dieser Einsätze hat Peter Wunderwald im vorigen Jahr noch in einen Bildband gebracht, der die nur selten schon bekannten Motive in einer ansprechenden Größe wiedergibt. Doch das Buch ist mehr als ein Schwelgen in bildlichen Erinnerungen. Es enthält in den hinteren Kapiteln textlichen Sprengstoff, denn Wunderwald beschreibt den Niedergang des Eisenbahnknotens und vor allem die Vorgeschichte der Einstellung des regulären Reiseverkehrs zwischen Döbeln und Meißen zum 12. Dezember 2015.

Beim Lesen dieses Berichtes wechseln die Gefühle zwischen Staunen, Entsetzen und Wut über ein abgekartetes Spiel. Doch Nossen wird kein Einzelfall bleiben! Deshalb ist der vermeintliche Bildband auch ein wichtiges Mittel zur Aufklärung über die teils hinterhältigen Schachzüge von Verkehrsverbünden und der DB AG. Was in Nossen „geklappt“ hat, wird jetzt auf alle anderen Nebenstrecken Mitteldeutschlands übertragen. Dies zu durchschauen und Angriffspunkte für Proteste zu finden – dabei hilft das Nossen-Buch!

Fazit:
Einerseits handelt es sich um einen schönen Bildband für die Freunde der regel- und schmalspurigen Eisenbahnen in und um Nossen. Andererseits gehört das Buch auf den Schreibtisch jedes verkehrspolitisch interessierten (und aktiven!) Eisenbahnfreundes, in dessen Umfeld Nebenstrecken zur Disposition stehen. Möge das Werk deshalb eine weite Verbreitung finden! Der faire Preis wird hoffentlich dazu beitragen.
André Marks


Rainer Heinrich:

Dampfbahn-Magazin Spezial 22

Raritäten auf schmaler Spur

58 Seiten DIN A4, geklammert mit 60 Schwarzweiß- und 57 Farbfotos sowie zwölf Grafiken und drei umfangreichen Auflistungen, SSB-Medien, Zittau 2015, ISSN: 1866-2374, Preis: 5,90 Euro

Wer glaubt, dass über Sachsens Schmalspurbahnen längst alles berichtet worden ist, der kann sich mit diesem Spezial eines Besseren belehren lassen. Denn zehn unterschiedlich lange Fachaufsätze von Rainer Heinrich zu ganz verschiedenen Aspekten des Betriebs samt Verbleib von Fahrzeugen bieten eine überraschende Fülle an neuen Informationen, die bisher nirgends veröffentlicht waren.

Fahrzeugfreunde dürfen sich auf spannende Ausarbeitungen zu den Heizeinsätzen von Schmalspurloks in Sachsen, auf ein Porträt der Akkuloks auf den sächsischen 750-mm-Strecken sowie auf die Beschreibung der Werkwagen des Betriebsteils Niederschmiedeberg vom VEB dkk Scharfenstein freuen. Bei den Heizloks führt Heinrich auch die 1000-mm-Maschinen aus Gera an. Zusätzlich stellt er den spektakulären Heizeinsatz eines V K-Kessels in Freiberg vor.

Nicht nur Modellbahnfreunde werden dankbar das Wissen von Rainer Heinrich über Segmentdrehscheiben, Waschgleise und Aspekte der Wasserversorgung studieren.

Fazit:
Aufgrund der erreichten Tiefe und der vielen Erstveröffentlichungen weist dieses Spezial ein hervorragendes Preis-Leistungs-Verhältnis auf, was uneingeschränkt empfohlen werden kann.
AM

Hinweis:
Beim Aufsatz über die Werkwagen des dkk in Niederschmiedeberg unterstützte André Marks den in Steinpleis lebenden Rainer Heinrich. Ergänzungen und Fotos zu diesem Thema sind der PK-Redaktion deshalb jederzeit herzlich willkommen! Vielleicht gelingt es so, die Zerlegedaten der letzten Zweiachser in Niederschmiedeberg zu ermitteln und deren genaue Identität zu lüften! Zu den Werkwagen der Papierfabrik Wilischthal nimmt André Marks ebenfalls gern neue Informationen entgegen.
red


Autorenkollektiv unter Leitung von Holger Drosdeck:

Unterwegs im Thumer Schmalspurnetz

Teil 2: Erinnerungen in Wort und Bild an die Strecke Wilischthal – Thum

64 DIN-A4-Seiten mit Rückstichklammerung und 94 Farb- und zwei Schwarzweißfotos, Herausgeber: Förderverein Historische Westsächsische Eisenbahnen e. V., Schönheide 2015, ISBN: (keine), Preis: 17,90 EUR

In den letzten Tagen des Jahres 2015 erschien der zweite Teil der Broschüre mit Erinnerungen an das Thumer Schmalspurnetz. Im Selbstverständnis als Ergänzung zu bereits erhältlichen Standardwerken zum Thumer Netz (vgl. u. a. PK 121) wird, nachdem sich Teil 1 vornehmlich mit der Strecke Schönfeld-Wiesa – Thum – Meinersdorf befasste, in diesem Heft die ältere Strecke von Wilischthal nach Thum betrachtet. Doch weniger die Geschichte selbst, sondern Geschichten sind die Spezialität dieser beiden Hefte, die darüber hinaus mit unzähligen Erstveröffentlichungen von Farbfotos aufwarten können. Und so ist, trotz etwas geringeren Seitenumfanges, der zweite Teil mit der fast komplett farbigen Bebilderung genau so hochwertig ausgefallen.

Zunächst wird die Strecke einmal fotografisch von Wilischthal aus bereist, was u. a. mit atemberaubend brillanten Fotos von Hans Jørn Fredberg, aber auch mit wertvollen historischen Aufnahmen von Hans-Werner Schellenberg geschieht. Letzterer steuert daneben nicht nur seine Erinnerungen an den letzten Betriebstag der Wilischtalbahn zum Heft bei, sondern auch eine Geschichte, die von einem entgleisten regelspurigen Kalkwagen erzählt. Doch wie bekannt, war die Betriebseinstellung der Gesamtstrecke Wilischthal – Thum am 27. Mai 1972 nicht das vollständige Ende dieser Eisenbahn. Fast die gesamte zweite Hälfte der Publikation berichtet vom 20 Jahre währenden Anschlussbahnbetrieb zur Papierfabrik Wilischthal. Auf diesem Abschnitt tat über den ganzen Zeitraum nicht nur die heute bei der Preßnitztalbahn eingesetzte Diesellok 199 007-6 vom LKM-Typ Ns4 ihren Dienst, sondern kam 1991 mit der IV K 99 1586-9 sogar noch einmal eine Dampflokomotive zum Einsatz! Das stellt die spannendste Geschichte des Heftes dar – zumindest für den Rezensenten.

Denn am 14. Dezember 1991 gelang es der damals noch jungen IG Preßnitztalbahn e. V. im zweiten Anlauf, mit dem „Plandampf in Wilischthal“ auf der immerhin 1,3 Kilometer langen Anschlussbahn dem Thumer Schmalspurnetz einen würdigen Abschied zu bereiten. Neben vielen wundervollen winterlichen Aufnahmen der bis in die Dunkelheit hinein dauernden Aktion ist in der vorliegenden Broschüre auch die bisher umfangreichste textliche Dokumentation dieser einmaligen Veranstaltung zu finden.

Fazit:
Auch der zweite Teil der FHWE-Broschüren zum Thumer Schmalspurnetz überzeugt. Fast ausschließlich mit Farbaufnahmen ausgestattet, ergänzt das Heft nicht nur bereits vorhandene Literatur zur Strecke, sondern übertrumpft mit seinen authentischen Geschichten inhaltlich auch manches Schmalspuralbum.
Armin-Peter Heinze

Bezogen werden kann das Heft beim FHWE e. V., Ottostraße 14 in 09113 Chemnitz oder unter bestellung@fhwe.de


Alfred Luft, Harald Navé, Rudolf Heym:

Deutsche Reichsbahn 1968

Eine Reise in die DDR: Als die Dampflok noch regierte

144 Seiten 22,7 x 27,4 cm mit etwa 175 farbigen und schwarzweißen Abbildungen, GeraMond-Verlag, München 2015,ISBN-13: 978-3-95613-413-5, Preis: 24,99 Euro

Das Markenzeichen von GeraMond sind vor allem Bilderbücher mit exzellentem Druck. Wenn der verantwortliche Redakteur der von diesem Verlag herausgegebenen Zeitschrift „Lok-Magazin“ auf die Bildsammlung von Alfred Luft und Harald Navé zugreifen darf, dann verspricht das für das Auge von Anfang an puren Genuss. Denn die beiden Österreicher, von denen Harald Navé leider bereits im Oktober 2004 mit seinem Flugzeug tödlich verunglückt ist, waren in ihrer Jugend nicht nur mit guten Kameras und hochwertigen Filmen, sondern auch mit dem gewissen „richtigen Blick“ auf Reisen.

Von ihrer Fahrt im Sommer 1968 wählte der in Thüringen aufgewachsene und lebende Rudolf Heym mehr als vier Jahrzehnte später etwa 175 herrliche Eisenbahnmotive aus. Das Titelbild von einer Lok der preußischen Gattung T14.1 mit urigen zwei- und dreiachsigen Sitzwagen in lieblicher Hügellandschaft Thüringens stimmt dabei ideal auf den Bildband ein. Denn die beiden Wiener haben sich keinesfalls auf Aufnahmen stolzer Schnellzüge mit Loks der Baureihen 01 und 03 in Berlin und Baumbergs Edelrenner der Baureihen 18 und 19 in Halle (Saale) beschränkt, sondern gezielt auch den Betrieb auf den schmal- und regelspurigen Nebenbahnen der Deutschen Reichsbahn des Jahres 1968 dokumentiert. Und so können wir „Danachgeborenen“ uns 48 Jahre später ebenfalls auf eine fotografische Reise durch die DDR von Rügen bis in den Thüringer Wald begeben, die von der ersten bis zur letzten Seite fasziniert.

Obwohl nicht wenige Motive bereits einmal in anderen Büchern veröffentlicht sind, runden diese Fotos die Auswahl der zahlreichen erstmals abgedruckten Aufnahmen harmonisch ab. Garanten für die informationsreichen Bildtexte waren Wolfgang Müller aus Leipzig, Heinrich Horstmann aus Rochlitz bzw. heute Mecklenburg und Michael Lüdecke aus Erfurt. Vor allem ersterem verdankt Rudolf Heym unzählige Hintergründe zu den abgebildeten Regelspurmotiven, nicht nur aus Sachsen!

Den allein auf schmalspurige Strecken geeichten Eisenbahnfreund erwarten fotografische Erinnerungen an die ehemalige RüKB (vor allem Nordstrecke), die ehemaligen Franzburger Kreisbahnen, an die ehemalige MPSB, den Molli, den Pollo, die Schmalspurbahnen im Harz, die Spreewaldbahn, die Strecke Gera-Pforten – Wuitz-Mumsdorf sowie an mehrere sächsische Linien. Darunter befinden sich neben der Preßnitztalbahn auch die Strecken nach Schönheide, Oberrittersgrün, Oberwiesenthal, Wilsdruff, Kipsdorf, Radeburg sowie ins Zittauer Gebirge.

Zur Begeisterung des Rezensenten für diesen Bildband trägt der Abdruck von 22 Porträtaufnahmen schmalspuriger Wagen bei! Er bedauert allerdings, dass diese Aufnahmen von der Wiedergabegröße fast alle sehr klein eingebaut worden sind. Und der inzwischen auch bei preußischen Kleinbahnen nicht mehr ganz unbedarfte Rezensent aus Sachsen bemängelt mehrere sprachliche Unsauberkeiten bei den Eigennamen der vormaligen Kleinbahngesellschaften (z. B. Schwächen beim Numerus) sowie bei Wagenbegrifflichkeiten. So ist „Reisezugwagen“ nun einmal der Überbegriff für alle regulär in Reisezüge eingestellte Wagentypen – also für Sitzwagen (älterer Begriff Personenwagen), Gepäckwagen (älterer Begriff Packwagen) und Postwagen, aber eben auch für Speise-, Liege- und Schlafwagen. Außerdem fehlt in vielen Fällen der Abdruck der angeschriebenen Reichsbahnnummer, die nämlich nicht in allen Fällen zweifelsfrei ablesbar ist. Beim Bild des 970-872 hätte bei der Angabe „ex LK 18“ das „LK“ aufgelöst gehört: Es bedeutet, dass dieser Wagen für die Kleinbahn Lindenberg – Kreuzweg beschafft worden war.

Von solchen Details abgesehen liegt mit dem Bildband ein wirklich empfehlenswertes Buch vor, welches auf mattem Papier sauber gedruckt, vorbildlich gebunden und drucktechnisch makellos ist.

Fazit:
Ein herrlicher Bildband mit Aufnahmen aus allen Bezirken der DDR, der durch seine Druckqualität, gut recherchierten Bildtexte und seinen ungewöhnlich niedrigen Preis besticht.
André Marks


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