Rezensiert:

Siegfried Bergelt

Original Crottendorfer Eisenbahngeschichten

Bildverlag Thomas Böttger, Witzschdorf 2001, 112 Seiten, Preis: 29,80 Mark

Vor fünf Jahren fuhr der letzte Zug nach Crottendorf, langsam wächst Gras über die Eisenbahnlinie, die als nur sieben Kilometer lange Stichstrecke das obere Zschopautal erschloß. Für den Chemnitzer Siegfried Bergelt, der lange Zeit direkt am Crottendorfer Bahnhof wohnte, war dies Anlaß, Geschichte und Geschichten der WC-Linie, wie sie im Sächsischen abgekürzt wurde, einmal aufzuschreiben.

Die enge Beziehung zur Strecke merkt man dem Buch auch an. So ist der historische Teil zum Streckenbau relativ kurz gehalten. Dem schließt sich eine Darstellung der technischen Ausstattung der Strecke an, deren Zugläufe ja eigentlich in Schlettau begannen und nach drei Zwischenhalten in Walthersdorf, Walthersdorf Haltepunkt und Crottendorf unterer Bahnhof im oberen Bahnhof von Crottendorf endeten.

Breiten Raum nehmen mit über 50 Seiten die Bahngeschichten ein, die den Eisenbahnbetrieb im oberen Erzgebirge erlebbar machen. So erfährt der Leser manches, was in der „historischen“ Literatur zumeist fehlt – wahre Begebenheiten aus dem Eisenbahnbetrieb. Vom Lokeinsatz wird berichtet, von Einsatz des Hilfszuges, dem Besuch des Präsidententriebwagens der Rbd Dresden, aber auch von einem Transport sowjetischer Panzer im Zusammenhang mit der Besetzung der Tschechoslowakei durch sowjetische Truppen im Jahre 1968. Die Wiederaufnahme des Dampfbetriebes Anfang der 80er Jahre soll an dieser Stelle nicht unerwähnt bleiben, ebenso die zahlreichen Dampfzüge, die noch Anfang der 90er Jahre unter dem Stichwort „Plandampf“ nach Crottendorf verkehrten.

Ergänzt werden diese Geschichten durch eine ausgezeichnete Auswahl an Bildern sowie durch Zeichnungen aus der Hand des Autors. Den Abschluß bildet eine Betrachtung zu möglichen Alternativen zur Betriebseinstellung und den eingesetzten Lokomotiven.

Hier zeigt das Buch einige Schwächen. Zum einen sind die Perspektiven eher theoretischer Natur, denn ein echtes Verkehrsbedürfnis gibt es für die Strecke, die keinen durchgehenden Verkehr in die Kreisstadt Annaberg zuließ, im 21. Jahrhundert wohl kaum. Und bei der Bildauswahl zum eingesetzten Lokomotivpark wurde auf Aufnahmen fernab der Erzgebirgsregion zurückgegriffen. Insgesamt kann das Buch aber allen empfohlen werden, die nicht nur auf Eisenbahnstatistik aus sind.

Das Buch ist erhältlich im VSE-Souvenirshop im Eisenbahnmuseum Schwarzenberg oder im Versand (zuzüglich 3,- DM Porto und Verpackung) über VSE, c/o Hajo Klemmt, Geschwister-Scholl-Str. 6, 09232 Hartmannsdorf


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