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150 Jahre Göltzschtalbrücke und Elstertalbrücke

Foto & Verlag Jacobi, 55 redaktionelle Seiten, 92 Farb- und 42 S/W-Fotos sowie 15 Grafiken/ Lithografien im redaktionellen Teil, ISBN 3-7310-0454-2, Preis: 25,- Mark

Im Sommer drehten sich einige Neuerscheinungen auf dem Gebiet der Eisenbahnliteratur um die Streckengeschichte des Vogtlandes. Der Bedeutung des 150jährigen Jubiläums von Göltzsch- und Elstertalbrücke Rechnung tragend, erschien im Foto & Verlag Jacobi eine Jubiläumsbroschüre, die sich zum einen insbesondere den beiden "Geburtstagskindern", also den Brücken an sich widmet, andererseits auch die gesamte Historie der Sächsisch-Bayerischen Eisenbahn Leipzig Hof (LH-Linie) beleuchtet.

Die Broschüre beginnt mit Grußwörtern des sächsischen Ministerpräsidenten Prof. Kurt Biedenkopf sowie des Bürgermeisters der Stadt Netzschkau, Werner Müller. Der Hauptteil über die Brücken stammt von Dr. Peter Beyer, dem langjährigen Leiter des Museums Burg Mylau, der sein außerordentliches Fachwissen einbringt. Der Text ist anspruchsvoll geschrieben und dennoch sehr locker zu lesen. Er betrachtet verschiedene Aspekte der Brückenhistorie im Kontext zur weitläufigeren Geschichte der LH-Linie wie auch zu allgemeinen relevanten gesellschaftlichen Ereignissen. Im Anschluß an den Hauptteil geht der Herausgeber selbst auf einige Bahnhöfe an der Strecke ein. Desweiteren werden die LH-Linie betreffende Themen betrachtet, wie zum Beispiel die ehemalige Göltzschtalbahn Reichenbach Mylau Lengenfeld oder die Rollbockbahn Reichenbach Oberheinsdorf.

Das Heft im A4-Format lebt durch eine große Anzahl hervorragender Fotos, die sowohl von der Motivauswahl wie auch von der drucktechnischen Umsetzung durchweg überzeugen. Neben einer Vielzahl von Abbildungen aus der Neuzeit besticht das Werk durch seltene Farbaufnahmen aus den 50-er und 60-er Jahren. Das Layout der Broschüre kann ebenfalls als gelungen bezeichnet werden. Am Ende der Ausführungen finden sich acht Seiten Werbung, was aber nicht als störend empfunden wird, da die Anzeigen vom redaktionellen Teil getrennt sind und zum Teil sogar das Thema Eisenbahn berühren.

Negativ fallen die mehrfach im Text sowie in Bildunterschriften zu findenden Aussagen über die Stillegungen von Bahnbetriebswerken und anderen Anlagen der DB AG auf. Hierdurch tut sich stellenweise der Eindruck von etwas zu viel Nostalgie auf, sind doch bestimmte, aus der Sicht von Eisenbahnfreunden unpopuläre Maßnahmen wie beispielsweise die Auflassung der Lokeinsatzstelle Werdau aus betriebswirtschaftlicher Sicht einfach unumgänglich gewesen.

Fazit:
"150 Jahre Göltzschtalbrücke und Elstertalbrücke" ist eine gelungene Festschrift, die zum Kauf empfohlen werden kann.

Holger Drosdeck


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